Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

there’s more to keks than meets the i

Abgelegt unter: Allgemein | 26.05.2004 (12:03) |

Plötzlich war es da. Aus dem Nichts. Oder aus dem Fastnichts. Nein, eigentlich war es schon länger da, aber prominent war es noch nicht. Das i. Aber auf einmal kamen Firmen und annektierten es für sich. Nicht wie bei den Farben, die Post- oder Kommunikationsfirmen rechtlich schützen liessen, das war ja schon krass genug. Man stelle sich vor, ein Buchstaben rechtlich geschützt. Das si(R)eht i(R)nnerhalb ei(R)nes Textes besti(R)mmt zi(R)emli(R)ch beschi(R)ssen aus. Das jetzt so als Bei(R)spi(R)el. Nein, das i wurde plötzlich werbe- und markenprägend eingesetzt. Zuerst kam der iMac, dann der iPod, eine andere Firma kam mit dem iPaq und wenn ich nicht zu faul wäre um das nachzuschlagen, dann würde ich da sicher noch mehr finden. Grundsätzlich liesse sich das aber ausbauen. Nach dem Trainieren zum Zweck des Muskelaufbaus würde ich dann iWeiss zu mir nehmen. Oder iWhite für die Anglizismer. Morgens fahre ich mit der iSenbahn zur Arbeit und lese Z-iTung.

Ebenfalls durch das Informationszeitalter der Generation @ geprägt wurde das e. e-Mail. e-Business. e-Marketing. e-Lend. e-Nervierend. Und schon streten sich die Sprachg-e-Lehrten, wie man’s denn nun schreibt. e-Mail? E-Mail? Email? Im Zeitalter von Spam Iiiiiiiiiih-Mail? Une e-maile ich oder maile ich e? e-Nteressiert das iGentlich jem@nden?

Das hingegen ist ja voll blöd. Im Prinzip. Weil das @ spricht sich sich AT (ät für die Nichtanglizierer). Also wäre das dann “jematnden”. Doof? Doof. Oder Affenschwanz. Also “jemaffenschanznden”. Noch doofer. Überhaupt. Generation X, Generation Golf, Generation @. Sind wir so tief gesunken, dass wir unsere Generation an einem Sonderzeichen einer Computertastatur festmachen müssen. Einem Sonderzeichen, das viele noch nicht mal finden! Allerdings finden die meisten Angehörigen dieser Generation nicht nur das Zeichen nicht, sondern auch nicht den Sinn des Lebens oder überhaupt ein Leben. Die nehmen dann ein anderes, machen copy&paste und huldigen ihrem e-Dol. e-Nteressant? Eher langw-i-Lig. Mir ist ein Leben lieber, das kein anderer h@. Hm. Hier passt es fast.

Aktuell im Ohr: Stereo MC’s – Connected

An den Haaren herbeigezogen

Abgelegt unter: Allgemein | 21.05.2004 (11:25) |

Will jemand wissen, wie man eine Massenpanik auslöst? Stellt euch in einen Raum voller Frauen und schreit “SPLISS!”. “Was?” “Wer?” “Wo?” “Ich?”. Sofort greift sich die versammelte Frauschaft in die Frisur, zieht und zupft sich Strähnen ins Blickfeld, fusselt einzelne Haare auseinander und beginnt sachte aber bestimmt zu transpirieren. In der Schweiz heisst das Gäbeli, klingt netter, hat aber den gleichen Effekt. Haarspaltereien. Wofür Frauen grundsätzlich bekannt sind, deshalb rächt sich das wohl über die Haartrachtpracht. Als unsensibler Kurzhaarträger, der weder mit Splisssssss (Welche von den lesenden Frauen hat sich übrigens vorher bei der ersten Erwähnung des Wortes unwillkürlich in die Frisur gegriffen?) noch mit Celullite geschlagen werden kann, wird natürlich beim Einsatz von solch psychologischen Kampfmassnahmen eher mit einer Prachtracht Prügel bedacht.

Überhaupt Frauen mit ihren Haaren. Stehen vor dem Spiegel, zupfen an ihren Strähnen rum, ziehen Schmollmündchen und versuchen zu ertasten, ob sich ein Feuchtigkeitsmolekül vorzeitig verabschiedet hat, was natürlich zur sofortigen und kompletten Austrocknung des gesamten Kopfbereichs führen könnte. Gestern entschloss ich mich spontan um zehn vor eins, ich könnte zum Trainieren fahren, der Bus ging um acht nach eins. Umziehen musste ich mich auch noch, aber ich stand drei Minuten zu früh an der Haltestelle. Bei Frauen geht sowas nicht. Abgesehen von stundenlangem Anprobieren, Umziehen und Paradelaufen vor spiegelnden Flächen. Die überlegen nämlich zuerst zwanzig Minuten lang, ob sie sich die Haare waschen sollten könnten müssten oder doch nicht.

