Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Sonntagsausgeflügel

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 16.07.2006 (23:02) |

Sonntag war der Tag des allgemeinen Liegenlassens. Ausser mir, ich bin aufgestanden. Aber fast nicht. Am Samstag habe ich noch kurz eine klitzekleine Tour hinter mich gebracht und ja, ich bin ein Passtiker. Schliesslich sehen diese Passstrassen doch auch leicht zuckrig aus. Bestäubt mit Mitmotor- und Ohnemotor-Radfahrern. Und wegen dem Zucken. Und so. Naja, einige werden’s begriffen haben. Flüela. Ofen. Stilfserjoch. Mein erster Pass im Ausland, muss mich ja vorbereiten. Nachdem mich eine Freundin mit der Frage, was ich denn machen würde, wenn alle Schweizer Pässe abgehakt sind, fast in eine Sinnkrise stürzte. Aber eben, gibt ja noch aussenrum. Das Stilfserjoch ist der zweihöchste befahrbare Pass in Europa, also ich war da schon im wahrsten Sinne des Wortes high level. Dann Umbrail, nochmal Ofen und weil ich grad da war Albula. Mit Kühen auf der Strasse und/oder bis zum Bauch im Wasser. War ein lustiger Anblick da oben. Beim Runterfahren auch einmal die Strecke Preda – Bergün gesehen, die im Winter als Schlittelbahn herhält und nachdem ich jetzt weiss, wie die im Sommer aussieht, geh ich im Winter nicht mehr hin. Krasse Kurven.

Apropos krasse Kurven: In der Schweiz gibt es T-Shirts zu kaufen, von einem Label 2B. Auf meinem steht “Born 2B unique”, was mir ein paar Leute sogar zugestehen könnten. Im Zug (ja, den benutz ich trotzdem) sass dann eine mit der Aufschrift “Born 2B sexy”. Nun. Also. Hm. Wie sage ich das politisch korrekt. Sexy für MICH (und ich rede da nur jetzt von mir, es gibt ja Geschmäcker) wäre jemand mit Taille. Oder wenigstens nicht mit nach aussen gestülpter Taille. Auch zweite Brustreihe genannt. Und gegen unten muss ja auch nicht zwingend die Körbchengrösse zulegen. Wer hat eigentlich Frauen aufgeschwatzt, diese Hosen zu tragen, welche den (egal wieviel) vorhandenen Hüftspeck oben rausquetscht und den in Form gezwängten Po gleich wieder im Vergleich extrem abkacken zu lassen? Wenn es sich bei mir oberhalb der Gürtellinie wölbt, bekomme ich halbe Anfälle und geh sämtliche Stockwerke zu Fuss. Vielleicht bin ich auch nur eine eitle Sau. Aber das war ja eigentlich nicht das zu Grunde liegende Thema.

Mist. Wenn ich jetzt nach zwei Monaten bloss noch wüsste, worum es damals eigentlich ging. Da war etwas mit Schiffahrt, spazieren, Portemonnaie verlieren, Schiffahrt, Vorheriges bemerken, nächsten Halt wieder aussteigen, spazieren, Portemonnaie wiederfinden, Schiffahrt, anderen dabei zusehen, wie sie nach etwas suchen, anderen dabei zusehen, wie sie am nächsten Halt wieder aussteigen, anderen dabei zusehen, wie sie wieder spazieren gehen. Sagen: “Also sowas, dass die Leute nicht auf ihren Kram aufpassen können”. Ach ja, es war nicht MEIN Portemonnaie. Aber ich kenne so Schusselchen.

Bin wieder da.

Aktuell im Ohr: Northern Lite – Alien Girl

Der keks geht an die Grenzen

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 12.07.2006 (17:21) |

Abgesehen von Sex gab’s an dieser Stelle schon eines lange nicht mehr: keks versus da Lebensmittel. Nun weiss ich ja, was ich euch schuldig bin und vielleicht wird mal in Naturalien bezahlt oder ich bin einfach erneut um eine Erfahrung reicher. Diesmal geht es in ein neues Nahrungsmittelsegment von Coop (gesprochen “goop” nicht wie in Deutschland “ko-opp”) mit silberner Verpackung (stylish) und dem sinnigen namen “Fine Food”. Da soll Gerüchten zufolge alles ein wenig edler sein und weil einiges zwiebelfrei ist und ich nichts gegen lecker habe, stehen ein paar silbergrau getütete Produkte in meiner Küche. Das Carpaccio gestern war eine leichte Enttäuschung, das muss einfach frisch sein. Wenn aber schon frisch aus dem Vakuum, dann von der Konkurrenz, da ist die Muh noch nicht ganz so trocken.

