Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Unterleibchen

Abgelegt unter: Allgemein | 30.03.2004 (21:27) |

Ich weiss, es ist bald Ostern und es kommt die Zeit von Schokohasen und gefärbten Eiern. Das mag ja spassig sein, aber noch lange kein Grund, neu aufgestellte, neunzig Zentimeter hohe Metallpoller nicht mit einer leuchtorangen Sicherheitsbinde zu versehen. Wer immer behauptet hat, der menschliche Körper sei überaus durchdacht und eigentlich supergenial, der hat dabei nicht an die externe Peripherie der männlichen Abteilung gedacht. Querstangen von Fahrrädern, Reckstangen, Barrenholme oder versehentliche Ausrutscher bei jeglichen Verrichtungen, offenstehende Schranktüren oder mit den Armen wirbelnde Kleintie… Kleinkinder. Männer wissen, wovon ich rede. Da fühlt mann mit. Beobachtet einen Mann, wenn im Film irgendeiner einen Tritt oder Schlag in die Familienjuwelen bekommt. Der zuckt sofort auch zusammen. Dann rutscht er auf dem Sessel in eine bequemere und sicherere Position. Mann weiss ja nie. Ist aber noch kein Grund, gleich in die Videothek zu fahren und den Verleiher mit Bitten um “Süsser die Glocken nie klingen” oder “Balls of Steel” zu bitten.

Apropos Bitten: Das Gegenteil davon ist ja Danken und in diesem Zusammenhang gibt es ja auch eine Firma, die Toilettenpapier herstellt, die ich hier aber nicht namentlich nenne, weil die haben mir schon mal einen Anwalt angedroht. Beziehungsweise meinem damaligen Provider, weil es wäre ja völlig banal, mich darum zu bitten, einen Link zu entfernen. Es ist doch viel nachhaltiger, wenn man den Kunden droht. Seitdem verweigere ich meiner Südseite sämtliche Produkte dieser Firma und Hakle ist ja eigentlich sowieso viel freundlicher zum gemeinen Arsch. Nein, echt. Bei deren Werbung weiss ich nie, ob ich mit der Klorolle kuscheln soll oder eher. Eben. Naja. Ihr wisst schon. Neu habe ich festgestellt, dass es wohl verschiedene Kategorien von Kehrseitensäuberern geben muss. Auf nebenstehendem Originalauszug aus einer Klorolle steht (leider nicht so gut lesbar, aber ich wollte es ja nicht originalgross zum Ausdrucken und Verwenden haben) Hakle ProfiLine. Ähm. Muss ich da erst eine Prüfung ablegen, damit ich einen Schein bekomme? Den “Wisch” sozusagen? ProfiLine. Kommt danach die ExpertLine und davor die StandardLine und der Neueinsteiger arbeitet noch von Hand? Also ich weiss es nicht. Vielleicht wird einem am Ende auch das gülden gehäkelte Klorollenkäppi für die hintere Autoablage überreicht. Häkelüberzüge. Die sind auch sowas von für den Arsch.

Apropos Arsch: Zu diesem Thema entstehen mehr oder weniger peinliche Missverständnisse, je nachdem an welchem Ende des Gesprächs man steht. Kürzlich, bei einer Kollegin im Büro entdeckte ich ein Sitzkissen, wie ich es auch schon bei anderen Kollegen gesehen hatte. Kann man sich gut drauf setzen und lustig wippen, weil EIGENTLICH ist das zur Verbesserung des Muskelapparates der Wirbelsäule. Ein ähnliches Prinzip wie die Sitzbälle und Kniestühle, auf denen man angeblich nicht falsch sitzen kann. Doch. Kann man. Runterfallen kann man auch, wenn man müde wird, das passiert beim normalen Stuhl eher seltener, aber im Zusammenhang mit Bürostühlen von schlafen zu sprechen mag jetzt einigermassen unpassend zu sein. Also zurück zum Kissen. ICH wusste ja eigentlich, wozu es dient. Nun wusste aber Kollegin nicht, dass ich das wusste und sagte: Das ist aber nicht “DAFÜR”. Nun wusste ich wiederum nicht so genau, was sie meinte, hob das Kissen hoch, guckte drunter und meinte: “Natürlich, hat ja kein Batteriefach”. Dann blickten sich zwei Menschen an, stellten fest, dass beide von etwas ganz anderem geredet hatten und nach und nach kamen wir drauf, was eigentlich die Gegenseite im Hinterkopf hatte. SIE dachte am die Hämorrhoidenringe. Das ging mir ziemlich schnell auf. Ihr ging dann auch auf, was ICH gemeint hatte. Ich werde mich in betreffendem Büro die nächsten Monate nicht mehr blicken lassen. Wirklich nicht.

