Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Der kleine Grinser

Abgelegt unter: Allgemein | 29.10.2003 (16:41) |

Es gibt Tage, da sind zwar einige Ideen am Schwirren, aber es läuft so abartig viel, dass man einfach nicht dazu kommt, einen halbwegs klaren Gedanken zu fassen. Es qualmt aus den Ohren und irgendwo versucht man nach dem Strohhalm zu greifen, der etwas Luft verspricht und irgendwie ist auch alles doof. Und dann stösst man auf (oder wird drauf gestossen) kleine Stückchen Humor, die einem ein Lächeln abringen.

Sowas find ich gut. Genau sowas habe ich gebraucht.

Aktuell im Ohr: Dire Straits – Walk Of Life

Ich habe die Zeit eingezont

Abgelegt unter: Allgemein | 27.10.2003 (23:27) |

Es ist wieder Winterzeit, wenn’s draussen friert und drinnen schreit. Oder so ähnlich. Bei uns fiel der erste Schnee. Falsch, auch nicht. Das war der zweite, aber im Gegensatz zum ersten und zu mir, blieb dieser am Morgen liegen. Ende Oktober und die Welt um uns ist weiss. Kaum ist dieser Schock verdaut, da wird einem schon wieder mit Zeitumstellung gedroht. Irgendwann wird auch mir klar, dass es ja die Umstellung ZURÜCK ist, also wird uns die Stunde vom Frühling zurückerstattet. Nein, ihr Blödis, wir bekommen keine Stunde geschenkt, wir bekommen nur das wieder, was uns rechtmässig zusteht. Ihr erinnert euch? Umstellung Frühling? Eine vor? Und jetzt eine zurück? Wie? Zurück? Also, was heisst denn das, wenn jetzt auf meiner Uhr neun Uhr ist, was ist denn nun neu, wenn wir zurück gehen? Ich frage mich echt, was in den Leuten vorgeht, nachdem wir das nun seit ZIG Jahren machen und das immer noch nicht in die Birnen geht. Sogar die Kühe haben das inzwischen gerafft, die damals als Grund angeführt worden sind, dass die Umstellung aus melktechnischen Gründen nie und nimmer klappen würde. Und heute? Heute treten die Kühe ans Stalltor, weil der Bauer verpennt hat, weil er die Uhr in die falsche Richtung gedreht hat. Zuhause hingegen hat man banalere Fragen. Wenn ich in meiner Betthälfte meinen Wecker und mein Handy am Sonntagmorgen auf acht Uhr zurückgestellt habe und meine Freundin in ihrer Betthälfte nicht, ist sie dann in einer anderen Zeitzone? Muss sie dann – schliesslich hat sie schon neun Uhr – aufstehen und Frühstück machen? Dann kann ich auch um neun Uhr aufstehen und alles ist fertig. Ich habe versucht diesbezüglich eine Einigung zu erreichen, allerdings wollte sie nicht und redete sich raus, wir könnten ja gar nicht miteinander drüber reden, weil wenn ich um acht etwas sage, und sie schon neun hat, das doch eine Stunde braucht, bis es bei ihr ist. Da war dann genau der Punkt erreicht, wo ich nicht mehr wusste, worum es eigentlich ging. Ich drehte mich um und schlief noch eine Runde. Als ich wieder aufwachte hatte sich das Raumzeitkontinuum wieder ausgeglichen und wir haben zusammen Stück gefrüht.
Was wir ja nicht wussten: Ausser Kühen gibt es noch andere Viecher, die am Morgen bedient werden wollen. Aber wo der Mensch schläft, da lass dich nicht nieder, denn der vergisst bloss das Füttern wieder. Wenn man nicht eine konstante Überwachung der Küchenzone hätte, dann wüsste man auch gar nicht, was gewisse Bären so anstellen, wenn man sie einen Moment unbeobachtet lässt. Ich will ja nicht wissen, was zu Hause für Parties gefeiert werden, wenn wir nicht da sind. Sie haben sich zwar danach rausgeredet, sie hätten bloss Heimweh gehabt nach der Kühle des Nordpols. Glaube ich den zweien aber nicht, die schreien schon nach Wolldecken, wenn man bloss mal die Bude lüftet. Ich werde wohl in Zukunft einiges an anderen Orten aufbewahren müssen. Obwohl das bei der Nutella auch nicht geholfen hat. Es wird Zeit, dass ich mir was einfallen lasse.
Apropos Zeit: Öfters vernehme ich den Satz “Da habe ich aber schön Zeit gespart”. Das macht mich nachdenklich. Ich denkliche dann nämlich darüber nach, wie ich denn wo Zeit spare. Kann ich da auch zur Bank gehen und ein Konto eröffnen für Zeit? Keine schlechte Sache, schliesslich bekommt man auch Zinsen dafür und plötzlich hat man noch mehr Zeit. Nur, wie komme ich da ran? Ich habe bisher noch nirgends einen Zeitomaten gesehen. Also wenn ich schon Zeit sparen kann, dann möge mir doch bitte jemand erklären, wie ich das anlegen kann. Und eigentlich wäre dann ja die ganze Zeitumstellerei ein Riesenbeschiss. Schliesslich verleihen wir unsere Zeiten den grössten Teil des Jahres und bekommen genau diese eine Stunde zinslos zurück. Hallo, Herr Erfinder! Ich möchte gerne die Zinsverluste der letzten Jahre zurückfordern! Steuerfrei!

