Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Smalltown Boy

Abgelegt unter: Allgemein | 28.08.2003 (23:02) |

In einer kleinen Stadt tickt die Zeit anders. Kleiner. Langsamer. Einfach nicht so wie in der grossen Stadt. In der Schweiz, dem kleinen Land, geht auch alles ein bisschen langsamer. Wir regen uns in der Regel viel langsamer auf. Und wenn, dann über Kleinigkeiten, die man in anderen Ländern noch nicht einmal als solche erkennt. Thema Verspätungen: In Deutschland ist man froh, wenn ein Zug weniger als dreissig Minuten zu spät kommt. In England ist man froh, wenn man nicht im Zug sitzt, der die Verspätung produziert und mitten in der Pampa einfach eine halbe Stunde stehen bleibt. In Italien ist man froh, wenn überhaupt ein Zug KOMMT, weil die Nasen schon wieder streiken. In der Schweiz steht der Schweizer auf dem Bahnsteig (dem Perron – ein schönes, französisch klingendes Wort, das aber in Frankreich keine Sau kennt), sieht auf die Uhr und flucht wie ein Wald voller Affen, weil der Zug zwei oder drei MINUTEN verspätet ist. Heisst das nun, dass meine Einleitung falsch ist und die Uhren eigentlich doch schneller ticken? Egal, das ist mir jetzt selber zu hoch, eigentlich ging es mir ja um kleine Städte. Nein, falsch, eigentlich ging es mir um Dörfer, aber da muss mir beim Anfang etwas durch die Gehirnwindungen gewieselt sein, was kurzzeitig für Verwirrung sorgte. Also: Dorf. Genauer gesagt, eines in der näheren Umgebung. Beim Durchfahren desselben ging mir Gestern eine Augenbraue in die Höhe, weil ich mich ein kleines Bisschen gewundert habe. Da standen Warndreiecke mit der Aufschrift “Feuerwehr” am Strassenrand, diese kleinen orangen Hütchen standen in der Strassenmitte (Haben die eigentlich auch einen Namen? Ich meine ausser “kleine orange Hütchen”?) und ein orange gewandeter Feuerherr in Firewear winkte uns weiter. Das allein wäre ja noch kein Grund für Verwunderung, Feuerwehrübungen gibt es in den meisten Orten. Dörfern. Städten. Ländern. Grossen und kleinen. Aber, am Ende der Strasse, in einer Kurve, direkt hinter ein paar Geranienkübeln sassen, mit bestem Ausblick auf die Strassenkreuzung und die Übung einige Dorfbewohner. Auf Klappstühlen. Wie holländische Touristen auf dem Pannenstreifen oder in den SOS-Nischen der Alpentunnel. Sassen also da und warteten auf die Show.
Sollte ich mich vertan haben und die Dörfler sind gar nicht so dörflich? Wäre es lohnenswert gewesen anzuhalten und das Spektakel mitzuverfolgen? Ich stellte mir das bis anhin ja so vor, dass der am pyromanischsten Veranlagte der Truppe einen Molotov-Cocktail in ein Wohnhaus wirft (um des Realismusses willen) und dann bimmelt die ganze Horde an und macht die heiss gemachte Bude nass. Kommen wir auf die Show zurück und kreuzen die Gebäudebewässerung entweder mit Zirkus oder besser mit dem Christopher Street Day. Fireworker Street Day. Als erstes macht die Nachwuchstruppe in knallroten Latex-Hotpants und mit rosanen Flauschepompoms eine Village People (Dörfler, ich sag’s doch…) Choreographie, dann fährt die Löscheinheit auf geschmückten Feuerwehrautos vor, packt die harten Schläuche aus und dann machen sich alle gegenseitig nass. Zum Schluss bezieht man die Zuschauer mit ein und startet eine grosse Löschschaumparty, während dramatisch und voll fotogen im Hintergrund das Haus abbrennt und diese einzigartig schmalzige Vom-Winde-verweht-Atmosphäre rüberbringt. An der Aftershowfete wird Prosecco aus Feuerlöschern verteilt und der Einsatzleiter zeigt interessierten Zuschauern, was man sonst noch so mit einer Feuerspritze anstellen kann. Wahrscheinlich geht ja nur meine Phantasie mit mir durch. Aber ich könnt wetten, da hat jemand Getränke und Grillwürstchen verkauft bei dieser Übung. Grill? Feuer? Die werden doch nicht…

