Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Partnergeschafft

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 28.03.2006 (7:44) |

Würde ich in der Karibik leben, ich würde zwar die Schirmchendrinks lieben, aber die Jahreszeiten vermissen. Immer warm (oder immer kalt wenn woanders als Karibik) wäre mir zu eintönig. Bestimmt gibt es Zeit- und Artgenossen, die sich liebend gerne die Haut schrumpelig liegen, aber so viel Abwechslung sollte sein. Zumindest für mich. Wo bleiben denn bitte diese wunderbaren Frühlingsgefühle, wenn immer Sommer ist? Apropos Frühling: Ist es nicht schön, wenn es draussen vögelt? Oder wie heisst das, wenn man die Vögel draussen zwitschern hört? Egal, zurück zu den Jahreszeiten. Also, was wäre mit dem Freelingfeeling, wenn einem die Gelegenheit genommen ist, von der Kälte langsam wieder in die angenehmeren Tagestemperaturen zu rutschen, wenn es sachte keimt und blüht, das Blut wieder in den Wangen glüht? Hm? Wenn ich das ganze Jahr durch schwitze und mir die Klamotten am Arsch pappen, da ist kein Platz für Feinheiten. Da will man sich vielleicht alles vom Leib reissen und übereinander herfallen, aber zarte Gefühle? Eher nein.

Wobei ich sagen muss, das wäre vielleicht einfacher, als wenn man sich durch die Irrungen und Wirrungen des Geschlechter- und Gefühlsk(r)ampfes schlagen muss. In einer Studie wurde erhoben, dass Männer sich für vier von zehn Frauen, die ihnen über den Weg laufen, interessieren. Jetzt ratet mal, wie das Verhältnis bei Frauen aussieht. Frauen interessieren sich nicht nur für vier, sondern für acht! Allerdings acht aus hundert statt aus zehn, was ich als minimales Miss-Verhältnis interpretieren würde. Ich würde mit einer Miss durchaus ein Verhältnis haben, aber doch nicht so. Frauen verlieben sich langsamer. Date um Date um Date (etc. etc. pipapo), weil sie sich nicht sicher ist oder sein will und gleichzeitig erkennt, ob denn der Herr, der da im Sand scharrt auch Ausdauer beweist, sie zu erobern. Dabei sind ja auch noch vielerlei Auswahlkategorien wichtig, welche dann wie ein Schüttelsieb auf die Auserwählten angewandt wird.

Optische und intellektuelle Anziehungskraft, Status, Ansichten, Humor (jaja, blabla), und und und. Ebenfalls austudiert hat man, dass der Mensch sein gegenüber nach einer Art Kontrollliste abcheckt. Frauen müssen eine ganz ausgeklügelte Strategie haben, um das auszuloten, oder sie haben ein Organ, das den medizinern bisher verborgen geblieben ist. Männer machen das eher althergebracht, nach der technischen Checklistenmethode. Das stellt man sich vor wie im Cockpit eines Flugzeuges, wenn hinter den gehirnschen Frontallappen Pilot und CoPilot sitzen und die Liste durchackern (die ja nur knappe tausend für den Menschen relevante mögliche Wunschvorstellungen enthält). Weiblich? Check! Nicht hässlich? Check! Atmet? Check! Wenn Männer also eine Frau anstarren, tun sie das nicht, weil sie blöd sind, sondern weil der Systemcheck noch am rödeln ist. Männergehirne arbeiten linear, nicht wie querschiessende Frauenhirne. A nach B. Nicht A nach T nach F nach A nach C nach D nach B nach… und so weiter. Siehe auch Kapitel Shoppingverhalten.

Wenn nun aber endlich genug Dates statt gefunden haben, wenn sich die beiden Frühlingsbalzer endlich durch den Frühling und den Sommer gedatet und endlich gefunden haben, dann treffen sie auf den Herbst, der nachweislich für die meisten Trennungen verantwortlich ist. Einerseits kommt man vielleicht aus den ersten verliebt überstürzt gebuchten Ferien nach Hause, in denen man Tag für Tag aufeinander geklebt ist (und damit meine ich nicht die vorhin erwähnte Heiss-Heiss-Version) oder andererseits ist man vermehrt miteinander Zuhause, also weniger abgelenkt durch Pistengänge und merkt erst, was der/die andere eigentlich für eine Saftnase ist. Dann wird es noch dunkler draussen und Winter und kalt und man verkrallt sich in sein Plüschtierchen (das die andere “Hälfte” immer so doof fand) und verflucht Beziehungen. Bis es wieder Frühling wird. Und man sich daran erinnert, dass eigentlich der Sommer, in dem man verliebt und aktiv und am Vö… also dass der Sommer eigentlich am besten war. Warm. Sonne. Rückblickend kann entsprechend gefolgert werden: Scheisstheorie. Ab in die Karibik!

