Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Gesucht, gefunden. Oder einfach drüber gestolpert.

Abgelegt unter: Allgemein | 10.10.2003 (12:51) |

Im Leben wie im Internet ist es das Gleiche. Suchen, suchen, suchen und ab und zu tatsächlich etwas davon finden. Meistens findet sich aber etwas ganz Anderes, als man ursprünglich dachte. Oder man findet überhaupt Dinge, die man gar nicht wollte. Das kann zwar ab und zu auch zu positiven Erlebnissen führen, aber gruseliger sind dann doch diese Fundsachen des Bösen. Suchmaschineneinträge zum Beispiel finden sich in meinen Seitenstatistiken und immer wieder frage ich mich, warum gewisse Suchen durchgeführt werden. Ich habe aufgehört mich zu wundern, warum die bei MIR landen, das ist bei den aus- und abschweifenden Texten hier ja schon beinahe Herausforderung. Aktuelle Beispiele sind zum Beispiel: “Kann eine 80 jährige Frau noch Sex haben”. Kam via Giggle. Natürlich kann sie das, lieber Sucher. Wenn Sie einen findet, der sich da drauf legt. “Ferien auf dem Bauernhof finde ich geil” stellt für mich generell die Frage, ob betreffender User weiss, wozu man Suchmaschinen eigentlich verwendet. Aber zu diesem Thema kann ich die frühpubertären Filme “Ferien auf Immenhof” empfehlen, wo die Mädels alle reiten und singen konnten und Namen hatten wie aus Donald Duck Comics. Leider kann ich ansonsten den ganzen Verirrten und Verwirrten nicht weiterhelfen, da müssen sie schon auf einschlägigere Seiten ausweichen. Aber denkt an Brian May (sinngemäss), wenn ihr euch den Kram ununterbrochen reinpfeift: Too much porn will kill you.
Weiter auf der Suche sind auch die Milliarden Singles dieser Welt, die sich gegenseitig suchen, aber trotz des Überangebots nicht finden. Oder sich schlicht und einfach falsch verkaufen. Im World Wide Weiterhelf bietet es sich ja geradezu an, sich in irgendwelchen Single- und Kontaktbörsen einzutragen, sofern man denn auf dem Pfad des Gefundenwerdenwollens wandelt. Mit etwas Hoffnung darauf, dass einerseits nicht jeder der sich dort aufhält ein Perverser und/oder Beamter mit Zimmer bei Mutti ist. Mit etwas mehr Glück verwendet das Gegenüber auch nicht ein Modelbild zum Ködern und entpuppt sich beim Treffen dann als berechtigter Erzgegner von Kapitän Ahab. “WAL BLÄST!”. Hm. Obwohl, da könnt jemand drauf stehen, wer weiss. Nein, ernsthaft, man soll sich ja schon ein wenig gut verkaufen da, aber nicht übertreiben. Drum weiss man dann ja nie wirklich, ist das Bild denn nun echt und man traut sich einfach nicht, weil man denkt, chancenlos zu sein. Oder man fragt sich ob das Bild echt ist und jemand wirklich so bescheuert war, das so zu veröffentlichen. Hier mal zwei Muster aus Webportalen, die sich dem digitalen Kontaktvermitteln verschrieben haben. Die Fotos sind So schon im Web vorhanden, also nicht anschwärzen, dass ich hier jemanden durch den Kakao ziehen würde.

Ich kann mich irren, aber eines der Bilder wirkt einen Hauch unvorteilhaft. Aber wie immer sind natürlich beide Geschmackssache. Nur mal so zum Vergleich. Hat Clearasil eigentlich eine Website?