Aktuell im Ohr: Guano Apes – Pretty In Scarlet

Clever and Smart

Abgelegt unter: Allgemein | 17.08.2003 (20:43) |

Die beiden Agenten von früher, die sich und die Welt stets in Gefahr brachten und aus selbiger retteten, hiessen zwar so, waren es aber nicht besonders. Anders da die ganzen alten Philosophen (die wir – halleluja – nicht Filosofen schreiben müssen), die hatten wirklich was drauf. Was die sagten und taten hielt Einzug in die Geschichtsbücher, wenn sie es HEUTE sagen würden, dann kämen sie grade mal noch auf zitate.de oder in die Klapse, weil sie in einer Tonne wohnen. Sowieso, wer heutzutage einen mathematischen oder geometrischen Grundsatz aufstellen würde OHNE einen Computer von der Grösse einer Kleinstadt zu benutzen, wäre in jedem Fall unglaubwürdig. Aber damals konnte man noch Sprüche klopfen, die sich über die Zeit hielten. Wie das Zuckerpäckchen vor mir. Das trägt das alte Spitallogo und hat immer noch den gleichen Spruch drauf wie vor zwei Jahren. Also heute doch lieber Espresso ohne Süss. Was drauf steht? “Teamwork – Schneeflocken sind zart und zerbrechlich. Aber sieh nur, was sie erreichen, wenn sie zusammenhalten”. Schön, oder? Keine Ahnung von wem, das schreiben sie nicht mit drauf. Nun stelle ich mir aber die Frage, wie die Schneeflocken das denn anstellen. Die flocken locker aus der Wolke, machen sich schick kristallig und landen dann auf einem Berg. Stupst dann die eine die nächste an und sagt: “Pst. Pssst. Hey, weitersagen: Machen wie ‘ne Lawine?”. Sofort flüstert sich das quer über die Schneewehe, alle haken sich unter (Ärmchen haben sie ja genug), dann fangen sie alle an, Berglerlieder zu singen, zu schunkeln und schon geht die Post den Berg runter. Adrenalinkick für Niederschlagserzeugnisse. Unten angekommen könnten dann Dinge gesagt werden wie: “Kommt, wir schmelzen, verdunsten und machen’s nochmal” oder “Hah! Habt ihr gesehen, wie wir den Abseitspisten-Skifahrer wieder platt gemacht haben”. Jaja, dann kommen die Suchhunde, machen in den Schnee und schon sind die Flocken ziemlich angepisst und planen den nächsten Abgang. Ein Teufelskreis.
Achja, von wegen smart. Zur Abwechslung nicht das Auto, sondern die Bomben. Amerikaner setzen Smart Bombs ein. Das sind Zerstörungsmaschinen, die intelligenter sind als ihr Präsident. Nicht mehr einfach runterschmeissen und BOOM und futsch alles. Nein, nein. Die werden abgeschossen und suchen sich ihr Ziel nach vorheriger Zielmarkierung. Hm. Denken wir mal etwas weiter. Man gibt em Teil eine Adresse an und schickt sie auf den Weg. Kommt an das Gebäude und stoppt erstmal vor der Tür. KNOCKNOCK (ist ja eine amerikanische Bombe, eine deutsche würde KLOPFKLOPF machen). “Chello?” – “Excuse me, I am the friendly neighborhood destroying smart bomb from Uncle George. Is this the palace of Family Whossein?” – “Noo, Shaddamm liiving neggsta door” – “Thankyou very much”. Dann fliegt sie eine Tür weiter und kurz vor dem Einschlagen überlegt sie sich: Moooment. Wenn ich jetzt da rein knalle, dann werde ich in ganz viele kleine Teile zerspringen. Nun ist die Bombe aber smart und lässt sich sowas nicht bieten, ruft bei Amnesty International an und ab sofort gibt es Selbsthilfegruppen für Waffen. Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin. Weil vorher zur Abwechslung etwas überlegt.

