Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Kinderüberraschung

Abgelegt unter: Allgemein | 29.06.2005 (22:52) |

Ich finde Babies nicht süss. Das sind kleine schrumpelige Neuzugänge, die halt nun mal mit zu viel Haut auf die Welt kommen und über die Jahre hinein wachsen. Aber ab einem gewissen Alter, wenn sie anfangen wie Menschen auszusehen, lässt sich bei einigen sogar schon erkennen, dass da mal was draus werden könnte. Behaupte ich zumindest. So habe ich einmal den Satz getätigt, dass man schon auf Kinderfotos (wie gesagt, AB einem gewissen, eben…) erkennen könne, ob da später mal und so. Dummerweise habe ich das zu einer Verflossenen gesagt. Damals.

„Was hättest du denn bei MEINEM Foto von früher gesagt? Konnte man da auch schon sehen, dass aus mir später was wird?“ – „Nein, bei DEINEM Foto hätte ich gesagt, man solle Zwangsverdunkelung wieder einführen“. Habe ich natürlich nicht gesagt, sondern „Mmhmm“. Was mir dann doch bestätigt hat, dass auch ich mich irren kann. Aber es ging ja auch um Grundsätze. Im Fernsehen haben sie kürzlich Kinderfotos von Angelina gezeigt. DA konnte man das schon gut sehen. Auf nebenstehendem Bild sagen die Leute auch immer, wenn sie das sehen: „Na DAS ist aber süss! Das wird mal eine ganz Hübsche!“ Na Danke. Leider wurde daraus keine Hübsche, sondern ein keks, aber meine überaus geschätzten weiblichen Anverwandten hatten das dringende Bedürfnis, mich auf Mädchen zu trimmen.

Was bin ich ihnen aber dafür auch dankbar. Meine Mutter hatte natürlich dann auch immer das Bedürfnis, wenn eine neue Freundin meinerseits das erste Mal zu Besuch war, die ollen Fotoalben rauszukramen und selbiges Foto zu präsentieren. Plus das mit nacktem Arsch oder mit der Bierflasche im Alter von Fünf. Danke schön. Aber ich glaube, diese Momente kennen alle. Und wenn ich hier schon meine Traumata ausbreite, dann machen wir doch wieder einmal eine kleine Mitmachaktion. Schickt mir eure peinlichen Kinderfotos. Egal ob ihr daraus ausseht, als würdet ihr mal hübsch werden, um später festzustellen „IRRTUM“ oder auch andersrum. Also nicht, dass ihr andersrum werdet, sondern ihr wisst schon. Fotos bitte an kekslog (at) gmx (dot) ch. Wenn mehr als fünf Fotos von verschiedenen Leuten eingehen MIT der Erlaubnis sie zur Abstimmung zu veröffentlichen, dann verlose ich sogar noch einen passenden Preis.

Abgelegt unter: Allgemein | 29.06.2005 (6:51) |


(oder: Was geschieht, wenn man einen Moment zu lange abwartet, etwas hinzuschreiben)

Aktuell im Ohr: …

Auf den zweiten Blick

Abgelegt unter: Allgemein | 28.06.2005 (13:40) |


Originelle Werbung finde ich gut. Werbung mit leicht bekleideten Frauen finde ich auch gut. Originelle Werbung mit leicht bekleideten Frauen (hey, es ist Sommer) finde ich noch viel besser. Wenn man die Plakate dann anschaut und merkt “iiiirgendwas stimmt da nicht” und nochmals hinguckt… Und dann liest, für wen oder was eigentlich geworben wird… Und das dann völlig nicht zu dem passt, was man als Erstes edacht hat… DANN find ich das spitzenmässig. So geschehen hier bei dieser Kampagne von einer Versicherungsgesellschaft. Einfach so am Rande.