Aktuell im Ohr: Ian van Dahl – Castles In The Sky

Morgens halb zehn in Schweiz

Abgelegt unter: Allgemein | 10.10.2003 (10:01) |

Wenn wir einmal das heutmorgendliche Generve darüber weg lassen, dass mir eine Sekretärin nur Termine im Outlook schickt, an denen ich bereits mindestens einmal belegt bin und darüber, dass Word alle Grafiken, die ich einfüge quadratisch darstellt, ist der Morgen gar nicht mal so schlecht. Ein Fläschchen Orangensaft (Ramseier Premium), ein Lachssandwich und das Wissen, dass Schnee langsam auf uns zukommt, versprüht einen Hauch pseudoluxuriöser St.Moritz-Dekadenz für Anfänger. Leider gehen vor dem Fenster keine aufgebrezelten Schickimickinen zum ablästern vorbei sondern nur die gehetzten Krankenschwestern auf dem Weg zur Arbeit. Aber man kann sich ja zurücklehnen, sich vom stellvertretenden Leiter einen Kaffee an den Platz liefern lassen (naja, fast, er hat ihn gezapft, holen musste ich selber) und von vergangenen Wintern träumen. Verschneite Berge und Tannen, die Sonne, die die Eiszapfen leicht antaut und glänzende Tropfen kristallklaren Wassers zu Boden plitschen lässt, scheu (nicht schüchtern, da gibt’s Unterschiede) aus dem Wald blickende Rehe auf der Suche nach äsbarem (kein Tippfehler ihr Banausen) und um das Bild zu komplettieren ein wild gestikulierender Skifahrer, den es schreiend in die Pampa schiesst. Das wäre dann mein Part. Warum kommen mir bei winterlichen Gedanken bloss immer mehr oder weniger spektakuläre Stürze in den Sinn? Wahrscheinlich weil das die einzigen adrenalinfördernden Ereignisse waren weil mich die Skihasen konsequent ignoriert hatten.
In Komödien oder Witzen werden öfters Skifahrer gezeigt, die in Bäume fahren. Das ist genauso doof wie unrealistisch. Denkt man. Zumindest so lange, bis man selber mit Anlauf eine Tanne erwischt und tagelang eine bunt gemusterte Schulter durch die Gegend trägt. Doch, das geht. Es geht AUCH, mitten auf der Piste plötzlich auf der Fresse zu landen und mehrere Meter durch den Schnee zu schlittern (natürlich nich tohne dabei Schnee zu fressen). Wenn man sich aufsetzt und merkt, dass man keine Schuhe mehr anhat ist das ziemlich bizarr. Noch bizarrer sehen die Skier mit den darauf verbliebenen Schuhen aus, die mitten auf der Piste an einer Zaunlatte geparkt sind. Doch, doch, das geht tatsächlich. Sogar ohne Brüche. Dann sind da noch die Flugstunden, die man im Tiefschnee macht und sich nach dem publikumswirksamen Salto erst zurechtfindne muss, wo oben und unten ist. Wenn man Oben gefunden hat, krabbelt man an die Oberfläche von drei Meter zuckerwatteweichem Schnee und sucht die Oberfläche ab nach den zwei Latten, auf denen man sich eben noch befunden hat. Ihr glaubt gar nicht, wie tief Ski in Pulverschnee einsinken können und wie lange suchen und ausbuddeln dauern kann. Das bis anhin so gut wie unberührte Schneefeld (Tierspuren ausgenommen, direkt nach einer Neuschneenacht) sieht danach absolut nicht mehr ganz so jungfräulich aus. Ein Vorschlag von Lydia (Genialität ist machbar), den man aufnehmen könnte: An jeder Bindung ein Handy befestigen, dann kann man in solchen Fällen anrufen und durch die Wiedergabe des Klingeltons (ich schlage den Schneewalzer vor) erleichtert sich die Suche um ein Vielfaches. Ausser man hat versehentlich auf Vibrationsalarm geschaltet. Dann muss man die Schneedecke sehr, sehr genau beobachten. Beim Ausgraben sollte man trotzdem behutsam vorgehen, denn wer weiss, vielleicht schaufelt man energisch den Schnee beiseite und sieht sich plötzlich zwei vögelnden Murmeltieren gegenüber, die kurz eine Winterschlafpause einlegen. Die werden not amused sein.

Aktuell im Ohr: The Outhere Brothers – Pass The Toilet Paper

Peitsch mich, schlag mich, gib mir Pflanzennamen!