Aktuell im Ohr: De/Vision – All I Ever Do

Schrummschrumm aber nicht dummdumm

Abgelegt unter: Allgemein | 24.10.2003 (14:51) |

Musik von Megaherz mag für gewisse Ohren brachial klingen, aber auch Wagner hatte damals nicht nur Freunde. Etwas unbekannter, aber stilmässig so in der Region von Rammstein angesiedelt (deren Namen mich heute zu einem neuen Gericht namens Rahmschwein inspiriert hat), zieren teilweise recht interessante Texte deren Songs. Nicht ganz so verworren wie bei den Original Rammsteinern (warum lädt man die nicht aus Versehen zum Musikantenstadl ein?). Einer dieser Texte hat sich heute beim Hören im Bus in den Vordergrund gespielt und ich möchte den hier etwas unters Volk streuen. Unkommentiert. Naja, fast. Eigentlich hoffe ich, dass es Leute gibt, die zum Nachdenken angeregt werden. Nur ist es mit solchen Absichten ja so eine Sache. Die Leute, die etwas lesen und drüber nachdenken, für die müsste man es eigentlich gar nicht schreiben, und für die, die man es schreiben müsste und/oder es auch tut, die raffen es nicht. Würden sie wahrscheinlich auch nicht, wenn man es auf einen Gartenzaun pinselte und ihnen links und rechts um die Ohren schlägt. Da ich aber davon ausgehe, dass meine Leserinnen und Leser zur ersten Kategorie gehören, die man nicht zum Denken auffordern muss, hier einfach mal der Text. Denkt mal drüber nach. Ups, sorry. Wollt ich ja nicht sagen.

Megaherz – Heute schon gelebt?

Hast du heute schon geliebt
Hast du heute schon gehasst
Oder hast du nur geschlafen und den ganzen Tag verpasst
Hast du heute schon gekämpft
Hast du dich heut schon gewehrt
Hast du deine Chance genutzt oder dich wieder nur beschwert
Hast du heute schon gemerkt
Wie schnell die Lebenszeit verrinnt
Viel zu oft ist alles aus
Bevor es überhaupt beginnt
Hast du heute schon gezittert
Hast du heute schon gebebt

Sag mir hast du heute schon gelebt
Als wenn die Welt sich nicht mehr dreht
Als wenn die Welt schon morgen untergeht
Hey hast du heute schon geliebt
Als wenn es für dich kein Morgen gibt
Sag mir hast du heute schon gelebt