Aktuell im Ohr: Oomph! – Eiszeit

Seelenfänger vs. da keks

Abgelegt unter: Allgemein | 25.06.2005 (23:40) |

Ein Gespräch wie es so oder ähnlich täglich auf Plätzen und Strassen stattfinden könnte. Sollte.
- Guten Tag. Glauben Sie an Gott?
- Mmm, nö.
- Nicht? Aber wie…
- Also seit dem “Biene Maja”-Lied hat der ja nichts Brauchbares mehr veröffentlicht.
- Biene.. Ah! Nicht Karel Gott. Nur Gott.
- Gott? Ist das wie Prince oder Eminem? Cool, was macht der für Sound?
- Ähm. Er rettet See…
- Hunde? Löwen? Pferde?
- Seelen.
- Wovor denn?
- Vor der Verdammnis. Und sie könn…
- Ach so, JETZT schnall ich das, Sie sind Pfarrer!
- Nein, das bin ich nicht, ich vertrete hier nur…
- Ein Vertreter? So wie die Typen mit den Verträgen für Mobiltelefone? Kann ich Gott abonnieren?
- Nein, Sie…
- Hat Gott Klingeltöne?
- Neiiin. Ähm. Entschuldigen Sie, aber gehen Sie denn zur Kirche?
- Ach sagen Sie das doch gleich. Nein, gehe ich nicht.
- Sagen Sie mir warum? Weil wir unterscheiden uns von den klassischen Ki…
- Die machen keine Tieropfer.
- WAS?
- Opfern SIE Hühner? Wenn Sie sich ja unterscheiden.
- Um Hilles Willen NEIN!
- Kaninchen?
- NEIN!
- Kühe? Wohl auch nicht. Haben Sie wenigstens Sexorgien?
- Haben wir auch nicht.
- Naja, wenn alle so aussehen wie Sie kann ich das verstehen.
- Wie meinen Sie das?
- Na bitte, warum soll ich Ihrem Club beitreten, wenn sogar Club Med spannender ist?
- Wir können Ihre Seele heilen!
- Die ist nicht krank. Aber apropos heilen, ich brauche jetzt etwas Hämorrhoidensalbe.
- WAS???
- Die hilft gegen nervende Arschlöcher.
- …
- Sehen Sie? Schon ist Ruhe. Schönen Tag!

Aktuell im Ohr: Schiller mit Heppner – I Feel You

Unter der Gürtellinie liegt Australien

Abgelegt unter: Allgemein | 22.06.2005 (21:43) |

Nadine, die in Australien studiert, hat dankenswerterweise auf dieses Tage-Buch verwiesen. Nicht allerdings ohne den Warnhinweis anzubringen, dass es hier durchaus klischeehaft, nicht jugendfrei und unter der Gürtellinie zu und her gehen könnte. Kann. Tut. Also „Explicit Lyrics“, wie es so schön heisst. Ich komme mir vor wie ein Gangsta, ein Pimp. Aber ich kann ihr nicht widersprechen, ich stehe dazu, aber wie alles, hat das durchaus tiefere Gründe. Oder Abgründe. Natürlich würde ich die Frauen gerne verstehen, aber da sie dies (das kommt von einer Frau) selbst nicht tun, breche ich halt auf den gemeinsamen Nenner, des meistens schöneren Geschlechts nieder: Schuhe, Handtaschen und Brad Pitt. Und schon hör ich von der anderen Kugelseite schreien „Klischee!“. Ausgerechnet von da unten.

Analysieren wir doch mal, was uns Männern als Klischee vorgeworfen wird. Wir benähmen uns wie Primitive. Wir artikulieren uns per Grunzlaut. Furzen und Rülpsen gilt als aktive Kommunikation. Beziehungen sind für uns gleich Sex. Zu was macht uns das? Zum Urmenschen. Und wie hiess unser Vorfahr? Richtig! AUSTRALO-pythecus. Beweisführung Punkt eins.

Was trennt unseren Körper? Ab wo sprechen wir von Ober- und Unterkörper? Bei der Gürtellinie. Ist zwar in den meisten Fällen nicht exakt die Mitte, aber dort wird getrennt. Wo aber findet bei unserer Mutter Erde die Trennung statt? Beim Äquator, der wiederum bei einer körperlich vorgestellten Mutter Gaia die Gürtellinie markieren würde. Norden ist oben, Süden unten, also liegt Australien erneut UNTER der Gürtellinie. Beweisführung Punkt zwei.

Und warum überhaupt sind wir so Klischeebeladen, wir Männer? Wegen den Frauen. Ohne euch (es gibt Ausnahmen) gäbe es dieses dauernde An-Sex-denken überhaupt nicht. Beispiel gefällig? Es ist Sommer, es wird wärmer und Frauen bekommen diesen Drang, sich leicht und luftig bis zu eng und knackig anzuziehen, jeweils in verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten. Sehr im Trend liegen zurzeit diese hauchdünnen weissen Stoffhosen. Wenn sich nun vor mir durchscheinender Stoff mit darunter liegendem Edelstring (der NICHT über den Rand rauskuckt) die Treppe hochschaukelt, mir also klar ist, dass da vor mir diese zwei Ihrwisstschon schweben, dann werde ich als Mann natürlich nervös.