Chrysler hat derzeit Plakatwerbung aushängen, auf denen das neue PT Cruiser Cabrio beworben wird mit dem Slogan “Der schönste Haartrockner der Welt”. Werber, an den Frauen vorbeigeschossen. Frauen mögen Cabrios nicht, weil da die Haare zerzausen. Die kann ja nicht nach jeder Fahrt vor jedem termin nochmal kurz auf der Nottoilette ihre Frisur striegeln, kämmen, bürsten, waschen, legen, pflegen, conditionern, packen, tönen, strähnen und föhnen. Überhaupt: Eine Frau hat ihren Haartrockner. Mit diesem hat sie eine Beziehung, die intensiver (und langlebiger) ist als die zu einem möglichen Partner. Gleiches gilt auch zu Beziehungen zu Haarschneidern des Vertrauens.

Wenn eine Frau in Urlaub fährt, dann nimmt sie ihren Föhn mit, egal wie gross, egal wie schwer (Beispielsszene: Spaceballs, in der Wüste…), egal ob es am Zielort auch eine Frau mit Haartrockner gibt, denn deren Föhn ist ja nun GANZ anders. Denn nur genau bei IHREM hat es DIESE Einstellung, mit der (und NUR mit der) Ihre Haare perfekt werden. Da geht nichts anderes. Nur so. Perfekt. So perfekt, dass sofort nach dem Frisieren und Föhnen NOCHMALS gewaschen werden muss, weil sie sich irgendwo verstriegelt hat. Man möge hier nochmals zusätzliche Bedenkzeit einfügen. Und wehe es taucht ein gespaltenes Haar auf. Haarige Sache.

Aktuell im Ohr: U2 – Where The Streets Have No Name

Der Sommer kann kommen. Aber langsam.

Abgelegt unter: Allgemein | 18.05.2004 (13:14) |

Woran denkt man, wenn an der Tramhaltestelle ein weibliches Solariumopfer neben einem steht? An in Kakao gerollte Dörrpflaumen? An gegerbte Ledersessel im Möbelhaus für Billigeinkäufer? An strandgrillierte Ferienausflügler? Da trifft man hin und wieder solche an. Oder die paar Gehirnlosen, die sich eincremen und dann Beachvolleyball spielen, nur um beim ersten Stolperer auszusehen wie ein paniertes Schnitzel. Aber nochmals zu den Ferien. Für Homestaying-Geschädigte bieten verschiedene TV-Sendeanstalten (warum das Anstalten sind, ist wohl auch jedem klar…) Reisesendungen an oder, fast noch besser TV-Ferien-Shopping. Da bekommt man zwar keine Oxy-wash-super-clean-mach-alles-weiss-und-polier-das-radio-und-füttere-den-hund-kaffemaschinen-entkalkungs-fieberbläschen-wegmach-sonder-packung-für-nur-9.99 dazu, aber schöne Bilder und ganz viele Sonderwochenwochensonderaktionen. Jede Woche. Da kann man dann Ferien buchen in Türkei. Oder auf Spanien.

Apropos buchen in: Dass ich in Spanien buche ist mir klar. Dass ich in Griechenland buche ist mir auch klar. Dass ich in Zypern buche ist mir nicht ganz klar, weil Sandhaufen gibt es hier auch. Und ein Werbeplakat “Hier sind Sie überall von 10′000 Jahren Geschichte umgeben” finde ich lachhaft, weil beide Hälften offensichtlich aus den letzten 10′000 Jahren nichts gelernt haben, was aber eine andere Geschichte ist. Also buche ich in. Neu kann man seine Ferien auch im Internet buchen. Aha? Setze ich mich vor den PC, buche meine Zeit und sitz dann zwei Wochen vor dem Bildschirm? Wie macht man Urlaub im Internet? Stehen da die Deutschen um fünf Uhr früh auf und hängen ein Strandtuch über den Bildschirm? Werden billige Anmachen mit Pop-Ups angezeigt?

Apropos Pop-Ups: Die püssen hier thematisch wenigstens, so von wegen pop. Sind schäbige Männeranmachen die Analogversion von SPAM? Grundsätzlich ist der Inhalt wahrscheinlich der gleiche, jemand will einen zu Sex zwingen, mit was protzen, wozu in der Regel nur Vi@gr@ in der Lage ist oder einem ans Geld. Beziehungsweise einer. Obwohl, da sind doch wieder einige Unterschiede: SPAM-Mails müssen sich vorher keinen Mut antrinken, man kann Sie von Anfang an wegfiltern (die meisten) oder man bekommt sie mit einem Klick weg und nicht mit einer mehrstündigen Abwimmelkampagne. Aber wie kam ich eigentlich hierher, ich wollte doch bloss über Ferien schreiben.

