Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Namen für Damen

Abgelegt unter: Allgemein | 24.03.2005 (9:36) |

Immer wieder werden nach Veröffentlichung von Werbekampagnen Aufrufe gestartet, man solle dieses oder jenes Produkt boykottieren, weil es mit nackten (meist weiblichen) Menschen oder deren Teilen wirbt. Das mag bei Unterwäsche Sinn machen, bei Autoersatzteilen weniger. Aber selbst bei Unterwäsche gingen schon die Feministinnenhütchen hoch, nachdem Sloggi mit getunten, photogeshopten Synchronarschbacken warb, wo selbst das halb angegeilte Männchen erkennen konnte, dass die nicht wirklich echt sind, sondern einfach der bunten Optik willen so gestaltet wurden. Da lief man auf die Barrikaden auf, doch bei der nebenstehenden Plakatierung schweigt die geneigte Barrikadine, obwohl hier sehr (wie gesagt) plakat-iv unter dem Deckmäntelchen der Unfallverhütung primärste… ähm… Körperteile präsentiert werden.

Oder ich bin einfach eine versaute Existenz und interpretiere etwas hinein, was mich bei Lilien oder Orchideen schon auf falsche Fährten bringt. Selbstverständlich fällt mir auch eine modernisierte Scream-Maske ein, natürlich. Aber eben. Andere hingegen erkennen in dem Bild eine Designersaftpresse (nein, das ist kein leicht zu kriegendes Model), aber eine solche von Alessi besitze ich und die sieht anders aus. Ist in echt auch nur sehr eingeschränkt zur Verwendung als Presse empfohlen. Es ist Design, also als Gegenstand des täglichen Gebrauchs untauglich. Sollte jemand bei mir Gegenteiliges beweisen wollen, so werde ich ihn/sie mit besagtem Stück erstechen. Um aber das Lüft zu rätseln, es ist ein Velohelm. ABer ich nehme gerne noch andere Vorschläge entgegen.

Apropos Geschlechtsteile und Gebrauchsgegenstände: Männer geben ja bekanntlich ihren Willi’s Namen. Diese müssen nicht zwingend “Bruce” lauten. Eventuell bekommen beide Hände Frauennamen. Aber: Sie würden niemals auf die Idee kommen, ihr Auto, ihre Espressomaschine oder ihre Saftpresse (ausser: siehe oben) mit einem Namen zu versehen. Frauen tun das. Jetzt ziehe ich zur Unterstützung eine Person hinzu, die mit 13 bis 15 “Personen” auf 16 Quadratmetern lebt und die mich darüber aufgeklärt hat, dass eine Espressomaschine (Gianni) einerseits italienisch benamst werden muss, andererseits männlich sein muss, weil das meiste, was sie/er produziert, heisse Luft ist. Ich konnte wenigstens anfügen, das dies zumindest mit gutem Druck funktioniert. Gummipuppen aus dem Erotikmarkt heissen IMMER Gummi-Susi, egal, wie sie aussehen. Vibratoren hingegen werden werden natürlich entsprechend umbenannt, zum Beispiel “Julio”, wenn sie neu sind und wenn die Batterien langsam austuckern ist es dann halt eben “Horst” oder “Hans-Peter”.

Wird der Fön Detlef nach seinem Ableben begraben oder ganz banal entsorgt? Kann eine solch innige Bindung eigentlich gelöst werden ohne Gewaltanwendung? Wenn der Saftmixer Consuela nun auf einmal in ihre Heimat abgeschoben wird? Ich plädiere für die Einrichtung einer Selbsthilfegruppe für von Haushaltgeräten verlassene Frauen. Wenn die Dame dort ist, kann sich der Herr zuhause mit dem namenlosen aber doch geschätzten Staubsauger vergnügen. Dann fehlt nur noch ein passender Friedhof. Hier ruht Julio nach langer tiefer (oder weniger tiefer) Freundschaft. In Pace Vibratem.

