{"id":280,"date":"2002-11-19T21:23:38","date_gmt":"2002-11-19T19:23:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/?p=280"},"modified":"2002-11-19T21:23:38","modified_gmt":"2002-11-19T19:23:38","slug":"zuggucken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kay-x.net\/gmwp\/2002\/11\/19\/zuggucken\/","title":{"rendered":"Zuggucken"},"content":{"rendered":"<p>Was ich schon lange nicht mehr gemacht habe (ausgenommen in meinen Kanadaferien), sind lange Zugfahrten, obwohl ich das eigentlich immer gern gemacht habe. Bloss hatte ich l\u00e4ngere Zeit kein Bed\u00fcrfnis und\/oder keinen Grund. Jetzt habe ich beides, denn wenn ein geliebter Mensch weit weg wohnt, dann ist das eine durchaus gangbare Variante, Distanzen zu \u00fcberwinden, besonders wenn die Distanz grade so im Grenzbereich ist zwischen Zu-lang-f\u00fcr-meinen-Arsch-auf-Zugsitzen und Zu-kurz-um-sich-Flugzeug-sitze-anzutun. Also am Freitag Nachmittag ab in den Eurocity &#8222;Rembrandt&#8220; und weil ich mit zartem Sitzfleisch gesegnet bin w\u00e4hle ich f\u00fcr die Hinfahrt einen Aufpreis zu erster Klasse. Mit ein Grund ist der Panoramawagen, der in diesem Zug mitgef\u00fchrt wird und der hat RIESIGE Fenster. Speziell in den tiefen des Rheintals h\u00e4tte mir dieser Umstand einen super Ausblick geben sollen auf die erhabenen Schl\u00f6sser, die Klippen und die&#8230; na egal, was soll ich lange rums\u00fclzen, schon in Frankfurt war es stockdunkel und die Aussicht ging in leicht spiegelndem Glas unter. Geschickterweise sollte im Sp\u00e4therbst die fortgeschrittene Tageszeit ber\u00fccksichtigt werden. Aber es war ja auch innerhalb des Wagens f\u00fcr Unterhaltung gesorgt. Als erstes in Basel bekam ich einen leichten Herzinfarkt, als sich mir gegen\u00fcber ein Mann niederliess, der mich nicht nur beim ersten Blick an Catweazle erinnerte. Nur mit geschnittenen Haaren. Also nicht mehr arsch- sondern nur noch knapp schulterlang. Und der fusslige Bart war auch nicht mehr ganz so lang, aber man konnte bestimmt keinen \u00dcbergang feststellen zwischen Ober- und Unterlippenbehaarung. Das ganze war dann noch gleich strubbelig wie bei dem alten Fernsehzauberer damals, zur\u00fcck in den Siebzigern. Obwohl die l\u00e4ndliche englische Gegend in der Serie heute noch aussehen w\u00fcrde wie damals. Oder in den Sechzigern. Oder noch fr\u00fcher. So konservativ sind die Inselaffen dann wieder. Eigentlich erstaunlich, dass sie die Kulissen heute in Farbe zeigen. Der Herr stieg dann gl\u00fccklicherweise so um Mannheim rum wieder aus, ich h\u00e4tte meinen Blick nicht viel l\u00e4nger von ihm wenden k\u00f6nnen. Der Reiz nach Essensresten zu suchen in dem Gestrubbel war ZU verlockend. Aber wieso gr\u00e4men, zur Unterhaltung reisen ja noch Yuppies mit, die irgendwelche Hochschulabschl\u00fcsse haben, \u00fcberbezahlte Jobs und teure Klamotten, die sie nicht zu sch\u00e4tzen wissen. Kaufen aber a) Handys, die aussehen wie schwarz angemalte Ziegelsteine oder sind b) zu hohl, um bei einem Handy im Zug auf Vibration zu stellen. Oder beides. Oder lassen die Dinger mit Absicht durch den ganzen Zug d\u00fcdeln, weil sie dank kontinuierlichem Proseccosaufen noch nicht gemerkt haben, dass heute sogar der Penner auf dem Bahnhofsvorplatz ein Mobiltelefon sein Eigen nennt und es nicht mehr wirklich ein Statussymbol ist. Hinzu kommt der furchtbare Geschmack bei der Auswahl bizarrster Klingelt\u00f6ne. Aber der Schneewalzer geh\u00f6rt nun SICHER NICHT auf ein Handy! &#8222;Helo, sis is Klodia! Ei em in se treen nou. Affter \u00e4reiwing, ei wil st\u00e4i bei Konrad. Yess!&#8220; Wie man mit einem so schlechten (oder einfach nur beschissen gesprochenen) Englisch in eine Chefetage kommt ist mir auch schleierhaft. Hat mich nur gewundert, dass sie nicht gesagt hat, dass sie bei Konwheel st\u00e4id. Ich freu mich schon auf die n\u00e4chste Fahrt im Kuriosit\u00e4tenkabinett. Dann aber wieder zweite Klasse. Da rennt vielleicht keiner rum und fragt, ob Montabaur (schreibt sich das so?) in Hessen liegt oder nicht. Und wenn doch kriegt er vielleicht eins auf die Fresse. In der zweiten Klasse sieht man das nicht so eng.<\/p>\n<div class=\"music\">Aktuell im Ohr: VNV Nation &#8211; Fearless<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ich schon lange nicht mehr gemacht habe (ausgenommen in meinen Kanadaferien), sind lange Zugfahrten, obwohl ich das eigentlich immer gern gemacht habe. Bloss hatte ich l\u00e4ngere Zeit kein Bed\u00fcrfnis und\/oder keinen Grund. 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