Aktuell im Ohr: Animotion – I Engineer

Weisses Pulver ist für Weicheier

Abgelegt unter: Allgemein | 15.08.2003 (13:08) |

Mutties machten seit jeher ein weisses Pulver populär, das in den Küchen dieser Welt Einzug hielt: Mehl. Yuppies in den Achtzigern machten ein weisses Pulver populär, das in den Nasen dieser Welt einzug hielt: Koks. Kreise in denen Wintersport eine ganz neue Bedeutung bekam, denn auf die Piste gehen war auch nicht so ganz eindeutig und eine Nase voll Schnee nehmen hiess nicht mehr zwingend, dass man sich beim Skifahren auf die Fresse gelegt hat. Nein, es ging nur noch darum, sich möglichst exklusiv die Nasenschleimhäute und Scheidewände wegzupusten. Oder eben nicht zu pusten, pusten ist teuer, weil sich so das Pülverchen dekorativ in der Gegend verteilt. Taschenspiegelchen, Rasierklinge und einen Hunderter vorausgesetzt, waren die Verpulverer exklusiver Mittelpunkt jeder halbwegs dekadenten Fete. Weniger Betuchten reichte dann auch mal ein Klodeckel, das Gemüsemesser und ein Tütchen Backpulver und warum Geldscheine rollen, wenn es auch mit einem Strohhalm von McDoof geht. In den Medien bekommt die Masse ja hauptsächlich dadurch mit, dass es noch andere Drogen als Alkohol und Nikotin gibt, wenn wieder mal ein Promi, der sich blöd gesnifft hat, so richtig scheinwerferwirksam durch die Yellow Press geschleift wird. Dabei ist das alles Pipifax. Anfängerkram.
Wer wirklich was auf sich hält greift zu einem andern Pulver. Das wurde mir die letzte Woche klar. Ich hatte es lange Zeit verdrängt, weggeschoben und wollte es einfach nicht wahrhaben, aber ich weiss jetzt: Hin und wieder BRAUCHE ich es. Braucht auch keinen Zubereitungskram, sondern einfach einen Löffel. Natürlich hat mich gleich, als ich es wieder für mich entdeckt hatte, meine Freundin erwischt. So kannte sie mich gar nicht. Ich stand in der Küche und schob mir grade den Löffel in den Mund und ein bisschen rieselte auf den Boden. Es überkam mich eben! Was soll ich denn tun? Die ganzen Erinnerungen an früher überkamen mich wieder! Damals, als ich es noch auf Butterbrote geschmiert habe… Man durfte halt einfach nicht husten beim Reinbeissen. Hach ja, Nesquik ist geiles Zeug. Allerdings fange ich mich jetzt an zu fragen, wie sich das wohl anfühlt, wenn man Nesquik durch die Nase zieht. Gut, es gibt eine Riesensauerei, wenn man niesen muss, aber ansonsten? Aber wahrscheinlich ist das niemals so geplant worden. Genauso wenig, wie Koks in Milch aufzulösen. Denk ich mal.

Aktuell im Ohr: Irgendein Franzmann – Irgendwas Langweiliges

Im Sommer trägt man’s luftiger

Abgelegt unter: Allgemein | 13.08.2003 (15:10) |

Per Mail reinbekommen und für teilenswert befunden:

Aktuell im Ohr: Chris Rea – On The Beach

Drogen meiner Jugend

Abgelegt unter: Allgemein | 13.08.2003 (13:55) |

Auf den Nachhauseweg gestern bin ich an einem Radio-TV-Laden vorbeigekommen und zu Präsentationszwecken stehen dort üblicherweise Fernseher. Und was seh ich da? Die Wombles! Diese Ansammlung von Sack- und Packratten, die damals in einem Londoner Park hausten und den Kindern ein völlig falsches Verständnis von Abfall mitgegeben hatten. Abfall ist immer sauber, man kann sogar Wohnungen daraus bauen. Ja, klar. Von denen kam auch nie einer mit einem Joint oder einer Schnapsflasche nach Hause, geschweige denn, dass eines dieser putzigen kleinen Kerlchen (ausser diesem Strubbeligen, den mochte ich nicht) jemals knietief in Hundekacke stecken geblieben wäre. Nichts davon! Wahrscheinlich habe ich diese Serie einfach nicht verstanden oder ich hab es vergessen oder verdrängt. Verdrängen kann ich ja vieles, zum Beispiel den widernatürlichen Drang, im Mediamarkt die Barbapapa-DVD-Collection zu kaufen. Das waren ja eigentlich auch nur ausgelutschte Kaugummis mit Augen und einem eigenen Namen. Barbabi, Barbabo, Barbabu und Barbakotz. Lustige Verrenkungen alleine können es ja auch nicht sein. Oder heile Familie. ABer dafür gab es ja ein anderes Format, nämlich “Unsere kleine Farm”, wo Michael Landon jegliche Glaubwürdigkeit verspielte, die er sich bei mir als Little Joe in Bonanza geholt hatte. Diese weinerlichen Weiber auf dieser putzigen kleinen Farm, denen man allein schon wegen ihres konstant traurig grinsenden (man stelle sich das vor) Gesichtsausdrucks die geblümten Klopapierdeckelhäubchen ins Gesicht tackern wollte. Ein Dorf, das dermassen langweilig war, dass genau eine Familie gereicht hat, um die Dorfgemeinschaft jede Woche in Aufruhr zu versetzen. Ein Vater von Weichei, aber mit Laden, in dem er nichts zu sagen hat, einen rotzigen Balg von Sohn, die zapfengelockte Wildwest-Britney und der bissige Fräulein Rottenmeier-Verschnitt als “Mutter”. Als ob da jemand jemals freiwillig (und dann noch zweimal) drüber ging. Da hätte man einmal mit dem Pferd drüber gehen sollen, dann wäre die Rolle wieder frei gewesen, aber das Konfliktpotential innerhalb der Sendereihe total im Arsch. Wenn ich mir das genau überlege, war die Familie mit dem Laden eine Art Familie Bundy in der Beta-Version.
Apropos Fräulein Rottenmeier: Heidi war ja damals auch so topaktuell. Eigentlich eine schöne und extrem kitschige Geschichte (Sissi für Kinder), nur leider erlangte Heidi Weltruhm am meisten durch die Zeichentrickreihe von japanischen Fliessbandzeichnern. Heidi hatte keine Zähne, Augen so gross wie ein Zierfischbecken (und genauso nass beim Heulen) und sie konnte in der Folge “Heidi kehrt zurück” wie Superman den Hang hinauf in Grossvaters Arme fliegen. Und alles ohne Cape. Die Zeichentrickfiguren sahen zu der Zeit ja alle ein bisschen gleich aus, weil wohl alles aus dem gleichen Haus stammte und bitte, wer hätte denn ernsthaft bemerkt, wenn auf der Wiese Willi und Maja gesessen hätten anstatt Heidi und der Geissenpeter? Heidi, wo bittu deenn? Vielleicht wären sie versehentlich von Schnucki (der Ziege) gefressen worden, die es in der Originalgeschichte soweit ich weiss gar nicht gab. Betrüger! Wer damals nicht betrogen hatte, das war Wickie, die wikingerische Beta-Version von MacGyver. Ein paar Mal Popel im Gesicht verreiben und schon kam die zündende Idee in Form von sprühenden Sternen. Nach Ansichtigwerden betreffender Sendung müsste sich eigentlich jeder Wikinger in seinem Grab in einen Ventilator verwandeln, denn wären die alten Seefahrer tatsächlich SO unfähig gewesen, sie wären direkt nach dem Auslaufen im Heimatfjord abgesoffen. Da reicht nämlich Nasereiben nicht mehr, da muss man schwimmen können. Und ich glaube echt nicht, dass Wickie an seiner Sackleinenbadehose einen Krebs oder ein Seepferdchen getragen hat. Überhaupt: Egal wie clever man ist, wer im Wasser ein Kettenhemd trägt, säuft ab. Aber Kindern kann man ja jeden Scheiss vorsetzen. Damals wie heute. Hm. Nein, heute bekommen sie noch den viel grösseren Scheiss. Winke winke!