Abgelegt unter: Allgemein | 09.10.2003 (9:42) |

Gewisse Menschen sollte man nicht unterschätzen. Sehen nett und freundlich aus, geben vor, dir etwas Gutes tun zu wollen, aber irgendwo tief drin, da sind sie Abkömmlinge von Marquis de Sade und leben das nicht nur aus, nein, sie bekommen auch noch Geld dafür! Von Krankenkassen! Bei uns im Haus tragen die allerdings kein Leder sondern blaue Baumwolle und nennen sich nicht Dominas, sondern Physiotherapeutinnen. Mel Gibson konnte sich in Braveheart beim Foltern wenigstens einfach hinlegen, aber nein, ICH muss schuften! Eigentlich eine clevere Entwicklung, der Kunde tut sich selber weh und die Anpeitscherin hat Spass dran ohne was zu tun. Dabei wäre das am Morgen so schön, man liegt auf der Matte, überlegt sich seine Übung und wünscht sich eigentlich nur, dass jemand kommt und einen zudeckt, aber das geschieht natürlich nicht. Eher steht jemand neben einem und sagt: “So, jetzt will ich aber was sehen”. Schon geht das Geackere los. Dann wird auch noch gemeckert, wenn ausnahmsweise ein Muskel nicht korrekt gespannt wird. Na hallo, arbeiten, bezahlen UND noch rumkommandiert werden? Hm. Waren Physiotherapeutinnen in einem früheren Leben Anpeitscherinnen auf Galeeren oder sind es einfach Reinkarnationen des Drill Sergeants aus “Full Metal Jacket”? Ja, ich weiss, ich meckere hier über Leute, die mir Gutes tun. Nein, ich meckere nicht über die Menschen, sondern über die Methoden. Es ist doch noch MORGEN! Aber dass die Muskulatur wächst und gedeiht ist doch auch was Schönes. Also nicht stänkern.
Nur ist es ja generell so, dass man Schlechtes eher hört als Gutes. Sei es als Lob im Job oder in den Nachrichten. Aber die Menschheit scheint ja so geil drauf zu sein, von anderer Unglück zu hören. Hauptsache die und nicht ich. Deshalb sind die News und Zeitungen voll mit negativen Nachrichten, weil der Mensch von heute das will, andererseits dabei auch konsequent abstumpft. Oh sieh mal, schon wieder ein Krieg. Erst der zweite diese Woche. Ob wir wohl noch einen bekommen? Man sieht nicht mehr auf die Wetterkarte sondern auf die Weltkarte und denkt: Ob’s heute wohl noch kriegt? Mitschuldig an der ganzen Sache ist bestimmt das Zusammenrutschen des Planeten durch die technischen Möglichkeiten in der Nachrichtenübermittlung. Die Welt ist heute nicht schlechter als früher, man bekommt nur jeden Mist mit. Wenn in einer Am-Arsch-der-Welt-Provinz Chinas einem Reisbauern das Fahhrad geklaut wird, dann kann ich das dreissig Minuten später im Internet lesen oder am nächsten Tag in der Zeitung als Randnotiz (etwas grössere Randnotiz, wenn dadurch ein Bürgerkrieg ausgelöst wurde), aber interessiert es mich? Nein. Aber ich denke dann: Boah, in China klauen die auch Velos. Ist ja wie in Amsterdam. Bloss liegt da zusätzlich noch Hundekacke rum. Stellen wir uns mal vor, eine ganze Tagesschau würde mit positiven Nachrichten gefüllt. Da würde jeder weiterzappen, weil er denkt, er sei in der falschen Sendung gelandet. Würde auch keiner hören wollen, dass es einem anderen Menschen besser geht. Da kommt dann der Neid zum Vorschein und manch einer denkt sich, dass man demjenigen, dem es gut geht, eigentlich auf die Fresse hauen sollte. Womit sicher gestellt wäre, dass am nächsten Tag die Nachrichten wieder das zeigen, was wir so gewohnt sind. Warum lassen wir die anderen nicht einfach mal so wie sie sind? Nicht besser und nicht schlechter als wir selber? Ich will nicht beim Urlaub in Australien in einer Randnotiz lesen müssen, dass in der Schweiz ein Chinese mit gestohlenem Fahrrad überfahren wurde, weil sich zwei zivilisationsgestresste Autofahrer (die nicht wirklich Probleme haben ansonsten) wegen Ersparnis einer Minute auf dem Arbeitsweg gegenseitig die Vorfahrt zu klauen versuchten. Und bitte, was mach ich mit einer Vorfahrt? Ins Regal stellen? Nein, also bitte.

Aktuell im Ohr: Pearls – When Winter Calls

Darf ich? Darf ich? Darf ich?