AKtuell im Ohr: Camouflage – Strangers Thoughts

Zeitschlaufe

Abgelegt unter: Allgemein | 24.03.2004 (9:12) |

Ja, ja, ich weiss.

Aktuell im Ohr: No Angels – Reason

Kurz aber gut

Abgelegt unter: Allgemein | 16.03.2004 (16:58) |

Ich: “Warum bekomme ich bloss von Seeed einen Newsletter?”
Sie: “Die werden dich wohl gut finden.”

Interessante Sichtweise.

Aktuell im Ohr: Ferris MC – Feieralarm

Promipoppen

Abgelegt unter: Allgemein | 15.03.2004 (22:21) |

Wenn man noch vor einigen Jahren eine zarte zwischenmenschliche Beziehung knüpfen wollte, dann ging man auf die Dame des Herzens zu und hauchte ihr ins Ohr: “Ey, Schnecke. Willsu poppen?” und das ganze fand in der Disco statt. Aber die Zeiten sind vorbei. Heutzutage geht der Spruch “Willst du diese Rose haben?” und spielt sich vor einer gigantischen Masse von Einschaltquotienten ab (ei-Q). Nicht etwa in jedem beliebigen Restaurant, dort heisst das “Wolle Rose gaufe?”. Nur sitzen beide mehr oder weniger Paarungswilligen (je nach Gegenüber) schon mit einer Rose im Knopfloch am Tisch, weil es das erkennungszeichen beim Blind Date ist. Nun denkt ER, dass er sich bei IHR einschleimen kann, wenn ER IHR Rose gauft. Weil wenn nicht, dann denkt SIE von IHM, dass ER ein Knauser ist und sich überhaupt nicht um SIE bemüht. Aber was tut er nicht alles, in der Hoffnung auf eine Nacht ohne Chips und Fernbedienung. Dann kauft er für elend teures Geld viel zu viele Rosen, die schneller verwelken als Western Union das Geld nach Abzockistan übermittelt und hört sich in der Hoffnung auf einen Kistenhüpfer alles, aber wirklich ALLES an.

Er nickt sogar brav, falls sie von ihren Lieblingssongs (Mariah Scarey), ihrem Lieblingsbuch (Hairy Potter) oder ihrem Lieblingsfilm schwärmt. Das ist bei Frauen ab einem gewissen Alter… Nein, das ist bei Frauen eines gewissen Alters “La Boum”, weil der ja soooo romantisch war. Jeglichen Stolz verlierend stimmt er in jedem Punkt zu und rechtfertigt sich selber gegenüber, dass da immerhin Sophie Marceau mitgespielt hat und die sei ja doch ziemlich holla. Das sagt er natürlich nicht laut, schliesslich würde ihn das Punkte kosten. Also bezahlt er brav, schaut ihr tief in die Augen und schmachtet: “Willst du diese Rose haben?”. Worauf eine der Frauen gegenüber sicher JA sagt, schliesslich wird man pseudoprominent nur so richtig, wenn man sich bis mindestens ins Finale hochvö… ähm… hochvoten lässt. Könnte man nicht den Programmzeitschriften Tabellen beilegen, wer durch wen, an wem, mit wem, in wem, auf oder unter wem Bekanntheit erlangt hat, tut oder werden wird. Oder wer eine Platte macht, ein Buch schreibt oder sich mehr oder weniger nackig zeigt. Das grosse Übel der heutigen Zeit, das Furunkel, das am Arsch der Talkshow wuchert: Castingshows. Poppstars, SDDSDSDSDS, StarSearch, StarFind, Bachelor, Wer poppt den Millionär, Wer rammt den schönsten Gurkenlaster und und und. Gibt es eigentlich in Deutschland jemanden, der noch NICHT im TV war?