Dann dreht sie sich noch um und aus ihrem sommerlichen Top strahlt mir die Verheissung zweier perfekt geformter Kugeln Mokka-Glacé entgegen, also sorry, da knallt meine inkonsistente hormonelle Fehlertoleranz durch. Da werden Filmtitel umbenannt. Geil in 60 Seconds. Da hätte ich gerne ein Antipendularium, damit ich nicht aussehe wie beim frühlingshaften Richtfest auf dem bayrischen Dorf. Aber nein, das darf Mann ja nicht, da ist er sofort wieder primitiv! Statt dass die Frau es schätzen würde, einen positiven Einfluss zu haben. Schliesslich trägt sie in diesem Moment zur besseren Durchblutung, also zur Gesundheit bei. Das verhindert Thrombose! Ihr rettet einem Mann möglicherweise das LEBEN! Aber wenn ihr das nicht wollt, dann bin ich dafür, dass wir den Sommer abschaffen. Oder zumindest So weit in den Süden gehen, dass es schon wieder Winter wird. Womit wir wieder in Australien wären. Beweisführung Punkt drei.

Aktuell im Ohr: Das Summen von Bienchen und das Geklapper von Dessertbesteck (nicht meins)

Intellecktuell mich doch

Abgelegt unter: Allgemein | 22.06.2005 (8:03) |

Morgens früh im Bus, ich versuche meine Augen so zu fokussieren, dass sie die Buchstaben in meinem Buch so weit auseinander halten können, um einen sinnvollen Text zu ergeben. Da wird meine Aufmerksamkeit durch akustische Einflüsse abgelenkt. Hinter mir isst jemand einen Pfirsich. Einen saftigen wohl, so richtig mit schlürfen und schmatzen. Nur fehlt mir der dabei typische fruchtige Pfirsichgeruch und so augenwinkle ich leicht nach hinten. Kein Pfirsich. Ein knutschendes, sich ab- und ausleckendes Paar. Mir ist durchaus klar, dass heftiges, verliebtes Geknutsche nicht völlig geräuschfrei abgeht, aber wenn mir spontan Verbindungen zu einem Klopümpel auf Reinigungstour einfallen, dann ist das unschön.

Sie musste dann glücklicherweise an der nächsten Haltestelle raus und entsprechend die Beiden aus einander. Wieder wende ich mich dem Buch zu, da drängelt sich ein Angehöriger der Rasse Mensch neben mir auf den Sitz, Marke „gebildet“. Oder anders gesagt, einer, der denkt, Bildung durch eine randlose Brille und Lehreroutfit „Sommeredition“ simulieren zu können. Ein Inteleller. Einer, dem Mami beim Anziehen geholfen hat, bis er, schätzungsweise, das Alter von 43 erreicht hat. Also bis heute. Kurze Hosen für Männer, die oberhalb Knie aufhören sind peinlich, die gehen allenfalls noch an deutschen Bierbauch-Touristen, aber auch nur weil die sowieso JEDEN Scheiss tragen.

Weiter unten folgen dann verschiedene Variationen von NO GO bis NO NO GO AT ALL. Variante 1: Socken in Sandalen. Hallo? Sandalen sind dazu gedacht, Luft an die Füsse zu lassen. Sehen dabei aber (mit Ausnahme einiger Trendsporttretern) so richtig Kacke aus und die Altmännerlatschen, die an Jungmännerfüssen gesehen werden, sollten zur Strafe in Vorgenannte treten. Variante 2: Barfuss in geschlossenen Lederschuhen. Kann man machen, wenn man Pilzzucht als Hobby hat oder gerne an den Fusssohlen schwitzt wie ein Schwein. Riecht auch bestimmt peppig frisch, aber wozu gibt’s Febrèze. Variante 3: Mit Socken, aber kurzen Hosen in geschlossenen Lederschuhen. Die Socken hochgezogen. Das einzige GO bekommen Australier, die zu kurzen Hosen Kniesocken anhaben. Das ist dort Kultur, bei uns ist es hässlich. Aber richtig. Und wer gebildet sein will, der soll sich doch auch mit Alltagsintelligenz ausstatten. Dabei meine ich noch nicht einmal das in den Hosenbund gewurschtelte Kurzarmhemd mit Fliege. Sondern eher: Wer SO einen Nullgeschmack hat, bleibt zuhause. Wer küsst wie ein defektes Abflussrohr auch. Die Umwelt dankt.