Hast du heute schon gewonnen
Hast du heut etwas gewagt
Oder hast du wieder alles auf den Tag danach vertagt
Hast du heut etwas riskiert
Oder hast du nur geschluckt
Hast du dich heut erhoben und am Ende doch geduckt
Hast du heut daran gedacht
Wie schnell der letzte Vorhang fällt
Deine Rolle ist geschrieben
Deine Weichen sind gestellt
Glaubst du dass sich noch was ändert
Glaubst du dass da noch was geht

Hast du heute schon geliebt
Hast du heute schon gehasst
Hast du heut etwas gewagt
Oder brauchst du diesen Kick, den man nur spürt,
Wenn man versagt

Aktuell im Ohr: Bel Canto – Intravenous

So nicht!

Abgelegt unter: Allgemein | 23.10.2003 (11:53) |

Liebe Männer. Ich habe eine Bitte. Informiert euch! Nicht bloss Zeitung lesen für Politikinformationen oder die Sportseiten, sondern kauft euch auch zur Abwechslung ein GQ oder ein Men’s Health oder von mir aus den Playboy (Hauptsache ein Magazin für Männer und nicht für Weichbecher). Da gibt es nämlich immer wieder Modestrecken drin (IIIEH, was ist DAS denn?), wo ihr sehen könnt, dass man nicht rumlatschen muss wie der letzte Blödi. Das gilt vor allem für diejenigen, die extrem rückständig sind im textilen Bereich und sich von ihren Frauen anziehen lassen. Weil die ja sooo viel Geschmack haben. Falsch! Auch da gibt es Farbenblinde und Stilvergewaltigerinnen. Die haben vielleicht als Kind schon mit Puppen und Klamotten gespielt, aber auch Ken hat mit Hosenträgern UND Gürtel in verschiedenen Mustern KACKE ausgesehen. Wenn ihr Magazine mit Bildchen ankuckt, dann nicht bloss die mit Frauen OHNE, sondern auch die Männer MIT Stoff am Körper. Das gibt ganz coole Sachen da. Nebenbei gibt es auch ab und zu Tipps, wie man seiner Partnerin auch widersprechen kann ohne dass sie gleich auszieht. Dann würdet ihr nämlich wissen, dass es ein absolutes Tabu ist, sich mit einer hellblauen Jeans, einem babyhellblauen Hemd plus einem schweinchenrosa Kaschmirpulli (V-Ausschnitt) darüber zu bekleiden. Das würde noch nicht mal HooBee anziehen, trotz Schweinefanatismus. Und ich schwöre (ich habe Zeugen), so lief tatsächlich einer rum letzten Sonntag. Da kann mir doch keiner erzählen, der hat sich das selber angetan. Ich weiss zwar, dass es sehr variantenreiche Methoden der Selbstverstümmelung geht, aber das ist zuviel. Memme.
Dafür scheinen Frauen, so sie denn nicht als Modeattentäterinnen tätig sind, zumindest in Sachen Mathematik für Anfänger leichte Schwächen aufzuweisen. In afrikanischen Naturvölkern (oder südamerikanisch, was eigentlich egal ist) gibt es die Zählweise “eins, zwei, viele”. Die ist Hauptsächlich bei Kalorienfreaks in Industriestaaten verbreitet. Ansonsten denke ich aber, dass es durchaus legitim ist, zu erwarten, dass grundsätzliches Zählen von eins bis zehn beherrscht wird. Wenigstens marginal. Ich möchte nie, nie, niemals wieder in meiner Mailbox so etwas hier finden:

Das ist genau so schlimm wie rosarote Pullis an Männern.