Abgelegt unter: Allgemein | 07.10.2003 (16:26) |

Darf ich im Abwesenheitsassistenten meiner Büro-Mailbox den Eintrag hinterlassen “Wegen so Idiotenmails wie IHREM muss ich mir heute einen Tag frei nehmen”? Oder “Wenn mir alle Leute so einen Mist schicken würden wie SIE, dann müsste ich dauernd besoffen sein, um es zu überstehen”? Darf ich das? Schliesslich ist es ja ehrlich. Nicht ganz höflich, wie man es in Kreisen der Puderzucker-in-den-Arsch-Bläser so gerne propagiert, aber ehrlich, aus tiefstem Inneren. Wahr. Darf ich zum Chef einer anderen Abteilung gehen und um Entlassung einer Mitarbeiterin bitten, weil die blöd wie ein Kartoffelkäfer ist und auch noch so aussieht? Nur viel grösser. Abwahl wegen kompletter Unfähigkeit und Verfehlen des Berufes um Hundertgazillionen Prozent. Darf ich das? Oder muss ich das sogar? Darf ich einem Autofahrer, der mir auf dem Zebrastreifen fast sein Profil auf die Schuhe zeichnet hinten in den Kotflügel treten und ihn danach auf Schmerzensgeld verklagen, weil ich den härtesten Teil des Autos getroffen habe? Steht alles nicht im Knigge oder anderen Benimmbüchern. Das sagt einem im Normalfall auch niemand. Dass man am Esstisch nicht popelt hat sich rumgesprochen, dass man als Mann in Begleitung nicht dauernd anderen Frauen auf die… in die Augen starrt, ist auch sehr verbreitet. Für so viele Dinge gibt es Bücher, Anleitungen, Gebrauchsanweisungen. Steht eigentlich in diesen Auto-Handbüchern drin, dass sich Frauen nicht die Nägel machen sollten während dem Fahren? Oder dass Schminken beim Überholen ganz, ganz schlecht ist? Eben. Keine Tiere in Mikrowellen zu trocknen braucht man auch nur wegen der Amis zu verbieten.
Hm. Ich glaub der letzte Satz war grammatikalisch etwas schief. Aber Grammatik war nie meine Stärke. Dafür war ich in Rechtschreibung mies und in Interpunktion schwach. Fälle. Wenn ich das schon schreibe! Fälle. Rettet dem Dativ. Aber ich kenne sie alle. Akkusativ (hat nichts mit Batterien zu tun), Dativ (öfters in P*rn*s eingesetzt), Genitiv (das Gegenteil davon) und Nominativ (da fällt mir nun aber nichts zu ein). In der heutigen Zeit müsste man die Grammatik eigentlich noch um zwei weitere Fälle erweitern. Das würde dann SO aussehen:
Akkusativ: Der Herd ist für die Frauen.
Dativ: Die Frau steht vor dem Herd.
Genitiv: Die Frau steht an der Vorderseite des Herdes.
Nominativ: Die Frau kocht.
Primitiv (m): Koch was!
Sensitiv (w): Schatz, gehn wir ins Restaurant?

Schlechtwetter-Addon: Darf ich diesen verkniffenen Muffeln, die bei Regen den Schirm so tief halten, dass man fast nur noch ihre Fussspitzen sieht, entgegen springen und vorne aufs tragbare Regendach hauen und hoffen, sie erleiden einen Schock? Darf ich? Oder darf ich ich Bilder knipsen von Leuten, die voll bescheuert rumlaufen und sie ins Internet stellen um die Welt teilhaben zu lassen? Nein, darf ich nicht, ich weiss. Persönlichkeitsschutz. Als ob DIE Persönlichkeit hätten. Aber nur weil es ein bisschen regnet gleich einen der hässlichsten Hüte aufzusetzen ist nun echt nicht nötig. Das Teil sah aus wie diese genoppten Siebzigerjahre-Badekappen. Um auf der Strasse Badekappen zu tragen ist es nun hundertprozentig noch nicht nass genug.