Aktuell im Ohr: Keine Ahnung, will’s aber auch nicht wissen

Schau mir in die Augen, Kleines

Abgelegt unter: Allgemein | 20.06.2005 (21:05) |

Sie beugte sich über mich und schaute mich intensiv an. Ihre Augen hatten das Glänzen und die Farbe von Nutella. Über ihrem rechten Auge hatte etwas ein klitzekleine Narbe hinterlassen, die man nur erkennen konnte, wenn man sehr dicht an ihrem Gesicht war. Das Licht, das von oben herab schien zauberte einen kastanienfarbenen Schimmer auf ihr sonst sehr dunkles Haar. Ich hatte einen Kloss im Hals, konnte kaum schlucken. Mein Herz raste. Sie sagte: “Keine Sorge, ich werde ganz vorsichtig sein. Es tut auch gar nicht weh”. Das sagte sie so einfach. Es war ja nicht das erste Mal für mich, ich wusste schon, wie das sein konnte, dass es durchaus schmerzen konnte. Aber ich vertraute ihr. Nahm ihr Gesicht völlig auf. Dann setzte sie mir die Spritze ins Zahnfleisch.

Es ist enorm, was ein eingeschränktes Gesichtsfeld auf die Beobachtungsgabe für einen Einfluss haben kann. Bewegungsunfähig zum Nichtstun verdammt sein, und krampfhaft versuchen, sich nicht die Fingernägel bis zum Handrücken durchzuquetschen. Ja, ich gebe es zu, ich bin dental gesehen eine Memme. Man bot mir schon an, ich könne Musik hören, das ging aber nicht, weil mein MP3-Player heute morgen stromlos darnieder lag. Also hat mir der Chef von dort wohl mit Absicht die neue Oralmechanikerin zugeschanzt, um das männliche Ego hochzukitzeln. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Quatsch. Er schreit nur erst, wenn alle weg sind. Also zugegeben, die ist putzig, die Dame. Da hat man dann auch wenigstens begründet den Sabbersauger im Mundwinkel.

Nein echt, das geht nicht auf. Mann tut dann zwar so, als sei er eine coole Sau, kippt dann aber den halben Wasserbecher beim Mundspülen neben dem Gesicht durch, weil kein Gefühl da ist um halbwegs abschätzen zu können, wo der Becher anfängt und die Lippe aufhört. Das macht ja den Mördereindruck. Ähnlich, wie endlich wieder mit Fitnesstraining anfangen, und zum Kontrolltraining (bei einer TrainerIN) mit übelstem Muskelkater einfahren und dann zeigen müssen, was man kann. Aber. Die Bewegungsabläufe waren der Knaller, sie wollte mir einen Job anbieten, die Gewichte stimmten und die Wiederholungen waren in der erforderlichen Anzahl. Ja, superb. Nein, ich konnte am nächsten Tag NICHT sitzen. Oder etwas heben. Grundsätzlich kann ich mich auch nicht mehr erinnern, wie ich es aus dem Bett und ins Büro geschafft habe.

Möglicherweise sollte ich mich dem fortgeschrittenen Alter meinereinerens anpassen und mit solch kindischen Spielchen aufhören. Ja, genau, der war gut. Ausgerechnet ich. Seit meinem Geburtstag geht es aufwärts, einerseits mit den Grashalmen in meinem Garten, andererseits mit der Stimmung als solches. Und wie anfangs beleuchtet, der Beobachtungsmodus ist wieder an. Stand doch auch tatsächlich an einer Autowaschstrasse “Keine Bürsten, keine Kratzer”. Find ich korrekt so. Zu richtigem Bürsten gehören Kratzer mit dazu. Ja, ich weiss, ich könnte damit aufhören, so säuisch zu sein. Aber das bin ich mir schuldig. Und euch. Welcome home.

Aktuell im Ohr: L’âme Immortelle – Calling

Schluss mit lustig?

