Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Somethin’ Stupid

Abgelegt unter: Allgemein | 02.07.2003 (16:48) |

Bei Jackass kommt es durchaus vor, dass man dem Johnny Knoxville einen feuerfesten Anzug überstreift, Angelhaken dranbastelt, ihn mit Steaks behängt, ihn in einem Planschbecken aus Marinade einlegt um ihn danach komplett (also Steaks UND Dödel) auf einen Grill packt. Danach wird er vom Grill geholt und die Steaks verspeist. Cool? Ansichtssache. Neu? Nein. Denn das gab es alles schon vor ein paar hundert Jahren. Der Schutzpatron der Stadt Bülach hat diese Aktion schon im frühen Mittelalter durchgezogen, allerdings ohne Steaks und Anzug. Man hatte ja früher gar nichts. Die Sendung hiess damals auch nicht unbedingt Jackass sondern Inquisition. Öffentliches Barbeque hatte aber bereits damals einen überaus grossen Beliebtheitsgrad, sofern man sich nicht in der Mitte des Anlasses befand. Da hatte der alte Laurentius damals Pech, aber immerhin hat es sein Grillrost auf das Wappen von Bülach geschafft.
Hier ein Märtyrer, da ein Heiliger, hier Grillparty, da ein Stadtfest. Zumindest in der heutigen Zeit, denn in Winterthur ist das allsommerlich stattfindende Fest nach dem heiligen Alban benannt, das Albani-Fäscht. Allerdings heben heute einige Leute das Gefühl, es heisse so, weil so viele Albaner daran teilnehmen. Nein, Leute, das ist wirklich nicht der Grund. Aber es ist eine Tatsache, dass in den letzten Jahren der Anteil an ursprünglichen Bewohnern verschiedener Mittelmeeranrainerstaaten explosionsartig gestiegen ist. Es gibt Menschen, die freuen sich über kulturelle Vielfalt (Pizza, Paella, Gyros, Kebab), andere sind eher etwas befremdet oder haben gar ängstlich das Gefühl, sie werden jeden Moment entführt und gegen drei Kamele eingetauscht. Meine Schwester, die seit längerem in Portugal lebt, wurde an eben diesem Fest anlässlich eines Heimatbesuchs von einer Bekannten gefragt (raunend): “Du, sag’ mal, gibt es bei euch auch so viele Ausländer?” Meine Schwester: “Viele? NUR!” – “Nein!” – “Doch! Und alles Portugiesen!” Die Bekannte hat nicht geschnallt, worauf das Gespräch hinauslief. Wie es weiterging weiss ich nicht, aber ich nehme an, sie hat weiterhin verstohlen die ausländischen Mitbewohner beäugt, gewünscht, die wären woanders und hätte sich dann beim freundlichen Händler ein Bami Goreng bestellt. Jackasses gibt’s auch ohne Grill.

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