Einige brauchen das ja noch öfter. Bei Family Date (Show, in der Eltern den Freund für ihre Tochter ausgesucht haben) tauchte ein Typ auf, der kam mir irgendwie bekannt vor. Plötzlich dämmerte es mir und ich erinnerte mich an eine Folge DisPissed auf MTV. Da war der auch. Bekam aber beide Male keine ab. Datingshowtourismus? Wer sich in zehn Sendungen prostituiert hat bekommt einmal Promirammeln umsonst? Da gibt es bestimmt ein paar abgehalfterte aber aufgepolsterte Ex-Pornösen, die sich für ein bisschen Publicity casten lassen würden. Ja, stöhn doch mal. Ja. Kannst du dich denn dazu auch bewegen? Na komm, gib dir Mühe, SO kommst du nie in die Band! Sorry, unter die Band. Dafür gibt es einen Trostpreis für all die Damen, die beim Bachelor nicht die ultimative Blüte zum Pflücken freigeben durften. Teleshopping von TargetMusic bietet “L’Amour” an. Für die “einsamen Stunden danach”. Wobei, wenn man die Presse so mitverfolgt gilt das eigentlich nicht nur für die, sondern auch den Bachelor selber und sämtliche Ex-Promis, die durch diese Shows entstanden sind und am Ende wie ein Fixstern verglüht zurück in den Vorstadtmuff klatschen. Wo man sie dann für die Talkshows wieder ausbuddelt.

Aktuell im Ohr: Girls Aloud – No Good Advice (auch aus einer Castingshow, fällt mir grad ein)

Do! You! See! The! Light!

Abgelegt unter: Allgemein | 10.03.2004 (14:55) |

Im Laufe unseres Lebens treffen wir auf Unmengen verschiedener Menschen. Ausgenommen, wir sind Eremiten, was wir aber nicht sind. Viele dieser Menschen sind… nun… also… wie soll ich das erklären? Am einfachsten erzähle ich eine kleine Geschichte dazu. Stellt euch vor, ihr seid ein kleines Stück Kuchen oder Brot oder ein Salatblatt, ein Stück Steak oder vielleicht eine Gurkenscheibe. Nichtsahnend liegt ihr auf einem Teller, zusammen mit anderen Stückchen oder Scheibchen. Plötzlich kommt ein riesiges Metallteil herabgestossen und spiesst euch mit seinen vier Zacken auf. Es hebt euch hoch und schiebt euch in eine dunkle, feuchte Höhle (an dieser Stelle fällt mir ein, warum ich GurkenSCHEIBE geschrieben habe). Der Boden fängt sich an zu bewegen und harte gelbliche Felsen beginnen euch zu zerschneiden und zu zerquetschen, klebrige Flüssigkeit vermischt sich mit euch und ihr fühlt euch so richtig pampig, wie nach einem Kater.

