Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Anschice im Bloggerland

Abgelegt unter: Allgemein | 25.12.2003 (16:07) |

Früher, früher, als das Internet gewachsen ist, da hatte viele Leute, das Gefühl, sie müssten eine Homepage basteln und die ins Web packen (gehörte ich mit dazu). Das machte damals noch nicht so viel, weil es gab damals noch nicht so viele Netzuser. Aber trotzdem merkte man, dass da zu viele Idioten unterwegs waren. Später stieg der Nutzerkreis explosionsartig an und plötzlich waren nicht mehr einfache Homepages und Websites in, en vogue oder hip, sondern Weblogs (gehöre ich auch mit dazu, aber wenigstens von früher Stunde an). Ähnlich explosionsartig stieg entspechend die Anzahl Volldeppen, die sich ebenso penetrant wie sinnfrei entleeren. Nichts gegen freie Meinungsäusserung, ich mache ja auch nichts anderes und habe mich auch damit abgefunden, dass ich verschiedentlich ebenfalls (da bin ich mir ziemlich sicher) als Idiot gelte, aber ich habe meine Bedürfnisse unter Kontrolle. Ich spiele mich im Gegensatz anderen nicht als Tschortsch “die Sackratte” Busch auf (gibt es natürlich auch in weiblichen Ausprägungen), stecke überall meine Nase rein und hinterlasse meinen geistigen Dünnpfiff an jeder Ecke wie ein diorrhöser Hund. Nun scheint es aber, als hätten betreffende Leute wohl kein eigenes Leben oder ein sehr bescheidenes (was sie selber natürlich vehement abstreiten) und haben dann das Gefühl, wenn SIE schon mit sich und ihrer Situation unzufrieden sind, warum soll es dann andere Menschen geben, die mit sich und ihrer Umwelt glücklich sind. Jaja, die bösen Kriegsmächte, die andere Länder überfallen! Schande über sie! Aber hey, überfallen wir doch mal kurz den Blogger von nebenan und zeigen ihm, wie ein richtig schöner Kommentar einen Tag versauen kann. Wie sollen wir als Manschen bitteschön im Grossen funktionieren, wenn das Kleine schon nicht klappt? Wenn der Nachbarsschreiber eine andere andere Meinung hat, eine andere Einstellung, ein Leben, dann bitte, hat er das halt, das ist noch kein Grund, ihm deswegen an die Karre zu fahren. Es ist Weihnachten, da ist es wohl auch für diejenigen, die keinen Schimmer haben, was das für ein Tag ist (nein, da hat nicht der Weihnachtsmann Geburtstag), mal Zeit, sich ein paar KRITISCHE Gedanken über sich selber zu machen. Vor den Spiegel stellen und sich geil finden gehört in diesem Moment nicht dazu. Besonders der oder die, die sich jetzt überHAUPT nicht betroffen vorkommen (wer ohne Schuld ist werfe das erste Schwein), vielleicht, ja vielleicht, ist es bei denen ganz besonders nötig. Obwohl, wahrscheinlich lesen diejenigen, die es am meisten betrifft hier gar nicht mit (oder würden es nie zugeben). Weil die denken, ich bin ein Idiot. Weil ich mich bei anderen einmische. Aber nur mit guter Absicht. Ho! Ho! Ho!