Was Carpaccio ist? Rohes Rindfleisch. Parmesan geraffelt drüber, Olivenöl kaltgepresst und ein paar Tropfen Zitronensaft. Zugegeben, nichts für Grasfresser, aber wenn ihr es edel haben wollt, schnappt euch ein Gänseblümchen. Ihr glaubt gar nicht, wie ich euch beneide. Wahnsinn. Aber zurück zu der Dose vor mir auf dem Tisch: Wasabi Coated Peanuts. Da ich erneut von einer Prise Banausentum ausgehe (heute bin ich sowas von überheblich, aber damit muss ICH leben und nicht ihr): Wasabi ist japanischer (bei genügender Menge das “ja” weglassen) grüner Meerrettich. Frischer einheimischer, über Speck gehobelt (leckt doch am Brettchen, ihr Memmen), treibt einem schon die Tränen in Bächen über die Wangen und den Schweiss in Flüssen über die Backen. Aber Wasabi ist durchaus in der Lage, das Gehirn auf kleiner Flamme zu rösten. Wird zu Sushi gereicht (das ist der rohe Fisch in Reis und Seetang gerollt).

Anscheinend haben die Nipponesen aber wohl noch andere Verwendungszwecke, nämlich Erdnüsse damit einzupacken, was M&Ms möglicherweise alt aussehen lässt. Also auf die Dose. Riechen nach Erdnuss. Sehen aus wie Alienköttel. Vorsichtig eines auf die Zunge… Ach du KACKE! Nein, nicht wegen des Geschmacks, eher wegen des Gefühls einer ausgedrückten Zigarette auf meiner Zunge. Das war doch etwas überraschend. Die Zweite macht es auch nicht besser, vor allem, wenn die Hölle splittert und sich im ganzen Mundraum verteilt. Hui! Schmeckt wie… wie… Erdnuss mit Wasabi. Nun ja. Steht auf der Packung auch so drauf. Wenn man sofort zwischen den Backenzähnen zerkaut, dann geht das recht gut, auf der Seite ist die Zunge nicht so empfindlich. Weicheiertaktik, also so zehn Stück rein, die können sich nicht alle gleichzeitig verstecken: HIMMELARSCH! So wurde der verfickte Schuhplattler erfunden! Man hat so den dezenten Trieb, um sich zu schlagen. Oder sich zu schlagen. Irgendwie geil. Hat aber einen kleinen Nachteil, nämlich den, dass man bei Erdnüssen erst aufhört, wenn die Packung leer ist. Verdammt.

Aktuell im Ohr: The Boss Hoss – Ca Plane Pour Moi

Rumpelpilzchen und Feeschnittchen

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 06.07.2006 (20:26) |

Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen… Ja, das waren noch Zeiten. Bloss was wurde danach aus den beiden Parteien? Die einen gaben uns Pasta, die anderen fingen an, Frösche zu essen. So kann es laufen. An anderer Stelle weigern sich ein paar Unbeugsame seit langem und vehement, das scharfe S zu verwenden. Ja, wir schreiben ss. Immer. Haben dadurch einen enormen Vorteil, denn wir können gepflegt politisch korrekt beleidigen und bei einer Frau mit dem Arsch eines Flugzeugträgers immer noch schreiben, sie habe tolle Masse. In Deutschland würde das sofort auffliegen. Man muss nur wissen, was man wo platziert. Das kann nämlich durchaus weitreichende Konsequenzen haben.

