Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Nix Kärtchen, nix wertchen

Abgelegt unter: Allgemein | 19.09.2003 (21:19) |

Ab und zu kommt mir mein Portemonnaie… Muss ich das jetzt eigentlich Portmonä schreiben? Poatmoné? Oder dürfen Schweizer angesichts der Mehrsprachigkeit des Landes bei der optisch schöneren Version bleiben? Auch wenn Französisch eine Scheisssprache ist, Geldbörse sieht so wie oben besser aus. Eleganter. Hat Scheisssprache wirklich drei S? Beziehungsweise vier? Egal. Ab und zu kommt mir mein Portemonnaie vor wie das komprimierte Recycling der gesamten Siebzigerjahre. Tonnenweise Plastik aus ehemaligen Designhockern zusammengeschmolzen und in viereckige Kärtchen geschnitten. Mit bunten Bildchen bedruckt und auf jedem steht mein Name. Ohne Plastik bekomme ich kein Geld, kann das Land nicht verlassen, bezahle mehr für meine Tickets und beim Einkaufen fühle ich mich ausgegrenzt, weil ich nicht mit jedem Einkaufen Bonuspunkte sammle, die ich später gegen schlecht designte Salzstreuer eintauschen kann. Das geht natürlich nicht und ich besitze für die meisten Läden, in denen ich regelmässig verkehre, auch ein Plastikscheibchen. Alleine aus dem Grund, dass ich es geil finde, wenn man mich nach dem Einkauf mit Namen verabschiedet. Das müssen die nämlich machen, nennt sich persönliche Kundenbindung herstellen, gutes Gefühl vermitteln, Primärmotive ansprechen. Verkaufsschulung. Da stehe ich drauf.
Ab und zu würde ich mich ja gerne an die Kasse stellen, meine Karte hochhalten, die Verkäuferin breit anstrahlen und mit einem quietschigen Ton sagen: “Leeloo, Multipaaaass!”. Leider würde sie den Gag wahrscheinlich nicht verstehen und da ich nicht aussehe wie Milla Jovovich (hallo Google-Benutzer) und auch kein Bruce Willis (hallo Google-Benutzerinnen) mir zu Hilfe kommt, da lasse ich das eben sein. Auch so Spässe wie die Identitätskarte vor dem Grenzübertritt in Puderzucker zu tunken ist eine denkbar idiotische Idee. Warum fallen immer mir so Sachen ein? Sollte mir das zu denken geben? Jedenfalls sind Kreditkarten und Konsorten eine gute Sache, wenn man Langeweile hat. Ausser damit einkaufen zu gehen kann man auch Kartenhäuschen bauen oder (durch leichtes Einstecken in den Untergrund) ein Labyrinth für Mäuse basteln. In Filmen lernt man, dass man amerikanische Haustüren damit knacken kann. Auf der Strasse lernt man, dass man auch Zahnstocher damit ersetzen kann. Und hier bei mir lernt man, dass man als Verkäufer(in) immer erst genau auf die Karte sehen sollte, ob nicht noch ein Rest vom Mittagessen dran hängt. “Entschuldigen Sie, aber mit American Exfress können Sie hier nicht bezahlen.”

