Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Frühlingsgewühle

Abgelegt unter: Allgemein | 28.04.2005 (9:15) |

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Wenn ich in einem Museum stehe und die Maya von Goya stundenlang anstarre, dann bin ich ein kunstvernarrter Fan. Dabei stelle ich mir die Frage, wie hat er das bloss gemacht. Wenn ich vor hiesigen Werbeplakatenstehe und sie stundenlang anstarre, dann bin ich ein sexistisches, notgeiles Chauvischwein. Dabei stelle ich mir nur die Frage, wie hat er das bloss gemacht. Denn was früher die Maler waren, das sind heute die Bildbearbeiter, Künstler auf ihrem Gebiet, die uns Menschen glauben machen, solche Hinterteile gäbe es tatsächlich. Quark. Die sind höher, breiter, schmaler, knochiger, runder, einfach anders. Mit mehr Hintern ist besser überwintern.

Weniger Hintern, aber mehr Arsch ist Paris Hilton. Bin nur ich das, der die blöd findet? Man kann nirgends hin- oder reinkucken, ohne dass einem die nicht entgegen knocht. Die ist nicht hübsch, hat keinen guten Body, kann nichts und ist trotzdem omnipräsent. Beschwert sich dann aber noch, dass sie gar nicht so wenig arbeite, wie die Leute immer sagen würden. Zwei Bücher geschrieben. Mmmhmmm. Sicherlich. Selber. Ja, ja. Ein Parfum und noch irgendwas rausgebracht. Ist bestimmt eine tierische Anstrengung, den Namen unter einen Vertrag zu setzen, der einem Konzern erlaubt, den Namen auf ein Produkt zu schreiben. Sie leitet einen Club. Ohne jegliche brauchbare Ausbildung kann man das problemlos. Einfach noch mehr Geld (das sie zwar hat, aber nicht selber verdient hat) reinwürgen und schon geht es. Und auf MTV blöd sein können andere besser. Ab in die Hiltonne mit ihr.

Eine andere Möglichkeit, Kinder zu (v)erziehen, ist der offensive Einsatz von krass überteuerten Markenprodukten. Das fängt schon bei Kleinkindern an. Ein Laden bei uns heisst MacBaby und verkauft allerlei für den kleinen Menschen, nur die Namenswahl impliziert hier mögliche Folgeschäden, wenn man den Vergleich zu namensähnlichen Labels zieht. Die Ausstattung ist zwar am Anfang cool, trendy und teuer, aber in späteren Jahren wird man feststellen, dass jegliche Kompatibilität zur Umwelt fehlt. Kann zusätzlich gefördert werden, wenn das MacKind zur Rudolf-Steiner/Waldorf-Schule darf. Teuer aber nur in sehr spezifischen Umgebungen überlebensfähig. Oder ist gar die Karriere als Hamburgerbrater vorgegeben? Die Kiddie-Ausrüstung ist zwar schnell eingekauft, im Preis zu anderen Läden zwar auf den ersten Blick günstiger, aber durch den schnellen Zerfall im Endeffekt eben doch nur bedingt zur Nutzung zu empfehlen. Aber für Eltern ist es ja auch nicht einfach.

Apropos Eltern: Früher konnten Eltern sagen: “Ihr könnt froh sein, dass wir eine andere Generation sind. Wir haben euch NIE geschlagen, wie das früher üblich war.” Heute ist es anders, wie aktuelle Untersuchungen belegen. Heute sagen Jugendliche: “Ihr könnt froh sein, dass wir euch nicht schlagen, wie das heute üblich ist.” Immer mehr Jugendliche verhauen ihre Eltern. Da sieht man jetzt, was antiautoritäre Erziehung gebracht hat. Man muss ja nicht jedem Trend hinterher hängen. Von wgen Trend: Es gibt etwas Schlimmeres als Mammis, das sind Neuzeit-Trendmammis. Die haben zwar jetzt trendige Dreiradkinderwagen (die sie aber nach wie vor nicht selber ins Tram oder den Bus laden können) und rennen nicht in Ökosandalen und Hanfklamotten durch die Stadt, sondern in Up-to-date-Klamotten. Dabei stützen sie sich dann auf ihren Stinkerschubser, der in der Höhe falsch eingestellt wird, um besser den re-gefitteten Hintern rausstrecken zu können, um zu zeigen, dass sie zwar Mutter aber trotzdem noch knackig sind. Was uns schliesslich wieder zu den Ärschen vom Anfang führt.
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Aktuell im Ohr: Rasenmäher, was für ein Zufall…

Macht die Heizung an. Draussen!

