{"id":283,"date":"2002-11-21T20:13:04","date_gmt":"2002-11-21T18:13:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/?p=283"},"modified":"2002-11-21T20:13:04","modified_gmt":"2002-11-21T18:13:04","slug":"erlebnistourismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/2002\/11\/21\/erlebnistourismus\/","title":{"rendered":"Erlebnistourismus"},"content":{"rendered":"<p>Als Reiseleiter eures Vertrauens war es mir wieder einmal ein Anliegen, mich an einen Ort zu begeben, wo viele von euch sicher noch nie waren und sich m\u00f6glicherweise ohne Begleitung auch nicht hintrauen. Es gibt sie in verschiedenen St\u00e4dten, mehr oder weniger g\u00fcnstig gelegen und sie treten in verschiedenen Formen auf: Sex Shops. Da es mir nicht so liegt, in Rotlichtvierteln rumzuschlurfen und mich mit Hut und Mantel vor allf\u00e4lligen Bekannten zu verbergen, die ihrerseits mit Hut und Mantel dasselbe versuchen, w\u00e4hlte ich die etwas freundlichere Umgebung. Nun befindet sich diese entweder in einem Beate Uhse Megastore (wo das Personal, das ich bisher da angetroffen habe \u2013 also nicht, dass ich jemals dort gewesen w\u00e4re \u2013 entweder eine etwas abgek\u00e4mpfte Hausfrau oder ein schmierig grinsender Macho war) oder aber in einem Erotikmarkt. Uhse ist in rot und schwarz gehalten, wahrscheinlich um irgendwie an alte Zeiten zu erinnern, wo Sex noch als verrucht galt und unter der Bettdecke bei gel\u00f6schtem Licht stattfand und nicht bei Scheinwerferlicht im zentralen Touristenbrunnen der Stadt zur Haupteinkaufszeit. Weil halt grade ein Fernsehsender eine Reportage dreht. Im Erotikmarkt, in dem ich heute war, da war einerseits sehr freundliches, junges, aufgewecktes Personal, andererseits kam man sich eher vor wie im Supermarkt beim Spaghetti und Salat kaufen. Hohe Decke, viel Licht und \u00fcbersichtliche Regale. Fehlten eigentlich nur die kleinen Schiebew\u00e4gelchen um zwischen den Angeboten rumzukurven. Apropos Angebot: Gut zwei Drittel der Verkaufsfl\u00e4che werden von Videos und DVDs eingenommen, die so ziemlich jede erlaubte Spielart von K\u00f6rperkontakt aufzeigen und ich rede jetzt NICHT von Sport (Juhuu, ich bin schon wieder Erster!). Recht plakativ und offensiv bekommt man eine ganze Menge Fleisch zu sehe und ich rede jetzt NICHT von dem aus der Metzgerei (Darf es ein bisschen mehr sein? Oh, es wird ja schon mehr!). Effektiv geht es dabei um relativ unbekleidete (abgesehen von High Heels) Menschen, die sich miteinander vergn\u00fcgen und ich rede jetzt NICHT von Scrabble (Wieviele Punkte gibt \u201eFellatio\u201c? Eine Menge!). Interessanter wird es allerdings in der anderen Ecke, wo es losgeht mit Unterw\u00e4sche in allen Formen, Farben und Materialien. Da hat es L\u00f6cher an Stellen wo man sich fragen muss, wie jemand auf die Idee kam, dass es dort L\u00f6cher BRAUCHT. Spitze, Seide, Nylon, Latex, Lack und Gummi, Material bei denen einem heiss wird vom Hingucken oder wo es einem heiss wird, weil in eine knatschengen Gummiwurst stecken ist nicht sehr atmungsf\u00f6rdernd. Wenn man dazu noch eine Kopfmaske aus Lack oder eine Gasmaske tr\u00e4gt, dann weiss man zu hundert Prozent, wovon man schwitzt. Neben den Fummeln f\u00fcr verkappte Tiefseetaucher h\u00e4ngen gleich auch die mit Nieten versehenen Arschklopfer und Reitpeitschen, falls frau ihren Hengst mal ein bisschen zum Galoppieren bringen will. Das n\u00e4chste Gestell bietet dann Hilfsmittel, die ich mir eigentlich eher im Baumarkt vorstellen k\u00f6nnte um M\u00f6bel zusammenzuklemmen als in einer Umgebung f\u00fcr erotische Hilfsmittel. So ganz erotisch ist der Name \u201eFlutschi\u201c auch nicht, aber als Klassiker scheint sich das Mittelchen recht gut im Markt halten zu k\u00f6nnen und ich denk mal, damit kriegt man so ziemlich alles in alles rein. Sollten einige Autofahrer mal an ihre Stossstangen schmieren und NEIN, ich meine nicht DIESE Stossstangen sondern die am AUTO. Apropos Stangen: Inzwischen stand ich vor der \u00fcberaus ansehnlichen (sprich: grosse Auswahl) an Menschenersatzteilen f\u00fcr Einsame und Einsamer. Was vor zwanzig Jahren in Katalogen noch vorsichtig als Allzweck-Massagestab angepriesen wurde, tr\u00e4gt heute Namen wie Superrammler oder Long Dong Silver. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es unz\u00e4hlige Form- und Farbvarianten, schliesslich ist es wichtig, dass das Design auf jeden Bereich \u00fcbergreift. Wenn man dann allerdings aus Versehen den Vibrator statt des Stabmixers zum Bisquit schlagen verwendet, k\u00f6nnte das unwesentlich l\u00e4nger dauern. Auch sollte man sich nicht aus Versehen die Z\u00e4hne ausschlagen, weil man dachte, die elektrische Zahnb\u00fcrste in H\u00e4nden zu halten. F\u00fcr den Herren gibt es ja entsprechende Gegenst\u00fccke, unheimlich ansprechende Gummiteile, die mich in ihrem Anregungsquotienten an die singende Plastikforelle erinnern. Dann doch lieber fett Kohle abtreten und eine Gummisusi nach Hause nehmen. L\u00e4sst sich im Zweifelsfalle im Sommer auch als Lustma&#8230; Luftmatratze im Freibad verwenden. Macht dann besonders Spass, wenn die Eltern nebenan ihren Spr\u00f6sslingen erkl\u00e4ren m\u00fcssen, was der Onkel da mit der Frau mit dem seltsamen Mund macht. Hm. Gummipuppen gibt es ja inzwischen auch f\u00fcr die extrem alleinstehende Frau, wobei ich mir da nicht genau sicher bin, wo genau sich das Ventil zum Aufblasen befindet. Wenn einem das alles zu wild ist, dann gibt es immer noch die Liebeskugeln, die sich auch f\u00fcr Koordinations\u00fcbungen der Finger benutzen lassen oder als Stressablenker. Bloss nicht im Businessmeeting. Es k\u00f6nnte jemand wissen, was es ist. Da w\u00e4ren sie dann an ihrem eigentlichen Bestimmungsort besser aufgehoben. Mit einem konstanten L\u00e4cheln wird das Meeting auch sicher gleich entspannter.<\/p>\n<div class=\"music\">Aktuell im Ohr: Moby \u2013 In This World<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Reiseleiter eures Vertrauens war es mir wieder einmal ein Anliegen, mich an einen Ort zu begeben, wo viele von euch sicher noch nie waren und sich m\u00f6glicherweise ohne Begleitung auch nicht hintrauen. 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