Aktuell im Ohr: Pet Shop Boys – Love Comes Quickly

Don’t smoke, just dance

Abgelegt unter: Allgemein | 19.09.2003 (20:54) |

Was machen Frauen, die zwar ausgehen aber nicht dauernd von Männern angemacht werden wollen? Sie gehen in einen Lesbenclub. Problem gelöst. Oh, ich sehe, bei einigen männlichen Lesern geht soeben die Phantasie auf Achterbahnfahrt. Aber, glaubt mir Jungs, es ist NICHT wie in den Filmen. Die Mädels dort tun nur so. Und es gibt auch hässliche Müesli-ohne-Nüsse-Esserinnen. Was machen Männer, die zwar ausgehen aber nicht dauernd von Frauen angemacht werden wollen? HAHAHA, der war gut. Echt. Männer, die nicht angemacht werden wollen… Also bitte. Nein, also ernsthaft jetzt. Folgen die dem Beispiel ihrer Geschlechtsgeno… Falsch, andersrum. Dem Beispiel ihrer Geschlechtsgegenüberinnen? Warum heisst das eigentlich Geschlecht und nicht Gegut? Würden die Männer, wenn sie ihre Ruhe haben wollen, in einen Schwulenclub gehen? Um Himmels Willen, NEIN! Die denken ja, wenn alle Frauen sie wollen, dann wollen sie auch alle Männer, vorausgesetzt die sind vom anderen Ufer. Irrtum! Die wollen genauso wenig hässliche Heteros wie Frauen das wollen. Nein, Männer gehen zum Sport oder in die Kneipe. Problem gelöst. Wohin gehen Vegetarier, die sich verpflegen wollen, ohne dass jemand neben ihnen mit Absicht ein blutiges Steak bestellt (kommt übrigens gut)? Sie gehen in ein Etablissement, in dem nur fleischfrei serviert wird, dafür aber der Grossteil der Gäste wie Tiere wirken, weil sie von Haarentfernung noch nie etwas gehört haben. Ist im Sommer der Renner, wenn man nicht so richtig weiss, ob die sich grade nass in einer frisch gemähten Wiese gewälzt haben oder ob das Naturwuchs ist. Jedenfalls vergeht mir da der Appetit auf alles. Auch auf Steaks. Wohin gehen Nichtraucher, wenn sie zwar ausgehen, abhängen und tanzen wollen, aber bei der Heimkehr nicht riechen wollen wie eine Strassenbelagsteermaschine? Sie gehen… ja… hmmmm… die gehen… tja… die bleiben dann wohl zu Hause, legen sich eine CD ein, tänzeln durch die Wohnung und saufen den Kühlschrank leer. Ist zwar billiger, aber irgendwie auch öde.
Leider hat sich eine Erfindung hier noch nicht durchgesetzt, nämlich der rauchfreie Club. Zusatzinfo für Landeier, sogar umsonst: Club, das hiess früher mal Disco. Mehr oder weniger. Discos gibt es immer noch, da lassen sie aber auch nur Landeier rein. Da wird dann auch von Landeier-DJ’s Landeiermusik gespielt, DJ Ötzi und so, wo die Partycrowd von Hinterarschingen voll drauf abgeht. Das ist da, wo Modern Talking als musikalische Offenbarung gilt. An anderen Orten hat es Stil (oder Style) und heisst eben Club. Bei den Amis, die zwar in den meisten Fällen leicht bis massiv rückständig sind, bei denen gibt es das, die Tanzschuppen ohne Qualm. Dafür werden regelmässig Türsteher und/oder Gäste erschossen. Wieso können die das und wir nicht (die Clubs, nicht die Schiessereien)? Lassen wir uns das gefallen? Also, ich hätte gern was Clubbiges in Züri oder Umgebung. Aber nicht bloss Open-Air im Sommer, das ist Beschiss. So richtig. Wobei ICH bestimmt wieder Glück hätte. Da macht ein nettes Lokal auf, die Krebszüchter müssten draussen bleiben und dann kommt der DJ und spielt den Küblböck. Das Leben kann ganz schöne Fallstricke auf Lager haben.

Aktuell im Ohr: Fastball – The Way

Fühlst du dich verfolgt?

