Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Sörpreis, Sörpreis

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 29.04.2006 (21:30) |

Das mag jetzt für einige eine Überraschung sein. Für die einen, dass ich noch keinen hatte und für die andern, dass ich jetzt einen habe: einen Führerschein. In diesem Zusammenhang überrascht mich eigentlich die auch in Deutschland gebräuchliche Bezeichnung desselben, da man dort einige Generationen später immer noch ein geschichtliches Verarbeitungsproblem hat, aber den Fahrlappen doch benennt wie, aber egal. Auf jeden Fall bin ich jetzt offiziell eine Gefahr für die Strasse und alle beteiligten Verkehrsteilnehmer. Ja, auch für DICH. Im Prozess des grundsätzlich geheim gehaltenen Lernvorganges sind natürlich auch einige Dinge passiert, die so nicht unerwähnt bleiben dürfen, also anschnallen und Rückblick wagen. Und Schulterblick.

Es ist ja schon so, dass sich neue Welten eröffnen und ich mich an Dinge gewöhnen muss, die ich vorher nicht kannte. Wenn ich bisher unterwegs war, dann konnte ich meistens davon ausgehen, im gleichen Fahrzeug eine Toilette zu finden, also Fortbewegung und Endentsorgung in einem Durchgang machbar. Wenn nun per Auto unterwegs, da sieht das anders aus. So richtig bewusst wurde mir das vorletztes Wochenende, als ich nach bestandener Prüfung mal kurz eine kleine Rundfahrt machte. Fünfhundert Kilometer sind doch noch klein, oder? Also wenn ich Autoverlad auf Zug und Fähre mitzähle. Also ich war da unterwegs und plötzlich verspürte ich diesen sachten Drang mich zu erleichtern. In gewissen abgelegenen Gegenden bieten sich nicht an jeder Ecke öffentliche Erleichterungshilfsmittel an. In gewissen abgelegenen Gegenden fallen einem aber auch die klassischen Sätze wie “Geh halt hinter einen Baum” ein. In gewissen abgelegenen Gegenden befindet man sich allerdings oberhalb der Baumgrenze und da ist dann nichts mit eben mal hinter einem Baum verschwinden. Und jede Stelle ist von der (genau JETZT) sehr gut benutzten Strasse optimal einsehbar. Verdammt. Wäre mir in einem Zug nicht passiert. Aber halt, die Passhöhe und da ist eine kleine Kneipe und ein Kiosk und Toiletten und… die sind auf 2400 Metern um diese Zeit nicht nur zu, sondern zugefroren. Das wäre mir in der Südsee nicht passiert. Aber dort gäbe es auch Palmen.

Aber zurück auf Anfang. Als ich mich dann doch überwunden hatte, diesen Schritt des automobilisierens anzugehen, begab ich mich zum Strassenverkehrsamt in Zürich, holte mir das entsprechende Anmeldeformular und trat damit in die Fussstapfen von Frodo auf einer epischen Reise durch die Irrungen und Wirrungen der Bürokratie. Auf betreffendem Formular sind die benötigten Schritte in fortlaufendem, auf den ersten Blick durchaus logischen Vorgehen angeordnet. Punkt 1 (EINS): Personalien ausfüllen und bei der Einwohnerkontrolle ODER dem Strassenverkehrsamt (auf dem ich mich befand) per offiziellem Ausweispapier die eigene Identität bestätigen, damit man nicht für jemand anderes den Kram macht. Obwohl ich im Nachhinein nicht verstehen kann, wie das jemand freiwillig tun könnte. Punkt 2 (ZWEI): Sehtest machen und bestätigen lassen. Aber zuerst in die Schlange stellen und warten. Und warten.

