Geh raus. Los. Ksch.
Da sind wir nun. Sitzen im medialen Zeitalter und lassen uns besch(w)allen. Gehören der Generation @ an, sind hip, informationsgeil und die idealen Werbeopfer. Die Generationen. Hach ja. Generation X, Generation Golf. Früher waren Generationen ja noch Abstufungen innerhalb einer Familie, heute hält man den Kontakt zu seiner Familie eigentlich nur noch, wenn sie eine Email-Adresse haben. Mama erfährt von der Hochzeit des Sohnes per Zufall aus seinem Weblog (in der Vergangenheitsform) und dass Freund von Freundin betrogen wird, erfährt er per Newsletter. Gesprochen wird per Headset, während man den Onkel aus Amerika beim Online-Spielen über den Haufen ballert. Medium. Mittel. Multimittelmass? De-Generation, eine sachte Rückentwicklung vom Gliederfüssler zum Kopffingerling. Wir sprechen in Webasdressen miteinander. “Hey Süsse, fass mir mal an den www.pen.is” – “www.forget.it” (beide Adressen leider schon belegt und ich hätte niemals meine alte www.arschlo.ch wieder freigeben sollen…). Morgens aufstehen und vor dem Toaster den Rechner anschmeissen, damit beim Kauen schon die ersten Mails verdaut werden können. Es soll sogar Zeitgenossen geben, die ziehen es vor, an ihrem Rechner zu sitzen, anstatt sich mit weiblicher Begleitung zum Zweck des Urlaubs oder Ausgehens fortzubewegen. Warum auch? Das echte Leben spielt sich im Netz ab, da kann man per Webcam an mehreren Dates gleichzeitig teilnehmen und man wird noch nicht einmal nach der Länge des Kabels gefragt. Statt unter einen Stein verkriechen wir uns hinter einem Monitor, fressen Fertigpizza, trinken literweise Kaffee und fangen an, alles klein zu schreiben, weil wir denken, durch vermeiden der shift-taste sparen wir zeit. Wozu? Um sie in einem Leben einzusetzen, das wir gar nicht haben, sobald wir den PC ausschalten?
Für diejenigen, die schon lange nicht mehr auf www.wetter.com waren: Draussen ist Sommer. Das ist die Zeit, wo sich ganz viele halbnackte echte Menschen an Gewässern tummeln, mit denen man sich auch ohne Mikrofon und Kreditkarte unterhalten kann, meistens aber ähnlich wenig anhaben. Und das was man ja eigentlich will, bekommt man dort genauso wenig, aber man kann wenigstens mit einer Grillwurst in der Hand die Füsse ins Wasser baumeln lassen. Für den Sonnenuntergang braucht es keinen Dimmer und wenn man das ab und zu macht, dann sieht die Haut auch nicht mehr aus wie das winterliche Käsefondue, das man aber auch nur bekommt, wenn man sich für ein paar Stunden unplugged. Leben ist das, was passiert, während du auf dein Download-Fenster starrst. Und bitte: Auf einer Zwölfmeterleinwand und mit zwanzig Boxen Hundertwattboxen wirkt ein Film nun mal besser als bei siebzehn Zoll und den Einwege-Lautsprechern von Aldi. Auch wenn zu Hause das Popcorn billiger ist. Log dich doch einfach mal nach draussen.
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Krümel von Die Musik
Samstag, 9. August 2003 @ 23:24 #
Ich liebe Dich
nicht darum, weil Du so bist,
sondern weil ich so bin,
wenn ich bei Dir sein kann.
Ich liebe Dich
nicht wegen all dem,
was Du aus Dir gemacht hast,
sondem für das,
was Du aus mir machst.
Ich liebe Dich,
um meines besseren Ich Willen,
das Du hervorzukehren weißt.
Ich liebe Dich,
weil Du Hand anlegst an mein übervolles Herz
und alle Leichtfertigkeiten und Schwächen übersiehst,
die man nicht übersehen kann
und dafür alles,
was schön und gut ist, zum Vorschein bringst,
das zu finden kein anderer tief genug geblickt hat.
Ich liebe Dich,
weil Du Deine Ohren vor den Mißklängen in mir verschließt
und stattdessen durch ehrfürchtiges Lauschen
die Musik in mir verstärkst.
Ich liebe Dich,
denn Du hilfst mir,
auf dem Bauplatz meines Lebens nicht ein Gasthaus,
sondern einen Tempel zu errichten;
so wie Du mir auch hilfst,
daß meine täglichen Worte nicht Vorwurf,
sondern Gesang sind.
Ich liebe Dich
weil Du mehr zu meinem Glück beigetragen hast,
als es irgendein anderer hätte tun können
und Du tatest es ohne eine Berührung,
ohne ein Wort, ohne ein Zeichen.
Du tatest es einfach dadurch,
daß Du Du selbst bist.
Und wahrscheinlich ist es das,
was man unter Freundschaft versteht.
[Erich Fried]
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