Aktuell im Ohr: Bangles – Eternal Flame

Produkte, die die Welt nicht hat

Abgelegt unter: Allgemein | 22.10.2003 (9:27) |

Ferienwunsch liegt vor, Ferienzusage vom Chef auch, das Geld liegt auf dem Konto und wartet nur darauf, sich an fernen Gestaden zu verflüssigen, nur fehlt die Idee, wo es denn hin gehen könnte. Ein weisser Fleck auf der geistigen Landkarte. Was also tun? Früher hat man einfach einen Globus genommen, der bunten Weltkugel Schwung versetzt und dann blind mit dem Finger auf eine Stelle getippt. DA! Nach dem zehnten Versuch traf man dann auch tatsächlich feste Landmasse. Nach dem Vierundzwanzigsten Versuch schliesslich gelang auch der Treffer, wo man nicht sofort die Nase drüber rümpfte (Och nööö, DA hin doch nicht!). Warum gab es keinen Globus, der diese sinnlose Wirbelei von Anfang an zu verhindern wusste? Einmal drehen und batsch beim ersten Versuch das optimale Reiseziel. Offensichtlich war das zu komplex (aber Menschen auf den Mond schicken kann man…) und man setzte den gemeinen Globus auf die Liste der auszusterbenden Hilfsmittel. Dafür erfand man den virtuellen Globus auf CD-ROM. Und nun? Muss ich jetzt den PC wirbeln und dann mit dem Finger drauf tippen? Hat jemand so ein Ding? Gibt es da Zufallsgeneratoren? Weil auf den Bildschirm wird nicht getippt, ich würde fast jedem den Finger brechen, der mit seinen Fetttappen Flecken auf meinen Monitor macht. Ich habe auch schon mal einen Betriebsleiter (der zweithöchste Chef) einer Firma meinen damaligen Siebzehnzöller putzen lassen, weil er mir drauf getatscht hatte. Die Sau. Wer weiss, wo diese Finger vorher waren. Und ich leck dann wieder über die Scheibe, wenn… öhm… andere Geschichte.
Zu nicht existierenden Produkten gibt es auch nicht existierende Werbespots. Wie die für Allmouth Damenbinden. Die nehmen den Lärm da auf, wo er entsteht. Anzuwenden wie jeder handelsübliche Knebel, gibt es aber als String auch für kleine Plappermäuler. Oder in Nachtschwarz, damit es im Dunkeln nicht so auffällt. Gibt es nicht. Nein. Dafür gibt es genügend andere Sachen, deren mangelnde Existenz auch nicht auffallen würde. Der Spot für irgendwas von Kinder Schokolade: Eine Horde trendiger junger Menschen geht zum Paragliden und steht vor einer schönen alten Bäckerei mit vielen leckeren handgemachten und mundgeleckten Waren in der Auslage. Was aber sagt die mitreisende Tussi? “Ich will nur was Leichtes” und frisst ein industrialisiertes Massenprodukt, weil sie denkt, wegen einmal von einem mit Liebe gemachten Gebäck abbeissen wird ihr Arsch zu schwer um noch vom Boden wegzukommen. Das wird doch durch die Luftblase zwischen den Ohren LOCKER ausgeglichen. Gewisse Werber denken wohl, die Kunden sind gleich weltfremd wie sie. Müsste man eigentlich klar stellen, dass dem nicht so ist und als erstes den Erfinder des Milchjiepers an den Pranger stellen und mit Tomaten bewerfen. Aber nicht mit holländischen, weil Wasser alleine fault nicht gut genug. Apropos: Wie erkennt man, dass man einen Holländer überfahren hat? Reste eines Klappstuhls stecken im Kühlergrill und die Motorhaube riecht nach Gouda.