Aktuell im Ohr: Tomb Raider 2 – Soundtrack

Energischer Ausdruckstanz

Abgelegt unter: Allgemein | 11.08.2003 (13:50) |

Da ist doch tatsächlich das Wochenende mit Street Parade und unzähligen Parties doch schon wieder um. Vorbei. Nachdem letztes Jahr das einzige Mal schlechtes Wetter war seit Beginn vor zwölf Jahren, meldete sich die schönste aller Paraden mit einem Wetter zurück, dass die Pore platzt. Irgendwie wollte der olle Petrus wohl die vergessenen Celsiüschen von letztem Mal wieder aufwiegen und beglückte diesmal die knappe Million Hüpfer mit 35 Grad. Im Schatten. Ja sind wir in den Tropen oder was? Nachteil: Hitzschläge, Schweiss knietief. Vorteil: kaum mehr Klamotten an den Leuten. Was zeitweise wiederum ein Nachteil sein kann. Ich habe mich nachmittags vornehm zurück gehalten, da ich für den Abend traditionell Tickets für die Energy hatte und mich nicht per Hitzestau auf die Tragbahre von wildfremden Sanitätern begeben wollte. Mein Kilt wollte schliesslich auch wieder einmal ausgeführt werden und endlich ist der wieder gleich wenig Massenbekleidungsware wie vor zehn Jahren. Beruhigend. Oder ultra-out. Zumindest so eingebürgert, dass nicht mehr JEDER, der vorbeigeht, fragt: “Und was hast du drunter? Hähähä”. Superspruch. DAS muss man sich als Frau wenigstens nicht dauernd anhören. Einmal kam die Frage dann doch noch. Antwort auf sowas: “Einen Dudelsack”. Mögliche Erweiterung: “Und wenn man bläst, dann mach ich Geräusche”. Ist allerdings nich tin jeder Situation unbedingt angebracht. Also ab zur Änääärtschiii Tuuusausändsrrriiiiiiii mit den wohl sinnlosesten MC’s (MC = Master of Ceremony, hier allerdings eher Mega-Cretin).
Warteschlange. Vor mir RAndy, dann RAndytochter, dann RAndytochterfreundin, dann ich. Irgendjemand hat den lustigen Vorschlag gemacht, wenn es beim Eingang Probleme gäbe von wegen ALter der Mädels, dann könnten wir ja sagen, dass die beiden Fünfzehner jeweils eine unserer Töchter sei. Beim Cheffe wär das ja sogar noch gegangen, der ist ja alt genug, dachte ich. Dann ging mir erschreckenderweise auf, dass ich AUCH alt genug wäre, um eine fünfzehnjährige Tochter zu haben. Leicht schockiert begaben wir uns aufs Gelände und irgendeine Frau verteilte irgendwas umsonstenes. Ich drehte mich um und sah, dass 75 Prozent unseres Quartetts Kondompäckchen in den Händen hielten. Der alte Mann und die Kinder! UND ICH? NICHTS! Seh ich denn so schlimm aus, häh? Meine Frustrationsstufe senkte sich kurz darauf wieder. Ein wuscheliger Franzmann nahm von meinem Look her wohl an, man könne bei mir Ecstasy kaufen, was ich ihm allerdings als Trugschluss klar machen musste. Wenigstens wusste ich da, ich geh noch als Partybesucher durch und nicht als Volksschullehrer. Jedenfalls sind wir dann noch gut abgehottet für ein paar Stunden, liessen die beiden Mäsels wünschen, sie wären an jedwedem Platz nur nicht hier und haben uns gut amüsiert. Vor allem der Leute wegen. Eine hohe Konzentration von Menschen steigert automatisch die potenzielle Anzahl von Deppen. Der Tittengaffer zum Beispiel: tänzelt mit nicht blinzelnden Augen dauernd um unsere “Töchter” rum, starrt ihnen sonstwohin und lässt sich nur davon abbringen, indem man sich zwischen ihn und sie tänzelt und ihm strafend in die Augen blickt. Nach dem zweiten Mal senkt er den Blick und schleicht sich. Mini-Hulk: den ganzen Oberkörper grün anmalen und dabei denken, man wirkt dadurch stärker ist ein Irrtum. Drei Jahre Training vorher könnten zumindest den optischen Eindruck von Stärke erwecken. Wie beim Muskeltänzer schräg vorne, der mit den Latex-Hotpants und dem Nippelpiercing, bei dem Tanzen einzig aus stossenden Hüftbewegungen besteht. Black und Decker lassen grüssen. Techno-”Tanzen” ist ja ein gewisses Faszinosum, da gibt es keine konkreten Regeln, man kann sich ja körperlich (mehr oder weniger) äussern, wie man mag. Vor mir stand (richtig, die Füsse ruhend) stand so ein Jüngelchen, der hatte konsequent einen weinerlichen Augenaufschlag, eine gerunzelte Stirn und bewegte seine kleinen Fäustchen in kleinen Bewegungen auf und ab, als ob er dauernd sagen wollte: “Ich will jetzt meinen Kindersirup! Jetzt! Jetzt! Sonst wein’ ich!”. Möglicherweise war das ja der Bub, den zwei sehr konservativ gekleidete Eltern draussen suchten. Die trugen so Armbändchen (wahrscheinlich ein spezielles Eltern-Passierband, weil die kaum normalen Eintritt zahlen) und irrten hinter einem Security-Menschen her, ganz entsetzten Gesichtsausdruck aufgemint, sich halb übergeben unter der Vorstellung, dass gemeinsame Fleisch ihrer Lenden tummelt sich an einem solchen Ort der Dekadenz. Wahrscheinlich war das dann die heisseste Braut mit den knappsten Fummeln, die am ganzen Anlass zu sehen war. Dunkle Wasser gründen bekanntlich tief. Lustige Sachen sah man, wirklich. Eigentlich wären wir gerne noch viel länger geblieben, aber die Hälfte unseres Grüppchens war müde, wollte nach Hause und hatte wehe Füsse. Das Alter halt. Diese jungen Leute von heute vertragen einfach nichts mehr. Haben wir die Mädels halt nach Hause gebracht. Dafür erschrecken Chef und ich heute Leute im Büro durch Armwedeln und rhythmischem Herumgehopse. Die nennen das Nachwirkungen. Wir nennen es Spass. Wir haben Recht. Wir haben Chef auf unserer Seite.

Aktuell im Ohr: Gekreische aus einem Billiglautsprecher

Geh raus. Los. Ksch.