Mit einem Mal beginnt ihr zu rutschen, ihr gleitet in einen engen Schlauch, der euch drückt und in die Finsternis hinab zwängt. Unaufhaltsam bewegt ihr euch auf eine Tür zu, die aufspringt und euch fallen lässt, durch einen grossen runden Raum und ihr klatscht in eine saure, eklige Flüssigkeit. Teile lösen sich von euch, ihr fühlt, wie ihr leichter werdet. Eure Substanz leidet, weil etwas an euch nagt. Ihr fühlt euch völlig gelöst. In immer unkompakterer Form rutscht ihr weiter, immer mehr von euch verabschiedet sich, während ihr wie in einer Achterbahn durch Schlaufen und Windungen getragen werdet. Die Luft um euch herum ist schlecht und einmal kommt ihr stockend voran, rafft euch zusammen. Einmal will sich wieder ein Teil verdünnisieren und ihr verliert öfters die Orientierung. Aber es geht voran und voran. Ihr denkt bei euch, dass ihr langsam wohl ziemlich in der Scheisse steckt. Aber siehe da, plötzlich vor euch: Ein Licht! Ihr eilt darauf zu und freut euch und jubelt und ihr drängt ins Helle… Schon wieder fallt ihr. Schon wieder in einen grossen runden Raum und schon wieder wird es nass. Dann stellt ihr fest, dass das Licht am Ende des Tunnels durchaus auch ein Arschloch sein kann.

Aktuell im Ohr: Eine Teeniecastinggirlieoderboylieband – Klingtallesgleich

Noisy Mäusi

Abgelegt unter: Allgemein | 09.03.2004 (16:32) |

Die Theorie besagt, dass der Mensch grundsätzliche genetische Programmierungen behalten hat, seit vor einigen Jahren unser aller Urur…etc…ururopa vom Baum gefallen ist und feststellte, dass die Fortbewegung zu Fuss ihre Vorteile hat. Und einige Nachteile, weswegen er ein paar Wochen später das Rad erfand. Um dem weiteren Text hier nicht die Existenzberechtigung unter den baumerprobten Füssen wegzuziehen, lasse ich die Theorien “Adam & Eva” sowie “Von Aliens ausgesetzt” und ähnlichen Krimskrams aussen vor. Also stiegen Oma und Opa Cro Magnon von den Bäumen und lebten fortan am Boden. Ich glaube, das waren so in etwa die, wahrscheinlich aber nicht, also verschont mich mit Besserwissereien. Glücklicherweise hiess die Ome nicht Cro Magnicht, sonst gäb’s uns heute nicht. Nun sassen sie also auf dem Boden statt auf Ästen, Männchen freute sich darüber, keine gequetschten Eier mehr zu haben und Frauchen erfand die Blasenentzündung.

Kommen wir zurück zu den Genen. Damals erschuf man und frau die klassische Rollenverteilung, die besagte, dass Mann durchs Land streift (weil er sich zurechtfand), jagte und sich prügelte (weil er stark war), jedes Weib besprang (weil er für die Erhaltung der Art sorgen wollte) und sehr oft ausser Haus ging (weil er das wollte). Die Frau hingegen kümmerte sich um die Höhle (weil sie das Flair hatte), beschmierte diese und sich selber mit Farbe (weil sie Sinn für Schönes zeigen wollte), knüpfte soziale Netze (weil es noch keine Arztromane gab) und kochte das Fresschen lecker, das ihr Grunzer mit nach Höhle brachte. Mann lernte schnell, dass er sich in der Wildbahn leise bewegen musste. Wäre Frau auf die Jagd gegangen, hätte sie keine fünfzig Schritte überlebt, Säbelzahntiger reagierten sehr interessiert an laut plaudernden Frauengrüppchen. “Oooooh, schaut mal DA, dieses niedliche Kätz…” SCHNAPP! Dieses laute hat sich aus der genetischen Vorgabe nie ganz verabschiedet. Frau muss einfach kundtun, dass sie daher kommt. Stichwort: Absätze. Klackediklack. Ich frage mich, was das soll. Als ob bei den meisten nicht schon die schrille Stimme als Ankündigung reichen würde.