Abgelegt unter: Allgemein | 19.09.2003 (16:46) |

Achtzig Prozent der vom Blitz erschlagenen Menschen sind männlich. Das ist nicht ganz gerecht. Wirft aber auch die Frage auf, warum das so ist. Männer sind üblicherweise in der Höhe gesehen länger als Frauen, was einem Blitz natürlich entgegenkommt. Minimal. Das kann es also nicht sein. Männer haben ab und zu einen stehen, was aber auch nicht kategorisch als Blitzableiter definiert werden kann (auch nicht als Wasserader). Bleibt nur noch eine ganz banale Überlegung: Blitze schlagen nicht ins Innere von Cafés oder Friseursalons ein. Anders ausgedrückt sind Männer eher an der frischen Luft und versuchen mit der Tatsache zu leben, dass sie früher in die Kiste hüpfen als das “schwache” Geschlecht (wohl doch nicht so schwach). Auch statistisch gesehen natürlich. Es kann also nicht jede ihres Partners überdrüssige Frau davon ausgehen, dass der Schnarcher neben ihr sicher vor ihr abnibbelt. Männer spielen Fussball, gehen angeln, machen Nackt-in-der-Natur-Manager-Motivationskurse oder besteigen irgendwelche Berge, weil sie das bei der Alten zu Hause nicht mehr dürfen und der Druck weg muss. In der Pampa ist die Chance, unter Einfluss eines Blitzes (Steinschlag, Lawine, Sturmflut, umstürzender Baum, brünftiger Elch…) zu Schaden zu kommen, natürlich wesentlich grösser als beim Volkshochschulkurs “Serviettenfalten für Hochzeiten”.
Woran liegt das? Sind Frauen weniger risikofreudig? Das kann nicht sein. Allein schon die Tatsache, dass sie versuchen mit Männern zusammenzuleben, prädestiniert sie dazu, als gefahrentauglich eingestuft zu werden. Schlussverkäufe sind durchaus zu vergleichen mit Krokodilwrestling. Also was ist es dann? Liegt es wirklich daran, dass Frauen genetisch gesehen mehr für Innenräume geschaffen wurden? Oder befällt Männer eher das Lemmingsyndrom, das sie an Orte führt, wo es potenziell möglicher ist, dass sie ihre Spezies durch Eigendezimierung ausrotten? Dann müsste man das ja eigentlich fast schon unter dem Licht sehen, dass der Aufenthalt im Freien ein gewaltiger, unterbewusst organisierter Massensuizid ist. Verfolgt man diesen Gedanken, kommt man zum Schluss, dass eine solche Intrige nur von einer Frau gesponnen werden konnte. Männer denken nicht so komplex, die würden sich einfach wegballern. Aber Frauen? Die können sowas. Eine ganz grosse Verschwörung, damit sie endlich nicht mehr um die Fernbedienung kämpfen müssen, wenn “Sex and the City” oder “Sissi” läuft (By the way, heisst Weichei im englischen Sissy, besteht da ein Zusammenhang?). Vielleicht rotten sie uns auch aus wegen solche Bemerkungen wie grade eben in Klammern, wir werden es nie erfahren. Auf jeden Fall werde ich jetzt, wo ich alles aufgedeckt habe sehr vorsichtig sein, wenn ich nach draussen gehe. Weil in dem hohen Gebäude gegenüber von meinem Büro wohnen ganz viele Frauen. Und es könnte ja zufälligerweise ein Mikrowellengerät aus dem Fenster fallen und mich erschlagen. Das würde aber allerhöchstens dann passieren, wenn ein Mann das Teil zum Fenster trägt. Oha. Schon wieder ein Grund. Wie sind nochmal die Dinosaurier ausgestorben? Die hatten doch auch Weibchen, oder?

Aktuell im Ohr: Cosmic Baby – Celestial Harmonies

Nicht alles belegte muss ein Brötchen sein

Abgelegt unter: Allgemein | 19.09.2003 (12:02) |

Ein Mensch streckt dir die Zunge raus und offenbart damit oftmals einen Teil seiner Krankengeschichte. Oder was er als Letztes gegessen hat. In den Siebzigern fand ich deshalb das Vampireis ganz toll, danach hatte man einen dunkelvioletten Mund, die Zunge sogar fast schwarz. Hatte was morbides, obwohl ich das damals wohl kaum so formuliert hätte. Damals wusste ich auch noch nicht, dass ich später in irgendwelchen Filmen grauenerregende, alptraumbescherende Gestalten sehen würde (nein, nicht Roseanne), die GENAU solche Zungen haben, dann hätte ich mir das Eislecken möglichst schnell abgewöhnt um nicht auch zombifiziert zu werden. Aber damals war ich noch jung und brauchte das Eis. Wenn sich denn nicht eine zartrosa Zunge im Mund befindet, dann ist die (zivilisationsgestört verbreitet) eher weisslich oder gelblich, was auf Stress und/oder Magenprobleme hinweist. Als Grundierung ist eine helle Farbe natürlich ideal und so entstehen noch schönere Färbungen, wenn bunte Lebensmittel dem Organismus zugeführt werden. Lädt zu einer anderen Art von Gesellschaftsspiel ein. Bääääh, na, was hatte ich? Heute Vormittag hat auch jemand erwähnt im Büro, nicht jeder Belag sei gesund. Das ist klar. Fragt mal einen Rollschuhfahrer, der sich ohne Kniepariser auf den Strassenbelag gelegt hat.
Zahnbelag ist zwar nicht unbedingt ungesund, sondern einfach hässlich, insbesondere dann, wenn er zu neunzig Prozent aus Rahmspinat besteht und einem entgegengrinst. Andererseits, wenn Zahnbelag nicht gebürstet und gestriegelt wird, dann bleibt er liegen und verursacht Karies. Zungenbelag verursacht ein pelziges Gefühl im Mund und Brötchenbelag resultiert in einem echten Pelz, wenn man ihn lange genug liegen lässt. Warum eigentlich Nerzzucht, wenn man Pelze auch von verdorbenen Nahrungsmitteln abschaben kann? Da lässt sich doch bestimmt eine Verarbeitungsmöglichkeit finden und für die Träger ist es doch egal, die sehen meistens genau gleich ranzig aus, wie die Wurst, auf der diese kleinen grauen Auswüchse entstanden sind (diese grauen Fläume müsste man nur rosa einfärben und schon hätte man auch Ersatz für Zuckerwatte…). Unterschied: Bakterien haben im Gegensatz zu Pelzmamis Kultur. Sind Pelzträger eigentlich artenspezifisch geschützt? Oder darf man die häuten? Optisch verschlechtern würde sich da ja nicht viel. Ach ja, ich meine natürlich nur Echtpelz. Kunstpelz ist okay. Mit irgendwas Flauschigem muss man ja die Playboy-Models bei Wintershootings einpacken können. Bin ich jetzt nur grade drauf gekommen, weil unsere Firewall die Playboy-Seite nicht blockiert. Die läuft beim Filtern nur unter “Nacktheit”, nicht unter “Sex”. Vielleicht deshalb, weil man mit diesen glattpolierten Silikonikonen gar keinen Sex haben will? Naja, vielleicht doch. Aber erst soll sie ihre Zunge zeigen. Vielleicht sind nicht bloss die Muttermale wegretuschiert.

