Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Cola Tight

Abgelegt unter: Allgemein | 30.04.2004 (13:28) |

Schreiben ähnelt in einem gewissen Mass der Verdauung. Irgendwo gibt es einen Input, es wird verarbeitet und ganz woanders kommt was raus. Dabei gibt es ebenso Anzeichen von Durchfall wie Verstopfung, was bei mir wohl in der letzten Zeit der Fall war. Dann sammeln sich Bruchstücke zusammen und plötzlich kommt diese Initialzündung, wo man einfach nicht mehr anders kann und raus damit. In meinem konkreten Fall war es das hier:

Das stammt aus einer Sammlung von Röntgenbildern, die darauf hinweisen, wie extrem gelangweilt die Leute an einsamen Abenden sein können. Andererseits bietet das durchaus Möglichkeiten, zum Beispiel, wenn man hier den Deckel weglassen würde und dann Twist tanzt, bis man aussieht, als ob man Tollwut hat. Der Schnellste kommt ins Guinessbuch. Ich dachte bisher, Gartenzwergfanatiker seien schon ein wenig abgeschrägt, aber das? Hm. Hab jetzt gar nicht mehr so genau im Kopf, ob es da auch Röntgenbilder mit Gartenzw…

Nein, ernsthaft, in der Blond war ein Artikel drin, wo es um Freaks geht und um die Frage, ob eigentlich ein Gummihöschensammler abgedrehter ist oder der 8-to-17-Bürohocker mit dem Seitenscheitel. Ausgerechnet die Kiddies, die sich ja so gerne distanzieren wollen und individuell werden möchten, rennen gruppengezwängert durch die Gegend und sehen in ihren normierten Markenklamotten aus wie Dollys. Das Schaf, nicht die Buster. Obwohl jetzt nach MTV’s Fressenrenovierungsshow auch DAS in greifbare Nähe rückt. Man kann doch aussehen, wie man aussieht, auch wenn man hässlich ist. Alles eine Frage der Subjektivität. Jemand sagte mal: Jeder Mensch ist schön. Klar, ist auch eine subjektive Meinung. Was ich dann nicht kapiere ist, warum sich Menschen verhässlichen. Da gibt es viele Mädels, die sich schminken. Die wollen ihre Augen betonen. Nur sieht es danach aus, als hätte man ihnen zwei angesaute Espressotassen auf dem Gesicht abgestellt. Es ist NICHT schön, wenn um ein Augenpaar zwei schwarze Nuttenringe gezogen sind.

Wenn mir jemand mit Augenbrauenpiercing gegenüber sitzt, dann fehlt mir dort eigentlich das angehängte Preisschild oder eine Waschanleitung. Zwanghafte Individualisierung. Brauchte ich auch mal, deshalb hatte ich fünf Ohrringe drin, inzwischen habe ich gemerkt, dass es zwei auch tun, wenn dafür das am anderen Ende des Ohrs genug schräg rüberkommt. Heute im Tram, ein Typ der sich nicht entscheiden konnte, ob er nun mit einer Frisur à la David Beckham (vorletzte Frisur), Pu der Bär oder einem gegen den Strich gebürsteten Gockel auffallen will. Das wollte er offensichtlich, denn dauernd schaute er sich um, ob ihn denn jemand ansieht und toll findet. Erbärmlich. Styling für Langweiler und Farblose, die mit Aufgebrezel davon ablenken wollen, wie leer sie als Gesamtgefäss eigentlich sind. Schminkt ein Model komplett ab und schon hat man eine interessante Aussicht an eine leere weisse Wand. Das ist in dem Business aber gewollt, da kann man nichts Individuelles brauchen, dass muss wandelbar sein. Schnell, billig. Aus einem Schluck Wasser kann man halt mehr machen als aus einem Schluck Erdbeerlimonade.