Aktuell im Ohr: Goldpeople feat. Glenn Gregory (Heaven17) – Music Don’t Stop

Kleiner Einwurf

Abgelegt unter: Allgemein | 21.10.2003 (14:07) |

Es heisst ZWERCHFELLBRUCH, ihr googelnden Banausen, nicht ZWERGFELL! Verstopft mir nicht die Suchecke. Himmel! Zwergfell! Was soll das sein? Die Arschbehaarung eines Mainzelmännchens? Ja, ich seh schon, jetzt kommen die Fantasy-Anhänger axtschwingend gerannt und beschimpfen mich, dass Mainzeldoofchen keine Zwerge seien. Sind sie wohl. Sehen zumindest aus wie glattrasierte arbeitslose Gartenzwerge mit kondomgestylten Mützchen und Ökolatzhosen. Ist mir aber egal, ich verlange doch bloss, dass man sich ein bisschen informiert, bevor man sich in Suchmaschinen blossstellt. Ausser das gibt euch was. Dann ist es was anderes.
Ach ja, in Österreich gab es auch im TV diese Talentsuche, StarMania. StarManiac trafs ab und zu besser. Auf dem zweiten Platz (oder so, zumindest nicht weit hinten genug um weitere Versuche im Musikbusiness zu verhindern) landete so ein Chick, irgendwas Stürmer. Deren CD (ja, Tatsache) lief gestern bei uns im Training und ich hätte eine Fünfkilohantel fressen können, bloss um den Schmerz in den Ohren zu betäuben. Ich weiss ja, dass unser Nachbarland ein paar seltsame Dinge hervorgebracht hat, aber sorry, DAS ist zuviel. Das ist einfach nur Scheisse. Beziehungsweise alles, was über eine Instrumentalversion hinaus geht. Beknacktere Texte gibt’s noch nicht mal auf “Abfall aus Schlumpfhausen, feat. DJ Ötzi”. Und das Instrumentale verkommt zur überdurchschnittlichen Mittelmässigkeit. Wenn ich wüsste, wie man Kotzgeräusche schreibt, ich würde es tun. Habt Gnade und stampft das ein. BITTE! Jetzt brauch ich Watte, allein beim Gedanken daran bluten meine Ohren. Und ich freu mich schon auf die Hasstiraden des Fanclubs. Soll ja nichts geben, was es nicht gibt.

Aktuell im Ohr: Nix. Nix erkennbares zumindest.

Killing me keksly

Abgelegt unter: Allgemein | 21.10.2003 (11:24) |

In meinem früheren Stammchat wurde ich vom Chef (des Chats) immer mit den Worten “Hallo keks *eintunk*” begrüsst. Offensichtlich inspirierte das einen Wissenschaftler, diesen Vorgang etwas genauer zu untersuchen und betrieb Studien zur Eintunkability von Keksen. Also eine Art Anleitung, wie man Guetzli, und vergleichbares Knuspergebäck möglichst zielgerichtet ersäuft. Einerseits ist das brutal, andererseits mag ich solche Forschungen, weshalb ich hier wieder einmal für die Verbreitung von Wissen plädiere, grade wenn es in einer Art und Weise vermittelt wird, dass auch ICH es verstehe. Also entgegen meinem normalen Habitus, eigentlich keine Links in meinen Einträgen zu verwenden, möchte ich zum Schluss doch noch einen platzieren: Hier Buch bestellen. Oder warten, bis ich mich im Partnerdingens eingetragen habe und dann Buch bestellen, weil dann hab ich was davon.

Aktuell im Ohr: Dr Alban – Hello Africa (Fast Blast Mix)