Aktuell im Ohr: Lunik – The Most Beautiful Song

Oral fatal

Abgelegt unter: Allgemein | 07.10.2003 (13:41) |

Wenn mich derzeit im Büro jemand fragt, ob ich einen Kaugummi habe, dann prügle ich das Engelchen, das auf meiner linken Schulter aus dem Untergund krabbelt sofort in seine Behausung zurück. Das Teufelchen, das auf der rechten Seite seinen Liegestuhl auspackt und die Chipstüte bereitlegt, das lasse ich sitzen. Natürlich hätte ich einen Kaugummi anzubieten, allerdings sei der ein klein wenig sauer, rutscht mir raus. Notiz an selbst: Engelchen zurechtstutzen. Ach, das wäre doch kein Problem, sagen dann die Leute, sauer macht ja lustig! Langzeitleser mögen sich an die ersten Geschichten um diese Hardcore-Kaudinger möglicherweise erinnern. Rote und grüne Kugeln, harmlos von aussen, überaus pervers von innen. Sagte zumindest das vor Grauen verzerrte Gesicht unserer Kollegin Lotta nach dem dritten Mal zubeissen. Zwischen Tränen und dem vierten Röcheln sagte sie etwas wie “Mein Zahnschmelz ist weg!” und ich hätte mich in den Arsch beissen können, dass die Digicam nicht bereit lag. In diesem Moment kommt der Rest des Teams ins Büro und fragen, wie lange sie denn schon so verkniffen dasitzen würde, das müsse doch weh tun. Nach einem Blick auf mein selig zufrieden grindendes Antlitz wurden natürlich schon die heftigsten Theorien gewälzt, was ich ihr denn angetan hätte. Ich hab sie gewarnt! Kann mir keiner vorwerfen. HooBee fragte dann noch, ob das eine der Kugeln gewesen sei, was ich mit einem deutlichen JA beantworten konnte. Schliesslich hatte er letzte Woche schlackernde Kniescheiben gehabt, als ich ihm auch einen Kaugummi angeboten hatte. Alle selber schuld. Aber der Solidarität halber hab ich auch einen eingeworfen. HooBee fragte dann weiter, was das eigentlich für TicTac in meiner Schublade seien, die würden so seltsam aussehen.
Zwei Schächtelchen davon lagen da, eines mit Zimtgeschmack (der Inhalt, nicht das Schächtelchen), wo ich mir von Lydia hab sagen lassen, dass die ziemlich beschissen schmecken, seitdem nehme ich Abstand davon. Aber die Fresh Lemon Mint habe ich probiert. Dummerweise liess ich mich zu dem unüberlegten Satz hinreissen, dass die schmecken wie diese Frischesteine in Pissoirs. Worauf brüllendes Gelächter unsere Büros erfüllte und alle wissen wollten, woher ich denn einen geschmacklichen Vergleich hätte. Ja, ja. Ich wollte ja eigentlich sagen, dass die einen so riechen wie die anderen schmecken, aber ich kam nicht mehr dazu. Dafür bauschten wir das noch auf und verglichen es mit Tequila trinken, von wegen Lick-Sip-Suck. Ich will da jetzt nicht weiter ins üble Detail gehen. Und wenn ich mich recht erinnere, kam diese Idee noch nicht mal von mir, sondern von unserem Schwedenbrötchen. Die sagt übrigens schon mal so Sachen wie: “Also gestern im Zug, da dachte ich so bei mir…” und dann kommt mehrere Minuten kein Text mehr. Und da soll noch jemand sagen, es sei alles nur Klischee. Aber eigentlich ist sie ja eine liebe Kollegin. Wenn sie nur nicht mit Fingern auf mich zeigen und schreien würde: “ABARTIG! ABARTIG!”. Nur weil ich im Zusammenhang mit Bindehautentzündung angemerkt habe, dass so ein Wort korrekt betont und gesprochen werden sollte, weil es sonst ja auch Binden-Hautentzündung verstanden werden könnte, was mich definitiv abqualifiziert hat in Bezug auf Frauenfragen. Lese ich halt wieder mal Igitte oder Kotzmopolitan.

