Lustig, dass ich Blahblahs bekomme, in denen gesagt wird, das alte Design wäre besser gewesen. Das Design ist genau gleich schlecht wie vorher, aber die Farbe ist anders. Einer der verlorenen Kommentare besagte “wenn ich was Graues sehen will, dann schaue ich nach draussen”. Finde ich gut, denn nur so kann man sich auch die Feinheiten zwischen dem Grau ansehen und bewusst machen. Grau ist nicht gleich grau. Und oft verstecken sich in Farben, die man als öde und langweilig betrachtet, kleine Schmuckstücke. Man muss nur die Augen öffnen und sie sehen (wollen). Das ist vielleicht mit ein Grund, warum ich neben dem Grau auch ein Sonnengelb verwende. Als Tupfer, der auffordert, oder darauf hinweist, dass man nicht nur an der Oberfläche schauen sollte, sondern den Blick etwas tiefer richten, um Verstecktes zu entdecken. Die grauen Wände von Häusern bieten viele kleine bunte Fenster, in denen sich kleine und grosse Geschichten abspielen. Im Grau der Anzüge einer Kantine stecken Menschen und eine kleine Minute der Beobachtung erschliesst und möglicherweise eine ganz neue Welt. Wenn man will. Der Graupapagei heisst, wie er aussieht. Grau. Ein wenig Weiss und Schwarz. Und dazu auf der Unterseite seines Schwanzgefieders knalliges Rot. Das entdeckt man aber nur, wenn man genauer hinsieht. Nebenbei erwähnt gibt es auch bei den Menschen ziemlich farblose Typen, die denken, wenn sie das Hauptaugenmerk auf ihren Schwanz richten kommen sie besser rüber. Klappt nicht. Farblos ist nicht grau. Geht nach draussen und nehmt einen Stein vom Boden auf und betrachtet ihn genauer. Einfach nur grau? Oder sind verschiedene Musterungen und Strukturen zu erkennen? Glitzert gar eine Spur Kristall oder Erz heraus? Haltet den Stein weiter weg und er erscheint wieder eintöniger. Aber trotzdem wisst ihr nun, dass sich darunter noch Details verbergen und ihr kennt sie jetzt. Wir sassen vor ein paar Jahren bei schlechtem Wetter an einem Strand fest, ein dunkelgrauer Himmel über uns und ein dunkelgrauer nasser Strand unter uns. Bei genauerem Hinsehen erkannten wir kleine Krabben, die durch den Schlick wuselten. Blau, Gelb, Rot, Lila, Grün. Schönheit findet sich im Kleinen, wie im Grossen, man muss sich nur öffnen dafür. Erfahrungen passieren jede Sekunde, überall, jedem und jeder. Aber man muss lernen, sie wirken zu lassen und sie auch geniessen zu können. Denn man weiss ja nie. Vielleicht stürzt morgen ein Meteor auf die Erde und Bruce Willis hat keine Zeit, eine Atombombe auszuliefern (Home Delivery?). Dann macht es einen abschliessenden Big Bang und das letzte, was man getan hat: Man hat sich aufgeregt oder hat gelangweilt an eine Wand gestarrt. Auszeit nehmen und geniessen, auch wenn es nur ein paar Sekunden sind, die uns am Ende zum Lächeln bewegen. Und jetzt kipp ich eine eiskalte Coke, da steht nämlich ENJOY drauf. Ich bin ja ein folgsamer Mensch. Meistens.
Aktuell im Ohr: Darude – Sandstorm