Da tragen Frauen Absätze, bleiben in Gullydeckeln stecken und müssen dann barfuss weiter. Oder sie setzen sich heulend auf den Boden und werden von einem Säbelzahnti… Ach nein, nicht das. Oder sie setzen sich heulend auf den Boden und profitieren anschliessend von der Erfindung von Croma Magnon. Flache Schuhe haben auch was Praktisches. Dass ausgerechnet ein unpraktisch denkender MANN so etwas sagt, muss befremdlich wirken. Klischeevolutionsmässig ist aber bei Frauen auch das Logik-Gen (das echte, nicht die weibliche Unterart) minimal untervertreten, weswegen die Anregung hier an dieser Stelle komplett untergeht. Ebenfalls komplett untergegangen bei der Gen-Ausgabe ist beim Man das “wann sollte ich schwei”-Gen. Natürlich stimme ich zwecks eines Konsens auch zu, wenn die Frauen jetzt anbringen, dass die Männer ja durchaus auch auf dem Stand von Version 1.0 geblieben sind. Stimmt. Nur weil wir aufrecht gehen heisst das noch lange nicht, dass wir uns nicht regelmässig zum Affen machen. Besonders vor Weibchen. Nebenstehendes Werbeplakat verdeutlicht anschaulich, wie man tausende Jahre Evolution in wenigen Sekunden rekursivieren kann. Aber nur so als Bemerkung: Zeigt in einem Film Männer unter der Dusche und schon hängen die weiblichen Augäpfel gefährlich nahe an der Unterlidkante. Die Geschlechter sind alle beide nicht Gebesser.

Aktuell im Ohr: Nachhall eines tollen Rülpsers. Einfach um Klischeevorstellungen zu unterstützen.

Ideen, die keiner haben will

Abgelegt unter: Allgemein | 03.03.2004 (16:10) |

In Amerika, dem Land der unbegrenzten Klageschriften, weigern sich zur Zeit die Angehörigen von Johnny Cash, eines seiner Werke für einen Werbespot freizugeben. Da erdreistet sich eine Firma, für ihren Werbespot, den sie in der Flimmerkiste schalten wollen, den Song “Ring of Fire” zu verwenden. Nun ist das ja bis zu diesem Punkt noch nichts Anrüchiges, schliesslich gibt es unzählige Werbespots mit unzähligen vermarkteten und verwurschtelten Songs. Nur, dass diese Firma mit betreffendem Titel für Hämorrhoidensalbe werben will und das brennt den Verwandten jetzt gehörig unterm Arsch. Äh, sorry, unter den Nägeln. Also verbieten und verhindern. Finde ich gut. Man sollte auch andere Werbeeinsätze präventiv unterbinden weil unpassend. Stairway to Heaven (Led Zeppelin) bei Fluggesellschaften. Toxic (Spears) für Greenpeace. Du hast mein Herz gebrochen (Catterfeld) bei Partneragenturen. Friss oder Stirb (Tote Hosen) bei Weight Watchers. Aber es ist erhebend zu wissen, dass die Angehörigen von Johnny auch Cash ablehnen können.

Sitzringe, wie sie Zielgruppenangehörige oben erwähnten Spots verwenden, hätten Potential. Steht man in der Kantine in der Warteschlange und das Tablett wird zu schwer, man benötigt nur einen Sitzring und einen kleinen Vordermann und das Problem ist gelöst. Als Springring für mit Kaffee abgefüllte Hamster kann ich mir die Teile auch vorstellen. So ein Ring ist auch einzusetzen als Seitenaufprallschutz für überfettete Kleintölen oder noch besser, man stülpt davon gleich zwei über und rollt den Fetti… ähm… Fiffi nach Hause. Dann peitscht man die Besitzer, weil sie die armen kleinen Tiere völlig falsch ernähren. Gibt es eigentlich keine Tierführerscheine? Wo man zuerst einen Lehrgang durchstehen muss und eine Prüfung hat am Ende, die einen befähigt, mit dem kleinen Wau oder Miez umzugehen? Müsste es eigentlich auch für Kinder geben. Also den Schein, die Prüfung für die Zeugen. Zeuger. Da versteh ich nur bedingt Spass.

