{"id":493,"date":"2003-09-05T11:31:50","date_gmt":"2003-09-05T09:31:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/?p=493"},"modified":"2003-09-05T11:31:50","modified_gmt":"2003-09-05T09:31:50","slug":"papier-ist-geduldig-leider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/2003\/09\/05\/papier-ist-geduldig-leider\/","title":{"rendered":"Papier ist geduldig. Leider."},"content":{"rendered":"<p>Ab und zu w\u00e4re ich froh, wenn sich Papier wehren w\u00fcrde. Wenn es dem Beschreiber lautstark und heftig ins Gesicht schlagen w\u00fcrde ob dessen Unf\u00e4higkeit, Unwissenheit oder einfach Langeweileverbreitung. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr Computer oder Schreibmaschinen, die sollen sich auch wehren. Dass inzwischen wirklich schon jeder seine geistigen Ausw\u00fcchse ver\u00f6ffentlichen kann ist ja eine durchaus sch\u00f6ne M\u00f6glichkeit, aber nur weil man es KANN, heisst das noch lange nicht, dass man es auch TUN sollte. Ihr ahnt es. Hobby-Homepages (Website w\u00e4re \u00fcbertrieben, die meisten kommen \u00fcber eine Seite ja nie raus). Online-Tageb\u00fccher. Webcams. Weblogs. Webcamlogs. Die Evolution des virtuellen Grauens und kein nat\u00fcrlicher Feind da, der es aufh\u00e4lt. Ich habe nichts gegen freie Meinungs\u00e4usserung, das mach ich ja ungefragt auch, aber sorry, einige da draussen haben nun mal ein Leben, das von Geburt bis Tod auf eine A4-Seite passen w\u00fcrde. In Grossschrift! Dass nicht auch noch die Volumenmasse des morgendlichen Stuhlgangs mitpr\u00e4sentiert werden ist an und f\u00fcr sich schon erstaunlich, aber das w\u00e4re wenigstens abwechslungsreich im Vergleich zum Rest. Ich will auch niemandem zusehen, wie er oder sie am Rechner sitzt und tippt, ich weiss wie das aussieht. Wenn schon will ich was sehen, was ich sonst NICHT zu sehen kriege (nein, ich rede nicht von den Fick-o-Cams). Gibt&#8217;s irgendwo eine Papageien-Cam? Das w\u00fcrd ich mir geben. Aber nicht die h\u00e4ssliche Fresse von einem frustrierten Briefmarkensammler, der seine M\u00e4rkli auch noch einscannt und online stellt. Alle 5000. Alle auf einer Seite wom\u00f6glich. Als Bitmap. Sowas gibt es. Oder Leute, die ihre Weblogs nur aus dem einen Grund betreiben, dass sie m\u00f6glichst viele Kommentare bekommen, weil sie so gerne &#8222;mit Menschen kommunizieren&#8220;. Wenn sie das tun w\u00fcrden, dann w\u00e4ren ihre Logs wenigstens unterhaltsam, weil dann auch mal was passiert. Aber die Mieze, die man jeden Tag f\u00fcttert gibt nun mal nicht genug Material her, so vom kommunikativen Standpunkt aus gesehen. Und den Satz &#8222;Heute Morgen habe ich meine Muschi gestreichelt, weil sie so unruhig war&#8220; assoziiere ich auch nur bedingt mit Katzenpflege. Ich meine nur, ich will einfach nicht alles wissen. Brauche ich nicht zum \u00dcberleben. Es ist auch nicht so, dass ich danach suchen w\u00fcrde, aber es springt einen halt zum Teil so an, wenn man nach etwas sucht, aber dank unzul\u00e4nglichen Suchmaschinen ganz woanders landet. Dann liest man ein paar Zeilen und schon bef\u00e4llt einen die Augennervkr\u00e4tze, weil man es sich nicht verkneifen konnte und das zwischen den vierzehn unterschiedlichen animierten Bildchen lesen wollte. Selber schuld. Irgendwie. Aber schlagen sollte man sie trotzdem.<br \/>\nAber auch Journalisten sind nicht vor Fehltritten gefeit. Oder, andersherum gesagt, es gibt Journalisten, die halten sich f\u00fcr die Kr\u00f6nung der schreibenden Zunft und leben im Irrglauben, dass ihre Hochwohlgeboren von und zu Feder und Tinte es nicht n\u00f6tig haben, Recherche zu betreiben. Oder zu denken, bevor sie tippen. Denen teilweise schon Basisschulwissen abgeht. Die bei der Aufnahme von Allgemeinwissen einen direkten Windkanal zwischen allen aufnehmenden Sinnesorganen geschaffen haben und es sich dann aber herausnehmen und trotz allem Artikel schreiben. Ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr mich war der Verbrecher einer Filmbeschreibung, der bei einer hier in der N\u00e4he ans\u00e4ssigen Zeitung dar\u00fcber herzog, wie bl\u00f6d &#8222;Herrschaft des Feuers&#8220; denn w\u00e4re. Filme sind Geschmackssache, der kann den bl\u00f6d finden, ist mir egal, ich finde daf\u00fcr IHN bl\u00f6d. Aber der Satz &#8222;V\u00f6llig unlogisch ist, dass ein Drache einen Atomkrieg \u00fcberleben, aber durch eine Axt get\u00f6tet werden kann&#8220; zeichnet sich durch Fensterplatz bei Naturkunde aus. Denn es ist ja so, dass es sogar noch etwas banaler geht. Einige Lebewesen auf unserer Erde \u00fcberleben locker jeden Atomkrieg oder Fallout oder Kometenabsturz (wurde ja auch schon wieder einer angek\u00fcndigt), sind aber unter Einsatz eines handels\u00fcblichen (beispielsweise) Turnschuhs zu erledigen. Kakerlaken zum Beispiel. SMACK! Da brauche ich keine Axt. Zugegeben, die sind unwesentlich kleiner als Drachen, aber trotzdem. Also wenn schon schreiben, dann bitte auch ein klein wenig informieren und wissen, was man tut (Stilfragen noch nicht ber\u00fccksichtigt). Sonst gehe ich mal mit dem Turnschuh vorbei und teste aus, ob man Schuhrnalisten auch ohne atomaren Einsatz motivieren kann. Leichte Schl\u00e4ge auf den Hinterkopf sollen ja das Denkverm\u00f6gen anregen.<\/p>\n<div class=\"music\">Aktuell im Ohr: DJ Toxic &#8211; Secret Melody<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab und zu w\u00e4re ich froh, wenn sich Papier wehren w\u00fcrde. 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