Apropos schreiben: In den Ferien macht man neben lesen, brutzeln, Sightseeing, See-Sighting doch auch eines: Kreuzworträtseln. Meistens, wenn man darauf wartet, dass das Flugzeug kommt, der SPAMmer geht oder man gar ist. Dabei zeigt sich sofort, wer ein rätwortskreuzliges Weichei ist. Ein Unwürdiger der mediterran vertriebenen Urlaubs-Rätselmagazine. Das Geschwür am Ende der intellektuellen Nahrungskette: Der-Rätsel-mit-Bleistift-Ausfüller. Optimiert nur noch durch den hinten am Bleistift angebrachten Onboard-Radiergummi. Frevel! Was für Bettsockenträger! Ein KWR füllt man mit Kugelschreiber oder Filzstift aus. Basta. Entweder man weiss es oder man weiss es nicht. Dann schreibt man’s falsch und steht dazu. Oder schreibt es nicht und gibt zu, dass man sogar DAZU zu doof ist. Es gibt nichts dazwischen. Schliesslich hab ich mir mit dieser Methode in meiner Kindheit mein Algemeinwissen mit Bodensatz versehen. Was nur einen Nachteil hat. Wenn man mich etwas fragt, zum Beispiel “Wie hiess noch gleich dieser französische Feldherr?”, dann kommen Antworten wie “Wieviele Buchstaben?” oder “Zwölf Senkrecht” denkbar deplatziert.

Aktuell im Ohr: Aural Float – Zwei G

Was ist denn DAS da in deinem Gesicht?

Abgelegt unter: Allgemein | 11.05.2004 (11:07) |

Irgendwie kam sie mir heute seltsam vor. Eigenartig. Ungewohnt. Anders. Ich grübelte, was es sein könnte. Andere Frisur? Nein. Lifting? Nein, auch nicht. Dann ein Aha-Erlebnis: Die Brille war neu! Oder anders ausgedrückt, die Brille hatte ich noch nie gesehen, aber neu war die wohl letztmalig in den frühen Siebzigern. Urtümlich. Ungetümlich. Und bestimmt ungemütlich. Also modisch ein Schlag ins Gesicht. Auf meine vorsichtig formulierte und ausgewogene Anfrage (siehe Überschrift) erhielt ich zur Antwort, das sei eine alte Brille. Worauf ich ja ohne fremde Hilfe nicht gekommen wäre. Ihre Katzen hätten die andere versteckt. Jo, joo. An dieser Stelle keks vorstellen, wie er ein Unterlid runterzieht. Das würde vielleicht Bruno (Bruno? Bruuuno!), die Whiskas-Fernsehkatze machen, aber nicht die landeierigen Feld- und Wiesentiger von DieVomPferdFällt. Die können Mäuse jagen und mit Wollknäueln spielen, aber gezielt eine Brille verstecken? Näääh.

Das könnte Garfield. Denk ich mal. Aber davon kann man sich ja irgednwann im Spätsommer im Kino überzeugen, wenn der Live-Action-Movie (Lääf-Äkkschnfuiim) anläuft. Der Trailer sah geil aus. Auch ohne Dekolleté von Jennifer Love Hewitt. Jetzt rein auf die Mu… Katze bezogen. Boah, bin ich heute wieder billig. Was mich wieder auf eine Stufe mit der Brille bringt. Aber Hauptsache sie sieht was. Hm. Falsch. Eigentlich blöd, dass sie was sieht. Sie hat mich heute schlagenderweise schon zweimal am Oberarm erwischt. Aber möglicherweise hat sie ja auf den Kopf gezielt.

Aktuell im Ohr: LaserJet Color – Ich musste ja 160 Seiten drucken!

Grosse Comedy. Sehr gross. Riesig eigentlich.

Abgelegt unter: Allgemein | 07.05.2004 (7:37) |

Was für eine superbe Unterhaltung. Rob Spence ist einfach nur eine geile Sau. Also. Ähm. Naja, er hat es halt im Griff. So mit Spässchen machen und so. War lustig. Aber extrem. Ich habe ja die Odyssee von Homer gelesen (nicht im Original), aber lustig war die nie. Bis gestern. Das ganze als One-Man-Show, gespickt mit Geschichten vom wohl internationalsten Vater aller Zeiten und Einblicke in die griechische Mythologie, dass sich Zeus auf dem Olymp umdreht. Heftig. Wer die Chance hat: hingehen. Wer da nicht lacht hat ein Problem.

DANKE ROB!

Aktuell im Ohr: Ich suche noch. Die Boxen.