Aktuell im Ohr: Dudelsackmusik – Amazing Grace

We wish you a Merry Dingsbums

Abgelegt unter: Allgemein | 25.12.2003 (15:08) |

Vor Weihnachten merkt man doch schnell wieder, dass wir irgendwie doch alle ein bisschen bildungs- und bindungsgestört sind. Sein könnten. Wären, wenn wir wollten. Jedenfalls treibt unser Leben teilweise Blüten, die seltsamer fast nicht mehr sein könnten. Deutschlands Grinsefritze Nummer Eins “schreibt” Bücher, macht tierisch Kohle damit (unter anderem), ist aber zu doof, sich eine brauchbare Alarmanlage zu installieren. Eigentlich egal, dafür kann er jetzt in diesem Billigmarkt einkaufen gehen, für den er so gern Werbung macht. Oder wieder die ollen Achtziger-Trainingsanzüge vom Speicher holen, weil die hat er sicher noch. Auch Einbrecher haben ihren stolz. Tschina Weild, ebenfalls vor allem dafür bekannt, das Maul ziemlich weit aufzureissen, gibt ebenfalls ein Buch (oder Hörbuch) über ihre wilden Zeiten raus und geht damit auch noch auf Lesungstournee. Wozu? Im P*rn*kino um die Ecke gibt’s den Film zum Buch. Die Handlung dürfte in etwa die gleiche sein. Da ich für die Lesung leider keine Tickets gewonnen habe, kann ich nicht weiter in die Details gehen.
An anderer Stelle versucht eine Dame Geld zu machen, in dem Sie ein Date mit sich selbst zur Verlosung stellt. Teilnahme per Website oder SMS. Keine der üblichen Betteltanten, die sich ihre Brust-OP finanzieren lassen will (hatte sie schon mindestens eine) oder Frauenkränzchen, die sich per Ebay versteigern lassen (zusammen mit einer Kiste Bier, damit wenigstens EIN Anreiz besteht, weil Antatschen ist nicht). Nein, die Dame, die ich meine ist Katie Price, prominentestes Boxenluder von Welt, nennt sich immer mal wieder Jordan, keine Sau weiss warum, aber egal. Nun kann man sich da also registrieren und eine Nacht in London gewinnen mit Luxuskarosse, Essen und Tanzen. Den Flug soll man sich gefälligst selber besorgen, schliesslich soll ja Geld für Tussi übrig bleiben. Was anderes muss man sich wahrscheinlich auch selber besorgen, denn üblicherweise gewinnt bei sowas ja immer die hässlichste Teilnehmende Kreatur und ich glaube dann doch nicht, dass die SO tief gesunken ist. Vielleicht irre ich mich aber auch und sie pulvert das Geld für ihren kleinen blinden Sohn raus oder zur Erforschung ihres Krebses. Das klingt jetzt zwar durchaus nach einer billigen Massenmail zu Weihnachten, ist aber Tatsache. Also wenn ich jetzt wüsste, dass der Erlös nicht zur Aufstockung des Schampuskellers dient, dann würd ich fast sagen: Na los, Jungs, anmelden. Bloss würde mich das dann schon tierisch nerven, wenn einer meiner hässlichen Bekannten da gewinnen würde. Egal, sollen die Leute machen, was sie wollen, Hauptsache die Dame lässt sich nicht davon abhalten, weiter Fotos zu machen. Nicht wie all die anderen, die jetzt plötzlich einen auf pingelig machen und sich nie nie nie wieder in sexy Posen ablichten lassen wollen (ausser vielleicht noch einmal oder zweimal um zu zeigen, was einem bald erspart bleibt.
Weil wenn die Fotos langsam knapp werden, dann wird es schwierig für mich, zu Weihnachten noch gute Bilder für E-Mail-Versand zu finden. Ich hab das früher regelmässig gemacht, als Weihnachtsmann bekleidete (oder entkleidete, je nachdem) junge Damen zu versenden (ja ich weiss, Chauvi-Sau). Also nichts unanständiges, soviel Geschmack muss man mir zutrauen. Aber halt was nettes Herzerwärmendes. Allerdings wurde ich dann von einem Bekannten drum gebeten, das zukünftig zu unterlassen, seine Freundin hätte das dann gar nicht gut gefunden. Weichei! Tante! Frauengehorcher! Ich hab’s ihm dann auch nicht auf seine Büromail geschickt. Pah, so weit kommt’s noch. Da ich mir aber solche Szenen vorerst ersparen will, knall ich es einfach hier rein und dann kann ja wegzappen, wer nicht gucken mag. Und man kann auch vom Büro aus. Die meisten Chefs sind ja schliesslich noch männlich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Egal, wie ihr grad drauf oder drunter seid:
Frohe Weihnachten und viel zum Auspacken!

Aktuell im Ohr: TV Allstars (Die Casting Posse) – Do They Know It’s Christmas (Nette Coverversion, wär noch besser, wenn die näselnde Wurst nicht mitmachen würde)

Beiss mich!