Abgelegt unter: Allgemein | 25.04.2005 (19:45) |

Noch vor ein paar Tagen fand in Zürich das Sechseläuten statt, diese eigentümliche Festivität, bei der viele alte Männer durch die Strassen wackeln, sich von Frauen Blumen überreichen lassen und am Ende Reiter um einen Scheiterhaufen hoppeln. Mit ihren Pferden natürlich. Bis hierhin klingt es fast wie eine ganz banale Hexenverbrennung, aber so sind wir ja seit Kurzem nicht mehr und wir verbrennen auf dem Holzhaufen einen Platzhalter des Winters. Im Kopf der Schneemannfigur steckt eine Sprengladung und dann kommt es darauf an, wie lange es dauert vom Anfackeln bis es ihm die Birne zerbolzt. Je länger es dauert, desto länger dauert der Winter noch an. Dies als Zusammenfassung für diejenigen, welche die Story aus früheren Jahren noch nicht kennen. Dieses Jahr dauerte es knapp achtzehn Minuten und bedeutet, nächstes Jahr verwenden wir auch ein Murmeltier wie in Punxsutawney, das brennt schneller ab, weil kleiner. Ach Quatsch, nehmen wir natürlich nicht, Murmeltiere gelten als Delikatesse und werden bestimmt nicht verbrannt. Nur gegrillt.

Achtzehn Minuten allerdings heisst, es bleibt noch einige Zeit kühl. Frisch. Fröstelig. Und alles nur, weil der blöde Böögg so lange nicht gefackelt hat. Böögg, so heisst der Mann aus Pappe. Böögg nennen wir aber auch etwas anderes, nämlich jenes, was Autofahrer, die sich unbeobachtet fühlen, aus ihren Nasen holen: Popel. Also eigentlich ist die Figur ein Riesenpopel und weil es ein Stadtzürcher Fest ist, sammeln das ganze jahr über alle Zürcherinnen und Zürcher… Nein… WAAAH! SICHER NICHT! Schweizer sind ja seltsam, aber SO nun doch nicht. In der Schweiz gibt es zwar auch Abonnementsdienste für Unterwäsche und Socken, aber im Gegensatz zu den Japanern sind die bei uns SAUBER und neu und nicht getragen. Geschäftstüchtig, aber nicht pervers. Pustekuchen.

Apropos: Was ist ein Pustekuchen? Ein künstliches Gebäck, das man mit der Aufblasefreundin teilt? Falsch. Ein Pustekuchen ist das, was Caramelita einem Geburtstagskind mit Liebe zubereitet, um diesem eine Freude zu bereiten. Und nicht nur diesem, schliesslich feiert man Geburtstag oftmals im Kreise guter Freunde, die es auch wahnsinnig geniessen, das Geburtselchen glücklich zu sehen, teilzuhaben an dem Moment, an dem ein Wunsch gedacht und die Kerzen ausgepustet werden, ja genau bis da hin, wo auch Caramelita es eine doofe Idee findet, eine mit Kerzen bestückte Torte oben mit Puderzucker zu decken. DAS ist ein Pustekuchen.

