Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Gerippe vögeln

Abgelegt unter: Allgemein | 08.11.2005 (12:19) |

Viele wissen den Morgen einfach nicht zu schätzen. Stehen auf, sind muffelig und müffelig und gehen blind an alltäglichen (na fast) Schönheiten vorüber. Wenn man aus dem Haus tritt die frische Morgenluft richtig zur Kenntnis nehmen und sich nicht aufregen, dass man sich den Arsch abfriert. Der Morgen kann nichts dafür, dass Mode Priorität über Wärme geniesst. Augen öffnen. Unter einem im Tal ein riesiges, waberndes Meer aus Nebel, hinter den Ostschweizer Alpen geht die Sonne auf und bemalt die morgendlichen Schleierwolken in Millionen von Rot- und Goldtönen. An anderen Orten mag vielleicht diese Umgebung nicht ganz gegeben sein, aber da behilft man sich spontan wie in Frankreich. Brennende Autos machen auch schönes Rot an den Himmel.

Aber zurück zu unserem Morgen und zu einem Bus, den ich sonst nie nehme. Jetzt weiss ich auch warum. Seit heute Morgen habe ich den Beweis, dass Vogelgrippe auf den Menschen übertragen werden kann. Dass das darauf folgende Gegackere aber ausgerechnet in einem akustisch unidirektionalen Umfeld (Lärm geht nicht raus, aber es kommt welcher rein, was wie beim Treibhauseffekt für eine Konzentration sorgt) wie einem Bus stattfinden muss, das finde ich nicht korrekt. Es heisst zwar, man solle Hühner überdacht halten, aber Hühnergatter haben wenigstens GITTER, durch die Lärm entweichen kann. Nicht wie hier. Und wehe, verschiedene Googg-Googg-Fraktionen treffen aufeinander. Nebenbei frage ich mich, ob bei Teenagern heutzutage auch noch eine Stufe ZWISCHEN VivaMTV-Klingelton-gesteuerten Bulimiepüppchen und Playstation2-phlegmatisierten McDonalds-Kugeln existiert.

Blondie1 plaudert mit Blondie2, wobei Blondie1 sowas wie eine Leaderin zu sein scheint. Falls sich eine Leaderin durch Hüftbreite auszeichnen sollte, dann hätte sie gewonnen. Auf jeden Fall unterhalten sich die beiden gut bis zur nächsten Haltestelle, wo Brownie1 (mit neongelben Fingernägeln) einsteigt. Die umarmt Blondie1 und übernimmt sofort das Gespräch. Blondie2 ist leicht konsterniert und fühlt sich übergangen, was sich deutlich in ihrem Gesicht abzeichnet. Ihre Augen strahlen STIRB aus. Neben Blondie2 dreht sich Mützchen1 um und zupft Brownie1 am Ärmel. Die freut sich und grüsst überschwenglich an Blondie2 vorbei und lässt selbige ganz gezielt aus ihrem Bewusstseinsraster plumpsen. Blondie2 kriegt für einen Teenie schon ziemlich abgefeimte Gesichtszüge und ihre Augen sagen STIRB DU SCHLAMPE. Das fröhliche Gegacker unter den anderen blubberte munter weiter und jetzt kam dieses Lippenkauen dazu und die Spannung näherte sich dem schwelenden, gärenden Höhepunkt. Und PENG sind wir an der Endstation und müssen aussteigen. F…! Genau jetzt! Wie weiss ich jetzt, ob sie sich gegenseitig die Augen ausgekratzt haben? Ist ja nicht so, dass es wie bei einer Soap morgen früh weiter geht. Nachteil. Aber wenigstens sass ich hier (im Gegensatz zur ARD-Werbung) tatsächlich in der ersten Reihe.

Aktuell im Ohr: VNV Nation – Arena

Mach mir die Banane

Abgelegt unter: Allgemein | 07.11.2005 (7:33) |

Ich will die neuen Chiquita-Werbespots mit den Fröschen haben. Weiss jemand wo gibt?

Aktuell im Ohr: Melotron – Menschenfresser

Da Coke vs. Da Pepsi vs. Da keks

Abgelegt unter: Allgemein | 04.11.2005 (22:05) |

Nachdem Coke mit der Vanilla Edition ja doch einen ziemlich dunklen Punkt auf meiner Geschmacksweste hinterlassen hat und sich Pepsi (was ich eigentlich nie anfasse) mit der Twist-Edition einen regelmässigen Platz in meinem Kühlschrank erobert hat, ist es an der Zeit, einen neuen Blick auf die aktuellen (oder re-aktualisierten) Produkte zu werfen. Dabei treten in den Ring: Cherry Coke in der relaunchten Ausgabe in schwarzer Dose und Pepsi Cappuccino. WAS? Ja, genau, das dachte ich mir auch. Ebenfalls im Ring: ich. Leider nicht als Schiedsrichter, sondern wohl als derjenge, der von beiden Opponenten eines af und ins Maul bekommt. Nun denn.