Aktuell im Ohr: Puls – Goddess Of Music

Nachmittage an Wochenenden

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 10.03.2006 (12:16) |

Samstag bei IKEA. Die Grundidee war eigentlich, mir dort endlich die letzte noch fehlende Lampe für meine Wohnung zu organisieren. Mit gewissen Vorstellungen im Kopf und mit dem Wissen, nur eine bestimmte Ecke frequentieren zu müssen, begab ich mich also zum Sperrholzhändler meines Vertrauens. Teelichter musste ich keine kaufen, weil ich a) männlich bin und b)… naja… letztes Mal einen Beutel davon eingepackt hatte. Egal. Lampe. Ein Stück. Ich kenne nicht die Layouts ALLER Schwedenmöbelisten, aber um in die Lampenabteilung dieses spezifischen Geschäfts zu kommen musste der ganze Parcours zurückgelegt werden. Lampen? GANZ hinten, kurz vor dem Ausgang. Dann war der Weg dorthin ausgelegt wie bei einem Brettspiel, mit Pfeilen auf dem Boden und enorm vielen anderen Mitspielern, allerdings ohne Würfel, dafür mit vielen Idioten.

Was veranlasst eigentlich Familien, mit dem kompletten Anhang und Kinderwagen ausgerechnet samstags bei IKEA einzufallen wie die Heuschrecken? Die Weggestaltung zwischen Sofas, Betten, Küchenkonsolen und über Sitzgruppen muss hier entsprechend kreativer angelegt werden, um die Babyschubsen zu umgehen. Den Gedanken an ein kleines Schwedenleckerli (im Restaurant, nicht die kleine dunkelhaarige Schwedin) verlässt mich mit der Geschwindigkeit einer Flugzeugtoilettenspülung, als ich vor einer Unmenge an 3- und 4-rädrigen Gefährte stehen, die wohl prinzipiell dem Kindertransport dienen, aber eher aussehen wie Gefährte der NASA für Oberflächenausflüge auf fremden Planeten. Die zweite Gruppe von hier auftretenden “Menschen” sind zwei oder mehr Erstausrüstende Girlies, die nicht alleine einfahren können, weil sie a) ihr Auto nicht mehr finden und b) einen Karton mit Nachttisch nicht ohen Hilfe zum Auto tragen können. Und bei dem Gegackere empfindet man spontan Vogelgrippe als durchaus legitime Verteidigungsmethode der Natur. Dann fehlen eigentlich nur noch die frisch verliebten Pärchen, die zusammen Wohnung ausstatten und sich angurren (Tauben: Eliminierungsvorschlag siehe einen Satz weiter vorne). Am Ende war ich geschafft, hatte wegen Überbevölkerung am Futterstand keinen Einfranken-HotDog und immer noch keine verfickte Lampe.

Nun denn, ausspannen und den Sonntag grundsätzlich in entspannter Haltung verbringen. Bei MTV. Obwohl, das entspannt das Gehirn nicht nur, es de-evolutioniert schon eher. Angefangen hat das Elend ja ursprünglich mit Dismissed, der trendigen Datingshow für exhibitionistische Intelligenzallergiker mit übertriebener Selbsteinschätzung. Zwei des einen Geschlechts buhlen an von ihnen ausgesuchten Date-Lokationen um eine Person des anderen Geschlechts (meistens). Dabei machen sich beide mehr oder weniger zum noch grösseren Vollarsch, als sie es seit Geburt schon sind, um danach von der/dem Umbuhlten gehörig in die Wüste geschickt zu werden. Zwischen den Szenen, die gemeinsam verbracht werden, wird immer mal ein Interviewschnipsel zur jeweiligen Situation eingeblendet. Die Aussagen, die (vor allem bei den Männchen) getätigt werden, lassen sich grob in drei Stufen einteilen:
Ich möchte dich kennenlernen. = Ich will dich poppen.
Aus uns könnte etwas werden. = Ich will dich zwei Mal poppen.
Ich meine es ernst mit dir. = Ich will dich mehr als zwei Mal poppen.