Im Freien pustet es vom Himmel eher kühl und auch nicht trocken, aber fast schon wieder weiss. Bienchen von zwei Gärten weiter wartet auch schon länger auf schönes Wetter. Sie hat sich auch fest vorgenommen, tatsächlich das vor Längerem von mir gespendete Kinderplanschbecken aufzupusten und sich dann ins Nass zu klatschen. Eine Palme steht ja im Garten schon. Um das Ferienfeeling zu optimieren, kann man mit Mamas Salzstreuer das Wasser leicht in Meeresnähe rücken. Vorschlag meinerseits: In der Zoohandlung eine Tüte dieser popeligen Neonfischchen kaufen und ins Bassin schmeissen. Fast wie echt. Allerdings kam dann der Einwand, das seien doch Süsswasserfische, die hätten bestimmt mit Salzwasser ein Problem. Ich kann jetzt nicht bestätigen, ob das korrekt ist, aber, und das ist das praktische, nach einer halben Stunde paddeln gehen die hops und man braucht kein schlechtes Gewissen haben, wenn man ihnen am Ende des Tages feierlich ein Seebegräbnis in der Kloschüssel organisiert. Für den Grill sind die nämlich zu klein. Und auf dem Feuer explodieren würden sie auch nicht.

Aktuell im Ohr: VNV Nation – Homeward

Ich bin auch ein Weblog, Part 6

Abgelegt unter: Allgemein | 16.04.2005 (12:45) |

Wenn ein Mensch einem den Rücken frei hält, dann ist das vielleicht nur deshalb, damit er mehr freien Raum hat, um einem selber ungestört einen Dolch hinein zu stecken.

Fazit: Trust no one. Aber die Wahrheit liegt irgendwo da draussen in einem Kinder-Überraschungsei.

Aktuell im Ohr: Duran Duran – The Chauffeur

Ich bin auch ein Weblog, Part 5

Abgelegt unter: Allgemein | 15.04.2005 (12:01) |

Ich bin ein offener Mensch. Ich höre allen zu. Wenn jemand ein Problem hat, dann kann er oder sie sich vertrauensvoll an mich wenden. Keinesfalls würde ich das mir entgegen gebrachte Vertrauen missbrauchen und zum Beipsiel hier darüber schreiben, dass die Besitzerin von Log “sowieso” nachts einen Gummianzug trägt und Bankiers auspeitscht. Das behalte ich für mich und ich verurteile die notgeile Schlampe auch nicht. Leben und leben lassen. Jeder soll so sein dürfen, wie er will. Bin ich auch. Aber ich bin wenigstens ehrlich, zu mir und zu euch. Nicht?

Fazit: Oftmals weiss man nicht, ob man in einem Weblog liest. Vielleicht ist es auch ein Weblüg. You never know.

Aktuell im Ohr: Rotersand – One Level Down

Ich bin auch ein Weblog, Part 4

Abgelegt unter: Allgemein | 14.04.2005 (21:26) |

Ich bin cool. Ich bin hip. Ich hab Style und ich bin die geilste aller Säue. Mir reicht keiner das Wasser und ich bin in jedem Gebiet ein Fachmann. Was ich sage ist Gesetz. Ich bin cool. Jeder Satz ist ein Statement für die Ewigkeit, mein Auftreten ist über jeden Zweifel erhaben. Ich kann mir rausnehmen, was ich will und ihr findet mich gut. Ich bin schön, ich bin witzig und ich träume von Paris Hilton als Freundin, weil die so ZISSSSCH hot ist wie ich. Ich bin cool.

Fazit: Je cooler jemand versucht zu sein, desto eher ist man versucht, ihn im ewigen Eis unter seinesgleichen zu deponieren. Das in letzter Zeit WIRKLICH Allercoolste war Hilary Swank nach der Verleihung der teuersten Dildos der Welt:

Aktuell im Ohr: Die Fantastischen Vier – Mein Schwert

Ich bin auch ein Weblog, Part 3

Abgelegt unter: Allgemein | 14.04.2005 (21:11) |

Schreiben ist für die Öffentlichkeit. Nein! Ich schreibe hier im Internet, weil ich das so will. Ich mache das hier nur für mich. Soll ja keiner auf die Idee kommen hier mitzulesen und dann auch noch eine andere Meinung zu haben. Das geht nicht! Respektiert gefälligst meine Privatsphäre. Also bitte. Auch wenn ihr mich nicht kennt. Wenn euch das hier nicht passt, dann geht weg. Kommt ja nicht auf die Idee, mir einen Kommentar zu hinterlassen. Schon gar keinen kritischen. Das ist meine persönliche Freiheit und wenn ihr das nicht respektiert und hier mitlest und kommentiert, dann werde ich böse und nehme die Kommentarfunktion raus. Wenn das nicht reicht, mache ich nächste Woche ein Passwort drauf und sag es keinem.