Aktuell im Ohr: Planet Claire – From TV To Real Life

Miez, miez, miez, schnarch

Abgelegt unter: Allgemein | 16.03.2005 (20:44) |

Irgendwann letztes Jahr, es muss kalt gewesen sein, also wohl letzten Winter schon, da waren wir als gesammelt Team bei EmmWee zum Essen eingeladen. Ich erinnere mich deshalb daran, dass es kalt gewesen sein muss, weil mir nahe gelegt wurde, ein paar Mäntel oder Decken mitzubringen, weil ich auf dem Balkon essen müsse. Die anderen nicht, nur ich. Dies aus dem haarigen Grund zweier Katzen, die dort hausten und gegen die ich mehr oder weniger bekannterweise allergisch bin. Also nicht nur DIE beiden. Eigentlich wollte ich dort ja nicht mit, aber mir wurde geheissen, dort gefälligst zu erscheinen, auch wenn ich dann eben durchs Wohnzimmerfenster teilhaben müsse. Nun, da musste es doch eine Alternative für alte Naive geben.

Die Apothekerin war ebenfalls dieser Ansicht und so hielt ich nach ein paar Minuten wiederholter Erklärungen (das mache ich bei dieser einen jedesmal, weil die zwar hilfsbereit, aber doof wie ein Aspirin ist) eine Schachtel Fenistil in der Hand. Die Tabletten, nicht die Tube. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir dieses Produkt nur als Aufstreichgel gegen Stiche sommerlich auffliegender Insekten geläufig. Der Beipackzettel säuselte etwas von Antihistaminika und der geneigte Selbstmedikator weiss nun, dass es sich um ein antiallergen wirkendes Substanzium handelt. So etwas hat mir die Apotöse auch vorgelabert, aber wenn sie MIR nicht zuhört, warum dann ich IHR? Wirkt gegen allergieauslösende Stoffe. Aha. Bewerfe ich die Katzen damit? Wohl eher nein.

Ich nahm also pflichtbewusst (und um ganz sicher zu gehen) am Tag vor dem Abendessen Schrägstrich Nachtessen (Je nach deutschsprachlicher Herkunft – hm, wie war das in Österrreich? Meine Gene machen eben Pause) eine Tablette ein. Nichts geschah. Wie auch. Am Nachmittag des folgenden Tages verspürte ich eine dezente Müdigkeit. Ich mass dem keine weitere Bedeutung bei. Zwei Stunden vor dem Essen und dem unwiderruflichen Zusammentreffen mit den Muffkandidaten warf ich noch pflichterbewusst (und um ganz sicher zu gehen) nochmals eine Tablette ein. Ich glaube, da geschah auch nichts. Wir trafen dort ein, legten auf EmmWee’s Zuruf sofort unsere Klamotten ab (nur die oberen, also die Ummantelungen und die Gejackten). Ich kam zuletzt in den Raum und entsprechend lag zuoberst dann Jack Daniel’s. Und ab diesem Moment – man merkt es an der glatten Oberfläche der sich anschleichenden Witze – verschwimmt dieser Abend vor einem dumpfen Schleier. Ich meine hinter. Ich war nur noch müde. SEHR müde.

Ich weiss, wir hatten es sehr spassig. Ich weiss, wir haben etwas mit Fleisch gegessen und es waren nicht die Katzen. Naja, hier könnte ich mich auch irren. Ich weiss, wir hatten einen guten Rotwein, der möglicherweise, unter Umständen, eventuell mit den Antihistaminikatzen leicht interagiert hat. Ich weiss ebenfalls, deswegen, weil ich das Beweisstück noch Monate rumtrug, dass ich an dem Abend massenweise Notizen gemacht hatte, um sie dann hier zu verwurschten. Es bot sich zu jedem Teilnehmer und jeder In massig Gelegenheit, auf ihnen rumzutrampeln wie auf den Sandburgen kleinerer Kinder damals im Sandkasten. Dummerweise haben die Tabletten nicht nur die Katzenallergie auf Distanz gehalten, sondern jegliche Erinnerung.