Ghetto People feat. L-Viz – In The Ghetto

Müdimedia

Abgelegt unter: Allgemein | 18.09.2003 (9:13) |

Im Mediamarkt sitzt eine Frau mitten in der Ausstellung zwischen Kaffeemaschinen und Kühlboxen und stillt ihr Kind. Im momentären Mikrokosmos um diese Szenerie ploppen Gedankenblasen bei beteiligten oder vorbei gehenden Leuten auf. Der männliche Passant denkt: “Pfui, bääh!” oder “Da würd’ ich jetzt auch gern dran nuckeln”. Die weibliche Passantin denkt: “Also sowas! Das würde ICH so hier NIE tun! Schlampe!” oder “So eins will ich auch”. Die Mutter denkt: “Der macht das besser als sein Alter” oder “Warum die wohl alle so blöd gaffen?”. Das Baby denkt: “Gibt’s hier auch was Kaltes? oder was mit Geschmack?” oder “Ich möchte zahlen, ich hatte Säule 2″. Der MM-Verkäufer denkt: “…” oder “…?”. Ich dachte bloss “Kleiner Tittengrabscher” und bin weiter in die obere Etage, wo ich einen Ausverkauf von CD’s und DVD’s erwartete. Und fand. Auf der Fläche von einem halben Quadratmeter. Leicht verwirrt ob der unsäglich geringen Menge an Angebot, wandte ich mich an eine Verkäuferin mit einem halbgaren Gesichtsausdruck und fragte, wo sich denn das Ausverkaufsangebot befinden würde. Sie wies mich dann diskret darauf hin, dass sich die von mir gesuchte Warenveräusserung in Dietikon befinden würde. Nun muss man wissen, dass es im Raum Zürich genau ZWEI Mediamärkte gibt und zwar den einen in Dietikon und den anderen in Dietlikon. Ah, man merke den Unterschied. Die beiden liegen genau auf entgegengesetzten Seiten von Züri. Lustigerweise waren wir noch eine halbe Stunde vorher knappe fünfzig Meter vom MM Dietikon entfernt beim Stau umfahren. Da dachte man sich noch “Boah, schade ist der Verkauf nicht hier”. Ja, ja. Wiederum eine halbe Stunde später stand ich dank einer sehr verständnisvollen autofahrenden Freundin wieder in Dietikon und betrachtete die Auslagen mit CD für zwei Franken und DVD für neun neunzig.
Meine Augen begannen fast zu tränen, nur leider nicht aus dem Grund, dass ich unauffindbar geglaubte Schätze zu Tage beförderte. Au contraire! Filme, die den Namen TRASH noch verdienen. Ohne Umweg über den Player. Kennt jemand “Galaxina”? Oder “Angriff der Saurierminiaturen”? Und wer Sharon Stone einmal ohne Unterwäsche gesehen hat (also ALLE), dem gibt “Quatermain Teil 1 und 2″ auch nicht das grandiose Erlebnis. Ausser die Erkenntnis, dass ein Original immer noch besser ist als eine billige Kopie. In den Musikkisten waren Kleinode zu finden, die grundsätzlich unter verschärfte Waffenscheinpflicht zu stellen wären, also Sachen, mit denen man jemandem weh tun kann. David Häschendoof war da noch die Spitze des Eisbergs, der musikalisch gesehen nicht nur die Titanic sondern ganz England, woher sie auslief, hätte versenken können. Ein Titel hat es mir besonders angetan: “Music where ya can make love to ya ole Lady”. Das Bild darauf zeigte einen schmierigen, brousthaartoupierten Bontempiorgelspieler, offensichtlich mit Klamotten aus einem mallorquinischen Billig-All-Inclusive-Ferienlager ausgestattet. Vielleicht war der Heini auch ehemaliger Handtuchhalter an der Copacabana und ist wegen widerrechtlichem Benutzen eines Beckens (und ich rede nicht von einem Schwimmbecken) aus dem Land manövriert worden. Irgendwie hätte mich ja schon interessiert, wie diese Klangkonserve sich am Trommelfell vergreift, aber mir fiel grad keine Person ein, die ich genug hasse, um sie anschliessend damit zu beschenken. Warum summe ich jetzt “Girls from Ipanema”? Ist das hier ein Fahrstuhl?