Das Dosenöffnen als solches ist noch kein neues Erlebnis und das Knack-Zisch ist handelsüblich. Die Nase sagt, zwischen dem Kohlnsäurekribbeln hängt ein Duft dieser eingelegten Kunstkirschen, die als Billigdeko auf Altersheimkuchen eingesetzt werden. Der Geschmack ist der gleiche wie vor vielen Jahren, als Cherry Coke das erste Mal rauskam: süss wie sau. Die Dose stand aber fünf Stunden im Kühlschrank. Also müsste das Gebräu bei subtiler annäherung an Zimmertemperatur ein Gefühl erwecken, als ob einem die Mundhöhle mit Flüssigzucker ausgeschäumt wurde. Kirsche. Kirsche. Naja, was im Lebensmittelchemiesektor halt unter Kirsche verstanden wird. Da schmeckt sogar die künstlich gesüsste Kirschmarmelade mehr danach. Vergleichbar mit den ganz billigen Bonbons vom Kiosk nur mit Kohlensäure und flüssig. Ich traue mich kaum zu rülpsen, da quillt mir sicher eine grosse Zuckerblase aus dem Mund, zerplatzt und schliesst meinen Kopf luftdicht ab. Der Abgang ist zwar auch süss und chemisch, aber erstaunlicherweise noch erträglicher als Vanilla Coke. Trotzdem werde ich frühestens beim Relaunch in zehn Jahren wieder einen Versuch machen, das gut zu finden.

Bevor ich zu Pepsi übergehe, brauche ich eine geschmacksneutrale Pause.
*PAUSE*
Okay, weiter geht’s…

Weil es neu ist, kommt Pepsi in ein Glas. Es bildet sich wie beim Cappuccino ein Schaum, allerdings verflüchtigt sich der so schnell, dass gar keine Zeit ist, Schokopulver drauf zu streuseln. Es riecht wie… wie… Mist. Nein, falsch, es riecht nicht wie Mist, es ist Mist, dass ich den Geruch nicht zuordnen kann. Ich hab das schon mal gerochen. Erinnert mich an die Herbstmesse, wenn zwischen den Ständen zigtausende Gerüche zusammenkommen. Hat was von Magenbrot. Zuckrig. Es erinnert sehr entfernt an Cola, aber nicht an Kaffee oder Cappu. Nun, bleibt wohl nichts anderes, als einen Schluck zu nehmen. Hm. Hmhm. Hat etwas von abgestandenem Schokomilchshake. Es überzieht die Zunge mit einem süssen Film von karamelisiertem Zuckerkonzentrat, das mit künstlichem Schokoladengeschmack unterlegt wurde. Himmelarsch. Nebenbei scheint sich beim Eingiessen die Kohlensäure total zu verflüchtigen, damit auch keine Spur von Pepp oder Fizzle erhalten bleibt, das könnte die Sache gar am Ende noch etwas rausheben, aber… Meine Güte. Früher hab ich gesagt, wenn man Coke drei Tage lang offen stehen lässt, bekommt man Pepsi. Das war ein Scherz. Bis heute. Aber es gibt bestimmt einen Zweck für dieses Getränk. Abbeizen. Unkraut vernichten. kekse verarschen. Zumindest letzteres hat geklappt. Wo ist meine Zahnbürste?

Aktuell im Ohr: Rammstein feat Sharleen Spiteri – Stirb nicht vor mir

Verhüter des Gesetzes

Abgelegt unter: Allgemein | 02.11.2005 (21:55) |

Letzten Sonntag stand der Besuch der alljährlichen Herbstmesse in Basel auf dem Programm. Dort gehe ich grundsätzlich gerne hin, unter anderem deshalb, weil ich dort mit ziemlicher Sicherheit Zuckerwatte bekomme. Zugegebenen, dieses Jahr war das nur das Zweitbeste an der Messe, aber immerhin. Interessante Eindrücke bekam ich auf den Weg, was mir schon nach der Ankunft am Bahnhof aufgefallen war. Zwei verschiedengeschlechtliche Securityleute schlenderten an mir vorbei und dort stellte ich fest, dass Mann und Frau identische Uniformen und Schuhe und Gürtel und und und trugen, aber: Nur der Mann trug einen Schlagstock. Warum ist das so? Ist das wieder die im letzten Eintrag angesprochene genetische Programmierung? Typischerweise fielen mir bei Frauen und Schlagstöcken allerdings erst (jaaa, ich geb es zu, ich bin ein Schwein) eher schlüpfrige Verwendungsmöglichkeiten ein. Aber, und das sollte ich erst später feststellen, möglicherweise lag ich da gar nicht SO falsch.

Ein paar Viertelstunden später passierten wir nämlich eine Polizeiwache und bisher war die Farbe, die ich mit Polizei in Verbindung brachte, entweder grün oder blau. Die Polizei in basel aber hat eine ROTE Laterne. Nun, daraus lassen sich verschiedene Schlüsse ziehen. Flexible Arbeitsplatzgestaltung. Handschellen und Schlagstöcke können bei Verhaftungen ebenso wie bei Tabledancing durchaus variabel eingesetzt werden. Wenn jemand unartig war und sich stellt, wird nicht nur ein Bericht aufgenommen, sondern auch gleich noch präjustiziär mit der Gerte ein Muster auf den blanken Arsch gefizzt. Erlebnissadomasie. Auf Distanz zeigt nachts die dunkle Laterne den bestrafungsbegierigen Sündern an, wo ihnen geholfen wird. Interessantes Geschäftsmodell für sonst nicht sooo beliebte Beamte. Deshalb war das mit dem Schlagstock gar nicht zu weit hergeholt. Der steckte dann statt im Halfter möglicherweise in einem Kunden. Und da würde ich doch als zukünftig zu Verprügelnder doch darum bitten, dass zuerst gereinigt wird.

Aktuell im Ohr: was südamerikanisches
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