Abgelegt unter: Allgemein | 08.08.2003 (18:27) |

Da sind wir nun. Sitzen im medialen Zeitalter und lassen uns besch(w)allen. Gehören der Generation @ an, sind hip, informationsgeil und die idealen Werbeopfer. Die Generationen. Hach ja. Generation X, Generation Golf. Früher waren Generationen ja noch Abstufungen innerhalb einer Familie, heute hält man den Kontakt zu seiner Familie eigentlich nur noch, wenn sie eine Email-Adresse haben. Mama erfährt von der Hochzeit des Sohnes per Zufall aus seinem Weblog (in der Vergangenheitsform) und dass Freund von Freundin betrogen wird, erfährt er per Newsletter. Gesprochen wird per Headset, während man den Onkel aus Amerika beim Online-Spielen über den Haufen ballert. Medium. Mittel. Multimittelmass? De-Generation, eine sachte Rückentwicklung vom Gliederfüssler zum Kopffingerling. Wir sprechen in Webasdressen miteinander. “Hey Süsse, fass mir mal an den www.pen.is” – “www.forget.it” (beide Adressen leider schon belegt und ich hätte niemals meine alte www.arschlo.ch wieder freigeben sollen…). Morgens aufstehen und vor dem Toaster den Rechner anschmeissen, damit beim Kauen schon die ersten Mails verdaut werden können. Es soll sogar Zeitgenossen geben, die ziehen es vor, an ihrem Rechner zu sitzen, anstatt sich mit weiblicher Begleitung zum Zweck des Urlaubs oder Ausgehens fortzubewegen. Warum auch? Das echte Leben spielt sich im Netz ab, da kann man per Webcam an mehreren Dates gleichzeitig teilnehmen und man wird noch nicht einmal nach der Länge des Kabels gefragt. Statt unter einen Stein verkriechen wir uns hinter einem Monitor, fressen Fertigpizza, trinken literweise Kaffee und fangen an, alles klein zu schreiben, weil wir denken, durch vermeiden der shift-taste sparen wir zeit. Wozu? Um sie in einem Leben einzusetzen, das wir gar nicht haben, sobald wir den PC ausschalten?
Für diejenigen, die schon lange nicht mehr auf www.wetter.com waren: Draussen ist Sommer. Das ist die Zeit, wo sich ganz viele halbnackte echte Menschen an Gewässern tummeln, mit denen man sich auch ohne Mikrofon und Kreditkarte unterhalten kann, meistens aber ähnlich wenig anhaben. Und das was man ja eigentlich will, bekommt man dort genauso wenig, aber man kann wenigstens mit einer Grillwurst in der Hand die Füsse ins Wasser baumeln lassen. Für den Sonnenuntergang braucht es keinen Dimmer und wenn man das ab und zu macht, dann sieht die Haut auch nicht mehr aus wie das winterliche Käsefondue, das man aber auch nur bekommt, wenn man sich für ein paar Stunden unplugged. Leben ist das, was passiert, während du auf dein Download-Fenster starrst. Und bitte: Auf einer Zwölfmeterleinwand und mit zwanzig Boxen Hundertwattboxen wirkt ein Film nun mal besser als bei siebzehn Zoll und den Einwege-Lautsprechern von Aldi. Auch wenn zu Hause das Popcorn billiger ist. Log dich doch einfach mal nach draussen.