Nun ist es ja so, dass heutzutage jede zweite Frau Katzen hält, ich es aber nicht schaffe, die relativ grosse Gruppe der Unfelidaisierten zu treffen. Das wäre ja zu einfach für den Herrn keks. Also werfe ich einen Blick auf die Medikamente, die ich für die Miss brauch. Was nun? Wenn ich also zu Besuch will, dann habe ich die Möglichkeit der Präventivaufnahme wie oben beschrieben, schlafe aber in ihrem Gesicht ein. Oder ich nehme spontan kurz vorher ein, riskiere dabei einen verspäteten Wirkeinsatz und erhalte dann zwar auch Lippenkontakt, aber zum Zweck der Luftzufuhr. Oder doch wieder erstere Variante, sicherheitshalber aber den Wein weglassend umd dann nicht feststellen zu müssen, dass man auch ohne Kürbis (und das restliche Zubehör) den besten Sex des Lebens gehabt haben könnte, aber trotz Notizen sich ums Verrecken nicht dran erinnern kann. Aber, ich glaube, an dieser Stelle könnte das mit dem Balkon und den Decken funktionieren.

Aktuell im Ohr: LaTour – People Are Still Having Sex (And Nothing Seems To Stop Them)

Merk und/oder denkwürdig. Und/oder so.

Abgelegt unter: Allgemein | 14.03.2005 (11:59) |

Musik ist super. Meistens. Oftmals. Musik ist oftmals besser, wenn man den Text nicht versteht. Das gelingt sehr sehr vielen Menschen schon, weil sie einfach keine Fremdsprache können. Dies wiederum ist allerdings schade, denn in einigen Liedern, beziehungsweise in deren Texten, fallen plötzlich Sätze, die im Kopf hängenbleiben. Weil sie ach so romantisch sind, oder einfach weil… Ja, warum eigentlich? Aus meinem Fundus und Gefundus hier ein paar Zeilen, die MIR besonders gefallen haben:

Adam Freeland – We Want Your Soul:
“You are as free as WE tell you”

Rammstein – Zwitter:
“So bin ich dann auch nicht verzagt, wenn einer zu mir FICK DICH sagt”

Beginner – Gustav Gans:
“So sieht’s aus, wozu der ganze Schwermut, hör lieber zu, blick nach vorn und fühl dich sehr gut”

Eisbrecher – Willkommen im Nichts:
“Schampus, Schlitten, Titten, Kokain!”

Faithless – Insomnia:
“I can’t get no sleep”

Sailor – A Glass Of Champagne:
“I got the money, I got the place, you got the figure, you got the face”

RMB – Reality:
“Below my weightless body, a red and golden ocean spreads”

Ramones – Pet Sematary:
“I don’t want to live my life again”

Nik Kershaw – Billy:
“Sally wants a free man, but she will not let him go”

Ultravox – Reap The Wild Wind:
“You take my hand and give me your friendship”

Lambretta – Bimbo:
“Which bone in her body should I break first”

Megaherz – Heute schon gelebt?:
“Hast du heute schon gekämpft, hast du dich heut schon gewehrt, hast du deine Chance genutzt oder dich wieder nur beschwert”

Die Ärzte – Manchmal…:
“Manchmal, aber nur manchmal, haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern”

Bloodhound Gang – Fire Water Burn:
“We don’t need no water, let the motherfucker burn”

Blues Brothers 2000 – Ghost Riders In The Sky:
“Yippiayeh, Yippiayooohoooh”

Aktuell im Ohr: Bunte Mischung (siehe oben)

Kuss der Dekade

Abgelegt unter: Allgemein | 13.03.2005 (14:39) |

Bei den MTV Movie Awards gibt es neben den besten Darstellern, Filmen und gehabter Kategorien auch immer denjenigen des besten Kusses. Einmal war das der Kuss unter Mädels aus Cruel Intentions, ein andermal war es der Kopfüberkuss aus Spiderman. Was sind nun Kriterien zur Kürung des Kusses par Excellence? Knisternde Erotik? Ja. Schwülstige Umgebung? Nein. Die Chemie zwischen den Lippenkontrahenten muss stimmen? OH JA. Mit der Zunge die Mandeln ablecken? Nääähäää. Rundherum löst sich die Restrealität in Blubberbläschen auf? Yep. Hauptsache drin und wenn’s sein muss mit Anlauf? Absolut nein. Das ist nicht erotisch, das ist primitiv und völlig unprofessionell. Ein Kuss hat gewisse Regeln. Klingt doof, ist aber so.

