Nix Kärtchen, nix wertchen
Ab und zu kommt mir mein Portemonnaie… Muss ich das jetzt eigentlich Portmonä schreiben? Poatmoné? Oder dürfen Schweizer angesichts der Mehrsprachigkeit des Landes bei der optisch schöneren Version bleiben? Auch wenn Französisch eine Scheisssprache ist, Geldbörse sieht so wie oben besser aus. Eleganter. Hat Scheisssprache wirklich drei S? Beziehungsweise vier? Egal. Ab und zu kommt mir mein Portemonnaie vor wie das komprimierte Recycling der gesamten Siebzigerjahre. Tonnenweise Plastik aus ehemaligen Designhockern zusammengeschmolzen und in viereckige Kärtchen geschnitten. Mit bunten Bildchen bedruckt und auf jedem steht mein Name. Ohne Plastik bekomme ich kein Geld, kann das Land nicht verlassen, bezahle mehr für meine Tickets und beim Einkaufen fühle ich mich ausgegrenzt, weil ich nicht mit jedem Einkaufen Bonuspunkte sammle, die ich später gegen schlecht designte Salzstreuer eintauschen kann. Das geht natürlich nicht und ich besitze für die meisten Läden, in denen ich regelmässig verkehre, auch ein Plastikscheibchen. Alleine aus dem Grund, dass ich es geil finde, wenn man mich nach dem Einkauf mit Namen verabschiedet. Das müssen die nämlich machen, nennt sich persönliche Kundenbindung herstellen, gutes Gefühl vermitteln, Primärmotive ansprechen. Verkaufsschulung. Da stehe ich drauf.
Ab und zu würde ich mich ja gerne an die Kasse stellen, meine Karte hochhalten, die Verkäuferin breit anstrahlen und mit einem quietschigen Ton sagen: “Leeloo, Multipaaaass!”. Leider würde sie den Gag wahrscheinlich nicht verstehen und da ich nicht aussehe wie Milla Jovovich (hallo Google-Benutzer) und auch kein Bruce Willis (hallo Google-Benutzerinnen) mir zu Hilfe kommt, da lasse ich das eben sein. Auch so Spässe wie die Identitätskarte vor dem Grenzübertritt in Puderzucker zu tunken ist eine denkbar idiotische Idee. Warum fallen immer mir so Sachen ein? Sollte mir das zu denken geben? Jedenfalls sind Kreditkarten und Konsorten eine gute Sache, wenn man Langeweile hat. Ausser damit einkaufen zu gehen kann man auch Kartenhäuschen bauen oder (durch leichtes Einstecken in den Untergrund) ein Labyrinth für Mäuse basteln. In Filmen lernt man, dass man amerikanische Haustüren damit knacken kann. Auf der Strasse lernt man, dass man auch Zahnstocher damit ersetzen kann. Und hier bei mir lernt man, dass man als Verkäufer(in) immer erst genau auf die Karte sehen sollte, ob nicht noch ein Rest vom Mittagessen dran hängt. “Entschuldigen Sie, aber mit American Exfress können Sie hier nicht bezahlen.”

Moralisten schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, ich persönlich kann damit umgehen. Das Unterscheiden von Gewalt im Film und im Leben fällt mir zumindest leichter als der dummen Sau, die ich heute morgen im Bus zusammenschlagen musste, weil er sich vor mich zwängte (Achtung, Ironiemodus). Wenn es nun einem Filmemacher gelingt, die oben angesprochenen Punkte umzusetzen und dazu die Grasbeissereien optisch so richtig fetzig (Nein, nicht dass da jemand zerfetzt wird, nein. Obwohl…) umzusetzen, dann find ich das cool. Ja, ich geb’s zu! Ich stehe auf choreografierte Baller- und/oder Kampfszenen. Wenn man alles zusammenpackt, dann bekommt man mein derzeitiges Highlight im Regal: Equilibrium. Da ist alles drin. Inklusive einer eigens entwickelten Kampftechnik namens Gun-Kata. Eine Art KungFu mit Kanonen. Da soll mir dann mal einer sagen, dass sei nicht hip. Wenn sogar eine Mädelfilmkuckerin neben mir sagt: “Boah, geil!” und sich danach nicht schämt, dann will das doch wohl was heissen. Überhaupt, eigentlich sollte man sich viel weniger rechtfertigen müssen, wenn man über dreckige Witze lacht, sich Filme ansieht, die politisch unkorrekt sind oder sich Bilder von wenig bekleideten Menschen ansieht.