Aktuell im Ohr: Bee Gees – Irgendwas hohes

Zugzwang

Abgelegt unter: Allgemein | 06.10.2003 (10:16) |

Es ist Morgen, ich wälze mich unter Stöhnen aus dem Bett und verweigere konsequent das Angebot, ins Büro gefahren zu werden. Ich fühle mich beim öffentlichen Verkehr wohl und dank extrem dichtem Fahrplan gibt es so gut wie keine Wartezeiten. Ich kann lesen, Leute beobachten und Musik hören, wenn ich nicht dauernd vergessen würde, meinen Walkman zu suchen und einzupacken. Und ich kann an Haltestellen oder Bahnhöfen durch Kioske und Läden stöbern, um die Stapel ungelesener Magazine zu Ausmassen wachsen lassen, die den Petronas-Towers die Neidesgrüne ins gebäudische Gesicht treibt. Guten Mutes verlasse ich also morgens das warme Bett, die warme Wohnung und mit dem Gedanken “Hüt isch es aber frisch” den Gedanken an eine warme Realität. Ist ja nun nicht so, dass mir dieser Gedanke noch nie durch den Kopf geschossen wäre, ein paar Minuten später wird’s einem dann ja auch warm. Aber heute lief alles ein bisschen anders. Der Bus kam pünktlich, ich hatte meinen Sitzplatz und konnte lesen. Beim ersten Umsteigen fuhr mir das grüne Tram direkt vor der Fresse weg, aber das war ja noch okay, weil mit dem Zwanzignachsiebenbus passiert das immer. Also denke ich mir, dass auch das rote Tram seinen Zweck erfüllt und ich dann eben an einem anderen Bahnhof umsteige, als dem hauptigen. Das Tram fuhr los, ich hatte meinen Sitzplatz und konnte lesen. Dann am Stadelhofen umsteigen, kurz den Kiosk entern und nichts zu lesen finden, was ich nicht schon hatte, nicht wollte oder mir zu peinlich war. Weil es heute doch einen Tick kühler war als gedacht und weil meine Jacke zwar gut gegen Regen ist (es aber nicht regnet) aber nicht gegen Kälte (die war vorhanden), gönnte ich mir einen Coffee-to-go. Dann stand ich auf dem Perron (=Bahnsteig) und las. Aber nicht etwa eine Zeitschrift, sondern die Anschrift “ca. 15 Minuten Verspätung”.
Nun hatte sich meine Körpertemperatur schon ganz sachte reduziert, weil, wie ich später erfuhr, die Konkurrenz des Herrn Föhn, nämlich die Frau Bise heute tätig ist und deshalb ziemlich penetrant die Kleider mit kalter Luft penetriert. Fünfzehn Minuten sind ja nun noch nicht so tragisch, also ab in den nächsten Kiosk, man weiss ja nie. Am Wegesrand lag dann noch ein Postkarten- Schrägstrich Kalendershop, an dem ich natürlich nicht unbehelligend vorbeischlendern konnte und so brachte ich die Wartezeit auch rum. Zurück auf dem Perron (hat nichts mit Evita zu tun) kam dann die lautsprecherdurchsagte Änderung der Anschrift: “Unbestimmte Zeit Verspätung”. Lokomotive kaputt im Tunnel. Grundsätzlich kann ich von Zürich nach Arbeit drei verschiedene S-Bahnlinien benutzen. Murphymässig müssen die alle durch genau diesen speziellen Tunnel. Also Wechsel zur anderen Seite des Bahnhofs und Wechsel der Linie, um wenigstens zum Hauptbahnhof zu kommen, wo denn auch ein Bus in die gewünschte Richtung fahren würde. Also ab in den Zug, fünf Minuten kuscheliger Stehplatz in megamässiger Überfüllung (ja irgendwie müssen die Leute ja weiter), was aber nicht extrem zur Erhöhung der Hautflächenoberwärme beigetragen hat. Zürich. Ziemlich kalt. Aber die Frisur hält. Verspürte den dringenden Wunsch, eine tragbare Heizung zu kaufen oder mich zumindest in den Hintern zu treten, weil ich entgegen sonstigem Ritual nicht den Wetterbericht konsultiert hatte, um meine Kleidung den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Da kam dann aber die Durchsage, dass nun doch eine S-Bahn in meine Richtung fahren würde. Also rein und Sitzplatz und lesen. Grade als ich einigermassen warm wurde, musste ich natürlich wieder in die Luft raus und mich zur Bushaltestelle begeben, die ich eigentlich nur nutze, wenn sonst nichts mehr geht. Also wie heute. Erstaunlicherweise kam ich ohne Prügelei zu einem Sitzplatz (alte Frauen wegschubsen gilt nicht als Prügel) und konnte fast zwei Stationen weit lesen. Hat sich nur keine(r) neben mich gesetzt, das wäre bestimmt wärmer gewesen. Nach einer Stunde und vierzig Minuten sitze ich jetzt aber doch im Büro, habe kalte Füsse und freue mich auf meinen Tee. Eine Stunde länger als sonst. Zumindest weiss ich jetzt, wie sich Odysseus damals gefühlt hat. Unter Berücksichtigung der Unterschiede in den Punkten lesen und frieren. Und Schiffchen fahren. Und notgeile zaubernde Weiber. Kann man sich jetzt fragen, wer schlimmer dran war.

Aktuell im Ohr: noch nichts, kommt aber gleich

Where’s my money, honey?

Abgelegt unter: Allgemein | 05.10.2003 (18:23) |

Geld ist so eine Sache. Mit zu wenig wird man zum Penner, mit zu viel zum Arschloch. Irgendwo dazwischen ist okay, aber man muss damit umgehen können. Das fängt dabei an, dass man sich nicht zu schade ist, auch mit kleineren Beträgen nicht sorglos umzugehen. Kleinvieh macht auch Mist. Wie heisst das schöne Sprichwort (ausgelutscht, aber wahr): Wer das Kleine nicht ehrt, ist das Grosse nicht wert. Also, Männer und Frauen, seid mit dem zufrieden, was euer Partner hat, sonst gibt’s das nächste Mal kein Upgrade. Aber eigentlich wollte ich ja in eine andere Richtung. Kleingeld. Oft ist es so, dass Leute zu faul sind, sich nach einer kleinen Münze zu bücken, so von wegen, das lohne sich doch nicht. Falsch. Wenn ich mich zehn Mal für fünf Rappen bücke, habe ich danach auch einen halben Franken (da steht auf der Münze auch 1/2 drauf, nicht etwa 50). Ich weiss, nicht jeder Mensch bückt sich für fünf Rappen, sonst hätten die Rotlichtbezirke bestimmt um einiges erhöhten Verkehr. Ehm. Zulauf. Prostitucion! Das ist noch ein Geschäft, wo man Geld reinsteckt. Mehr oder weniger sinngemäss.
Apropos Geld reinstecken, sagt doch gestern Gottschalk bei “Wetten dass…?”: “In die jungen Sportler wird noch viel Geld gesteckt”. Also ICH hab dafür früher ein Sparschweinchen benutzt. Hey, Spieler, bück dich mal, kriegst ‘nen Euro. – Quiek! Oh ja! Gib’s mir! – Am Ende dann die Spenden zählen ist bestimmt ein Scheissjob. Apropos Quiek, kennt jemand den Film Deliverance – Beim Sterben ist jeder der Erste? Das ist der Film wo Burt Reynolds zeigt, dass er auch schauspielern kann. Und wo dieses geile Duell Banjo versus Gitarre gespielt wird. Und wo die deutschen Zuseher keine Ahnung haben, was da eigentlich im Wald so genau passiert ist, weil man das dort rausgesäbelt hat, damit der Film nicht auf dem Index landet. Das könnte UNS in der Schweiz eigentlich egal sein, denn wir haben ja dieses Gesetz nicht. Ist es uns aber nicht, weil die deutschen Produktionsfirmen leider auch die Schweiz beliefern. Ich protestiere jetzt. So lange wir den Film nicht als ungeschnittene DVD bekommen, werde ich niemandem erzählen, was WIRKLICH passiert ist. Ich weiss, ich bin nur einer, aber irgendwo muss man ja anfangen. Kleinvieh macht auch Mist. Ich sowieso.