Aktuell im Ohr: Säuselsäusel – How Will I Know

Temporarily out of service

Abgelegt unter: Allgemein | 16.09.2003 (21:34) |

Have a break…

…re-building brain…

Nachtrag:
Wiederhole ich mich eigentlich? Wiederhole ich mich eigentlich? Ich meine jetzt beim Einträge schreiben? Ab und zu frage ich mich, ob ich über etwas nur schreiben WOLLTE oder es auch getan habe. Also müsste ich eigentlich ein Log übers Log führen. Na mal sehen. Ich gehe jetzt in mich und hole was aus mir raus. Was nicht immer heissen muss, dass ich pople. Das überlasse ich Autofahrern in der Schlange neben mir. Guckt im Stau ruhig mal links oder rechts, erschreckend was Menschen tun, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Schliesslich ist das Auto ja ihre kleine Welt. Wiederhole ich mich eigentlich?

Aktuell im Ohr: Simple Minds – See The Lights

Kann man es in der Fragestellung auch treiben?

Abgelegt unter: Allgemein | 16.09.2003 (19:30) |

Wenn ein Tintenfisch schreiben könnte, wie wäre dann seine Schreibe? Wahrscheinlich krakelig. Was haben Schuhplattler und Spukhäuser gemeinsam? Beides ist ziemlich gruselig. Heisst ein Bus voller Girlies am Morgen “Schulmädchen-Transport”? Wahrscheinlich nicht, aber den musste ich für diejenigen einstreuen, die in den Siebzigern noch, schon oder zeitweise bei Bewusstsein waren und den laschen Gääg verstehen könnten. Solche Sachen springen mir durch den kopf und ins Gesicht, wenn ich mich etwas ganz anderes frage, nämlich: Was werde ich tun, wenn ich alles und jeden durch den Kakao gezogen haben werde? Mich über völlig falsche Grammatik in meinen eigenen Sätzen auslassen? Nochmal von vorne anfangen, nur einen Härtegrad höher geschraubt? Das ist echt eine Überlegung wert. Dabei hat alles eine ganz einfache Lösung: Wieder in den Bus setzen oder auf eine Parkbank und den Menschen zusehen. Zum Beispiel der vermutlich heterosexuelle (zwei Kinder im Schlepp) Mann im Tram vorhin, den man nur deswegen schon zusammenpflaumen müsste weil er selbstgestrickte Socken trägt. Warum? Diese Socken haben genau zwei Zustände: Neu und total ausgeleiert. Entsprechend schlabberig hängen sie an den Öko-Knöcheln (mit grösster Wahrscheinlichkeit ist er, ebenso wie seine Partnerin Lehrer an der Volksschule) und beleidigen das Auge des Betrachters. Zusätzlicher Schmerzeffekt ist die knallorange Farbe, damit man die Teile auch nicht übersehen kann, wenn man halb blind ist. Diese Menschen taufen ihre Kinder Kai-Uwe (in Deutschland) oder Hans-Peter Junior (in der Schweiz) und predigen ihnen Pazifismus, wundern sich dann aber wenn die Kleinen in der Schule regelmässig auf die Fresse bekommen und später auch Lehrer werden.
Tramfahren ist darüber hinaus gefährlich, Krückenträgern sei Dank. Die raffen umständlich ihre Gehhilfen unter den Arm, schlagen damit wild wedelnd hinter ihnen in den Pasantenstrom und sorgen dort für einen Kurzschluss. Zumindest bei mir. Traf ja auch nur mich. Mit beiden Exemplaren. Aber er war halt alt und ich im Vergleich jung, da darf man sowas, auch ohne sich zu entschuldigen. In anderen Ländern können sich die Opas rausreden, sie hätten schliesslich im Krieg für unsere Freiheit gekämpft und nur wegen ihnen würde es denn Jungen gut gehen, was völliger Blödsinn ist. In der Schweiz sowieso. Unter Umständen hätte er noch nicht mal verstanden, was ich ihm sage, denn man sieht ja nicht so deutlich, ob das Hörgerät an ist. Also ab ins Heimwegtram und zehn Sekunden später wünschte ich mir, ich hätte auch ein Hörgerät zum Runterdrehen. Es gibt Chauffeure (=Fahrer), die sagen gar nichts. Es gibt andere, die versteht man nicht, weil sie nuscheln. Dann gibt es die mit den netten Ansagen: “Nächster Halt: CHCHCHCHCHCHCH!”. Der heute war keiner von denen. Den HAT man verstanden. Ein Tauber wäre aufgesprungen und hätte gebrüllt “Ich kann wieder hören!”. Alle anderen begaben sich ohne Umweg über Start oder das Gefängnis in den gefährlichen Bereich der Prä-Schwerhörigkeit. Man konnte sogar ängstliche Gesichtszüge erkennen, wenn wir auf den nächsten Stopp zufuhren. Vorsichtig hochgehobene Zeigefinger um diskret und schnell die Ohrmuscheln zu erreichen. Und ICH frage mich, ob mir die Themen ausgehen. Quatsch! Ich muss es mir bloss lauter sagen.

