Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Auf die Ohren

Abgelegt unter: Allgemein | 10.02.2004 (23:44) |

Ganz kurz noch ein kleiner Tipp fürs die Gehörgänge:
Eisbrecher.
Zwei Ex-Megaherzer auf Abwegen mit einem Hauch mehr elektronischem Teppich drunter (aber einem ruppigen), ansonsten aber genau was man aus der Ecke erwartet: Hammer auf die Muscheln. Ganz nett auch die Special Edition mit DVD und (Gag!) zwei Rohlingen für die privaten Kopien mit dem gleichen Look wie die Original-CD. Macht was her. Lachen hätte ich nur müssen, wenn auf der Rückseite das Copy Control Logo geprangt hätte.
Apropos Copy Control: Warum macht die Industrie das? Gern gegebene Antwort (von der Plattenindustrie): Um das Einkommen der Künstler zu schützen. Hallo? Ich hab kürzlich irgendwo eine Aufteilung gesehen, wieviel vom Verkaufspreis einer CD tatsächlich an den Künstler geht. Wenn ich mich recht erinnere, dann lag das im 5%-Bereich. Der Rest geht an Handel und Industrie. Also bezahlen wir die CDs nicht wirklich den Künstlern, sondern den Plattenfirmen. Die versuchen durch legale Downloadangebote jetzt auch ihr angekratztes Image und die aktuellen Vermarktungsmöglichkeiten zu optimieren, was prinzipiell ein guter Ansatz wäre. Nur sind die Downloadpreise, wenn man die hochrechnet gleich teuer, wie wenn ich die CD im Laden kaufe, nur habe ich weder Booklet noch Hülle. Clever. Dass der Urheber geschützt wird, das finde ich voll in Ordnung, ich mag es auch nicht, wenn man meine Texte klaut. Ich finde es auch korrekt, dass der Urheber Geld für seine Arbeit, sein Werk erhält. Warum also nicht eine kleine Initiative ins Leben rufen:
money4artists
Wer Musik downloadet, der schickt Cash oder Scheck oder Überweisung an den Musiker. Spenden für Musika statt Spenden für Afrika. So hat der Urheber Geld, der Konsument Musik und die Industrie muss sich neue Ausreden einfallen lassen. Oder endlich ihre Preispolitik überdenken. Ist doch eine Anregung, nicht?