Apropos bedingt Spass: Man darf wohl heute auch nicht mehr Spässchen machen in Einkaufsläden für Tierartikel. Dabei habe ich die Kassiererin nur gefragt, ob es nach dem zehnten Stempel einen Hund umsonst gibt, als EmmWee ihre Katzenstreu gekauft und ihre Bonuskarte hat markieren lassen. Von der Kassiererin durch einen Stempel, nicht durch einen Hund. Die fand das gar nicht witzig oder mich einfach generell doof, was ich als Aussenstehender auch verstehen könnte. Dank meiner enormen Feinfühligkeit erkannte ich aber, dass genau in dieser Sekunde ein weiteres Spässchen nicht angemessen platziert gewesen wäre. Und genau in dieser Sekunde fiel mein Blick auf ein Regal mit Dosen auf denen sich eine Miezekatze räkelt und darunter gross: “Zarte Häppchen”. HAH! Wer hat jetzt da NICHT genau das gleiche gedacht wie ich? Ich habe aber nichts gesagt. Meine Zunge tut heute noch weh. Aber ich hab nichts gesagt.

Aktuell im Ohr: Asia – Heat Of The Moment

Auf die Spitze getrieben

Abgelegt unter: Allgemein | 02.03.2004 (21:41) |

Begibt man sich auf die Suche nach altertümlichen Bauwerken, dann findet man (oh, wie überraschend) auch schon mal neutümliche Frauwerke. Wenigstens, und das muss man der Göögl-Bildersuche zugute halten, stimmt die Tittensammlung mit dem Suchbegriff einigermassen überein. Der Grundauftrag “Pyramide” wurde erfüllt. Ich fragte mich dann in der Folge, was die Bilder sonst noch gemeinsam haben könnten. Ob sich da drin tatsächlich etwas versteckt oder ist alles nur viel Verpackung und der Inhalt ein Rätsel? Wie schwierig war es, da rein zu kommen und würde man danach tatsächlich an einem mysteriösen Fluch sterben? Ach Quatsch, ich will den alten Ägyptern jetzt auch kein Unrecht tun. Da kam man nur schlecht raus. Nach Ansicht von Indiana Jones und vergleichbaren Abenteuerfilmen rätsel ich ja schon gerne, ob es denn diese ganzen Fallen wirklich gab. So ein wenig spekulieren macht doch auch Spass. Es muss sich auch nicht immer alles beweisen lassen. Was sich allerdings beweisen lässt sind die Fallen, die einem das Leben stellt. So man sie denn als solche erkennt.

Samstags beim Einkaufen im Einkaufszentrum, dezidiert in der Abteilung für Futter- und Lebensmittel. Rechts von mir, knapp drei Meter entfernt, ein Schrank von Mann, fast mehr breit als hoch und sicherlich mit mehr Muskeln als Fett ausgestattet. Über die Muskelmassen und direkt unterhalb des luftleeren Raumes spannte sich eine schwarze Jacke mit dem Aufdruck eines mehr oder minder vertrauenerweckenden Sicherheitsdienstes. Auf der Nase eine gelbverglaste Sonnenbrille, welche ihr eigenes tat zur Erweiterung des coolen Eindruckes. Er schien seine ganze Konzentration, die er aus seiner Denkerbse pressen konnte, darauf zu verwenden, den Einkaufwagen festzuhalten. Mein Blick schwenkte durch die Gegend und dann fiel mir zur Linken, ungefähr fünf Meter entfernt, das Paradeexemplar einer aufgebrezelten Dauerwelle vor die Pupillen und beleidigte diese durch blosse Anwesenheit. Der knielange Wildledermantel mit Flauschepelzbesatz schmiegte sich an einen bulimiegestärkten und in cooles Schwarz gepackten Fischgrätenkörper. Klapperstiefelchen (oder sie ging barfuss) rundeten, beziehungsweise kanteten das Bild als Gesamtes ab.