Beispiel: Man leckt sich nicht zuerst fünf Minuten die Lippen ab, damit alles richtig schön feucht ist. Wenn ich ein nasses Gesicht haben will, kaufe ich mir einen Hund. Kein Knoblauch, keine Zwiebeln oder ähnliche duft- und blähungsintensiven Nahrungsmittel. Kohlensäurehaltige Getränke sind möglichst zu vermeiden. Oder wer findet es toll, in den Mund gerülpst zu werden, dass die Ohren schlackern? Eben. Das Gesicht in dasjenige des Gegenübers oder Gegenüberin zu hauen ist beim Wrestling möglicherweise akzeptabel, beim Küssen ist eine verlangsamte (auch zur Hebung der Spannung) Annäherung viel besser geeignet. Insbesonders, wenn man Augenprobleme hat oder mit der Anordnung der benötigten Gesichtsteile nicht ganz vertraut ist.

Die Umgebung hingegen ist eigentlich beim reinen Küssen Nebensache (siehe Spiderman). Es darf aber Rücksicht genommen werden, wenn beispielsweise in einem Lift zwei sich (nicht ganz regelkonform) ableckende Pärchen stehen und mir den Ausgang versperren und ich genötigt werde, die Speichelumverteilung mitanzusehen. Es war kein schöner Anblick. Die konnten das halt auch nicht. Aber es gibt sie doch, die Nichtfilmküsse, die im alltäglichen Leben stattfinden. Wo man denkt, hah, da fehlt jetzt nur die Kamera, die kreisend um das paar zirkelt, die Umgebung wird weichgezeichnet und ein Streichorchester aus dem Off spielt Pachelbels Kanon. Der Hintergrund wird dunkel, Feuerwerk steigt auf und zwei Augenpaare strahlen sich an. DAS müsste einen Preis bekommen. Wenn man dann noch einer von den beiden Teilnehmern und Innen ist, dann kann es fast nicht mehr besser werden.

Ihr möget mir also meine temporäre geistige Abwesenheit verzeihen. Ich muss zu einer Preisübergabe.

Aktuell im Ohr: Mark’Oh vs. John Davies – Rebirth

Pump it, Baby

Abgelegt unter: Allgemein | 07.03.2005 (20:07) |

Was gibt es Schöneres, als zu wissen, dass der keks sein Fitness-Abo erneuert hat und sich wieder in die Höhle der Weichen und Schönen begibt, einerseits um sich zu kräftigen, andererseits um sich an die Schweissbanden der literarischen Trainingskultur zu lehnen? Eben. Mir wurde schon vorgeworfen, ich würde aus rein voyeuristischen Gründen ins Fitness gehen. Das ist konkret falsch. Genauso wenig wie ich in einem Spital wegen der Krankenschwestern arbeite. Genau wie da, weiss ich nämlich, dass in einem Fitnesscenter nicht alle Frauen aussehen wie im Eric Prydz-Video (Ansichtsexemplar (WMV, 6.7MB)). Im übrigen ist dieses Video nicht nur unrealistisch, nein, es ist auch widerlich und sexistisch. Abstossend. Ich kann es völlig nachvollziehen, dass es Frauen gibt, die ihren Partnern das Ansehen dieses Schmutzes verbieten. Als das zum ersten Mal auf VIVA lief, blieb ich wie angewurzelt vorm Fernseher stehen und traute meinen Augen nicht!

Ich konnte meinen Blick nicht abwenden, weil ich dermassen entsetzt war! Entsetzt, dass ich es nicht vom Anfang an gesehen habe. Also ich find’s geil. Genauso wie ich Filme toll finde, in denen UFOs das weisse Haus sprengen und die Welt durch Einspielen von Windows gerettet wird, weil das die Ausserirdischen futsch macht. Tut es uns zwar auch, nur langsamer. Aber zurück zum Thema. Oder fast. Man muss diese Videos als das sehen, was sie sind: Witzig. Man kann sich ja auch zwanghaft über jeden Mist aufregen. Remember? Schlechte Laune ist ein Denkfehler. Als Nachfolge kamen Sekretärinnen, die sich halbnackt auf dem Kopierer räkeln. So what? Wie realistisch ist das? Eben so wenig wie das hier: Leben (MPG, 13.3MB). Also bitte.

