{"id":734,"date":"2005-11-14T19:09:15","date_gmt":"2005-11-14T17:09:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/?p=734"},"modified":"2005-11-14T19:09:15","modified_gmt":"2005-11-14T17:09:15","slug":"reime-sind-von-hoherer-gedichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/2005\/11\/14\/reime-sind-von-hoherer-gedichte\/","title":{"rendered":"Reime sind von h\u00f6herer Gedichte"},"content":{"rendered":"<p>Ich kann es nicht lassen, ich muss erneut auf das Thema &#8222;Gedicht&#8220; los. Schon fr\u00fcher habe ich mich daf\u00fcr eingesetzt, dass man ein Gedicht nicht einfach hinschludert, sondern sich doch bitte Gedanken zu Melodie und Rhythmik machen soll. Sonst gibt es daraus n\u00e4mlich gereimte Scheisse. Sehr beliebt ist dieses Genre bei M\u00e4nnern, die Frauen beeindrucken wollen.<\/p>\n<p>Du bist sch\u00f6n wie ein Sonnenuntergang<br \/>\nIch seh dich gerne an ganz lang<br \/>\nDeine Haare wehen im Wind<br \/>\nWeil sie ganz sch\u00f6n lang und ganz sch\u00f6n sind<\/p>\n<p>Bisher noch alles klar. Das ist nicht nur schlecht, das ist zum Kotzen. Wenn eine Frau auf das reinf\u00e4llt, dann beide ab zusammen in eine Tonne und endlagern. Das geht doch auch eleganter, vorausgesetzt, man gibt sich M\u00fche, nimmt sich Zeit und verwendet auch Zutaten aus dem erweiterten Wortschatz. W\u00f6rterbuch erlaubt.<\/p>\n<p>Dein Gesicht im Sonnengl\u00fchen<br \/>\nSeh dich an, m\u00f6cht dich ber\u00fchren<br \/>\nHaar vom Wind zum Tanz geladen<br \/>\nFliesst in gl\u00e4nzenden Kaskaden<\/p>\n<p>In meinen Augen durchaus eine leichte Verbesserung. Der Aufbau und die korrekte Anzahl Silben alleine sind allerdings noch kein Garant f\u00fcr einen reimerischen Erfolg. Das folgende Beispiel passt zwar, ist aber trotzdem nicht ganz optimal. <\/p>\n<p>Es war da einmal ein kleiner Mann<br \/>\nDer meldete sich bei Herzblatt an<br \/>\nMachte sich an eins der M\u00e4dels ran<br \/>\nWeil er Onanie nicht leiden kann<\/p>\n<p>Nun sind das ja aber nur die Versionen mit jeweils zwei gereimten Zeilen, das ist mir schon klar, aber es muss ja einfach losgehen. An fr\u00fcherer Stelle kamen ja schon die 1-3 \/ 2-4 Reime dran. Ein Gedicht kann auch ohne Reim auskommen, das sieht dann so aus:<\/p>\n<p>Sabbelnd von Kram<br \/>\nKeinen interessierend und ich mach es doch<br \/>\nKlug geschissen und mich f\u00fcr gut<br \/>\nBefunden<\/p>\n<p>Sagen wir es anders, nicht alles, wo Lyrik drauf steht, ist auch Lyrik drin. Sondern ganz oft auch nur einfach ein Riesenmist. Dann gibt es allerdings ein Volk, die stellen eine ganz kuriose Regel auf und machen daraus eine dichterische K\u00f6nigsdisziplin: Japaner und ihre Haiku. Haikus. F\u00fcnf Silben, sieben Silben, f\u00fcnf Silben. Hm, da muss sich doch was anstellen lassen.<\/p>\n<p>Du geile Schnitte<br \/>\nMachst mich an wie scharfer Senf<br \/>\nSo wild geritten<\/p>\n<p>Zugegeben, das Muster passt, aber auch hier, \u00e4hnlich wie zu Anfang, l\u00e4sst sich mit etwas feilen ein ganz anderer Effekt als eins aufs Maul erzielen. Schliesslich dichtet man unter Umst\u00e4nden nicht einfach nur zur pers\u00f6nlichen Belustigung, sondern um eine Saite in einem wohlgeformten Instrument zum Klingen zu bringen. Also&#8230;<\/p>\n<p>Morgentau so zart<br \/>\nHinter seiden&#8216; Tuch versteckt<br \/>\nDie Zunge benetzt<\/p>\n<p>Na also. Ein bisschen Einsatz und das kommt hin. Geht doch.<\/p>\n<div class=\"music\">Aktuell im Ohr: Rammstein &#8211; Rosenrot<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann es nicht lassen, ich muss erneut auf das Thema &#8222;Gedicht&#8220; los. 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