Dann geschah, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Ein Ausbruch ihrerseits vermittelte unglaublich deutlich, dass die peinlichsten Gestalten, die sich derzeit in diesem Laden aufhielten, zusammen gehörten. Quer zwischen Fleischkühlung und Käsetheke brüllte sie mit einem quietschenden Sprachorgan (man kombiniere Fran Fein, die Feldbusch und eine rostige Kreissäge) und in einer Lautstärke, dass mir die Ohren bluteten zu ihrem Begatter hinüber:
“BÄÄÄÄÄÄÄÄÄBYYYYY! BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄBYYYYYYYYYYYYYYYYY! ICH GEH NOCH ‘NE MILCH HOLEN!” Jedes anerkannte Gericht hätte mir hier Straffreiheit gewährt, wenn ich sie mit einem gefrorenen Poulet besinnungslos geworfen hätte. Der Einsatz von Tiefkühlpizza als Frisbee des rächenden Todes ist gemäss Genfer Konvention nicht verboten! Was macht er? Er dreht sich links und rechts, versucht den Standort seiner Knochenmatratze aus den noch nicht halb besinnungslosen Durchschnittseinkäufern zu filtern und nickt dann vorsichtshalber in Richtung Oliven. Was soll’s! Ist der gleiche IQ! Und da sagt man noch, Einkaufen sei langweilig. Aber ich hätte die so gerne mit einer Gurke geschlagen. So gerne. Aber vielleicht sind die nächstes Wochenende auch wieder da. Dann lauer ich ihnen hinterm Brotregal auf, streue getrocknete Erbsen, damit sie nicht flüchten können und verprügel sie dann mit Stangensellerie. Oder schube sie in eine Dosenpyramide. Womit der Kreis wieder geschlossen wäre.

Aktuell im Ohr: Men At Work – Overkill

Surprise, surprise

Abgelegt unter: Allgemein | 02.03.2004 (14:49) |

Es ist schön. Echt. Sehr positiv. Beruhigend auch. Man wird wahrgenommen. Tages Anzeiger vom 1. März 2004. Eine Seite aufblättern und sich selber ins virtuelle Gesicht sehen. Hier gucken. Darf man da ein bisschen stolz auf sich sein? Man darf. Auch auf die anderen. Ist auch ein schöner Artikel. Als Webhead zur Abwechslung nicht als pervers oder freakig zu gelten ist auch eine schöne Sache. Kann ich auch meiner Familie endlich beweisen, dass das, was ich mache, gar nicht so völlig daneben ist. Vielleicht bleiben ja sogar einige neue Leser hängen. Zumindest hatte ich aber für ein paar Tage mal echt geile Statistiken. Ich gebe mich ja schon mit relativ wenig zufrieden. Weltherrschaft. Ruhm und Reichtum. Oder mit einer heissen Schoggi.