Kindheitstraumata

Abgelegt unter: Allgemein | 20.10.2003 (10:54) |

Unsere Eltern haben uns früher ziemlichen Scheiss erzählt. “Iss Spinat, da ist viel gesundes Eisen drin”. Stimmt nicht, schmeckt keinem Kind und verleitet wegen dem Hinweis auf gesundes Eisen eigentlich noch mehr dazu, irgendwelche Versuche Zunge vs. Verkehrsschild zu forcieren. Oder “Keine Kirschkerne schlucken, sonst wächst dir ein Kirschbaum im Bauch”. Funktioniert auch nicht, macht aber Panik, ähnlich nachhaltig, wie einem Fünfjährigen nach dem Konsum eines Käfers die Sequenz aus Alien zu zeigen, wo das Vieh durch die Bauchdecke bricht. Von sowas kommt sowas. Wenn wir die Märchen aus frühen Zeiten aber weglassen, dann gibt es doch noch genügend Möglichkeiten, wie Mütter und Väter die Lebenstauglichkeit ihrer Sprösslinge vehement unterminieren können. Meine Mutter schickt mich vor vielen Jahren in unseren Quartierladen, um einen Kohl zu kaufen. Das war eine bei uns zu Hause gängige Bezeichnung für dieses runde grüne Gemüse. Fröhlich pfeifend hopsehüpfte also dieser Knirpskeks zum Laden, stellte sich vor die Gemüsetheke, und verlangte einen Kohl. “Einen WAS?” fragte die Verkäuferin. “Einen Kohl!” wiederholte er, in der Annahme, der Wunsch sei akustisch nicht bis ans Ohr der Grünzeugfachverkäuferin gedrungen, da ja die Distanz von knapp über dem Boden (ich war ein kleines Kind) bis zum Gehörgang der Salatschubserin doch eine gewisse Länge aufwies. Allerdings sagte er das natürlich auf schwiizerdüütsch, also “en chööl”. Er wiederholte seinen Wunsch etwas deutlicher, nur um von einem noch deutlicheren “Ein WAS?!?” in die Schranken geschmettert zu werden. Kommunikation ist etwas Schönes. Mit einem leicht weinerlichen Unterton deutete ich auf den Kohl und sagte “Das da!”. Die Profigurkenhandhaberin drehte sich um, nahm den Kohl in die Hand und sagte vorwurfsvoll “Das ist aber ein WIRZ!” Scheisskantonale Dialektfuckingunterschiede. Zerknirscht begab ich mich mit dem WIRZ nach Hause und warf meiner Mutter vor, dass sie mich so quasi im Wissen um die Tatsache, dass wir einen WIRZ wollten und keinen KOHL, mich dahin geschickt und mich blamieren wollte. Stimmte natürlich nicht. Ich habe dann aber auch später festgestellt, dass ich in den Ladne die einzige Tomatenjongleuse erwischt hatte, die nicht kundig war über die verschiedenen Bezeichnungen des Zielobjektes meines damaligen Einkaufes.
Heute morgen hat RAndy erzählt, auch er hätte früh die Erfahrung machen müssen, dass man in einem kleinen Laden als Kleinstshopper (altersmässig) nicht zur Verkäuferin brüllen sollte, wenn man bei einem Produkt auf dem von Mama erstellten Einkaufszettel bei etwas nicht weiss, was es ist. “Hallo, Frau Müller! Was sind denn bitte Damenbinden!?!” führte denn auch (zumindest damals, kurz nach der Steinzeit) zu einem grundsätzlichen Kollektiverröten bei der erwachsenen Besucherschaft und einem dedizierten Erklärungssnotstand bei der Verkäuferin. Endergebnis von solchen Einflüssen sind dann meistens erste Aufklärungssversuche. Sollte von Eltern grundsätzlich vermieden werden, wenn sie Dinge nicht benennen können, da ansonsten der Verwirrungsgrad ins Unermessliche steigen kann. Beim Kind. Es gibt bestimmt Menschen, die versuchen heute noch, ein Date mit einem Storch zu bekommen. Bienchen und Blümchen. Stell ich mir das so vor, dass ein Bienchen mit ausgefahrenem Stachel über die Wiese fliegt und “Bsss! Bssss!” macht? Und unten legt eine Blume ihre Blätter in die Hüfte, dreht den Kelch lasziv nach hinten und säuselt hoch “Los, nimm mich, du Sau!”. “BSSSS! BSSSSSS!”. Und dann rammelt das kleine Bienchen auf dieser Blume rum, reitet der Blume den Stempel wund und gönnt sich anschliessend die Polle danach? Nö, oder? Überhaupt haben wir doch gelernt, dass die Bienchen, die da so rumschwirren eigentlich Weibchen sind (weil die im Gegensatz zur menschlichen Variante einen Orientierungssinn haben). Nun sind die Blümchen doch aber auch weiblich. Also wie soll das zu Kinderkriegen führen? Und gibt’s dann kleine Blümchen oder kleine Bienchen? Das sagt einem KEINE SAU! Flora-Fauna-Lesbenorgien auf der Wiese veranstalten lassen und den Kiddies davon erzählen, aber die Filme, wo sie wirklich lernen würden, wie es geht ab 18 freigeben. Das hat man gerne. Wobei dann wahrscheinlich eher hochhackige Schuhe kaufen würden, statt Kondome, weil man die ja anscheinend essentiell benötigt. Wenn man den Aufklärungs… ähm… Naturfilmen so glauben darf.