Aktuell im Ohr: Republica – Ready To Go

Impressiönchen aus der City

Abgelegt unter: Allgemein | 07.08.2003 (20:19) |

Ich möchte euch zu mehr Achtsamkeit aufrufen. Konkret in Bezug auf Mitmenschen, die nicht mehr ganz so gut sehen. Da will ich euch nämlich schwer davon abzuraten, eure Schnürsenkel neu zu knüpfen oder Kontaktlinsen zu suchen, wenn ihr euch in der Nähe eines Fahrradständers befindet. Das nur mal so als Input. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für diejenigen, bei denen es etwas länger braucht, bis sich das gesetzt hat, gehen wir eins weiter zu lustigen Leutchen, die ihre Rucksäcke mit Statements verzieren, vorzugsweise in Englisch und grundfalsch: “This is the begin of the Single Max”. Haben wir uns grad von der Freundin getrennt und uns gleichzeitig aus dem Sprachkurs verabschiedet? Oder grade eben: “Happy is for Homos” auf der Rückentüte einer Deprotussi. Was wollen wir denn da aussagen? Dass nur Schwule glücklich sein dürfen? Also hallo, da fühle ich mich aber als Hetero ziemlich diskriminiert. Kann ich jetzt auch eine Strassenparade machen? Mit gefrusteten Nicht-Homos und protestieren, weil ich auch gern Happy hätte? Oder meinte die gar die alten Happy-Bonbons? Hm. Was stand denn da noch auf dem Stück? Ach ja, Terror ist geil, war da eine Aussage. Im Zusammenhang mit Gabber, was wiederum eine kranke Form von Techno ist (jaja, noch kranker als der Rest). Aber so der Spruch ist doof. Geiz ist geil war auch schon blöd, aber Terror? Nö. Das ist doof. Drum steht ja auch schon Error drin.
T-Error. DAS wiederum erinnert mich an T-Online, die hätten ja auch öfters mal ein bisschen Probleme. Oder T-Punkt heissen die ja auch. Ich würde eigentlich gerne das T so ein bisschen in T-Untenlila färben, aber dann verklagen die mich bestimmt, weil die haben sich ja die Farbe rechtlich schützen lassen (oder wollten es zumindest). Eine Farbe! Sind die blöd? Hey, du Blume, du blühst in unserer Farbe! Jetzt musst du bezahlen oder wir schnetzeln dich vom Rasen! Haben wir aber Schwein, sind die nicht in Frankreich zu Hause, die Provence mit all dem Lavendel wäre trist ohne Farbe. Warum schützen sie denn nicht gleich noch das T? Dann dürfe in ganz Deuschland niemand mehr ein Wor benuzen, in dem ein vorkomm. Und die Gioo Werbung wäre komple für den Arsch, weil “Und was ist mi ?” ziemlich sinnlos kling. In der Schweiz wollte die Post die Farbe Gelb schützen lassen. Also das postgelb. Pissgelb wär okay gewesen. Obwohl, je nach Ernährung (war das Spargel) kann ich auch schiffen wie die Post. Aber da in der Schweiz keine Postschiffe existieren, wär das blöd. Was ich eigentlich sagen wollte? Wenn ihr schon Kram auf T-Shirts (auch die nicht T-pünktlichen) schreibt, dann gefälligst richtig. Und möge bitte jemand diesen Idioten beibringen, dass man nicht die ganze Police fucken kann. Oder sind bloss die Schweizer Vandalen so bescheuert?

Aktuell im Ohr: The Rasmus – In The Shadows

Gezeitenwechsel

Abgelegt unter: Allgemein | 05.08.2003 (12:16) |

Früher: “Schatz, wenn ich Dich sehe, bin ich aufgeregt.”
Später: “Schatz, wenn ich Dich sehe, rege ich mich auf.”
Erstaunlich, wie ganz kleine Variationen im Umgang zweier Menschen auf den weiteren Verlauf eines Gesprächs erheblichen Einfluss haben können.
ups, Mittagspause… kommt gleich mehr… – Zugegeben, ich hab es nicht ganz geschafft. Aber jetzt bin ich zurück. Wenn auch zwei Tage später. Egal
Also, kleine Variationen entweder im Text oder im Raumzeitkontinuum oder ganz einfach beim Mageninhalt können enorme Unterschiede machen. Dabei gibt es ein grundsätzliches Problem: Frauen wollen reden. Halt, nein, das ist nur bei den meisten Männern ein Problem, bei den anderen ist es nicht die Tatsache, DASS Frauen reden wollen, sondern WANN. Bei wiederum anderen Männern ist das Problem nicht, dass sie WOLLEN, sondern es TUN, aber das gehört nicht hierher. Frauen suchen sich meistens ziemlich ungünstige Gelegenheiten aus. Actionfilm-Showdown, Kampfhundattacke, Intensivstation (da wehrt er sich wenigstens nicht) und so weiter. Oder: Wenn man nach einer Rückenzerrung ein Medikament bekommt, das die Muskeln (nicht nur) entspannt (und zwar SEHR entspannt) und man das kurz vor dem Schlafengehen einnehmen soll, dann ist das eigentlich im Bezug auf die Genesung eine gute Sache. Jetzt bekommt aber Frau Lust, unmittelbar NACH der Einnahme ein Gespräch zu beginnen. Das klappt so lange recht gut, bis man sich fragt, warum Tweety um ihren Kopf flattert und Shakespeare rezitiert. Genau ab dieser Sekunde entgleitet einem in unwesentlichem Ausmass die Kontrolle über den Gesprächsverlauf. Also sitzt das Männchen angespannt da und strengt sich an, nicht die Herrschaft über die nun schon recht gut entspannte Muskulatur zu verlieren und mit dem Gesicht dem Weibchen in den Ausschnitt zu fallen um dort mit der Nase hängen zu bleiben. An den Schläfen machen sich kleine Himbeeren und Ananasse… Ananasen… Orangen mit so Stangen zu schaffen und versuchen die Augenlid-Jalousien runterzukurbeln. Gegenüber macht jemand, den man liebt und schätzt, Fischmaulbewegungen, man verkneift sich ein Lachen und verweigert krampfhaft Nickbewegungen, um nicht etwas zuzustimmen, was man später vielleicht bereuen könnte (pastellene Tapeten, Garten-Windrädchen, zwei Wochen Urlaub in einer Müeslifresser-Kommune, etc.). Die Zunge formuliert dann dumpf die Worte “Orry, Atzi, ch glaub, ch mus mch hinlgnnn, aber chhhhhhhhhhhh” und man kippt vornüber und bleibt mit der Nase im Ausschnitt hängen. Ich möchte darauf hinweisen, dass solche Vorkommnisse KEINE Absicht sind. Sondern Unfälle. Oder Umfälle. Nur nicht aufregen. Wir kommen aber gern auf das Thema zurück, Tweety. Wie aufregend.