Fazit: Nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn man es nicht abkann, dass andere zusehen, wenn man aufs Pflaster schlägt.

Aktuell im Ohr: Fettes Brot – An Tagen wie diesen

Ich bin auch ein Weblog, Part 2

Abgelegt unter: Allgemein | 14.04.2005 (13:30) |

Also der Typ, der da auch ein Weblog schreibt, das ist ein ganz Blöder. Der hat mich in den Kommentaren von einem noch anderen Weblog ganz doll beleidigt. Und ich bin jetzt ganz fest traurig. Wenn ich wieder nicht mehr traurig bin, dann werde ich den Typen ganz feste dissen. Und mich benehmen wie im Kindergarten. Aber nur fast. Weil ich eine feige Nuss bin, mach ich es ganz ganz kryptisch. Damit er das nicht merkt. Der Blöde, der.

Fazit: Nicht hinter jedem Weblog steht ein Cleverle. Hinter vielen steht ein Arschlog.

Aktuell im Ohr: Depeche Mode – Enjoy The Silence

Ich bin auch ein Weblog, Part 1

Abgelegt unter: Allgemein | 14.04.2005 (9:03) |

Britney Spears ist schwanger. Ich glaube nicht, dass ich DAZU noch etwas schreiben muss.

Fazit: In der Kürze liegt die Würze. Fürze dauern auch nicht viel länger. Der Gehalt ist meistens ähnlich.

Aktuell im Ohr: Coleske – Take Me Where The Sun Is Shining

Nordwicht

Abgelegt unter: Allgemein | 11.04.2005 (19:40) |

Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird, heisst es. Deshalb liess ich auch gezielt ein bisschen Zeit verstreichen, aber jetzt ist sie fällig: The Underrental! Von einem Freund (roger, Leser der Classix erinnern sich oder auch nicht) wurde sie mir zur Kultivierung uns Sozialisierung zugeschickt (à la Heidi, nur umgekehrte Richtung), denn schliesslich kommt sie ja aus Berlin und das sind anscheinend alles Meckerköppe. Na gut, fast. Immerhin habe ich aus der Familie wohl noch die Menschheitskompatibelste bekommen. Nicht die, deren erste Worte nicht “Mama” oder “Papa” waren, sondern “HABEN”. Aber eigentlich ist sie ja eine Liebe. Vor allem, wenn sie kocht. Ich kann mich irren, aber war es ursprünglich nicht angedacht, dass die Zutaten IN die Töpfe kommt?

Da geht dann schon auch mal eine SMS ein, die besagt “Hab mich eben als Koch versucht, ist aber in die Hose gegangen – kommt davon, wenn man keine Eier hat”. Seltsam, bei Biolek klappt das auch. An der konsequenten Weigerung, ein Kochbuch zur Hand zu nehmen, arbeiten wir in der Therapie noch. Vielleicht blieben dann… Oha… Ich manövrier mich wieder quer rein… Lapsus. Lapsusse? Lapsen? Oder besser Dilemmen? In unglückliche Umstände. Die nichts mit Schwangerschaft zu tun haben. Fisch mit Zitrone heisst: beträufeln. Nicht ersäufeln. Und es ist wichtig, dass man das ganze Wort liest und beachtet. Eine Lachsforelle ist eine Forelle und kein Lachs. Genauso wenig ist das nasse geschuppte Ding im Zoo ein Wels und keine Katze.

Apropos Zoo: Am Samstag war ich mit Caramelita bei IKEA, Couchtisch holen. Eigentlich wusste ich genau, was ich will, wo es steht und wie wir da hin kommen. Wenn wir denn erstmal bei IKEA DRIN gewesen wären. Samstags hatten diese Idee anlässlich beschissenen Wetters noch einige andere auch. Normalerweise bekommen wir immer sofort den besten Parkplatz. Da NICHT. Aber auch nur, weil wir gedacht haben, wir WOLLEN einen Platz. Denkfehler in der universellen Wunschplatzierungsabsicht. Sobald wir den Gedanken umgepolt hatten auf “wir BEKOMMEN einen Platz”, da hatten wir sofort ZWEI. Es hätte wohl auch gereicht, wenn nur einer dran gedacht hätte.