Aktuell im Ohr: Ich glaube Dionne Warwick – Heartbreaker

Web-Nostalgie

Abgelegt unter: Allgemein | 17.10.2003 (15:15) |

Ja, ja, früher war alles besser. Damals als es noch Netscape V1 gab und jede Seite superschnell aufbaute. Kein Multimediaschnickschnack, der die Leitung verstopft. Gut, auch keine Nacktbilder, zugegeben. Die kamen dann mit der Version 2. “This Site best viewed with Netscape 2″ stand damals verschiedentlich auf den Seiten. Ich fragte mich da noch, was die wohl mehr da drauf hätten, ich sähe doch alles. Dann hab ich mir das Update besorgt und voll krass kam da FARBE uuund buuunt! Und nackte Ärsche. Also nicht auf jeder Seite. Aber ab und zu. Und noch noch viel krasser: Die waren in sechzehn Farben. Da kannte man noch keine TrueColor-Bildchen. Die Sounduntermalung einer Website war auch noch nicht per MP3, OggVorbis, Stream oder Flash, Splish oder Flatsch, sondern das waren MIDI-Dateien, die mit einem Gedüdel (meist nicht abschaltbar) die Gehörknöchelchen nervten, das man heute noch nicht mal einem Handy mehr aufzwingt. Aus akustikästethischen Gründen. Ja, damals hab ich angefangen Seiten zu bauen und irgendwie kam ich dann zu der Ehre, für Dune die offizielle Website zu basteln. Damals nannte man ja noch alles Homepage, man wusste es halt noch nicht besser. Das ganze ging irgendwann hops und meine Backups verschwanden in einem grossen alten Diskettenarchiv. Erst als ich von dem Service archive.org las, da fiel mir der alte Kram wieder ein und ich machte mich auf die Suche. Tatsächlich fiel mir meine alte URL wieder ein und tatsächlich, im World Wide Wunderlich lagen sie noch, meine alten Daten. Weil mir ja nun nicht wirklich vieles peinlich ist, möchte ich euch schon noch zeigen, was damals anno ’96 State-of-the-Art war: Die ehemalige Dune-Website.
Selbst gebastelte Anigifs und Hintergründe, Texte selber abschreiben, so man sie denn verstand und am Ende, weil international, auch noch alles ins Englische übersetzen und sich Jahre später gruseln, wie das damals jemand verstanden haben konnte. Aber ich lass es jetzt mal so stehen. Vielleicht grabe ich die ganz peinlichen Sachen auch noch aus.