Aktuell zwischen den Ohren: Eisbrecher – Dornentanz

Tischlein deck dich

Abgelegt unter: Allgemein | 10.02.2004 (23:15) |

Nicht weit von uns, im Hinterland von Zürich, da, wo es noch als Agglo durchgeht aber nicht so schön ist wie unsere Wohngegend weil die Autobahn durchgeht, da gibt es was Neues. Aus einer Dorfspelunke wurde ein Table-Dance-Club. Für diejenigen, die noch mehr aus der Provinz kommen: Das ist keine Tanzveranstaltung in der Küchenabteilung von IKEA. Da wird gestript. Gestrippt. Sich ausgezogen. “In der Schweiz gibt es das?” hör ich es schon schreien. Gibt es. Seit ein paar Jahren auf der anderen Seite von Zürich, direkt neben der Waschanlage, wo man nicht mehr weiss, ob da die Autos mehr Öl verbrauchen oder die Frisuren der Fahrer. Da gibt es schon länger einen solchen Schuppen und neugierig wie ich damals war (ich war jung und brauchte die Bilder) musste ich sofort die Webseite abklappern. Schliesslich muss man über das kulturelle Angebot informiert sein, das in der Umgebung zur Verfügung steht. Nun ist beim Table-Dance nicht das banale Klamottenwerfen und An-Stange-reiben der Anziehungsfaktor. Ausziehungsfaktor. Sondern man kann sich dort mit Nackigmachdollars ausstatten und die in der Unterwäsche von sich entblössenden Damen und Herren platzieren. Also nur denen auf der Bühne. Im Zuschauerraum ausziehen für Taschengeldaufbesserung zählt nicht. Interessanterweise heisst es in den Regeln, man dürfe die Tanzmäuse nicht anfassen. Trotzdem soll man sie aber mit Geld behängen. Wie soll das gehen? Antackern?
Aber zurück zu dem Etablissement, dem länger existierenden. Die Bilder, die ich da zu sehen bekam schreckten mich eigentlich eher ab. Die muskulösen eingeölten Typen (in der Gegend MUSS es eine Ölquelle geben) sind nun nicht ganz mein fall, also beschränkte ich mich auf die Frauenseite. Die sahen allerdings… wie sag ich das… ETWAS unnatürlich aus. Ich gerate in einen leichten Beschreibungsnotstand. Ach nein, doch nicht. Ihr kennt sicher die Bilder von Disneyworld. Da gibt es auch das Epcot Center. Florida ist eine sehr flache Gegend. Stellt euch nun, zwei solcher Epcot Center Kugeln auf dem flachen floridianischen Untergrund vor. Okay? Nun transferiert das ganze in einen Frauenkörper. Flach mit zwei aufgesetzten Kugeln. Bingo. Nur dass die Statik von Epcot besser ist. Das hält bestimmt länger als Silikon. Dazu gab es auch schon verschiedenste Untersuchungen. Die einen sagen, das halte ewig. Kennt jemand diese Reliquienhäuser, in denen menschliche Knochen und Schädel aufbewahrt werden? Gruselig, zugegeben, aber bei weitem unspektakulärer als eine Kapelle voll nicht biologisch abbaubarer Silikonimplantate.
Apropos biologisch: Um eben dem vorzubeugen, dass die ganzen Models normal beigesetzt werden können und keine eigene Sondermülldeponie brauchen (oder ein Lagerfeld, hähä), erfand ein ganz schlauer Mensch Einbaukissen gefüllt mit Sojaöl. Abbaubar? JA! Sogar schon während sie noch im Körper sind! Super! Man stellte nämlich plötzlich fest, dass sich die auflösen und rinnen. Da tut sich aber ein neues Marktsegment auf. Anstatt sich drüber aufzuregen sollte man zukünftig jeweils eine Brust mit dem Ölkissen füllen, die andere mit Essigkissen. Spontan Lust auf Salat? Kein Problem, zweimal squeeze, squeeze und das Dressing ist komplett! Dann könnte man die Still-BH’s locker etwas cooler designen. Je nachdem wie alt die Polsterträgerin ist würde auch endlich der Spruch “extra vergine” Sinn machen.