Abgelegt unter: Allgemein | 24.12.2003 (1:16) |

Vampire faszinieren mich seit je her. Warum weiss ich bisher allerdings noch nicht. Vielleicht liegt es an meinen längeren, spitzen Eckzähnen, an meiner Abneigung gegen Knoblauch oder an meiner Vorliebe für Blutorangensaft. Auf jeden Fall habe ich schon seit frühester… naja, früher… zumindest irgendwann in meiner Kindheit angefangen, Vampirfilme zu sehen. Grundsätzlich sind diese Art Zelluloidprodukte nicht generell für Kinder produziert worden und obwohl der böse Böse sich nach dem Drüberbeugen (und angedeuteten Aussaugen) voll dramatisch in seinen Mantel hüllt um sich in einem schlecht in den Film geschnittenen Rauchwölkchen (oder einer billigen Plastikfledermaus) aufzulösen, hinterliessen die Filme Spuren. An meiner jungen Psyche. Um das verarbeiten zu können habe ich tonnenweise Vampireis geleckt, habe mir unbequeme Vampirzähne ins Gesicht gepackt (diese Plastikgebisse passen ja wohl weltweit auch nur grad einer einzigen Person) und versucht, mein Leben in dezenter Blässe zu frönen. Aber weder die Blässe noch das Verarbeiten haben funktioniert (okay, die Blässe etwas besser). Also fühle ich mich verdammt, auf ewig auf dieser Welt zu wandeln und gute wie schlechte Blutsaugerfilmchen zu sehen. Hier ein kleines Zusammenschnittchen (unvollständig und einfach aus dem Gedächtnis gepickt):
Tanz der Vampire Obwohl eigentlich als Komödie gedacht, hat dieser Film mich wochenlang zur Kontrolle von Untermbett und Imschrank gezwungen. Gebliebene Szenen: Sharon Tate in der Badewanne und der schwuchtelige Grafensohn, der eine Bibel anknabbert.
Interview mit einem Vampir Ich werde es mir jetzt mit jedem Ann Rice Fan verderben, aber ich fand den Film sowas von öde. Sowas aber auch. Mag ja als Vehikel für Frauenschwärme gelten (Cruise, Pitt, Banderas), war mir aber zu blutleer.
Near Dark Von wegen, Vampire sind immer gestylt und voll die Dandys. Vampire sind rüde, dreckig und krank. Hier geht Regisseurin Bigelow mal ganz anders an die Sache ran und das ist einfach cool. Gebliebene Szenen: Lance Henriksen, der bei der Kellnerin nur ein Bierglas bestellt und dann frisch zapft oder Bill Paxton, halb vom Laster zermatscht.
Bram Stoker’s Dracula Edel und schön nach Buchvorlage, habe ich mir sagen lassen, da das Buch selber noch ungelesen im Regal steht. Aber nett umgesetzt. Irgendwo habe ich zwar aus Konfusitätsgründen kurz den Bezug verloren, aber am Ende stimmte es wieder. Gebliebene Szene: Drei nackte geile Vampirinnen. Glaub’ ich.
Blade 1 & 2 Fetzige Comicverfilmung mit einem gnadenlos coolen Wesley Snipes. Allerdings hätte ich nach dem spektacoolären Intro (mit P*rn*legende Traci Lords, New Order Soundtrack und hektoliterweise Blut) einen Endkampf erwartet, der… nun ja… der würdig gewesen wäre, den Film zu beenden. Und ein böses Logikloch gegen Ende lassen wir jetzt auch mal unter den Tisch fallen. Der zweite setzte dann überall noch einen drauf und war so richtig schön hässlich. Und bot eine der schönsten Trennungsszenen überhaupt.
John Carpenter’s Vampires und Wes Craven’s Dracula Name dropping von kultigen Regisseruen als Produzenten macht noch nicht unbedingt gute Filme. Beide bieten an sich interessante Ansätze, der eine mit spannender Hintergrundstory, wie Vampire eigentlich entstanden, der andere eher so als der coole Actionkracher. Werde ich mir wohl demnächst als abendliches Double Feature nochmals geben um aufzufrischen.
Forsaken Möglicherweise eine nette Mischung aus den beiden zuletzt genannten, ich bin mir noch nicht ganz schlüssig. Auf jeden Fall ein gutes Beispiel dafür, wie man die Blutsauge-Szenen gründlicher im Gedächtnis platziert als bloss mit Drüberbeugen.
Die ganz, ganz alten… Da gab es ja so viele. Zumindest genug, um mich damals glauben zu machen, dass ich zu Staub zerfalle, wenn ich die Vorhänge öffne. Interessanterweise machte mir das nicht so viel aus, denn ich hatte ja Rollläden. Die Dummheit dieser Annahme (beide Teile) erschloss sich mir auch erst später. Dann aber richtig.
Underworld Auf den bin ich richtig gespannt. Bringt Vampire mit Werwölfen zusammen (beziehungsweise gegeneinander auf), paart das Ganze mit einer Romeo & Julia Geschichte und packt Kate Beckinsale in knallenges Leder. Doch, da bin ich schon gespannt drauf. Mitte Januar ist Vorpremiere zur Geisterstunde.
Dann waren da sicher noch zig andere Streifen, die mir aber genau jetzt entfallen sind oder schlicht keiner Erwähnung bedürfen. Sollte sich aber jemand berufen fühlen, mich mit Tipps zu versorgen, bitte, tut euch keinen Zwang an. Ansonsten: Schöne Beissnachten.

