Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Briten sind auch nur teilweise steif

Abgelegt unter: Allgemein | 24.10.2004 (22:49) |

Woran ist zu denken, bevor man in den Urlaub fährt? Einiges. Zuerst einmal muss man buchen, aber da gehe ich davon aus, dass das getan wurde. Aber spulen wir vor zum Tag der Abreise. Bügeleisen ausstöpseln. Post umleiten. Fernseher ausstöpseln. Packen. Kühlschrank NICHT ausstöpseln. Blumen nochmal so richtig zuschütten. Alle Kerzen ausstö… pusten. Katze erschiessen, damit sie während den Ferien nicht verhungert. Türe abschliessen und zum Flughafen fahren. Bescheuerte Fragen verdrängen (“Wann fährst du denn?” – “Montag” – “Dann bist du am Sonntag noch da?”). Im Bus Schüler ignorieren, die Deutschunterricht für Zeitverschwendung halten (“In dem Schule haben wir nur Zeit verliert”). Abfliegen.

Ankommen und englische Hochzeiten besuchen. Eine durchaus interessante Erfahrung. Zur Abwechslung habe ich England nicht als Tourist sondern als Freund und Gast besucht (inzwischen mehrmals, was reitet mich bloss für ein Gespenst) und da sieht man auch hinter die Kulissen. Man bemerkt zum Beispiel, dass der gemeine Engländer genetisch mutiert sein muss, denn an jeglichem festiven Anlass scheint ein Glas Bier aus seiner Hand zu wachsen. Das geht da auch nicht mehr weg. Aber die brauchen das wohl, macht die ganzen hässlichen Frauen erträglicher. Ich bin ja sonst nicht so (doch, eigentlich schon), aber ich hab da drüben prozentual ähnlich viele Unhübsche gesehen wie hier unbreite Krankenschwesterhintern (ich lasse mich aber gern auch vom Gegenteil beziehungsweise Vorhandensein überzeugen). Alles aber nicht so schlimm, denn man bekommt sofort von einem oder mehreren auch ein oder mehrere Pint in die Hand oder Hände gedrückt. Sind aber alle gut drauf.

Auch eher selten ist, dass sich die Braut in der Küche der Schwiegereltern mal eben halb aus dem Brautkleid schält, einem das Hemd übern Kopf stülpt, um Tattoo-Vergleiche durchzuführen. Jeder normale Mensch, der in eben diesem Augenblick den Raum betreten hätte, wäre durchaus in der Lage gewesen, auf alberne Gedanken zu kommen. Da auf der Insel aber kein Einziger normal ist (drum leben die da), bestand diesbezüglich keine Gefahr. Aber sie war wohl einfach erleichtert, dass das Wichtigste vom Tag schon vorbei war: Die Zeremonie. Die war in kleinem Rahmen, Verwandte, Freunde und nach fünfzehn Minuten vorbei. Die Fotografiererei dauerte vierzig Minuten und hatte was von einem Feldherrenspiel, der seine Figürchen hin und her schiebt und immer wieder anders anordnet, bis man vor lauter Renner- und Grinserei kotzen könnte. Der bei der zweiten Hochzeit, bei der ich war, der war NOCH schlimmer. Das hat allerdings ein kanadischer Kumpel durch die übelsten Grimassen, die ich jemals gesehen habe leicht entschärft.

Langsam merke ich auch, dass die beiden Ereignisse etwas ineinandergeraten, was aber grundsätzlich schnurz ist, weil der grundsätzliche Ablauf grundsätzlich gleich ist. Zeremonie – Break – Party. Erlebt man dort die Senioren, die auf Wham (Wake me up before you go go) abtanzen, macht das deutlich, das BSE keinesfalls besiegt wurde. Dass an einem solchen Anlass in einer bestimmten Altersklasse (Teeny) nur ein hormonell gesteuerter Boy auf zwei erblühende Girls losgelassen wurde, zeugte ebenfalls von leicht daneben gegangener Planung. Was macht man in dem Alter um zu protzen? Man versucht die Mädels untern Tisch zu saufen. Nun ist ER allerdings Amerikaner (die mit dem Wasserbier) und SIE sind Engländerinnen. Und zwei. Nun ja, er hat den Kopf ungefähr zwei Stunden nicht meh aus der Kloschüssel bekommen.