Aktuell im Ohr: Girls Under Glass – Frozen (Wieder mal so eine Zeit, wo sich meine liebere Hälfte wünscht, nicht den Deal eingegangen zu sein, einmal mein Sound, einmal ihr Sound. Odr.)

Da war doch noch was…

Abgelegt unter: Allgemein | 03.10.2003 (13:41) |

Stimmt. Genau. Jetzt fällt es mir wieder ein. Im vorigen Eintrag startete ich im Titel zwei Dinge, von denen ich aber nur eins abschloss. Weil zu Capri fällt mir ja dann eigentlich schon auch noch etwas ein. Da wär ich vor einigen vielen Jahren zwecks Ausflug. Grundsätzlich befand ich mich ja damals mit einer nicht näher erwähnenswerten Person auf einer Kreuzfahrt durch das östliche Mittelmeer mit einem dieser leicht pompösen italienischen Tuckenkutter. Das Schiff an und für sich war recht schick, nannte (und nennt sich heute noch) Costa Classica und hätte sicher auch Spass gemacht, wenn nicht das Publikum, das man darauf eingelagert hatte, aus zwei Gruppen bestand, die einzeln schon kaum zu ertragen sind. Anlass der ganzen Reise war, dass damalige Begleitperson die Reise bei der Glückspost (Schweizer Unterhaltungspostille für Halbsenile, etwa wie Post für die Frau, Herz für die Frau, Glück für die Frau, Kotztüte für den Rest) gewonnen hatte. Ich bin dann natürlich mit und habe unter dem Gedanken der mitkommenden Solidarität meine Reise komplett alleine gezahlt. Ich durfte dann andere Sachen regelmässig auch selber machen, aber das ist eine andere Geschichte. Hm. Obwohl, bei der Schmutzfantasie der hier verkehrenden Leser muss ich wohl doch präzisieren: Sport! Die gewonnene Kreuzfahrt wurde dann natürlich anlässlich einer Glückspost-Leserreise durchgeführt, in Begleitung von Beny Rehmann und Band. Wie soll ich den umschreiben? James Last für Arme? Helvetischer Umpta&Täterä-Sound für Halbtaube? Geschmacksexekutierer für musikalisch noch nicht total Verblödete? Egal, ich glaube, man erkennt, worauf ich hinaus will. Unnötig zu sagen, dass das gemeine Publikum aus der Schweiz sämtliche Hits möglichst atonal mitsummen konnte (glücklicherweise war kein Sangesverbrecher mit dabei). Und das bereits im Bus auf der Anreise nach Genua.
Die zweite Gruppe waren die italienischen, neureichen Altjugendlichen, die sich für was Besonderes hielten, weil sie sich eine Kreuzfahrt leisten konnten. Entsprechend hochnäsig sind die dann auch rumgestiefelt. Mit abgespreizten kleinen Fingern Puffbrause schlürfen erforderte dort noch nicht einmal Abkehr von der Heterofront, das gehörte einfach dazu. Von beidne Gruppen gab es selbstverständlich genügend Leute, die aus verschiedenen Intentionen den Tagesausflug nach Capri mitmachen wollten. Die Schweizer, weil das in diesen tollen Romanen und Filmen immer vorkommt, die Italiener, weil man dort völlig überteuert den gleichen Stuss einkaufen kann wie auf dem Festland, man dort aber nicht hip ist. Die Überfahrt von Napoli (für die Deutschen: Neapel) nach Capri (nein, das wurde NICHT nach den Hosen benannt, sondern umgekehrt, wie der Bikini nach dem Atoll und nicht umgekehrt) begingen wir mit einem Tragflächenboot, was bei leicht unruhigem Seegang für lustiges Gedränge vor der einzigen Toilette an Bord führte. Vor allem unsere lieben kleinen Japaner hatten interessante Gelbvarianten in der Gesichtsfarbe. Wenn man allerdings eine halbe Stunde lang kotzende Sushi-Sans an sich vorbeirennen sieht, dann wird einem doch auch leicht mulmig. Aber dann waren wir ja da. Wir haben die Sonne zwar nicht untergehen sehen (zu früh am Tag) und wir waren auch nicht in der blauen Grotte (zu viele Touristen), aber Capri war irgendwie nett anzuschauen. Nur, warum man dann in einer Parfumerie Duftwässerchen einkaufen geht, die es zuhause billiger gibt, das verstehe ich nicht. Wahrscheinlich, weil Sissi hier war. Die hat sicher auch dort eingekauft. Ja geh, Fraanzl, siagst di kootzenden Japaaana? Feeesch!