Aktuell im Ohr: Thomas D. feat. Franka Potente – Wish (Komm zu mir)

Namen sind nur Schall und Rauch

Abgelegt unter: Allgemein | 20.12.2003 (21:58) |

Kurz nach der Geburt werden Menschen auf eine Art etikettiert. Bezeichnet. Oder GEzeichnet. Je nachdem, wie clever oder bescheuert die Eltern beim Aussuchen des Vornamens waren. Völlig unüberlegt, was ihrem Kind später im Leben widerfahren könnte, wird dem irdischen Neuzugang ein Namen verpasst, bei dem bestenfalls die bevorzugte Musik- oder Filmrichtung erkannt werden kann. Wobei grade Elvis in unseren Breitengraden ziemlich blöd ist. Aber wieviele Kevins kennt ihr? Hm? Egal ob allein zu Haus oder mit dem Wolf tanzend. Ein Gericht hat vor einigen Jahren Pumuckl abgelehnt. Glücklicherweise. Man stelle sich vor, das Kind hätte später auch noch ein Kupferdach bekommen. Welch Hohn. Derzeit ist in Deutschland (wo wonst?) ja ein Antrag auf Nemo hängig. Arbeitet später mal bei Nordsee an der Kasse. Aber auch so einfache Sachen wie Ken. Wie oft muss sich der wohl anhören, wie es Barbie geht?
Apropos Barbie: Es geht auf Weihnachten zu und die Läden sind voll mit Plastikmüll fürs Kinderzimmer, unter anderem mit haufenweise kitschrosanen Bulimiepüppchen zur weiblich präpubertären Konditionierung auf Slimfast und Magensäureneutralisatoren. Da gibt es auch die verschiedensten Themenrichtungen wie Reiterhof, Poolparty, Dominastudio oder Märchenwelt. Somit auch ein Schneeflittchen, Rotschlämpchen oder Rapunzel. Müsste dann eigentlich eine Kreuzung aus Rapunzel und Barbie nicht Rabarbie heissen?
Apropos Barbie, die Zweite: Kuriose Namensgestaltungen gibt es natürlich auch noch woanders. Ad absurdum führen von angestammten Begriffen. Wenn früher ein Barbier ein Männercoiffeur war, dann steht heute so eine Bezeichnung an einer sehr originellen Kneipe. Ha. Haha. Aber wenn schon diese ausgequetschten Wortspielereien, dann wenigstens auch was mit Grips. Schliesslich leben wir im Computerzeitalter und können da durchaus ein paar Anleihen machen. So nennt man einen Catering-Service ganz einfach Festplatte. Und einen Lätzchenhersteller tauft man Escape. Wenn dann der Brötchenhändler an der Ecke noch Backspace heisst, dann sind wir originell.