Aber gehen wir einen oder zwei Schritte zurück ins Gym. Mir sind Dinge aufgefallen, wo ich finde, da müssten genauere Regeln her, so als DO’s and DON’Ts. Ich will zum Beispiel keine Pyjamahosen sehen. Im Schlafzimmer, warum nicht, da dürfen die aus Seide sein (Frauen in Männerpyjamaoberteilen haben was Scharfes), aber nicht so labberige Frotteesäcke. Näh. Aber auch das Gegenteil, knallenge Leggings sind tabu. Ganz speziell an Männern. Was geht ist: Gut aussehen. Das ist ja mit ein Grund, warum man da hingeht, sich gut fühlen und besser aussehen. Aber das muss man nicht aktiv praktizieren, indem Mann seinen T-Shirt-Ärmel hochrollt um dann im Spiegel seinen Bizeps zu bewundern, wenn er die Gabel der Maschine zurückzieht. Ein Wunder, hat der nicht seinen Oberarm gleich abgeleckt.

Was man auch darf: Sich auf einer Maschine nach der Anstrengung kurz ausruhen. Was man dabei nicht darf: Tot aussehen. Noch weniger: Tot SEIN. Aber die Nuss ist bloss eingepennt. Eine Bitte an die Frauen: Wenn ihr nicht wollt, dass die Männer auf euren Hintern starren, dann kauft keine Trainingshosen mit einem Schriftzug über die Arschbacken. Ich zum Beispiel, fahre gerne mit dem Finger den gelesenen Zeilen entlang, also keine Beschwerden! Dann, in der Umkleide (wo ich jetzt rein aus Männersicht berichte) ist völlig inakzeptabel, wenn die Haare auf dem Rücken länger sind als die auf dem Kopf und der Herr KEINE Glatze hat.

Apropos Länge: Nebenbei muss ich die Damen, welche sich gerne an dunkelhäutigen Männern orientieren, weil sich die ja, so Gerüchte umgehen, durch ein körperliches Merkmal auszeichnen sollen, was… hmm… wie erklär ich das jetzt… Die sollen ein Teil wie ein Pferd haben. Tut mir leid, Ladies, dem ist nicht so. Unrealismus-Fakto wie oben. Und gleich zum Klarstellen, ich geh da nicht nachmessen, aber es gibt Dinge, die sieht man nun mal in einer vorwiegend durch Nackige geprägte Umgebung einer Dusche. Ich weiss jetzt auch, warum der Südlandmacho von Donnerstagabend einen Pferdeschwanz OBEN trägt. Konnte sich wohl keinen Porsche leisten. Aber der Trend zu Frauenferien auf Jamaica wird sicher ungebrochen weitergehen. Was der Typ da in seinem Tage-Buch schreibt ist sowieso alles aus den Fingern gezogen und von der Palme geschüttelt. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Smart viel die cooleren Autos finde als Porsche?

Aktuell im Ohr: New Order – Confusion (Blood Rave Mix)

Cara mia – My beloved (alles eine Frage der Sichtweise)

Abgelegt unter: Allgemein | 06.03.2005 (18:48) |

Lernt man neue Leute kennen, lernt man auch neue Wörter. Oder neue Blicke auf alte Begriffe. Ich hätte zum Beispiel ohne Docs Hilfe Milch niemals Tierdrüsensekret (oder so ähnlich) genannt. Und seit einer Woche weiss ich auch dank anderweitiger Hilfe, was Schlürze ist. Schlürze ist die Pampe, die man sich, beziehungsweise meistens frau (obwohl das vielen Männern gut täte), ins Gesicht schlürzt. Das ist nicht das Gleiche wie Schlotz. Schlotz ist das Geräusch, wenn in einem Horrorfilm spontan diverse Körperteile kunstgerecht im Raum verteilt werden. Nicht unbedingt meine bevorzugte Art Film, aber hin und wieder als Inspiration für die nächste Grillparty, warum nicht. Die Psychofilme, die etwas dezenter vorgehen, die nicht ganz so offensichtlich den Horror zu Tage treten lassen, die sind eher meins. Dabei ist es allerdings wichtig, mit wem man sich diese Filme ansieht.