Aktuell im Ohr: Five & Queen – We Will Rock You

Wir sponsern das Hypochondern

Abgelegt unter: Allgemein | 04.08.2003 (14:32) |

Aus aktuellem Anlass des Lesens über tatsächliches Alter (sörrtifeif) und biologisches (sörrtituu) Alter bin ich auf betreffender Website noch auf weiter interessante Dinge gestossen. Zum Beispiel darauf, dass mein Body-Mass-Index mit 18.93 nur MINIMAL unter dem guten Schnitt liegt, obwohl mir Leute vorwerfen, wenn ich mir eine Afrofrisur stehen lassen würde, dann sähe ich aus wie ein Wattestäbchen für Elefanten. Ich knalle auch immer noch gegen Türrahmen, weil ich wohl doch noch mehr Platz beanspruche als gedacht. Egal, zurück zum Thema, was auch immer das sein mag. Eine medizinische Datenbank wird auch angeboten mit den 55 häufigsten Krankheiten. Da mich mein Hals derzeit leicht nervt, gebe ich als Suchbegriff “Mandeln” ein. Sofort wird mir mitgeteilt, dass ich dann wohl an Diphterie leide, die bis zu Kreislaufversagen und so führen kann. Hoppla. Also eigentlich tun mir die Mandeln nun doch nicht mehr weh. Eigentlich ist es ja nur ein Kratzen, also nehmen wir “Angina”. Ergebnis: Herzinfarkt. Super. Nur weil irgendso ein Lateinerdepp festgelegt hat, dass der Herzkasper Angina Pectoris heisst. Wenigstens bekomme ich bei “Halsweh” einfach nur eine Erkältung. Also ich meine als Ergebnis. Das macht mir irgendwie Bauchschmerzen, wenn ich sowas lese. Apropos: Bei “Bauchschmerzen” kommt als Treffer Darmkrebs. Könnte es sein, dass das eigentlich keine Gesundheitsseite sondern eine Panik- und Krankmachseite ist? Grade, wenn dauernd noch Werbebanner von eBay aufpoppen, wo man vorsichtshalber schon einmal seinen Hausrat veräussern kann. Schliesslich kann jeder Husten auswachsen (Asthma) und ein kleines Ziehen (egal wo = Bandscheibenschaden) darf man nicht unterschätzen.
Selbstdiagnosen können ziemlich ins Auge und heftig aufs Konto gehen, denn online mal kurz ein paar Pillchen bestellen liegt nahe, ist bequem und praktisch. Weil wenn man schon bettlägrig ist, weil es am Ohrläppchen juckt (muss Krätze oder was in der Art sein), so lässt sich wenigstens die geeignete Heilung diskret verpackt ins Haus kommen. Aufgepasst, wenn im gleichen Haushalt auch noch beim P*rn*shop online bestellt wird: Verwechslungsgefahr! Ein buntes kleines Kügelchen einschmeissen und sofort geht es besser, denn was pro einmal Runterschlucken vier Dollar kostet MUSS ja helfen (natürlich in der kleinsten Packung nur als 3-Monats-Kur zu bekommen). Dann lieber einmal entspannt in Urlaub fahren und als Pillenersatz M&M’s einfahren. Schmeckt besser, kostet weniger und es beruhigt mehr als Online-Symptom-Kreisch-Orgien. Ausser man beisst sich einen halben Zahn raus. Ach ja, wenn ich Zahn eingebe, dann hab ich Bulimie. Hm.

Aktuell im Ohr: Scooter – Weekend
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