Aktuell im Ohr: Girls Aloud – Jump

Nur Spitzenschneiden, bitte

Abgelegt unter: Allgemein | 05.12.2003 (13:30) |

Schönheit ist nur oberflächlich, Hässlichkeit geht durch und durch. Egal, ob man heutzutags gerne eine andere Frisur möchte oder ein neues Gesicht, alles wird einfacher. Anrufen, Termin machen, hinsetzen, schnippeln und fertig. Meine Haare schneide ich mir selbst, bei Gesichtsoperationen würde ich hingegen davon absehen. Nicht, dass ich das bräuchte, es geht mir nur ums Prinzip. Es heisst schliesslich auch “Schönheitschirurgie”, also soll es am Ende besser aussehen, da ich aber Theoretiker und nicht Praktiker bin, käme das ganz bestimmt falsch raus. Wie bei anderen auch. Da frage ich mich echt, wofür die Leute da teures Geld aus dem Sauerstoffzelt schmeissen, wenn sie am Ende aussehen wie ein vom Traktor überfahrener Camembert. Es geht doch auch einfacher, denn es gibt Computer. Hier zeige ich euch zwei Kunstwesen, die entweder aus Plastik und Nähten oder aber aus Pixeln bestehen. Wenn beide die gleich bescheuerte Frisur tragen, dann kann man so gut wie keinen Unterschied mehr feststellen:

Seltsam reden tun beide. Aber doch, kann man. Der eine stinkt nach Fisch. Und hat Erfolg.

Aktuell im Ohr: Was motowniges

Reiss dein Maul nicht so auf

Abgelegt unter: Allgemein | 02.12.2003 (15:57) |

Gestern glänzten nachmittags drei Leute unseres Teams durch Abwesenheit, alle bedingt durch denselben Grund: Zahnarztbesuch. Der eine wollte sich die Scharniere nachziehen lassen, der eine zur Dentalhygienikerin ohne BH und ich zur Krönungsvorbereitung. Besuche beim Kieferschlosser sind generell eher nicht in der Kategorie der freudenspendensten Unternehmungen einzuordnen, auch wenn die Engländer lieber zum Zahnarzt gehen statt Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Weil es weniger Stress ist. Engländer halt. Ich hingegen finde das Liegen auf anatomisch geformten Vertikallöffelchenpositionsstühlen nicht sehr erhebend und begebe mich dorthin auch nur in Fällen der absoluten Notwendigkeit.
In der Regel sind die dort werkelnden Personen durchaus darauf bedacht, panisch käsegeweisste Patienten entsprechend zu beschwichtigen, mit Betäubungsgewehren ruhig zu stellen oder laufend zu informieren, damit der Behandlungsempfänger mehr oder minder beruhigt liegen kann. Aber ab und zu fallen Sätze, die dann doch ein leichtes Unbehagen aufsteigen lassen. Wenn ich plötzlich höre “Können Sie mir bitte das Skalpell geben”, dann finde ich persönlich das leicht beunruhigend. Aber bei einem grösseren Eingriff kann das ja durchaus vorkommen, wenn da was im Weg ist. So weit, so gut. Aber gestern traute ich meinen Ohren nicht mehr. Zitat: “So, und jetzt geben Sie mir bitte etwas Vaseline”. WIE BITTE? WAS? Hab ich mich in der Tür geirrt? Ich habe mich dann zur Ruhe gerufen unter intern geistigem Hinweis, dass es erst dann heikel wird, wenn sie auch noch die bis zum Ellbogen reichenden Gummihandschuhe auspacken. Das blieb mir erspart. Wenn ich nach dem ganzen Prozedere inklusive Betäubungsorgie einigermassen artikulationsfähig gewesen wäre, dann hätte ich mich auch noch erkundigt. Das werde ich nächstes Mal nachholen. Wenn ich dann nicht durch anderweitige Bemerkungen in Schockzustand versetzt werde. “Kann ich bitte die Autobatterie und die Nippelklammern haben?”