Aktuell im Ohr: Hannibal Schmeckter – Das Labern der Lehrlinge

Suburbanes Provinzialgehabe

Abgelegt unter: Allgemein | 01.03.2004 (23:10) |

Ich wohne in einer Weltstadt. Sagt der New Yorker. Ich wohne in einer Weltstadt. Sagt der Londoner. Ich wohne in einer Weltstadt. Sagt der Berliner. Ich wohne in einem Kuhkaff. Sagt der… Das ist jetzt der Augenblick, wo ich mir genau überlegen muss, mit wem ich es mir verscherze. Aber ich versuche die Sache von einer anderen Seite anzugehen, nämlich bei der Frage, ab wann sich eine Stadt Weltstadt nennen darf. Oder ab welchem Status sich Zürich nicht mehr Downtown Switzerland nennen muss (tatsächlicher Slogan), sondern zu den Grossen gehört. Vor einigen Jahren konnte man in Europa sagen, dass eine Stadt, die (mindestens) einen McDoof hatte, schon irgendwie prädestiniert war für den Titel “Stadt von Welt”. Mehr als einer machte die stattlich gewachsene Gebäudeansammlung schon beinahe zu einer Metropole. Dann kamen wir Menschen in der alten Welt aber drauf, dass in den Staaten jedes Redneck-Kaff locker mit zwei gelbbogig überdachten Imbissbuden und Schrägstrich oder anderen Vertretern geschmacklicher Unvernunft aufwarten konnte. Einzig aus dem Grund, weil der typische Hillbilly sowieso nichts anderes zu sich nimmt als Freedom Fries und Fatty-Fat-Burgern, die er mit der eigenen Schrotflinte aus dem pickligen High School Kiddie hinter dem Tresen geprügelt hat. Irgendwann verendet er dann festgefettet in seinem Buick oder Dodge und die Feuerwehr muss ihn aus seiner Karre schneiden, weil er die Zufahrt zum Drive-In versperrt. Welche Stadt will mit sowas assoziiert werden? Eben.

Was gilt also noch als Kriterium? Eine Variante ist die Quantität der Besucher und der in der Stadt geschossenen Fotos, bei Google funktioniert das ja auch ähnlich. Mehr Relevanz durch Erschaffung von Pseudowichtigkeit durch Guerilla Linking. Hardcore Picturing makes the Town go round. Oder so. Nach dem Besucherstrom gemessen wäre dann aber nicht unbedingt die ganze Stadt Weltniveau, sondern durchaus schon die Bahnhofstoilette oder der Rammelschuppen hinter der Palmenbar. Scheidet also auch aus. Reicht es neu auch, wenn man Starbucks hat? Hm. Nein, das gibt es auch schon langsam an jeder Ecke. Oder wie wäre es mit Häägen Dasch? Hagen Däsz? Man möge mir einen Tipp geben, wie sich das a) korrekt schreibt und b) ausspricht. Frage zehn Leute und du erhältst zehn unterschiedliche Lautäusserungen, von denen nur zwei NICHT mit ins Gesicht spucken verbunden sind. Weltstädtisch daran ist zumindest die Tatsache, dass es ultrateuer ist und sich das in der Pampa zum Beispiel keiner leisten könnte.

Aaaah! Weltstadt equals hohe Preise. Dann liegt Zürich vorne mit dabei. In Sachen Lebensqualität sagt eine (nicht von Zürchern gemachte) Studie, dass Züri die beste Stadt weltweit ist. Momentan. Die Swissair war schliesslich auch mal die beste Airline von Welt und wo ist die heute? Also lieber auf Platz zwei, dafür wird die Stadt nicht gegroundet. Oder gedowngradet. Noch downgetownter. Ist das überhaupt wichtig? Eigentlich? Weltstadt. Weltstadt mit Herz, wie Leipzig behauptet. Also bitte, eine Stadt in der es zum Frühstück Zwiebelbrot gibt, der sollte man das Herz RAUSREISSEN. Also zurück zur Frage der Wichtigkeit: Brauchen wir das? Ist eine Weltstadt nur mit Grösse oder mit Prunk und Protz zu messen, oder reicht es schon, wenn man da die beste warme Schokolade der Welt bekommt? Dann wäre nämlich Prince Rupert an der kanadischen Westküste eine Weltstadt. Die haben da ein super Café mit Internetanschluss und besagter Schokolade. Und wenn es draussen pisst und stürmt und kalt ist wie Sau und man drinnen sitzt, nett angelächelt wird, sich beim Schlürfen eine Schlagrahmnase holt und sich einfach wohlfühlt, DANN ist man in einer Stadt, die den Titel “worldclass” verdient hat. Die haben auch nicht diese tuckigen rosa Starbucksbecher. Shocking.

Aktuell im Hinterkopf: Blues Brothers – Ghost Riders In The Sky