Eltern haften an ihren Kindern

Abgelegt unter: Allgemein | 05.05.2004 (13:19) |

Aber mal was ganz anderes: Wenn in Deutschland ausgemergelte Gestalten durch die Strassen wanken, dann wurde nicht etwa “Dawn of the Dead” für SAT1 neu verfilmt, sondern der Blutspendedienst hatte Tag der offenen Vene. Ich habe mir sagen lassen, dass man in unserem nördlichen Nachbarland beim Blutspenden mit Bargeld entlöhnt wird. Blutgeld. In der Schweiz gibt’s einen Schokoriegel oder ein Sandwich, weil wir machen das aus humanitären statt aus monetären Gründen. Aber wenn natürlich eine Nation am Sparstrumpf nagt, sieht man zu, dass auf jedem erdenklichen Kanal (oder Kanüle) Geld fliesst. Aber das bietet noch Handlungsfreiheiten. Optionsspielraum.

Viele Leute tragen einen Organspenderausweis mit sich. Als Erweiterung kann man sich (wie bei den Strassenmagazinverkäufern) auch einen Organhändlerausweis denken. Statt dem obligaten Inder beim Essen einen (wahrscheinlich) Südamerikaner der mit der Kühlbox kommt “Ey, wolle Niere kaufe?”. Ich nehm das jetzt so an, weil es ja in Rio ab und zu mal vorkommen soll, dass vertrauensselige Touristen mit plus Brummschädel aber minus Niere aufwachen. Wieviele Lungenflügel passen in einen Trenchcoat? Ey! Psst! Willsu?

In Transsylvanien wird die Wirtschaft umgekrempelt, weil plötzlich alle Vampire eine Disaster Card beantragen (eine Niere – 50 Euro, ein Herz – 100 Euro, eine alkoholfreie Leber – unbezahlbar), will ja keiner mehr sein kostbartes Gut freiwillig hergeben. Eigentlich nicht schlecht, die Grundsatzidee. Blut gibt es in Massen und es wird nachproduziert. Nutzen gibt es da einigen. “Mein Auto fährt bleifrei” – “Meines mit Null positiv”. Ach, überhaupt ist das ja keine neue Idee. Schliesslich ging das schon früh los. GANZ früh. Zu Anbeginn der Zeit sass Gott so rum und sagte: “Hach je, eigentlich würde ich jetzt gern die Frau erschaffen, aber wie?” Antwortet Adam: “Psst! Willsu Rippe kaufe?”

Service-Links:
Organspenden Schweiz
Organspenden Deutschland

Aktuell im Ohr: Nichts Erwähnenswertes

Puff Kiddy

Abgelegt unter: Allgemein | 03.05.2004 (15:17) |

Also die Deutschen überraschen mich doch ab und zu. Steht heute in der Zeitung, dass das Bundesbildungsministerium entschieden hat, dass auch Bordelle Betriebe wie andere auch sind und deshalb (bei mehr als zehn Angestellten, beziehungsweise zehn Angeliegenden) Lehrstellen schaffen müssen. Häääh? Bitte? Immerin aber stellen sie auch fest, dass Prostituierte “kein Lehrberuf im eigentlichen Sinne” sei und deshalb ersatzweise Kellner oder kaufmännische Bereiche Stellen anbieten müssten.

Sonst bekäme Einführungskurs auch eine ganz neue Bedeutung. Zumindest aber ist das ein Geschäft mit Zukunft und seit Jahrtausenden bestehender Klientel. Basisausbildung ist Poppen nach DIN-Norm und danach gibt es Zusatzkurse für Auspeitschen, Rumrudeln und Gelangweilt-mit-dem-Fuss-wippen. Erhöhte Anforderungen werden abgedeckt mit Früherkennung von Sackratten oder dem Modul “Wie leiere ich einem Freier ohne Hautkontakt 1000 Euro aus der Tasche”. Ab dem dritten Ausbildungsjahr kommen die Finanzfächer dazu, damit die zukünftige Horizontalsportlerin erkennt, wann sie vom Beschützer übermässig zur Kasse gebeten wird oder wann es sich lohnt, sich selber mit der Präambel “Edel-” zu versehen.

Nur wie reagieren Eltern, wenn ihr Nachwuchs nach Hause kommt und stolz berichtet, eine Lehrstelle ergattert zu haben? Mama, Papa, ich hab eine! Ich hab eine! – Ja wo denn? Alsi? Karstadt? – Nein! Susi’s Rammelgrotte! – Jo, kriegma da Prozente?
Zumindest müsste für Berufskleidung nicht allzu viel ausgelegt werden. Bloss: Wer prüft da die Lehrlinge am Ende? Und WIE? Na also, das war ja nichts, das machen wir jetzt nochmal. Aber diesmal von Hand. Ts.

Aktuell im Ohr: Singing Hoobee – Ohrenbluter