Und warten. Dann komme ich dran und lege das Formular und meinen Ausweis vor. Die Dame starrt mich an, aufs Papier, mich, Papier, mich. Dann sagt sie und knurrt: “Sie haben den Sehtest nicht gemacht.” – “Das wollte ich gleich machen, wenn ich hier…” – “Sie müssen erst den Sehtest machen!” – “Ähm, ich wollte eigentlich nur, weil ich ja…” – “Sie müssen erst den Sehtest machen!” – “Mach ich sofort, aber zuoberst steht, ich müsse hier erst…” – “Sie müssen erst den Sehtest machen!” – “Kann ich denn nicht, wenn ich schon hier…” – “Sie müssen erst den Sehtest machen!” … An dieser Stelle hat sich mein Gehirn dann aus Schmerzverweigerungsgründen aus der Realität ausgeklinkt und hat für spätere Verwendung nummerierte Abläufe komplett gestrichen. Also zuerst Sehtest machen. Die Anstellerei hat mich dann in die Nähe meines Zahnarzttermins selbigen Tages gerückt und entsprechend wollte ich das Testen meiner Augen örtlich geschickt kombinieren, was aber in diesem Teil von Zürich unmöglich schien, denn genau in der mir zur Verfügung stehenden halben Stunde machten sämtliche Optiker Mittagspause. Mir schien, als stünde da einiges unter einem sehr verwirrten Stern. Aber halt, da war ein Optikfachgeschäft mit offener Tür. Und einer verdammt hübschen Bedienung. Das war sehr hilfreich, denn sofort war die Optik auf superscharf und ich konnte alle diese Buchstaben und -stäbelchen problemlos erkennen. Meine Sehkraft betrug 110 Prozent. Wobei das Höchste allerdings 125 Prozent ist, wenn ich mich recht erinnere. Ähm. Wie um alles in der Welt, kann man 125 Prozent sehen? Röntgenblick? Wohl kaum, weil sonst hätte ich mit 110 immerhin ihren BH sehen müssen. Tat ich aber nicht. Und ich hab es ECHT versucht. Danach und nach Zahnarzt habe ich dann auf meinem Fitzel auch die Bestätigung bekommen, dass ich ich bin und dort war ich dann wiederum froh, dass ich keinen Röntgenblick hatte. Aber ich hatte eine seichte Ahnung, dass das, was nun vor mir lag, nicht mal eben quick und dirty vorbei wäre. Aber später mehr…

Aktuell im Ohr: Placebo – One Of A Kind

Folgen Sie der Signaletik

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 18.04.2006 (10:33) |

Nein, entgegen falsch geschriebener Annahmen hat dieses Wort nichts mit Ethik zu tun. Intensives Nachschlagen hat ergeben, dass Signaletik ein auf Architektur, Design, Psychologie, Sinneswahrnehmung und Kultur beruhendes Konzept zur Orientierung/Lenkung von Personen in komplexen Umgebungen ist. Das Ganze soll dann auch intuitiv, sprich idiotensicher sein. Egal, wer wo auf der Welt ist, anhand signaletischer Symbolik findet er sich zurecht, anders als bei Verkehrszeichen, die man erlernt. Wären Verkehrszeichen nach signaletischen Grundsätzen erstellt worden, dann stünden Ferrarifahrer auch nicht mehr im Halteverbot, bloss damit sie gleich neben ihrer Prothese im Strassencafé sitzen können, an ihrem Goldkettchen und den gepumpten und gepimpten Vorzeigekugeln ihrer verblondeten Gespielin rumwerkeln können. Aber es kann ja nicht alles nach diesen Grundsätzen ausgelegt sein, das wäre ja zu offensichtlich.

