Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Häf äi naiss iväning

Abgelegt unter: Allgemein | 19.06.2003 (11:29) |

Sommerabend in Zürich. Falsch. Frühlingsabend in Zürich, ist ja noch nicht ganz so weit. Aber sommerliche Temperaturen und passende Sonneneinstrahlung und ein Abend frei. Also ein wenig Leute beobachten zum Zeitvertreib, während dem ich einen frischen Brezel mit Sonnenblumenkernen verdrücke. Ich finde Menschen, die hinter einem Tram oder Bus herrennen seltsam. Warum tun die das? Um Geld zu sparen? Schön doof. Einem Tram hinterher rennen spart vielleicht drei Franken oder so. Die würden besser ein Taxi verfolgen, da sparen sie ein Vielfaches. Also wirklich. Die überlegen sich ja gar nichts.
Dann steht ein Mann neben mir mit einer riesengrossen Brille. Sieht aus wie ein… hmm… Frosch. Ein grauer Sackfrosch. Ich denk noch, dass der ziemlich zum Würgen aussieht und dass sowas glücklicherweise ein Einzelstück ist, da tritt seine Frau neben ihn. Partnerlook. Allerdings in khaki. Also zwei Sackfrösche (Leinen kann nicht jeder tragen, vor allem nicht, wenn alles zu gross geschnitten ist). Verschiedenfarbig. Aber beide die gleiche bescheuerte Froschbrille. Hinter so einem Teil könnte man fünf Augenpaare inklusive der hier mitgelieferten Tränensäcke unterbringen. Gruselige Sache. Dann trägt die Frau (sie “Dame” zu nennen wäre ein Faux-pas, den ich mir nicht verzeiehn könnte) aber – oh, ein Unterschied – keinen Leinensack um ihre ausgedünnten Beine (irgendwie sieht die wie eine Vegetarierin aus…) sondern Cargo Pants. Cargo. Fracht. Frachthosen. Wohl nur deshalb, weil die Teile mindestens mit achtzehn Taschen bestückt sind und ein Füllvolumen eines mittleren Containerschiffs erreichen und die ganz cleveren Träger ihre Beinkleider auch genau so ausstatten. Endergebnis ist dann, dass die lieben Leute aussehen wie Elefanten mit einem schlimmen Ausschlag. Oder in unserem speziellen Fall hier nicht mehr wie ein Sackfrosch, sondern wie eine Sackkröte. Die sind nämlich auch genoppt.
Kurz darauf habe ich mich dann im Musicaltheater niedergelassen für YAMATO – The Drums of Japan. Zehn Japapaner, die auf Trommeln verschiedenster Grösse einhauen (wenn sie sich gegenseitig gehauen hätten, wären es Vertreter anderer Volksgruppen gewesen) und dabei ziemlich coolen Sound machen. Also wenn es einen Soundtrack zum Leben gibt, dann müssten dramatisch-spannende Sequenzen von deren Trommelsound unterlegt werden. Aber natürlich kamen auch andere Instrumente zum Einsatz. So eine Art Fernost-Gitarre, kein Sitar, aber etwas in die Richtung, hat man nicht so richtig erkennen können. Die wurden von den Frauen gespielt. Die kleinen Asiatinnen haben ja vielleicht flinke Finger! Also jetzt so beim Spielen, mein ich. Es war auch überaus faszinierend, wie schnell man Hände bewegen kann. Mit Trommelstöcken! Irgendwann kam das Auge gar nicht mehr mit und unwillkürlich machte mein Kopf eine Assoziation zu onanierenden Kolibris. Keine Ahnung wie ich da drauf kam. Wahrscheinlich waren die Sonnenblumenkerne schlecht.

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