Aktuell im Ohr: Passion Fruit – The Rigga-Ding-Dong-Song (Was soll’s? Ich kann es ja nicht hören…)

If you go, go with style

Abgelegt unter: Allgemein | 16.09.2003 (14:14) |

Filme, in der Regel aus Hollywood, vermitteln uns immer wieder kleine oder grosse Traumwelten, in die wir eintauchen und versinken können. Wenn wir uns darauf einlassen natürlich. Und nicht dauernd am Labern sind. Egal, ob es in die Vergangenheit geht zu Piraten oder römischen Wagenrennen, in die Zukunft zu Ausserirdischen, in virtuelle Welten im Innern von Computern oder zu Schnulzen mit garantiertem Happyend, egal, welchen unrealistischen Teil des Lebens wir haben wollen, die Filmfabrik an der Westküste Amerikas versorgt uns damit. Selbstverständlich existieren auch andere Filmländer, allerdings möchte ich mich bei Filmen unterhalten lassen, ohne vorher ein Studium in Psychologie oder Langweilerei absolvieren zu müssen. Ich bin auch bereit, hin und wieder die Popcorntüte rauszuholen und mein Niveau dezent zu reduzieren, einfach um Spass zu haben. Jungsfilme. Wo es knallt und kracht, wo es Helden und Prinzessinen gibt, Bösewichte und tolle Aufnahmen. Wenn dazu dann noch die Geschichte interessant ist UND die Darsteller ihren Job beherrschen, dann bin ich mehr als zufrieden. Hinzu kommt, dass in solchen Filmen in der Regel auch jemand (oder mehrere Jemands) ins Gras (oder Gräser) beisst. Moralisten schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, ich persönlich kann damit umgehen. Das Unterscheiden von Gewalt im Film und im Leben fällt mir zumindest leichter als der dummen Sau, die ich heute morgen im Bus zusammenschlagen musste, weil er sich vor mich zwängte (Achtung, Ironiemodus). Wenn es nun einem Filmemacher gelingt, die oben angesprochenen Punkte umzusetzen und dazu die Grasbeissereien optisch so richtig fetzig (Nein, nicht dass da jemand zerfetzt wird, nein. Obwohl…) umzusetzen, dann find ich das cool. Ja, ich geb’s zu! Ich stehe auf choreografierte Baller- und/oder Kampfszenen. Wenn man alles zusammenpackt, dann bekommt man mein derzeitiges Highlight im Regal: Equilibrium. Da ist alles drin. Inklusive einer eigens entwickelten Kampftechnik namens Gun-Kata. Eine Art KungFu mit Kanonen. Da soll mir dann mal einer sagen, dass sei nicht hip. Wenn sogar eine Mädelfilmkuckerin neben mir sagt: “Boah, geil!” und sich danach nicht schämt, dann will das doch wohl was heissen. Überhaupt, eigentlich sollte man sich viel weniger rechtfertigen müssen, wenn man über dreckige Witze lacht, sich Filme ansieht, die politisch unkorrekt sind oder sich Bilder von wenig bekleideten Menschen ansieht.
Apropos: Kürzlich habe ich unsere kleine Heiminstallation von einem Hub (mehrbessere Verteilerdose) zu einem Switch (verteilende Mehrbesserdose) umgerüstet, damit etwas mehr Kontrolle über unsere PC’s und deren Datenströme möglich ist. Nur: Kontrolle? Ich überlege da grade. Wie 1984 kann das werden? Geht da ein Dialogfenster an IHREM Rechner auf, wenn an SEINEM PC ein Bildchen mit erhöhtem Prozentsatz Haut downgeloadet wird? “Ihr Partner möchte ein Schmuddelbild downloaden. Zulassen? [ JA ] – [ NEIN ] – [ZU MAMA ZIEHEN ]“. Wenn an PC jemand poppt, wird ein Fenster aufgepopt? Also irgendwo geht Technik zu weit. Schauen wir doch lieber einen Film, wo ein paar Leute umgepustet werden. Gewalt ist ja viel weniger schlimm als Seggs. Aber mit Stil (gibt zwar auch stylishe Rammelware, wenn ich mich recht erinnere…). Wenn schon, denn schon.