Apropos offensichtlich und selbst für Idioten erkennbar: Mein Gesichtsausdruck kann ganze Geschichtsbände sprechen, wenn man ihn nur lässt. Allerdings ist das in verschiedenen Situationen nur bedingt wünschenswert. Beispiel, kürzlich beim Einkaufen, ich spiele am Obstregal an zwei Melonen rum, da entdecke ich gegenüber beim Gemüse eine attraktive Frau (nicht ganz so wie die, welche kürzlich bei mir zum Essen war, aber nahe dran) und die stöbert dort und richtet sich auf einmal wieder auf und hält mit beiden Händen und festem Griff eine Salatgurke. Ich kenn den Griff. Damit geht sie dann auch zur Kasse und lässt die Gurke nicht los. Mein schweinisches Grinsen hätte man mit dem Meissel entfernen müssen und ich war dankbar, dass sie in diesem Moment nicht geradeaus zu mir gesehen hat. Im Gegensatz zu ihrem, hätte ich nur Erklärungsnotstand gehabt. Ich werde mich doch wohl nicht irren, wenn ich annehme, dass sich Frauen, die in einem Laden nichts anderes als eine grosse dicke knackige Salatgurke kaufen, zu Hause sofort eine Gesichtsmaske auflegen, oder?

Ich kann mich aber auch irren. Tippt man in Word das Wort Frau und hetzt den Thesaurus drüber, klickt auf die Erklärung Dame, dann stehen da zwar (wusste gar nicht, dass Microsoft Humor hat) “Krone der Schöpfung”, aber “Gipfel der Verwirrung” lassen sie weg. Geht doch nicht. Ich meine, wie sonst ist es zu erklären, dass bei Tisch zwei Frauen sitzen und durch haarsträubende Querverbindungen, die sie am Ende selber nicht mehr nachvollziehen konnten, auf das Thema “Wolle beissen” kamen. Und, das war das Spassige daran, beide hatten bei dem Gedanken, auf einen Wollfaden zu beissen einen Gesichtsausdruck wie Menstruationskrämpfe im Endstadium. Die beiden Männer am Tisch konnten das nicht nachvollziehen. Fingernägel auf Wandtafel, Löffel an Topfwand (ach ja, der Zusammenhang), Zugbremsen, gut, aber ein Wollfaden? Könnten andere Frauen dazu Stellung nehmen?

Apropos Wolle: Wollen wir mal eben noch auf ein anderes bizarres Phänomen eingehen, nämlich jenes, dass ich für eine Freundin den Text für ein Singleportal schreibe und sie deswegen die Tür eingerannt bekommt. Sogar bevor ein Foto mit drinsteht und die Typen natürlich bemerken, wie IHRE Zeilen ansprechend seien. Gut, später lässt sich alles als Augengeilheitumschreibungsmanöver auslegen, aber IHRE Zeilen. Warum funktionieren dann MEINE Zeilen bei MIR nicht? Gut, eventuell stört das Bild. Aber echt, meine Zeilen. Die scheinen zu paralysieren. Ach nein, falsch, polarisieren heisst das. Entweder die Texte werden als originell empfunden, aber der Kontakt verläuft im Sand, oder die Texte werden als kalt und sarkastisch gebrandmarkt, dies allerdings dann meist von verbitterten mittvierziger Müslischlampen, die ihren Computer vor lauter Räucherstäbchenqualm kaum mehr erkennen können und eigentlich froh sein könnten, wenn sie wenigstens einen Sarkasten abbekommen. Aber die warten lieber auf den Sandalen- und Selbststricksocken tragenden Gedichteauskotzer, der nächtens von vor unter dem Balkon wie einst Romeo seine schwülstigen Machwerke aus seinen Eingeweiden quetscht. Bloss hat Romeo damals wenigstens einen Schlussstrich unter den Krams gezogen. Ich werde wohl mein Bild testhalber durch ein signaletisches Icon ersetzen. Oder ich schreibe nur noch für andere ihre Texte. Oder ich lass es bleiben und mache etwas GANZ anderes. Gurkensalat.

Aktuell im Ohr: Mark’Oh & John Davies – Should It Begin…

Sorrysorry!

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 03.04.2006 (5:38) |

Ich möchte mich mal kurz zwischendurch entschuldigen, dass hier grad so wenig geht. Da ist so ein gewisser Job mit Firmenaufbau und so Kram, der ein bisschen Aufmerksamkeit verlangt, da drehen die Gedanken ein bisschen anders. Aber der Notizblock füllt sich trotzdem.

Aktuell im Ohr: Das Blubbern der Nespresso