Man kann Zwangsstyler dann besonders gut beobachten, wenn im Kino ein Publikumsknaller läuft. Der Absatz von langen schwarzen Ledermäntelchen st nach Matrix explodiert, nach Piraten der Karibik ist Piratenstil plötzlich wieder in den Zeitschriften. Glücklicherweise kommen jetzt ein paar Zombiefilme ins Kino, dann können sich auch endlich die ganzen Non-Styler mal so richtig cool fühlen. Die werden mit einem Schlag zum Trend und werden von dem System vermarktet, das sie eigentlich ablehnen. Was dann als einziges noch fehlt: Ha und Em verkauft Eau de Toilette mit Grasgeruch. Damit die Magersüchtigen nicht nur angefuckt aussehen sondern auch so riechen können. Smells like Teen Money.

Aktuell im Ohr: Vogelgezwitscher

Scientific Progress Goes “Boink”

Abgelegt unter: Allgemein | 27.04.2004 (16:35) |

Nein, ich bin nicht verschollen. Ich bin nur ein bisschen:

Aber das geht vorbei.

Nachtrag:
Um anderslautenden Gerüchten vorzubeugen: Mir geht’s gut. Aber ich habe noch ein paar Klümpchen in meiner Ideensuppe und die müssen erst zerlöffelt werden. Dann ist der Flow wieder da.

Aktuell im Ohr: Cindy Lauper – Time After Time

Sugar Sugar

Abgelegt unter: Allgemein | 22.04.2004 (14:40) |

Erstaunlich wie tiefgründig Aufdrucke auf Zuckersäckli in der Cafeteria sein können.

“Um klar zu sehen, genügt ein Wechsel der Blickrichtung.” – Antoine de Saint-Exupéry

“Die Realität nimmt auf unser Wunschdenken keine Rücksicht.” – Bertrand Russel

“Prioritäten setzen heisst auswählen, was liegen bleiben soll.” – Helmar Nahr

Also wenn es danach gehen würde, dann bliebe als erstes ich liegen. Am Morgen. Und nebenbei frage ich mich, wieviele der Spital-Cafeteria-Besucher a) diese Sprüche lesen und b) verstehen. Aber ich unterstelle jetzt mal nichts.

Aktuell im Ohr: Telefongeklingel

Oops, I did it again

Abgelegt unter: Allgemein | 15.04.2004 (10:59) |

Ich versuche das mal zu beheben. Inzwischen wünsche ich ein schönes Leben. Zumindest denen, die eines haben. Ein Leben meine ich.

Aktuell im Ohr: Vogelgezwitscher vorm Büro

Life is a beach. Life is a bitch.

Abgelegt unter: Allgemein | 05.04.2004 (15:49) |

Unterschiede in der Betrachtung, kleine Unterschiede beim Schreiben, ganz kleine Unterschiede in der Aussprache. Im deutschsprachigen Raum aber nicht wirklich zu gebrauchen, da die Feinheiten für englischsprachige Wortspielereien ganz unwesentlich untervertreten sind. Und “Wine me, dine me, sixtynine me” wirkt in Deutsch als “Gib mir einen Wein aus, lade mich zum Essen ein, mach mit mir seltsam verrenkt irgendwelche schmutzigen Sachen” ziemlich uncool. Das käme aber auch in Schwyzerdüütsch blöde rüber. Umgekehrt hingegen müssen Schweizer mit einigen ihrer Worte im Ausland vorsichtig umgehen. Jemanden in der Schweiz schief anmachen, heisst nämlich “aafigge”. Was in hochdeutsch “anficken” gesprochen würde und meines Erachtens eine etwas andere Bedeutung hat.

Apropos Bedeutung: Wenn man in der Schweiz in einen Buchladen geht und das Regal mit der Aufschrift “Psychologie und Lebenshilfe” ist leer und zwar komplett, dann kann das zweierlei bedeuten: Der Laden räumt grade um oder wir sollten uns arge Gedanken um unser Land machen. Ach ja, liebe Besucher, machen Sie sich Gedanken beim Besuch unseres Landes, wenn sie mal sagen “Gib mer en Schnägg”. Je nach Kanton kann das interessante Folgen nach sich ziehen.

Aktuell im Ohr: Bee Gees – Tragedy