Mit Jungs ist das kein Problem. Frauen hingegen wollen sich festhalten. So richtig. Was es gibt es dann schöneres, als zentimetertiefe Fingernagelfurchen vom Handgelenk zum Ellbogen, natürlich auf der Innenseite des Arms. Na gut, das hatte ich noch nie, aber kann ja alles noch kommen. Meine erste Freundin hat mir nur mal aus Schreck (Action Jackson Eingangssequenz) fast das Handgelenk über der Armlehne gebrochen. DAS ist Action. So wird Kino noch unterhaltsamer. Interessant ist auch, dass man Jungs nie die Handlung erklären muss oder welche Personen da vorkommen. Gestern hatten wir eine diesbezügliche Unterhaltung zum Thema Kontinuität bei Bond-Filmen.

Dazu gehört: Bond, dem nie etwas wirklich weh tut. Coole Gadgets, die Bond nie zurückbringt. Autos, die Bond immer kaputt macht (oder andere). Hübsche Mädels, von denen Bond minimal EINE flach legt. Frauen mit bescheuerten Namen, gegen die Feministinnen seit Anbeginn Sturm laufen. Endkämpfe, bei denen alles zerschossen, zerschlagen oder in die Luft gesprengt wird (ausser Bond). Bösewichte, welche die Weltherrschaft wollen (Warum schickt keiner Bond nach Washington?). Immer die gleiche Handlung. Plus alle paar Jahre die grosse Frage, wer als nächster den Bond mimt. Wir kamen zu keinem Schluss. Es war keiner cool oder britisch genug und sorry, Girlies, Robbie Williams geht nun mal gar nicht. Da würde ich Robin Williams vorziehen.

Ersterer ist wohl auch nur Star geworden um seinen Popability-Faktor zu erhöhen. Damit er Videos drehen kann wie das zu Radio mit den Cheerleaderinnen. Würd ich auch, wenn ich könnte. Andere können dafür zu karibischen Unterwäschefotoshootings und wollen mir danach die Digicam mit den Bildern nicht zeigen. Und wenn es nur zum Beweisen wäre, dass Models auch nur Menschen sind und auch gar nicht so modelig rumlaufen. Schon gar nicht auf der Strasse. Und dort schon gar nicht im Bikini. Das würden sie schon eher am Zürichhorn tun. Und hier zur Erklärung für Ortsunkundige: Das Zürichhorn ist keine spontane körperliche Reaktion männlicher Einheimischer auf Frauen, sondern eine nette Ecke mit Park am Zürichsee, wo sich im Sommer eine Badeecke/Liegewiese befindet und dort passen Bikinis hin.

Irgendwie wollte ich aber eigentlich auf unterschiedliche sprachliche Ansichtsweisen auch noch hinaus, weil nämlich einer meiner Lieblingssongs “Beloved” auf fransöösisch “aimé” und auf italienisch “cara” heisst. So man Google denn trauen kann. Dann wäre Caramel ja geliebter Honig. Ach nein, das ist ja mele. Oder ist das Apfel? Mamma mia! Nein, die kann mir auch nicht helfen, die kann kein Italienisch. Es ist ja schon schlimm genug, dass sich in der deutschen Sprache die Nahrungsmittel von Land zu Land anders nennen, wenn ich dann in der Küche stehe und zuerst vier Wörterbücher brauche, damit ich weiss, welche Zutaten reinkommen und dann ein englischer Freund am Telefon hängt, mir ein Stew-Rezept durchgibt und auch noch mit seltsamen Begriffen um sich wirft, dann ist Schluss. Dann bestelle ich mir eine Pizza. Da wurde das Zubehör mit Tiermagensekret hergestellt. Und sieht aus wie Schlürze.

Aktuell im Ohr: VNV Nation – Beloved

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Abgelegt unter: Allgemein | 02.03.2005 (20:29) |

Wenn sich am Morgen die runde Scheibe der Sonne im Nebel abzuzeichnen beginnt wie die Brust einer Frau, die aus einem Schaumbad steigt, dann ist die Welt schön. Wenn Eiszapfen schillern, golden beleuchtet von den wärmer werdenden Strahlen des Helios, einen feuchten Glanz darauf gezaubert wie auf volle Lippen, frisch von einer Zunge benetzt, dann ist die Welt schön. Wenn an Glasfenstern Schneekristalle in ihrer Perfektion gefangen sind, wie vom zarten Kuss der Kälte eigens hingehaucht, dann ist die Welt schön. Wenn an der Busstation jemand auf den Boden gekotzt hat und alles massiv für die halbe Ewigkeit dort festgefroren ist, dann wird die Welt wieder hässlich. Aber auch lustig auf eine ganz eigene Art und Weise.