Aktuell im Ohr: Colony 5 – Science

Vom Kriegsgott zum Schokoriegel

Abgelegt unter: Allgemein | 09.02.2004 (9:02) |

Als Gott muss man sich schon ziemlich blöd vorkommen, wenn man sich plötzlich im Süssigkeitenregal wiederfindet. Gut, es ist immer noch besser, als in Form eines italienischen Schnulzensängers in Erinnerung zu bleiben. Aber das ist ja auch kein harter Machogott, sondern halt so die Kitschromanfraktion. Aber Mars, der ist cool, der ist tough, das ist der Macker. Testosteron geschwängerte Luft umschwebt ihn und wenn er den Arm hebt, kippt neben ihm ein Ochse um. Und dann kommen auch noch die bekloppten Menschen und bewerfen ihn mit Elektroschrott.
Ist eigentlich die derzeitige Marssonden-Hysterie ein allgemeingültiges weltweites Projekt? Schmeisst Plunder auf Mars (SPAM)? Jeder schickt eine ferngesteuerte Technoratte hoch, erzählt, wie geil die Maschine ist, lässt sie abwerfen und aufsetzen und ist dann mehrere Wochen damit beschäftigt zu erklären, warum die Maschine nun doch wohl nicht geil genug war. Oder welche bösen, bösen Einflüsse Schuld daran sind, dass ein fünf Gazongilliarden Dollar teurer Dosenöffner als Recyclingwunder auf der Oberfläche einer brutal weit entfernten Deponie liegt. Inzwischen hat man ja aufgehört (glaube ich), diese Technikkinkerlitzchen mit Namen wie “Explorer” zu benennen. Die Nähe zu Microdoof ist erschreckend und Nomen est Omen. Blue Screen on Red Planet. Aber aktuell sind ja die Europäer oben mit einem Schrotty und die Amis mit einem Schrotty und einem Nochnichtschrotty. Da hat eine Neuformatierung etwas gebracht. Würd ebei den anderen beiden vielleicht auch helfen, aber es hat sich noch kein Freiwilliger gefunden, der mit einer Startdiskette hochfliegt und CTRL-ALT-DEL drückt. Für unsere deutschen Leser: STRG-ALT-ENTF.
Haben diese Sonden eigentlich ein Handbuch mit dabei? Damit die kleinen grünen Männchen auch wissen, worüber sie beim Einkaufen dauernd stolpern. Irgendwann finden die bestimmt ihre Strassen nicht mehr, weil metallene Ausflügler von der Erde dort rumliegen wie diese kleinen roten Krebse irgendwo im Äquatorialbereich (die knacken wahrscheinlich auch ähnlich beim Überfahren). Wobei ich mich noch frage: Wenn nun die Länder oder Kontinente wieder in Konkurrenzdenken verfallen und ihre Roboterchen auf den Mars katapultieren, wie machen die das mit der Vormachtstellung? Bauen die so kleine Kettensägen oder Raketenwerferchen dran? Dann fehlt nur noch ein Kamerateam und wir können Robot Wars – The Next Generation übertragen. RTL2 ist sicher schon in Vertragsverhandlungen. Fehlt bloss noch ein abgehalfterter Halbpromi, der die Kommentierung übernimmt. Aber davon gibt es ja genug. Warum schickt man die eigentlich nicht als Sauerstofftester zum Mars? Ohne Anzug. Nein, besser nicht. Falls Mars tatsächlich verbrauchte Energie zurückgibt, wär das ziemlich blöd.

Aktuell im Ohr: Aerosmith – Miss A Thing

Bettmümpfeli

Abgelegt unter: Allgemein | 08.02.2004 (23:24) |

So nennt man in der Schweiz ein Zubettgehgoodie. Also zum Beispiel diese kleinen Schokolädchen auf Hotelbettkissen, die man sich vor dem Schlafen, aber nach dem Zähneputzen noch zuführen kann. Oder kleine BommBomms, die man sich mal noch husch husch reinschiebt. Ich weiss, unter Zubettgehgoodie und letzem Wort letzten Satzes verstehen einige natürlich wieder was anderes, aber wir Schweizer sind brav und anständig, da geht es wirklich nur ums Essen.
Apropos Anstand: Als ich kürzlich in einer Schlange anstand (CH für sich anstellen. Also nicht sich anstellen wie etwas, sondern sich für etwas anstellen, klar?), da dachte ich, es müsste doch auch etwas geben, wo man nicht Schlange steht, sich doof zahlt und trotzdem nichts dafür kriegt. Gibt es auch. Am Samstag waren wir in Hergiswil am Vierwaldstättersee (“Ist das der Vierwaldi, ich glaub ich riech den?”) in der Glasi. Ein kleiner Surprise Outflight in eine der ältesten Glashütten der Schweiz, wo aber nicht mehr industriell geglast wird, sondern Gebrauchs- und Kunstgegenstände. Eintritt frei. Nur der Parkplatz kostet. Fünfzig Rappen pro Stunde. Ist schon krass, wie die alten Eidgenossen den Touristen das Geld aus den Taschen ziehen. Also könnte man sich jetzt denken: Also wenn es nichts kostet, dann kann es ja nichts taugen. Da irrt sich der Tum. In einem feinen Rundgang wird multimedial und trotzdem zum Anfassen die Geschichte der Glasherstellung erzählt, mit vielen Experimenten für Bild (“Stell dich mal hinter dieses Glas. Krass, was für eine Riesenfresse!”) und Ton (“Warum vibrierst du so?” – “Hatte meinen Ko~o~opf in diesen beiden Ku~u~ugeln dri~i~in”) angereichert und am Ende kann man den Glasbläsern beim Handwerk zusehen. Wobei es eigentlich ja Mundwerk heissen müsste, schliesslich wird Glas geblasen. Das sind also gestandene Männer, die jeden Tag hunderte Blowjobs machen und keiner kuckt sie schief an. Oder man hat einfach Angst, dass einem jemand für eine blöde Bemerkung einen halben Liter flüssiges Glas in die Unterhose träufelt.
Echt spannend. Man kann sogar selber blasen, bei dem Herrn in der Ecke. Und am Ende darf man das gute Stück mit nach Hause nehmen. Die Glaskugel meine ich, die man selber aufgepustet hat. Einfacher (und schöner) kommt man allerdings zu Glas, in dem man in einen der Shops geht, den 1.Wahl-Shop (schweineteuer) oder den 2.Wahl-Shop (etwas unter schweineteuer). Wenn man die Warteschlangen DORT betrachtet, dann weiss man auch, warum die keinen Eintritt verlangen müssen. Glasse Taktik.