Aktuell im Ohr: Faithless – God Is A DJ

Es grünt so grün, wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt

Abgelegt unter: Allgemein | 02.10.2003 (16:23) |

Wenn man plötzlich um seine Behausung Grünflächen hat, die einem selber gehören, stelt sich natürlich die Frage, was man denn damit macht. Einerseits könnte man es verwildern und vergammeln lassen und ein bisschen kaputt machen, während das Unkraut zu unglaublichen Höhen aufschiesst. Ach nein, das hat ja bereits die Hausverwaltung erledigt. Zwischendrin wurde der fast hüfthohe Dschungel am Ende des Rasens… Grases… der Tundra mit Gift besprüht und ab sofort war das nicht mehr hoch und grün sondern hoch und braun. Ich hab mich schon umgekuckt, ob es irgendwo so kleine gelbe Fässchen gibt, die man mit einem schwarzen Radioaktiv-Logo versehen und dort optisch ansprechend drapieren könnte. Daneben ein Schild “Welcome to Chernobyl” und unserem Garten-Deko-Maulwurf hätten wir ein fünftes Bein angeklebt. Auf der Seitenfläche, die mir noch zur Verfügung steht, würde ich eigentlich gern ein Diorama bauen, ein Schaubild, das lebt. Am allerliebsten mit Kakteen, damit die Kinder aus der Siedlung auch ganz bestimmt wissen, wo sie ihre Bälle NICHT hinbefördern. Bloss: Kakteen, die den Winter überstehen bei Schnee und Säueskälte? Wie läuft das? Saugen die sich im Herbst voll, frieren innerlich ein und bleiben so bis in den Frühling? Wenn sich nun aber ein mit Wasser gefülltes Objekt beim Gefrieren ausdehnt, dann dürfte das sicher interessant werden. Eine Glasflasche zerspringt, aber ein Kaktus? Bläht sich der auf und wenn er prall genug ist, schiessen die Stacheln davon? Unschöne Vorstellung, dass ich eines schönen Wintermorgens aus dem Fenster sehe und gegenüber ist mein Chef an die Wand des nachbarlichen Geräteschuppens getackert, während sein Hund versucht, Gassi zu gehen. Kaum förderlich für eine Karriere, denk ich mal.
Da muss ich mir wohl etwas anderes einfallen lassen. In einem Tarzanfilm gab es vor einigen Jahren diese grossen, schlingenden, fleischfressenden Pflanzen. Auch lustig, aber wahrscheinlich auch nicht karrierefördernd, wenn das eine Leinenende in der Pflanze verschwindet und am anderen Ende ein strafend blickender Chef steht. Aber einfach nur Gras… Rasen ist doch langweilig. Gartenzwerge sind out, die perversen Gartenzwerge sind inzwischen auch nicht mehr lustig. Aber ich wäre ja wohl nicht ich, wenn sich da nicht noch etwas finden würde, was keinen umbringt, gut aussieht und mehr als eine Jahreszeit überlebt. Skulpturen wären doch was, nackte griechische Göttinnen zum Beispiel. Müssen auch nicht unbedingt griechisch sein. Oder Göttinnen. Wobei wir dann bestimmt diesen alten Spanner immer in Gartennähe haben, so lange, bis ich den kalten Gestalten was übergezogen habe. Griechische Göttinnenskulpturen mit gestrickten Bikinis? Interessante Vorstellung.

Aktuell im Ohr: Band ohne Namen – Knockin’

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