Aktuell im Ohr: Dune – Million Miles From Home

Kextourismus

Abgelegt unter: Allgemein | 13.10.2003 (13:50) |

Ferien ab und zu sind eine feine Sache. Dabei hat jeder Mensch so seine Vorlieben, was Reiseziele anbelangt und wie denn die wenigen freien Wochen im Jahr ausgestaltet werden. In der Schweiz haben wir übrigens vier Wochen und man ist damit zufrieden (bei 40- oder 42-Stunden-Wochen), nicht wie in anderen Ländern, wo man jede Woche weniger arbeitet und dafür noch mit mehr Freizeit in Ferienform bestraft wird. Die sollten sich aber was schämen. Also zurück zu den Ferien. Manche Menschen verreisen irgendwohin, bloss um das Hotelzimmer neben ihren Nachbarn zu erwischen und sich dann zwei Wochen darüber aufzuregen, dass man das Saupack nun nicht nur ab und zu SEHEN, sondern sie auch noch HALBNACKT sehen zu müssen. Darüber hinaus sitzt man natürlich am gemeinsamen Esstisch und geht sich so tierisch auf den Sack (unter falschem Dauergrinsen), dass man sofort nach Rückkehr Hund/Katze/Kanarienvogel der Feriennerver ins Jenseits befördert. Umgekehrt natürlich auch. Oder man liegt zwischen südeuropäischen Göttergeschenken im Ministring, die sich vorzugsweise komplett mit Olivenöl eingeschmiert haben und dann bei voller Sonneneinstrahlung den Tag durch garen. Deshalb gibt es wohl auch nur alte kleine Italiener/Innen, weil die in jungen Jahren alle einschrumpeln wie Dörrpflaumen. Aber egal, schliesslich hat man es sich so ausgesucht und verbringt seine Ferientage konsequent mit dem Zerstören von Gehirnzellen, sei es beim Sonnenbranden, beim Kampfsaufen aus dem Sangriapott (wo man ja auch nicht weiss, was durch die Strohhalme so alles ZURÜCK fliesst), beim Cora-Romane lesen oder einfach nur schon deshalb, weil im durchschnittlichen Ferienclub der durchschnittliche Intelligenzquotient auf der Höhe von Adiletten liegt und so eine Umgebung einfach abfärben MUSS.
Das Gegenstück dazu sind penetrante Kulturtripper, die von der ersten Sekunde an mit Reiseführer und Geschichtslehrbuch auf Knien ihr Urlaubsziel durchkreuzen, immer auf der Suche nach einem Relikt, das vor ihnen noch keiner der hundertbazilliarden Touristen entdeckt hat. Spassdefinition ist in diesem Falle auch eher das Überleben einer Wanderung und nicht das Wandern an sich. In den letzten Jahren vermehrt aufgetreten sind die Extremsportler, die ihren eigenen Vorrat an Energienahrung und Elektrolytgetränken mitbringen, weil das Durchfallwasser im besuchten Land keiner trinken kann und schliesslich will man sich nicht auf das nahrungstechnologische Drittweltniveau von ausserhalb (also alles ausser zuhause) hernieder lassen. Nicht viel besser sind die Gourmetreisenden, die im Gegensatz zu vorgenannter Gruppe so ziemlich alles fressen, was ihnen in den Weg kommt, egal, ob es zum Verzehr gedacht war oder halt nur so angenommen wurde (“Ach, das war IHR Hund?”). Man merkt aber allen einen gewissen Zwang an, einen Druck, in ihrer Freizeitdisziplin so viel Spass rausquetschen zu müssen wie aus einer Zitrone. Genau aus diesem Grund kommen die meisten aus ihrem Urlaub noch ausgelutschter zurück, als sie hingeflogen sind. Damit meine ich jetzt nicht nur die Bangkok-Flieger.
Wie viel leichter haben es da Zugvögel im Herbst. Herbst, sagte ich. Das im Sommer sind Zugvögler, anderweitig auch Tramper genannt. Vorher. Danach nennt sich das Tripper. Also zurück zum Vögeln. Ach! Zu den Vögeln. Die versammeln sich im Herbst auf Strommasten und -kabeln und ziehen Richtung Süden. Hm. Wenn die in solchen Massen auftreten, sind das dann eigentlich Charter-Zugvögel? Und die Individualvögel fliegen einzeln? Und: Wie wissen die, wann es wo losgeht? Vielleicht verteilt da jemand Flyer (Boah, war der anspielungsreich!). Vielleicht müssen die das aber auch irgendwo im Vogelreisebüro buchen, da bekommen sie Zeit und Ort, ein wegkundiger Oberzugvogel zeigt ihnen wo es langgeht (deshalb auch immer diese scharweisen Testflüge, damit auch alle eingestimmt sind) und ab die Post. Hallo, Frau Amsel, ich hätte gerne einen Flug in die Ferien – Sehr gerne, wir haben grade ein Pauschalangebot. Geführter Flug, Aufenthalt an der Wärme und einmal pro Woche Touristenauto einscheissen. – Au ja, DAS nehm ich!

Aktuell im Ohr: ASD – Sneak Preview
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