Aktuell im Ohr: Shakespears Sister – Hello

Tja, Ikarus, das war wohl nix

Abgelegt unter: Allgemein | 15.09.2003 (10:43) |

Ich habe Drachen gesehen. Nicht Drachen mit Feuerspeien, weil man ein kleines Bisschen auf Drogen ist, sondern die bunten Papier- oder Plastikdrachen, die man steigen lassen kann. Wenn man es kann. Als Kind wollte ich das auch immer machen, allerdings krankte das an dem Fehlen eines ebensolchen. Mein Vater bot dann an, mir einen zu bauen, weil die im Handel erhältlichen Produkte einerseits zu teuer und andererseits technisch sowieso unausgereift seien. Überhaupt sei es viel besser, etwas selber gemachtes zu haben, das sticht heraus und ist etwas Besonderes. Das leuchtete meinem Kindergeist damals noch durchaus ein, nur hatte ich wohl vergessen, dass mein Dad beim Basteln ein Verfechter der erstklassigen Stabilität war. Wenn ich mich jetzt an diesen einen Zaun erinnere, den er bei Bekannten ums Ferienhaus gezogen hat, dann hätte mir damals schon schwanen sollen, dass der geplante Drachen MINIMAL anders ausfallen würde als von mir gedacht. Den Zaun hat er nämlich so in den Boden getackert, stabilisiert und verstrebt, dass sogar ein Panzer lieber aussenrum gefahren wäre. Das Teil war stabil! Das war dann der Drachen auch. Der hätte beim Absturz locker ein Hausdach durchschlagen. Oder den Besitzer eines gekauften Fluginstruments. Wenn er denn jemals geflogen wäre. Nur war das Holzkreuz in der Mitte leider unwesentlich zu schwer und da in unseren Breitengraden nur selten Orkane toben musste ich wohl oder übel dieses Vorhaben als unerledigt zu den Akten packen. Ich hab ihn einfach nicht hoch gekriegt.
Aber ich wollte mich nicht einfach so geschlagen geben und bei Gelegenheit doch noch in die Luft gehen. Die Möglichkeit bot sich, als wir im Bastelunterricht in der Schule einen Heissluftballon bauen sollten. Das lief so ab, dass wir aus ganz dünnem Draht ein zylindrisches Gerüst zusammenfreimelten und dieses dann mit Seidenpapier überzogen. Sah irgendwie aus wie ein grosses Papierkondom. Unten in der Mitte kam dann ein Drahtkreuz hin, an welchem ein mit Brennsprit getränkter Wattebausch befestigt wurde. An einem schönen, fast windstillen Tag stiefelte unsere Klasse mit mehreren solchen Konstruktionen auf unseren Sportplatz und liessen sie fliegen. Hochheben, Watte anzünden, warten, bis die Luft im Ballon genug aufgeheizt war und dann steigen lassen. Einer schaffte es dreihundert Meter weit über den angrenzenden Acker. Das war aber nicht meiner. Meiner machte Bekanntschaft mit dem einzigen Windstoss, der stark genug war, den Ballon nicht nur seitlich zu bewegen, sondern den oberen Teil so weit über die Flamme zu bewegen, dass das komplette Gebilde innerhalb fünf Sekunden abfackelte. SWOOSH! Immerhin habe ich dabei nicht meinen damaligen Schulschwarm in Brand gesetzt. Eigentlich finde ich es doch sehr mutig, dass ich mich heutzutage trotz traumatischer Flugerfahrungen immer noch in Flugzeuge setze. Nur nicht in Ballone oder Drachen.