Abgelegt unter: Allgemein | 13.06.2005 (6:33) |

Natürlich nicht. Hoffe ich zumindest. Da mir aber in den letzten Wochen das Humor-Gen massiv abhanden gekommen ist und ich euch nicht mit halbgaren Einträgen (jaja, NOCH halbgarer) beleidigen möchte, kann es durchaus sein, dass es an dieser Stelle etwas ruhiger (jaja, NOCH ruhiger) wird. Ich sage nicht, es kommt NICHTS, ich sage nur es kommt wenn dann überhaupt und so unregelmässig bis was weiss ich. Aber, damit ich nicht einroste, werden in einer anderen Ecke Schreibübungen und Geschichten meinerseits landen. Fingerübungen. Versuche. Kopf entleeren. Therapiezone. Wer weiss, vielleicht entsteht ja sogar etwas dabei. Es darf auch dort kommentiert werden. Weiterhin gute Unterhaltung.

Aber es ist nicht so, dass hier GAR NICHTS mehr kommt. Nönö.

Aktuell im Ohr: Radiogesäusel aus Badezimmer

Mach dich nackig, Barbarella

Abgelegt unter: Allgemein | 03.06.2005 (6:43) |

Sie können es noch. Posen. Cool aussehen. Musik machen. Nach gut zwanzig Jahren war es mir doch noch vergönnt, ein Konzert von Duran Duran zu erleben und es war ziemlich geil. Das Publikum generierte sich überwiegend aus Besuchern DreissigPlus und das mag einer der Gründe sein, warum so gut wie keine Unterwäsche auf die Bühne regnete. Einerseits ist man im Alter nicht mehr so gelenkig, andererseits sehen geworfene Stützstrümpfe und fleischfarbene BH’s auch nicht gut aus. Ganz im Gegensatz zu den fünf Herren auf der Bühne, die in wiedererlangter Ursprungsbesetzung spielten. Zwei Stunden lang hüpfen und bei neunzig Prozent der Sings mitsongen fordert allerdings seinen Tribut. Für die Ohren. Tomati jammerte dauernd, er brauche einen Stuhl, er sei Bürolist und für solche STrapazen nicht gemacht.

Hauptstrapaze war allerdings eher die Vorgruppe, die sich um eine ehemalige Miss Schweiz gebündelt hat. Als Karaokeversion hätte der Sound durchaus rockige und hörbare Ansätze gehabt, allerdings ist die Stimme betreffender Dame weder zum Sprechen noch zum Singen wirklich geeignet. Ein sehr kurzer Jeansrock sollte wohl Rock’n'Roll symbolisieren, hätte aber grundsätzlich besser zu irgendwelchen landpomeranzigen Countrychicks gepasst. Wenn wenigstens die Bewegungsabläufe zum Zuschauen gereizt hätten, dann ok, wenigstens DAS. Grade als Ex-Miss (und Ex-Model, Möchtegernschauspielerin und Blödequizshowspätnachtsmoderatorin) müssten Grundkenntnisse in Präsentation präsent sein. Sind sie nicht. Wir verbrachten deshalb die Zeit im Foyer beim schlechtesten Verkäufer ever. Wir wissen jetzt zwar, welches die neue CD ist (der Hinweis darauf fiel im Fünfzehnsekundentakt), aber nicht, warum er die wirklich interessanten Boxen immer wieder weggeräumt hat. Er wies die potentielle Kundschaft auch konsequent darauf hin, dass die Boxen (die Single-Kollektionen) sehr teuer sind, sie aber trotzdem noch billiger seien als im Laden, WENN man die da überhaupt noch bekommen würde. Habe schon in zwei Schweizer Onlineshops festgestellt, dass es auch NOCH billiger geht. Aber der wollte vielleicht durch miesen Absatz aus einem schlechten Vertrag. Wer weiss.

Aber das Konzert war geil. Klassiker, neue Songs, Tophits und nicht ganz so Bekanntes, alles war da. Und es klang wie Duran Duran klingen müssen. Der Sänger ging auch mit der Zeit, als er meinte, für den nächsten Song (Save A Prayer) solle man Feuerzeuge und Handys rausholen um Lichterteppich zu machen. Das gab es in den Achtzigern noch nicht. Auch die Falten, die sie wahrscheinlich inzwischen haben gab es damals noch nicht, aber diese illusionszerstörenden Details kann man ja von weit weg nicht erkennen. Egal, Duran Duran gehör(t)en zu den wahren Boygroups und ich hätte auch Unterwäsche auf die Bühne geschmissen. Aber es gab da keine Stühle um sich zu setzen und erstmal die Schuhe auszuziehen. Aber der gute Wille zählt.