Es gibt Geschichten aus unserer Kindheit, sei es aus Fernsehen, Comics, Büchern, Märchenkassetten, Gutenachtgeschichten und so weiter. Alle haben sie ein bestimmtes Setting, einen Hintergrund, eine Kulisse und ihre Charaktere. Ein kleiner Rutsch im Geschichten-Raum-Zeit-Gefüge und alles verläuft totaaal anders. Beispiel Heidi. Vorhang, Erster Aufzug. Almaufzug (für die Städter gibt’s bestimmt bei Wikipedia (hat nichts mit Wickie zu tun (der hat sich bestimmt nur immer die Popel weggerieben)) eine Erklärung dazu). Heidi stürmt in die Alphütte (Alm heisst es bei Scharf-S-Usern) und schreit (hier diesen klischeehaften Schweizerdialekt hindenken): “Grosssvatter! Grosssvatter! Odr?” – “Was ischt denn, Heidi? Häh? Odr?” – “Das böse Rottenmeiergirl will mich nach Franckfurrt entführen! Odr!” – “Oha! Odr!” – “Jawasmachemerdennjetzthm? Odr.” FANFARE! In der Tür steht (Trommelwirbel): Geissenpeterman! Geissenpeterman? JAA! Kann fast fliegen, tötet Gegner mit Stallduft und kann mit Warmwasser geschwächt werden. Öhi: “Oh! Geissenpeterman!” … “Odr!” Heidi: “*schmacht*”. Geissenpeterman wirft sich in Pose und knallt mit dem Kopf gegen den Türrahmen (kleine Alphütten). Das halbe Haus stürzt ein, aber egal.

“Ich bin hier und mache Rottenmeiergirl platt und dich zur Frau! Willst du meinen Almnudler sehen?” – “Ähm. Anderer Text, Heidi – Das Luder von der Alm, war gestern. Odr.” – “Oh. Nun denn, Hedwig…” – “Heidi.” – “Hedwig, odr?” – “Nöd Odr, Heidi.” – Neinein, Peter. Also Geissenpeterman, habe ja meine Verkleidebrille nicht auf.” – “Also wer jetzt?” – “Ruhig Grosssvatter!” – “Was?” – “Häh?” – “Das heisst ‘Wie bitte’.” – “Wer? Er?” – “Nein, der heisst Peter.” – “GEISSENPETERMAN!” – “Du schmöcksch aber wie der Peter.” – “Wer? Ich?” – “Nein, er. Odr?” – “Also ich schmöck auch wie Ziegenscheisse.” – “Würcklicchh?” – “Ja, aber das heisst ja…” – “Ja, irgendwann musst du es erfahren, odr. Ich bin dein Vater Luke.” – “Peter.” – “Geissenpeterman.” – “Aber du bischt doch noch gar kein Mann! Nur weil du mit den Geissen…” – “Pssssscccchhhhht!!!” Und in dem Moment kommt Rottenmeiergirl, tritt dem noch im Türrahmen stehenden Peter (Tschuldigung: Geissenpeterman) von hinten kräftig zwischen die Beine, um ihn aus dem Weg zu bekommen, stürzt in den Raum, räubert Heidi und flieht. Der Grosssvatter freut sich, jetzt kann er das Fondue wieder alleine essen und das Gequengel hört endlich auf. Und Geissenpetersusi hat sich auch irgendwann wieder erholt. Und was lernen wir daraus? Wenn ich jetzt nicht aufhöre geht das noch ewig. Odr.

Aktuell im Ohr: Massive Attack – Safe From Harm

Elementare Fragen? Jaja, bestimmt!

