Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Es ist warm. Es ist heiss. Es ist schwül. Es ist drückend. Wenn ich Banker oder Versicherungsfritze wäre, ich würde mir die Kugel geben. Anzugsmasochisten. Mir reicht es schon, dass ich lange Hosen tragen muss und nicht meine gut belüfteten (und von Nicht-Schweizern etwas diffus betrachteten) Cooles-Mann-Bermudas tragen kann. Obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, dass wenn uns jede Frau ihre krummen, haarigen, hässlichen Beine entgegenstrecken darf, dann sollte gleiches Recht für alle gelten. Meine sind das nämlich alles auch. Aber jetzt auch noch Kravatte? Nein, danke. Haben die für den Sommer Visitenkarten aus Löschpapier, damit die austretende Fingerfeuchte sofort aufgeschlürft wird?
Ich werde träge bei solchen Temperaturen. Meinen Pocket PC ziert ein im Schnee tollender Eisbär, einfach weil das virtuell ein bisschen kühlend wirkt. Eine Coke trinken wird zur Brutalo-Unternehmung, da man aus Gründen des Temperaturanstiegs möglichst schnell die Brühe vom Tisch haben will. Das sind diese unvergesslichen und unvergleichlichen Augenblicke, in denen eine Kältelanze an der Grenze Gaumen und Halszäpfchen ins Gehirn hochpfeifft und sich die Kohlensäure explosionsartig in sämtliche Hohlräume des Körpers katapultiert. Und dann von da wieder nach draussen, natürlich nicht, ohne strafende Blicke der Umgebung nach sich zu ziehen. Alle Ventilatoren (ups, einer fehlt, gleich anlassen) drehen vor sich hin und schrauben die Luft in Richtung der nach Kühlung gierenden Büroinsassen.
Endlich habe ich es doch noch geschafft, die leichteren Sommerschuhe auszugraben und die dünneren Socken (nein, ich bin noch nicht barfusstauglich). Diesbezüglich bin ich allerdings wieder forh, dass meine Hosen über die Knöchel drüber gehen. Möglicherweise wäre meine Glaubwürdigkeit in Diddl-Socken minim gefährdet. Aber neue Socken müssen sein. Regelmässig. Aber gewaschene. Ebenso sollten die beinhalteten Füsse einer regelmässigen Reinigung unterzogen werden. Schliesslich müssen wir auch an die Bewohner unserer Welt denken, die sich in eben jener Höhe aufhalten, in denen sich unsere Treter befinden. Und die haben auch ein Recht auf frische Luft.