Aktuell im Ohr: Nur noch das Rauschen des Lüfters

Such-Beratung

Abgelegt unter: Allgemein | 06.02.2004 (9:50) |

Suchmaschinen sind eine praktische Sache im Web. Noch praktischer wären Findmaschinen, aber ich bleibe jetzt mal realistisch und klammere mich an das, womit wir noch eine Zeit leben müssen. Gestern tauchte in den Medien eine neue Maschine auf, die kaum jemand beachtet hat, bis – ja bis – Google die verklagt hat, weil sie anscheinend so ein bisschen den Look abgekupfert haben. Die nennen sich Booble und es ist eine Suchengine für Boobs. Seggs. Börnö. Pfui. Aber witziges Logo. What you see is what you get. Also machen die Googs einen Aufstand und die Boobs haben umsonst Werbung und Gazilliarden von Hits. Clever. Noch cleverer fände ich die konsequente Weiterführung von Suchhilfen und zwar zielgruppengerecht. So würde zum Beispiel Giggle auf Humorseiten weisen oder Poodle zu Hundenarren. Diddle befüsse sich mit Mäusen und Paddle mit Rudersport. Döödle steht zur Verfügung für die DAUs und Knuddle für die kuschelsüchtigen Chat-Teenies. Die Pastaliebhaber wenden sich bei der Suche nach neuen Hartweizengriessteigmixturen an Noodle, die tapferen Schneiderlein an Needle. Menschen wie ich, die im Winter schon mal etwas frieren und sich hilfesuchend an den World Wide Wärmespender wenden, die gehen zu Freezle oder Froestle, krampfhafte Onanierer zu Weexle. Peelzl ist für die Waldgewächspflücker oder Pelzl für die Trägerinnen von Pelzveechlen. Fleezle ist gesponsert von Faserpelzherstellern und Snoozle für fanatische Weckerausschalter. Jedem seine eigene Search Engine und alle im gleichen Design, dann muss keiner klagen, weil alles die gleiche Einheitspampe ist. Uniformierung von Webseiten. Brauchen wir nicht, schliesslich soll es ja bunt bleiben. Bunt im Sinne von abwechslungsreich. Nicht bunt im Sinne von psychedelisch unleserlich weil unter Drogen erstellt. Falls man aber drauf steht: Visit Droogle.

Aktuell im Ohr: Ich sitze hier echt beschissen, was Radio angeht. Also nicht wirklich was.
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