Wenn man schon mal da ist, warum nicht noch zu einem kurzen Abstecher zu MediaMarkt rüber, zwei Gehege sind immer besser als eines. Plötzlich höre ich vor mir eine Stimme sagen: “Boah, unglaublich, was für hässliche Menschen es gibt”. Ich drehe mich zur Sprecherin und denke: “STIMMT!”. Ihr Freund war auch nur unwesentlich noch viel hässlicher als sie. DIE beiden haben sich wirklich verdient. Nun musste mich natürlich Cara M. Elita noch auf deren Dame Bauch hinweisen. Wir ziehen zum wissenschaftlichen Vergleich eine Dörraprikose hinzu, vergrössern diese auf Bauchdeckengrösse und schiessen einen Nabel rein. Dann tunken wir ihren Bereiter nochmals kurz in die Motorenöltonne und voilà! Das ist die Art Mensch, die die Camembert-Ecken für bereits vorgespitzte Deo-Ecken halten. Muss man eigentlich vor der Reproduktion einen Test ablegen? Falls ja, bitte lasst die beiden durchfallen!

Da es nichts zu kaufen gab (alles unter 500 Franken ist gleich nichts), bewegten wir uns wieder dem ursprünglichen Ziel, dem schwedischen Fastfoodbemöbler zu. Zielgerichtet bahnten wir uns den Weg durch die zahl- und wortreichen Besucher, denn wir wussten ja noch was wie wo. Wir kamen sehr gut voran (ohne Meckern und Schubsen), nutzten Abkürzungen zwischen Tischen und schreckten auch nicht davor zurück, Hechtrollen über Betten zu springen, oder uns mit Bananen werfend von Lampe zu Lampe… Naja, fast. Aber es lief echt gut bis an einer engen Stelle so ein verdammter Sonntagseinkäufer mit seiner Trulla rumeierte. Darf man besoffen einkaufen? Noch schlimmer: Karierte Hemden mit selbstgetricktem Pullunder! Dafür wurde man früher ungefragt am nächsten BILLY-Regal (neu auch in hellerer Buchenoptik) aufgeknüpft!

Am Samstag lässt man in den Laden aber auch jedes Gesocks rein. Obwohl, da gibt es ja schon unter der Woche pferdebeschwanzte (oben hinten) Coolissimos, die ganz lässig für ihre beiden Tussinetten je einen Hot Dog holen wollten, weil die auch mal ein richtiges Würstchen sehen sollten. Dann aber zu doof sind, die Frage “Mit Getränk oder ohne?” zu verstehen. Drei Mal. Oder samstags wiederum die Dame von Welt an der Expresskasse (logischerweise vor mir), die bei VIER Positionen FÜNF Minuten nachrechnen muss, ob man sie jetzt nicht doch wegen 50 Rappen beschissen hat. Dafür haben die ganz geile Wachmänner, die können mehr als nur doof rumstehen. Die haben eine Zusatzausbildung! Die dürfen die Einkaufswägelchen zusammenschieben! JAAA! Wir waren zutiefst beeindruckt. Da konnte man nicht meckern. Und DAS eben war ein Berliner Kompliment. Womit die Brücke wieder geschlagen wäre.