Aktuell im Ohr: Paul Young – Come Back And Stay

Alltagsunterhaltung

Abgelegt unter: Allgemein | 01.12.2003 (10:52) |

Ich habe zu Beginn meiner Schreibtätigkeit an dieser Stelle behauptet, der Alltag sei Quell verschiedensten Irrsinns und habe dies wohl in den meisten meiner Einträge zu Genüge bewiesen. Hilfreich ist dabei auch, wenn man mit einer überbordenden Phantasie beschenkt wurde, denn so erkennt man oft in Banalitäten noch einne Grund zum Schmunzeln. Dumm ist, wenn man sich dann minutenlang über etwas ausgeschüttet hat und dies dann Menschen mit weniger Hang zur Abstraktion des täglichen Lebens erzählt und in starre Gesichter blickt. Da bin ich schon sehr froh, dass ich mit einer ähnlich kranken Person zusammenlebe, die mich versteht. Meistens. Ausgenommen bei gewissen Werbespots. Da lache ich über den Spot und sie über mich. Das macht mir aber nichts. Es macht mir auch nichts, wenn SIE einen Kuchen backt für mich und meine Bürokollegen. Also ich meine, es macht mir nichts, wenn sie mir den einpackt und sagt: “Der schmeckt irgendwie seltsam. Sag einfach, DU hättest ihn gemacht”. So sind wir. Was sich liebt, das neckt sich. Wir machen uns auch gerne über Pseudomultikultiges lustig, weil Deutsche und SChweizer ja SO verschieden auch nicht sind. Sie sagt gerne mal, dass wir Schweizer eine seltsame Sprache haben. Das beweist sich dann, wenn sie wortspielern will, einem Freund eine “Happy Bürstday”-SMS schickt und ich ihr dann erklären muss, dass “bürsten” in der Schweiz nicht nur im klassischen Sinne verstanden wird sondern auch als – sagen wir es mal vorsichtig – “vögeln”. Ratet mal, wer da MEHR gelacht hat.
Aber nochmal zum Zusammenleben und abstraktem oder bizarrem Denken. Inzwischen habe ich mich an das neue Zuhause gewöhnt und schätze durchaus einige der Features. Zum Beispiel, dass es zwei Toiletten gibt. Wir denken immer wieder gerne zurück an Situationen, wo wir nach Hause kommen von einem Ausflug oder von extensivem Einkaufen und wie das Schicksal so will: Beide haben unterwegs reichlich getrunken und sturmflutmässig bahnt sich nun etwas durch die internen Kanäle. Eigentlich heisst es ja “ladies first” oder “Frauen und Kinder zuerst”, doch in Notsituationen ist sich jeder selbst der Nächste. Das Bewusstsein, dass zwei Personen genau jetzt und genau hier vorhanden sind, aber nur ein Klo, reduziert sofort alles aufs existenzielle Minimum. Die ganze Welt schrumpft auf die paar Kubikmeter, die Zeit stolpert und friert ein zu einem zähflüssigen Brei. Zwei Menschen schiessen los, so schnell sie können und bewegen sich doch nur in zähem Zeitlupentempo, beidseitig bewusst um die Wichtigkeit des Schnellerseins. Du oder ich. Sie oder er. Nass oder trocken. Von hinten scheinen sich Gummiseile um die Glieder zu legen, von Vorne zieht das Grundbedürfnis, der laut erschallende Ruf der Natur. Wie das von Hand Bild für Bild vorwärts geschaltete Videoband des Lebens bewegen sich zwei Geister und Körper, alles überlagert vom Soundtrack aus “Chariots of Fire” Bam BammBam Bam BAMM Bam, Bam BammBamm Bamm Baaamm. Bein stellen, Haare ziehen, Ellbogen ins Gesicht schlagen, alles ist erlaubt, vor nichts schreckt man zurück. Krass. Wenn ich dann den Kopf schüttle platze ich wieder in die Realität zurück und bin durchaus froh, dass uns das für immer erspart bleibt. Auch wenn wir fürs Gästeklo ein Frankenstück brauchen, weil wir immer noch das Drehkreuz installiert haben.
Apropos schütteln: Was soll es bitte bringen, wenn ich mich schüttle, bevor ich einen Fruchtsaft öffne? Hat das einen kosmisch kausalen Zusammenhang?

Aktuell im Ohr: Das lautstarke Gerattere von unserem Farblaserdrucker