Aktuell im Ohr: Duran Duran – Ordinary World

Baron von Lüge

Abgelegt unter: Allgemein | 01.06.2005 (10:05) |

Ich find den so richtig gut. Aber richtig!

Copyright wie immer bei Jim Davis.

Ist unser Leben eine Lüge wie verschiedene Forscher behaupten? Sind wir ein verlogenes Pack oder legen wir einfach die Tatsachen in ein günstigeres Licht? Ich wurde kürzlich gefragt, warum wir Schweizer eigentlich immer versuchen, andere nicht vor den Kopf zu stossen. Wenn wir doch eigentlich etwas ganz anderes sagen wollen. Schliesslich war das nicht immer so. Die Habsburger haben wir ganz schön heftig vor den Kopf gestossen. Oder in den Kopf. Oder sonst wo hin. Dann gingen wir als Top Quality Söldner nicht nur aus uns raus sondern auch aus unserem kleinen Land und haben ganz vielen bös in die Fresse getreten. Aber dann kam der Wendepunkt in unserer Geschichte und seitdem machen wir es allen recht. Vor allem uns. Das kann durchaus ein Platzproblem sein.

In ganz grossen Ländern leben entweder extrem viele Leute und wenn man einem ans Bein schifft, dann stehen die Chancen, dass man dem sofort wieder begegnet bei eins zu irgendwas. Oder das Land ist so gross, dass man einfach zu weit voneinander weg wohnt um sich zu kümmern. Australien zum Beispiel. Wahrscheinlich kam obige Frage drum von einer Känguruhbraut. Aber in der Schweiz trifft man sich dauernd. Je blöder sich jemand benommen hat, umso grösser ist die Chance, dass man sich zur unpassendsten Zeit am unpassendsten Ort wiedertrifft. Wenn man dann aber konsequent ist und ihm zum Beispiel nochmals sagt, dass er ein Arsch ist und seine Frau eine hässliche Schnalle, dann läuft das möglicherweise aus dem Ruder. Krankenkasse kostet hier ja auch bald wieder mehr.

Also bleiben wir brav, schluckens runter und bekommen ein Magengeschwür. Womit wir schon wieder bei den Krankenkassen sind, was jetzt mein Beispiel etwas in schlechtes Licht rückt. Hm. Also machen wir es doch so: Wir Schweizer haben gar keinen Grund, auf jemanden sauer zu sein (ausser auf Süddeutsche mit ihren bescheuerten Luftraumbeschränkungen). Wir mögen alle (die uns Kohle bringen und sich wieder verpissen). Ist hier noch frei? – Nur wenn du nicht stinkst. Geht’s dir gut? – Natürlich, wenn ich deine Meerschweinchenfresse schon um sechs Uhr sehen darf platze ich vor Glück. Hat es geschmeckt? – Suuuper, wusste gar nicht, dass aufgewärmte Kotze so grandios präsentiert werden kann. Ach ich mag dich so (und du bist die einzige Chance auf einen Fick diesen Monat, also würde ich dir ALLES sagen).

Wir lügen jeden Tag. Nicht immer und nicht immer zu allen, aber überlegt mal. Jede Situation, die kommt einmal auseinandernehmen, überlegen, was wir grad SPONTAN gesagt haben und was wir dazu im Vergleich eigentlich lieber gesagt hätten. Zur Zeit läuft eine wunderschöne Lipton Eistee Werbung, die am Strand spielt und so richtig schön offen ist. Wenn man’s locker genug sehen kann, dann tut die Wahrheit auch gar nicht immer wirklich weh. Ich bin zum Beispiel froh, wenn ich schreibe und ich bekomme eine Rückmeldung, mit der ich etwas anfangen kann. Wenn ich mich weiter entwickeln will (egal als was, Schreiberling, Mensch, Halmaspieler), dann muss mir doch jemand sagen, was meine Stärken und Schwächen sind. Da ist der Empfänger dankbar. Wenn er damit umgehen kann. Falls nicht, wird er etwas sagen wie “Oh, DAS ist aber nett von dir” und denken “Was bist du für ein ignorantes Furzgesicht”. Das Leben ist eine Lüge. Oder lüge bloss ich?

Aktuell im Ohr: Adam Ant – Prince Charming