{"id":638,"date":"2005-02-15T17:09:46","date_gmt":"2005-02-15T15:09:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/?p=638"},"modified":"2005-02-15T17:09:46","modified_gmt":"2005-02-15T15:09:46","slug":"weisse-haube-des-friedens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/2005\/02\/15\/weisse-haube-des-friedens\/","title":{"rendered":"Weisse Haube des Friedens"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Familie war schon immer f\u00fcr Lacher gut. Wenn beispielsweise beim weihn\u00e4chtlichen Familienfondue der Pott kippt und sich die ganze Bouillon in amazonesken Windungen auf den am Tischende eingezw\u00e4ngten keks zu sonnenuntergangs\u00e4hnlichem Oberschenkelleuchten verhilft. Aber alle finden das gar nicht so schlimm, schliesslich hatte ich ja schon Erfahrung darin, mich mit kochender Milch zu \u00fcbergiessen. Humor ist, wenn man&#8217;s trotzdem macht. Oder wenn mein Bruder auf meine Schwester aufpassen muss und den Kinderwagen mit selbiger eben mal einen hundertf\u00fcnfzig Meter langen Hang hinunterrollen l\u00e4sst. Nicht bis zum Ende der Strasse, die beschrieb unten dann n\u00e4mlich eine Kurve. Im Gegensatz zum Wagen, da diese nicht mit Steuerung ausgelegt waren und sind. Aber das ist doch nicht tragisch. Kinder! Schliesslich kann man sp\u00e4ter als Ausgleich dem Bruder eine Schere in die Hand stecken. So sind wir. Kranke Br\u00fcder und Schwestern.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.kay-x.net\/bilder\/tagebuch\/agui.gif?w=760\" align=\"left\" hspace=\"5\">Apropos: Vor kurzem machte die amerikanische Turnschuhmarke Skechers Werbung mit Xristina &#8222;D\u00f6ati&#8220; Agwileera. Ist das richtig? Kann man das so schreiben? Oder muss es Sneakermarke heissen? Wurscht. Die Kampagne war eigentlich ganz witzig und Christina war jeweils pro Motiv in zwei Posen abgelichtet. Solltet ihr animierte GIFs unterdr\u00fcckt haben, seht ihr den Stein des Anstosses wahrscheinlich nicht, weil hier tut sich n\u00e4mlich was. Das irre war dann n\u00e4mlich, dass diese Werbekampagne aus dem Verkehr gezogen werden musste, aber nicht etwa wegen den \u00fcblichen Feministinnen und Sexisminnen, sondern &#8211; Motiv 3 &#8211; wegen dem Krankenschwester und -br\u00fcd&#8230; -pflegerverband. Die fanden n\u00e4mlich, diese Darstellung von Krankenschwestern (darf man glaub ich bei uns auch schon nicht mehr sagen, sondern &#8222;Pflegende&#8220; heisst das) w\u00fcrde das Schwesternh\u00e4ubchenklischee noch mehr implizieren als es ohnehin schon der Fall sein.<\/p>\n<p>Schlimm. Es k\u00f6nnte ja jemand auf die Idee kommen, die Weisskittelchen K\u00d6NNTEN attraktiv sein. Wie furchtbar. Was f\u00fcr eine gr\u00e4ssliche Hoffnu&#8230; Vorstellung! Was ist so falsch daran, wenn in uniformierten Berufen das Ger\u00fccht umgeht, dass sich darunter durchaus leckere Personen verbergen. In New York wurde eine Polizistin entlassen, weil sie sich f\u00fcr den Playboy nackig gemacht hatte. Warum? Weil das vielleicht die Kriminalit\u00e4tsrate gepusht hatte? Weil jeder Ganove hoffte, von IHR festgenommen zu werden (und ein Autogramm auf der Mittelseite verlangen k\u00f6nnte)? \u00dcbrigens schw\u00e4rmen Frauen auch dauernd von M\u00e4nnern in Uniform. W\u00e4re das so schlimm, wenn Patienten mit Freude in ein Spital gehen w\u00fcrden, mit der m\u00f6glichen Aussicht auf eine Schweste*rrrrrr* statt auf eine osteurop\u00e4ische Exringerin mit Bullenspritze? Er soll wenigstens mit Freude HIN! Wenn er dann nackig ans Bett geschnallt ist, dann ist es f\u00fcr Olga noch fr\u00fch genug.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt stelle ich es mir angenehmer vor, wenn Krankenhausaufenthalte umgestylt w\u00fcrden, mehr so im Sinne Club Medizinan\u00e9e mit Animateuren-Atmosph\u00e4re. Die Preise bewegen sich im \u00e4hnlichen Rahmen, warum also die Angelegenheit nicht aufpeppen? Beim Eintritt bekommt man ein Blumenkr\u00e4nzchen umgeh\u00e4ngt und einen Kontrastmittelshake mit Pseudo-Erdbeergeschmack. Kann ich abgrundtief empfehlen und es verbindet das Grausame mit dem N\u00fctzlichen. Die Aufnahmeprozedur w\u00fcrde analog dem Check-In gestaltet, man m\u00fcsste Fragen beantworten, wie die, ob man den Koffer selber gepackt hat oder Mami und gibt als Erstes die Nagelschere ab, schliesslich haben nur die \u00c4rzte mit scharfen Gegenst\u00e4nden zu hantieren und damit meine ich nicht die Lack- und Leder-Schwestern.<\/p>\n<p>Wer mehr als einmal per Krankenwagen angeliefert wird, der erh\u00e4lft Frequent Flyer Meilen gut geschrieben und w\u00e4hrend man auf dem Rollbett aufs R\u00f6ntgen wartet, schiebt die Radiologieassistentin ein kleines W\u00e4gelchen durch den Gang und ruft &#8222;Djuti Friii! Djuuti Friii!&#8220;. Neben dem Sitzbad platziert man geschickt eine Plastikpalme und an der Zimmerwand kommen die \u00fcbriggebliebenen S\u00fcdsee-Fototapeten aus den Siebzigern zum Einsatz. Der hauseigene Radiosender bietet die Auswahl zwischen Aloha-Gewinsel oder Kiffer-Mucke aus der Karibik. Was tut man nicht alles, um ein gewisses Wohlf\u00fchlgef\u00fchl zu erzeugen. Schmerztabletten wirken \u00fcbrigens viel besser, wenn sie mit einer Pi\u00f1a Colada verd\u00fcnnt werden. Und wenn dann der wundersch\u00f6ne Aufenthalt zu Ende ist, kann man die liebgewonnene Umgebung \u00fcber eine ausrangierte Flugzeug- oder Kreuzfahrtdampfergangway verlassen. Sollte man dabei aus Versehen ausrutschen, ab die Post wieder rein und eine Bonusmeile abstauen. Einfach so und mit einem L\u00e4cheln auf dem Gesicht.<\/p>\n<div class=\"music\">Aktuell im Ohr: Gerald McMann &#8211; Cry Little Sister (Theme from The Lost Boys)<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Familie war schon immer f\u00fcr Lacher gut. Wenn beispielsweise beim weihn\u00e4chtlichen Familienfondue der Pott kippt und sich die ganze Bouillon in amazonesken Windungen auf den am Tischende eingezw\u00e4ngten keks zu sonnenuntergangs\u00e4hnlichem Oberschenkelleuchten verhilft. 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