Als Nachfolger dieses seit jahren erfolgreichen Formats wurde dann Room Raiders eingeführt, bei dem der/die Suchende nicht die Personen zu sehen bekam, sondern deren Zimmer. Mit Gummihandschuhen und Pinzette ausgerüstet werden dann jeweils die peinlichsten Seiten der jeweiligen Wohnräume der vorher entführten Delinquenten ans (Schwarz-)Licht gebracht. Egal ob ungewaschene Laken, P*rn*seiten auf dem PC, Brusterweiterungen oder Gummisusis unterm Bett, alläääs kommt raus. Und je nachdem, wie gut oder schlecht so ein Zimmer dann befunden wird, danach wird dann der Datingpartner gewählt. Zumindest fällt bei dieser Sendung das Primärwählen durch Optik weg. Anders als zum beispiel bei Swissdate, das ist eine der peinlichsten Kreationen Schweizerischen Privat-TV-Schaffens, eine Art Herzblatt für Anfänger, wo der Frager die Antworter sieht und eigentlich meist schon beim Reinkommen klar ist, welche Frau mit dem Mann rausgeht (die OHNE dicken Hintern) oder welcher Mann mit welcher Frau (der Sonnyboy mit den Muckis). So viel zum Thema Frauen gehen nur nach inneren Werten.

Um dieses Problem auch wieder auszuschalten erfand MTV eine ganz perfide Variante des Datens, auf das mich dankenswerterweise MissTeriösli aufmerksam gemacht hat: Mum Raiders. Ach nein, falsch. Date my Mom. Die Typen haben kein Date mit der Tochter, sondern mit deren Mutter, und versuchen dort herauszufinden, wie oder was die Tochter ist, oder welche Macken sie hat. Ich hab es erst EINMAL gesehen und habe doch schon das dumpfe Gefühl leichten Hirnzellenverfalls. Immerhin brachte keine Mami peinliche Babyfotos mit, aber die erzählten Geschichten taten ein Übriges dazu. Interessanterweise wählten die Show-Verantwortlichen jeweils Mammi-Dummi-Kombis, wo man optisch von der Alten nicht auf die Jungen schliessen konnte. Eine Olle hätte sich am liebsten gleich auf den Bubi gestürzt, die war beim ersten Blick, den sie erhaschte schon instant-rattig. Aber nein, sie musste ja ein Date durchstehen. Aber ein gewisses Wettbewerbsgefühl kam da schon auf, schliesslich könnte der ja, wenn mit Tochter und dann auch mal dort übernachtet und ja auch mal duscht so rein hoppla, ich wollte doch gar nicht aber wenn wir schon beide nackt sind… Nun ja, die Mutter, welche erwähnte, dass ihre Tochter modelt, aussieht wie Barbie und gepimpte Pötte hat, die hat gewonnen. Ich weiss jetzt aber gar nicht, warum. So weh es auch tun mag, ich glaub, ich ziehe mir da noch eine Folge rein. So viel Schmerz muss sein.

Aktuell im Ohr: Heaven 17 – Into The Blue

Sie ist zurück

Abgelegt unter: Allgemein | 08.03.2006 (5:53) |

Und bald schon lässt sie mich wieder ran. Ich kann mit ihr spielen. Sie rumkommandieren. ihr an die Knöpfe fassen. Wenn ich gut bin und weit genug komme, dann zieht sie sich sogar was Anderes an. Aber noch muss ich warten.

Lara ist wieder da. Bin ich aber gespannt, zumindest das Spielkind ist schon leicht hibbelig.

Gehibbelt hat es auch abends, als sich zwanzig jahre Musikerinnerung in zwei Stunden Simple Minds-Konzert komprimiert niederschlugen. Es war SPITZE. Bombenstimmung auf und vor der Bühne und wieder halb heiser vom Mitgröhlen. Aber das musste man doch auch, grad bei den sehr langen Ausführungen von “Alive and Kicking” und “Don’t You (Forget About Me)”. Hüpfen! Und wenn eine extrem spannende Version von “New Gold Dream” wie eine tollwütige Dampflok durch die Innereien gepumpt wird, da kommt eben schon ein bisschen Stimmung auf. Dazu noch meine Meinung für die Top5 der besten Song-Intros: Waterfront. Basslauf. Weitere Vorschläge erwünscht.

Aktuell im Ohr: Simple Minds – Someone, Somewhere In Summertime

Ich habe Schneewehen

Abgelegt unter: Kuchenförmchen | 02.03.2006 (6:26) |

In den letzten Tagen war es nicht angebracht, in Schwarz-Weiss zu denken. Naheliegender war, NUR Weiss zu verwenden. Macht die Natur ja auch. Wenn ich die Zeiten wegstreiche, in denen ich frierend auf Busse oder Trams warte, die wegen der Schneefälle nicht auftauchen, dann finde ich den aktuellen Zustand des total zugepulvert Seins durchaus angenehm. Eingewattet und lautstärkereduziert macht alles einen friedlicheren Eindruck. Zur Langsamkeit gezwungen fällt einigen Menschen vielleicht wieder ein, dass man nicht NUR hetzen kann. Andere sitzen weiterhin in ihren kleinen Blechkapseln und gestikulieren und fluchen und begreifen weiterhin nicht, dass die Erde sich nicht um ihre kleinen Existenzen dreht. Dabei sind es doch diese Gute-Laune-Verweigerer, die sich allmorgendlich wie Lemminge in den Verkehr stürzen um selbigen kollabieren zu lassen. Würden alle Autodebilisten, die keine Ahnung von Fahren auf Schnee haben, zu Hause bleiben, dann kämen auch alle anderen zeitig zur Arbeit, weil dann die öffentlichen Verkehrsmittel nicht von quiekenden Verkeerschweinchen aufgehalten würden.