Da war dann auch noch etwas, wo Leute getoastet wurden und beim Abschiedsknuddel sind sämtliche Knöpfe vom Brautkleid geknallt und ein Koch hat angeboten wegen meiner Allergie sogar seine Hände zu waschen und ich hätte beim unkeuschen Betrachten der Kellnerin gerne meine Hände in Unschuld gewaschen und die Fahrpläne da drüben sind auch sehr seltsam und schlechtes Wetter findet nur dann statt, wenn der dumme Tourist aus dem Haus tritt, sonst ist schön. Warum mir das jetzt alles so schleierhaft wird und was ich sagen wollte, entgleitet mir so langsam. Hm. Was macht denn das Bier in meiner Hand? Das geht da gar nicht weg, verdammt.

Aktuell im Ohr: Madonna – Paradise (Not For Me)

Durchgeklickt

Abgelegt unter: Allgemein | 20.10.2004 (13:34) |

Forscher und Erfinder haben lustige Einfälle, die unser Leben einfacher machen könnten. Einige machen ihren Weg in unseren Alltag, andere sind grundsätzlich nett, aber in der Realität leicht… Naja… Sagen wir mal, ich kann mich nicht direkt damit anfreunden. Der Sinn essbarer Unterwäsche hat sich mir bisher nicht erschlossen und wenn das mal so richtig eingeritzt war, dann reizt mich der Gedanke an sich schon nicht mehr. Das geschmacks- und optikerweiternde Hautpuder trifft es schon eher. Aber eigentlich geht es mir hier nicht um Miezen, sondern um Mäuse.

An einem Institut (mit grösster Sicherheit in den USA) wird an der Entwicklung einer Gesichtsmaus gearbeitet. Dabei soll das Gesicht als Computereingabegerät dienen. Zur Abwechslung aber nicht in der Form von gaefmkacqvka3489üucn|¢§|q4P9 wenn das Gesicht bei Übermüdung auf die Tastatur schlägt, sondern durch optische Vermessung. Beim Einschalten wird über eine Kamera das Gesicht eingelesen und danach dient die Nase als Mauszeiger und die beiden Augen als Maustasten, welche durch Blinzeln ausgelöst werden. Gesicht als Mäuschen, warum nicht, allerdings hilft es nicht, ein Rattengebiss zu haben.

Mimiklegastheniker haben ein leichtes Problem, da die wenigsten nur mit einem Auge blinzeln können. Diese Benachteiligten müssen sich dann eben einen Mac zulegen, die ja erfahrungsgemäss nur eine Maustaste besitzen (oder evolutionieren Äpfel neuerdings auch?). Beide Augen zukneifen und ab geht’s. Für das Gegenüber sieht das bestimmt witzig aus, wenn der Kopf vis-a-vis unkoordiniert durch die Gegend eiert. Aber aufgepasst, wenn man einen verschämten Blick nach rechts oben wirft, wenn die Azubiene vorbeischwebt und man ihr auch noch kurz zuzwinkert. Da kann dann schon mal die Projektarbeit von fünf Stunden ungespeichert den Bach runtergehen. Die Nasenvariante kann unter Umständen ersetzt werden, um den Nacken zu schonen, allerdings nur in Einzelbüros: durch die Zunge. Zu viele Männer würden sich ein paar aufs Maul einfangen, wenn sie in einem Grossraumbüro zwar eigentlich eine Exceltabelle fertig machen, die Kollegin gegenüber aber denkt, sie werden geil angezüngelt. Mousing, not mobbing.

Aktuell im Ohr: Sven Väth – L’Esperanza

Wein gehabt

Abgelegt unter: Allgemein | 18.10.2004 (15:14) |

Wenn ich jetzt mein kleines schwarzes Buch finden würde…

Aber abgesehen davon, ich bin wieder im Land, nachdem ich mich ein bisschen bei den Inselaffen aufgehalten habe und zum zweiten Male die Hochzeitsrituale derselbigen studiert habe. Be prepared for more…

Aktuell im Ohr: Apoptygma Berzerk – Kathy’s Song (Corsten Remix 12″)