Aktuell im Ohr: Paul Haig – Chained

Generationenübergeifernd

Abgelegt unter: Allgemein | 06.04.2005 (8:36) |

Letzte Woche auf dem Weg vom Bahnhof zum Spital war so eher dezentes Schleichen angesagt, als forsches Ausschreiten. Bei den anderen auf dem Weg, nicht bei mir, also überholte ich laufend die vor mir dahin schlurfenden Jugendlichen. Doch plötzlich hielt ich inne und dachte, nein, den da vorne überholst du nicht. Wie hätte ich einem Achtzehnjährigen das Leben zerstört, wenn ich ihm vorgeführt hätte, dass ein doppelt so Alt… an Jahren mit 2 Multiplizierter im gleichen Trendladen einkauft wie er? Anderes Leben, aber gleiche Hose. Das wollte ich ihm nicht zumuten. Dass das Leben nicht fair ist, zeigte sich kurz darauf, denn am Ostermontag schaut meine Schwester mein Hemd an und sagt: “C&A Clockhouse?” – “Ähm, ja?” – “Mein Mann hat das gleiche in schwarz”. Und der ist SECHZIG. Ich geh nie wieder in den Laden!

Oder werde ich (wir) tatsächlich anders? Ich freu mich ja inzwischen schon, wenn ich ein neues Bügeleisen kaufe. Waren das früher nicht Stereoanlagenkomponenten oder Computerhardware, die uns Glücksgefühle verschafften? Und jetzt Küchen- und Haushaltsgeräte? Eine Espressomaschine geht ja grade noch, obwohl ich glaube, Koffein ist ein Gerücht. Ich kann mir jegliches diesbezügliches Getränk einverleiben und was passiert? Nichts. Nebenbei habe ich auch gelesen, dass Kaffee am frühen Morgen gar nicht wachmachen kann, weil der Körper die (gerüchteweise) enthaltenen Stoffe noch gar nicht aufnehmen kann. Erst nach etwa zwei Stunden soll das dann tatsächlich etwas bringen. Also ist das ein Wachhalter, statt Wachmacher. Den Kolben frühmorgens schon reinmachen hilft schon beim Kick in den Tag, aber es muss nicht der von der Kaffeemaschine sein.

Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag, heisst es. Passende Sprichwörter dazu gibt es, doch wenn ich am Morgen schon nicht wirklich mit Kaffeegerüch(t)en durchstarte, weiss ich ja auch nicht, ob Kohlenhydrate und Eiweisse diesen Job korrekt erledigen. Ausser nach zwei Stunden Betriebszeit, der Körper soll sich den Input doch verdienen. Bloss wie bekomm ich unsere Kantine dazu, mir um Neun Bratkartoffeln mit Bacon zu servieren? Was helfen könnte ist genügend Zucker, wobei mir da meine Ernährungsberaterin nahe gelegt hat, dass der Zucker nicht naheliegt nur weil er meistens nahe liegt. Wie die Schokolade da drüben. Oder Konditoreiauslagen. Da könnte ich ja schwelgen wie kürzlich in Appenzell. Ein superschönes Schaufenster mit all den lokalen Spezialitäten und dann – mittendrin – ein kleines popeliges Häufchen (nicht wirklich schön anzusehen) mit einem Schildchen “Auch für Diabetiker”. Und das erste was mir einfiel war: LOSER!

Tut mir ja leid, aber da hat man doch die Arschkarte gezogen, oder? Zucker als einer der primären Geschmacksträger (neben Fett, ich sag ja, das Leben ist nicht fair) und man muss seine Nahrungszufuhr nah Brotwerten berechnen? Das klingt ja noch langweiliger als die Punkte der Weight Watchers. Ich fress jetzt 15 Mohrenköpfe und den Rest des Tages nichts, so bleibt mein Konto ausgeglichen. Konto. Aha. Werte. Brotwerte. Mir wurde zugetragen, dass es Diabetiker gibt, die sich tierisch Süssigkeiten reinhauen um sich gleich danach die ausgleichende Insulinspritze zu verabreichen. Wie krank ist DAS denn? Was kommt als Nächstes? Insektengiftallergiker, die mit Wespennestern Baseball spielen? Wir leben in einer seltsamen Welt. Mit seltsamen Menschen. Mit selektiver Wahrnehmung und selektiver Verblödung. Obwohl ich ein paar Menschen nennen könnte, die KOMPLETT verblödet sind. Aber die erwähne ich ein anderes Mal. Jetzt brauch ich einen Kaffee. Schliesslich bin ich schon zwei Stunden wach und ein Bügelbrett muss ich auch noch kaufen.

Aktuell im Ohr: Rotersand – Hush
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