In den Nachrichten kam ein Ausschnitt, wie in Sibirien eine Frau eine heisse Tasse Kaffee in die Luft schüttet und alles gefriert, bevor es den Boden erreicht. Spannend. Was, wenn das dem Übergeber an der Bushaltestelle auch passiert wäre. Stünde der Stunden später auch noch dort? Wäre das Kunst? Schönheit? Originell? Ganz bestimmt wäre es ANDERS. Was ein schöner Mensch ist, kann ja auch niemand mit Bestimmtheit sagen, das ist sehr, sehr subjektiv. Worauf jeder von uns abfährt, was alle von uns anmacht, gibt es das? Ich sage: NEIN. Es gibt Menschen, die poppen gerne Heizkörper. Es gibt Menschen, die finden ihren Partner erst dann richtig toll, wenn sie sich ein Lunchpaket mitnehmen müssen, wenn sie ihm/ihr mal kurz den Rücken kratzen gehen. Lange Haare, kurze Haare, Augen in blaugrünbraunschwarzrot, helle Haut, dunkle Haut, gross, klein, natürlich oder implantiert. Jaha! Wenn Salzwasser für Nudeln gut ist, kann es für Brüste nicht schlecht sein.

Bei dieser Comedy-Wissens-Sendung mit Boning und Eligmann wurde der Test gemacht, ob im Flugzeug bei Unterdruck eher ein Silikonkissen, ein Salzwasserkissen oder ein Luftkissen platzt. Es gibt ja genügend Horrorgeschichten von “Schauspielerinnen” oder “Stars”, denen ihre Investitionen in 80DD um die Ohren geflogen sein sollen. Allerdings kam bei dem Experiment raus, dass es das Luftkissen ist, das tatsächlich eine Veränderung mitgemacht hat. So wäre die Chance also höher, dass betreffenden Damen der Kopf zerploppt als der Balkon. Kann bei solchen Dingern eigentlich, falls es eine mal bis zum schwanger schafft, normal Muttermilch produziert und normal ausgegeben werden? Oder macht das Baby dann so ein Äbääh-Gesicht, weil es salzig schmeckt? Wäre es dann nicht für die Kräftigung des Kindes besser, schon von Anfang an Rinderbrühe einzufüllen? Und was wenn dann doch mal die Mami explodieren sollte im Flugzeug, kann ich dann meinen Kaffee zurückgeben? “Entschuldigen Sie, Frau Fright Attendant, aber ich hab’ meinen Kaffee SCHWARZ bestellt!”

Apropos Kaffee: Den finden auch andere Menschen anders besser als so oder anders. Ich zum Beispiel tatsächlich schwarz. Ab und an ein Schuss Zucker dazu. Aber niemals Milch. Frauen hingegen tendieren eher zum Milchkaffee oder zum Latte Macchiato, der als Basis einen Espresso hat, was aber die meisten noch nicht mal wissen. “Kaffee ist doch Kaffee”. Wronnng! Nicht überall wo Macchiato drauf steht ist auch Macchiato drin, aber überall wo Latte drin ist, da sind auch abwegige Gedanken nicht weit. Wird von Stossstangenaufklebern jemand geil? Gedankensprung? Möglicherweise nicht, wer denkt, gewinnt. Aber Aufkleber: Heute auf einem Auto stand MEAT IS MURDER. Fleisch ist Mord. Hm. Sollte das heissen MEAT IS MURDERER? Fleisch ist Mörder? Das würde mir schon extrem Angst machen, wenn ich den Kühlschrank öffne und mir springt das Trutenschnitzel an die Gurgel und versucht seine von langer Hand geplante Tat in ebensolche umzusetzen. Wenn jedoch die Filetstücke für das Carpaccio aus dem Gefrierfach kommen, geformt wie Schenkel en miniature und von den zarten Schwaden kondensierender Luft umflossen, dann ist die Welt schön.

Aktuell im Ohr: Nelly feat. Tim McGraw – Over And Over Again