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 01.07.2006 (9:05) |

Es muss doch an den Stimmen in meinem Kopf liegen. Die sind verantwortlich. Warum sonst sollte ich mich fragen, ob ein Mann ab gewissem Alter zwangsweise Prostataierter wird? Eben. Oder, und das kam heute morgen quer zwischen meinen Ohren rausgeschossen: Wenn ich Single bin, was ist dann meine B-Seite? Und kaum stell ich so eine Frage, bekomme ich auch schon eine Antwort fast schon poetischer Art. Die B-Seite ist das, was gespielt werden, wenn es jemand schafft, nahe genug ranzukommen, um die Scheibe zu drehen, jemand der uns nicht nur an die Wäsche sondern auch noch an den Plattenspieler geht. Oder so. Ich versuche das nur sinngemäss wiederzugeben. Und je nachdem laufen dann eben Songs, die man so nicht kennt oder lange vergessen hat oder einfach neu sind. Oder so. Das hat schon so viel Tiefe, dass ich mich gar nicht getraue, da draufzuhauen. Muss ich gestehen. Aber dafür gibt es ja noch andere Gelegenheiten, wie diese ultrarealistischen TV-Sendungen, die vorzugsweise am Samstagvorabend… Samstagnachnachmittag… oder in den Sonntagswiederholungen laufen. Heutiges Beispiel: Relic Hunter.

Ganz extrem hässlich finde ich ja diese Treter hier. Einfach so nebenbei eingeworfen. Also eigentlich sind die sogar richtig Kacke. So richtig zum in Hundehaufen treten um sie optisch zu verbessern. Grässlich. Mokassins sind ja schon übel in unseren Längen- und Breitengraden, beziehungsweise in unseren Kulturkreisen und -vierecken. Aber die hier? Slipper. SLIPPER. WÄÄÄHÄÄÄ. Slipper… Wie kann man nur. Shitter, das wär’s. Nur schon diese Tröddelchen. Aber eigentlich wollte ich ja was anderes sagen. Eben dieses archäologische Bückstück, die bei Waynes World noch richtig knackig war, aber danach wohl auch jede Rolle annehmen musste, die die Besetzungscouch so hergab.

Nochmal kurz zurück zu Schuhen, sorry. Vor vielen Jahren wurden Puppen mit so Schühchen ausgestattet, die ein bisschen uncool waren, aber in den Sechzigern war Coolness ja noch nicht richtig etabliert. Ausser Marlon Brando im weissen Shirt auf Bike und Harley (übrigens, ihr Businessklone, im Anzug auf einer Harley fahren macht euch zu (Wer errät es?) prädestiniert, auch Slipper zu tragen). Oder James Dean, zumindest bevor er sich um einen Baum drapiert hat. Unsere Leiterin Schulung trägt auch solche Püppi-Sneakers, allerdings wie die hier mit Absatz und nennt die Sitzschuhe. Weil man damit nicht gehen kann. Oder sich nicht auf die Strasse traut. Also zurück zu Puppen. Rettich Hunter.

Die Sonntagsfolge. Also die vom Letzten. In einem alten Schloss traben die durch Keller, hunderte Archäologen haben sich dort schon aufgehalten, aber hui, keinem ist dieser Moosbewuchs in Rechteckform an der Wand aufgefallen. Das könnte doch tatsächlich eine Tür sein! Muss es ja, sonst wären dekadenlange Untersuchungen nicht ganz spontan von einer heissen Kampfsport-Schatzjagd-Professoren-Tussi zu lösen. Also greift man beherzt an irgendeinen Stein und drückt, weil für Öffnungsmechanismen gibt es ja nur diese eine Möglichkeit in alten Gemäuern. Der Stein mit dem Schild “Hier Geheimtür”. Plopp, wie aus dem Vorbild Indiana Jones bekannt, schnellt ein Pfeil hervor und tötet fast den Sidneyschen Begleiter. Man bemerke den geografischen Vornamen, allerdings von einem anderen Kontinent, damit es nicht ganz so geklaut aussieht. Funktioniert locker bei den Amis, die haben ja noch nicht mal im eigenen Land eine Ahnung, wo was liegt. Nein Jungs, Irak liegt nicht im Mittelwesten. Dann kommt diese zweite Tür und sie sagt: “Hoffentlich ist die nicht auch wieder mit Pfeilen geladen”. Stösst die Pforte auf und latscht durch. Indy hätte sich wenigstens gebückt. Aber das Thema bücken war wohl schon. Da die Chance danach dramatisch sank, dass noch jemand auf althergebrachte Weise durchbohrt würde, schliesslich war das drehbuchtechnisch abgehakt, hab ich umgeschaltet. Oder ab. Um mich wichtigeren Fragen zu widmen. Siehe oben.

Aktuell im Ohr: Depeche Mode – Nothing