Aber Schuld ist der Schnee. Nicht der Mensch. Steht auch so in der Zeitung. Die heftigen Schneefälle sorgen für Chaos und Beschädigungen. Lasse ich gelten, wenn unter Last ein Dach bricht oder eine Lawine abgeht (Version 2, nicht von Menschen ausgelöst). Aber im Strassenverkehr? Ich habe noch nie gesehen, dass Schnee ein Auto nach einem anderen wirft. Auch das Auto ist nicht Schuld, auch wenn verschiedene Personen ihren Fahrzeugen eine Art von Beseeltheit zusprechen wollen. Autos fahren nicht allein. Menschen fahren Autos. Waffen und Autos werden von Menschen benutzt. Und ich muss sagen, wenn man den Verker beobachtet, dann kommt man bald einmal zum Schluss, dass man EINIGEN nicht nur keine Pistole, sondern auch keinen Autoschlüssel geben sollte. Keine geschlechterspezifische Anmerkung, fahruntaugliche Idioten gibt es in beiden Lagern. Wenn ein Bus vor euch fährt, nicht drüber aufregen, dass der EUCH aufhält. In den meisten Fällen ist es umgekehrt, schliesslich sind das Profifahrer. Subtrahiert euch ruhig von der Strasse, ist eine ganz neue Erfahrung.

Apropos Erfahrung: In einem Vorort von Zürich zu wohnen und den Gartensitzplatz sechzig Zentimeter unter Schneeoberfläche zu wissen, ist schon seltsam. Am Freitag hatte mein Deko-Maulwurf in der Ecke noch eine weisse Fellmütze, wie sie Londoner Palastwachen sie tragen, einfach weiss und aus Schnee. Seit Sonntagmorgen lässt sich nicht einmal mehr erahnen, dass dort ein Maulwurf sitzt. Oder ein Garten. Oder eine Zypressenhecke. Eine weisse Fläche, die in der nachmittäglichen Sonne wunderschön unberührt zu glitzern vermag. Was läge also näher, einen von Leonardo da Vinci inspirierten Abdruck eines Menschen in den Schnee zu legen. Temporäre Kunst. Nur wie? Aus der Tür rennen und mit einem Hechtsprung und ausgestreckten Armen und Beinen… Nein, durch die Bewegungsgeschwindigkeit würde der Abdruck nicht gut gelingen und beim Aufstehen und rauskrabbeln hinterliesse man unschöne Spuren.

Andere Variante: Bungee vom Balkon im ersten Stock, so eingestellt, dass man in den Schnee eintaucht, und danach zurückgezogen wird. Ohne Aufschlagen. Nur ist es so, dass bei regulärem Bungee der Sprung senkrecht von oben nach unten erfolgt, was natürlich bei meinem Balkon nicht funktioniert, sprich, ich würde nach dem Sprung in den Schnee in Richtung Hauswand zurück katapultiert, was einerseits zu starken Schmerzen führt und ich beim darauf folgenden Niedergang nochmals auf den Platz aufschlage, weil die Länge des Seils für die weiter entfernte Schneefläche gedacht war. Also muss das eine Stuntperson übernehmen. Für diesen Fall bietet sich die Verwendung einer handelsüblichen Gummisusi an, die hat einerseits schon mal die Haltung mit ausgestreckten Armen und Beinen, andererseits den Vorteil der Füllbarkeit. nein, nicht SO füllen, sondern mit warmem Wasser. So legt man Püppi auf den Schnee und durch die Wärme von innen sinkt die Puppe langsam tiefer und macht eine schöne Figur in den Schnee. Einziger Nachteil: Durch die Wasserfüllung ist das Teil relativ schwer und bleibt dann wohl bis zur Schneeschmelze dort liegen. Also unbedingt regelmässig den Schneestand kontrollieren, es angenehmere Sachen, als den Nachbarn erklären zu müssen, warum eine halbgefrorene Gummipuppe im Vorgarten liegt.

Aktuell im Ohr: RadioSwissPop-Geträufel