Aktuell im Ohr: U2 – Streets White Label

Gedankenauflauf, kalorien- und sinnfrei

Abgelegt unter: Allgemein | 15.09.2003 (10:05) |

“Oh, du bringst mich zur Tür?” – “Aber ja doch.” – “Das ist aber lieb.” – “Ich will nur sichergehen, dass du auch wirklich gehst.” – Ist das die feine englische Art? Nein, ist es nicht. Aber solange beide wissen, wie es gemeint ist, oder eben, dass es nicht ernst gemeint ist oder böse, dann klappt das auch mit dem Partner. Man soll sich ja verstehen, miteinander lachen können und nicht alles krumm nehmen. Wenn ich bei einem Kuss schreie “Nehmt sofort die Frau aus meinem Gesicht!”, dann verträgt das nicht jede. Meine schon. Die findet aber auch die Schweizer ein lustiges Völkchen, weil wir die Wahl der Miss Schweiz als Riesenereigniss begehen (hey, wir brauchen auch ein bisschen Glamour zwischen Käse und Schoggi). Und über unsere Sprache lacht sie dauernd. Dabei sind ja nicht wir die Hohlios. Deutsche essen Müsli. Nicht Müesli, wie es eigentlich heisst, dafür sind die zu doof. Es auszusprechen oder richtig zu schreiben, nicht es zu essen. Es heisst ja auch Grüezi und nicht Grüzi oder gar Grützi. ÜÜÜÜÜÜEEEEEE! Müsli sind nämlich kleine Mäuse. Obwohl, ich könnte mir vorstellen, dass man in Deutschland also sowas schon isst. Wurst, Käse, Mäuse. Mittags gibt’s dann Ratte, oder wie? Aber es ist schon richtig, verschiedene Versionen innerhalb des eigentlich gleichen Sprachstammes können sich zum Teil richtig deftig unterscheiden. Das haben wir heute Morgen rausgefunden. Wenn in der Schweiz jemand sagt: “Ich han blaui Möse”, dann heisst das: “Ich habe blaue Flecken”. Wenn jemand in Deutschland sagt: “Ich hab eine blaue Möse”, dann ist das was GANZ anderes. It’s a DON’T.
Apropos, wenn wir schon in dieser Region sind: Für Handys (nicht Handies, weil englische Mehrzahl, denn Handy gibt’s nicht, also entsprechend auch keine passende Mehrzahl) existiert eine Software namens “Purring Kitty”, die erlaubt, dass ein Mobiltelefon vibriert. Nun werdet ihr sagen, dass das ja nichts Neues ist, das machen viele. Aber nur wenn man drauf anruft. Das Schnurr- und Surr-Kätzchen hingegen erlaubt das Dauervibrieren ohne lästige Gesprächsunterbrechung. Dumm nur, wenn man danach einem allfälligen Gesprächspartner erklären muss, dass das Handy nicht mehr geht, weil man grad kam. Also stromtechnisch gesehen. Noch dümmer, wenn es grad so richtig gut zur Sache geht, ein Anruf kommt und durch die Hitze des Gefechts nicht auffällt, dass die Taste “Anruf entgegen nehmen” gedrückt wurde. Aber das sind ja Probleme, die man als Mann nicht hat. Da gibt es anderes. Nämlich, dass es für UNS keine solchen einfachen Tools gibt.

Aktuell im Ohr: Witt – Wie oft muss ich noch sterben?
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