Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Warme Luft

Abgelegt unter: Allgemein | 17.06.2003 (8:23) |

Sprache ist eine schöne Sache. Es ist eine Art von Kommunikation und bietet die Möglichkeit sich mitzuteilen. Sprache ist erhältlich in den Grössen “gesprochen” und “geschrieben”. Einige Leute kleiden sich mit Sprache, passen aber in beide Grössen nicht hinein. Entweder es ist ihnen zu eng und sie zwängen sich rein, so gut es geht, versuchen irgendwie Luft zu bekommen und ersticken beim Versuch, Sprache richtig zu verwenden. Andere wiederum schlackern völlig in den weiten Bereichen der kommunikatorischen Vielfalt herum und suchen verzweifelt nach einem Weg, sich ihrer Umgebung mitzuteilen durch die Schichten, die sie umgeben. Mode ist wie Kommunikation ein Werkzeug sich auszudrücken. Beides kann man beliebig machen, kombinieren, schichten, wechseln, schmücken, bunter oder dezenter auslegen, damit auffallen oder untergehen. Wer sich bescheuert anzieht kann trotzdem überaus interessante Aussagen treffen und wer einen massgeschneiderten Anzug trägt, muss deswegen nicht in der Lage sein, ebenso gut formulieren wie Krawattenknoten binden zu können. Dafür gibt es den Aufkleber “Mehr Sein durch Schein”.
Die Erfindung der Verpackung war auch im sprachlichen Bereich ein Schritt. Allerdings nicht vorwärts. Weil der Reichstag rosa verpackt wurde war es deswegen nicht mehr nicht der Reichstag, sondern halt das Gebäude mit etwas drumrum. Wenn ich einen Nichtssagenden Text von mir gebe, kann ich drumrum labern so viel ich will, der Inhalt bleibt leer. Worthülsen. Von Politikern, Managern und Möchtegerns abgefeuert wie aus einem Maschinengewehr und die leeren Hülsen prasseln auf den Zuhörer nieder wie in der Hubschrauberszene in Matrix. Viel Lärm um nichts. Damit es weniger auffällt, erfindet die Gilde der verbalen Windbeutel gerne neue Wörter um Dinge auszudrücken, die in ihrer Ursprungsform jedem bekannt sind, aber halt ungeiler klingen. Weniger aufgeblasen. Nur wie ein Opel und nicht wie ein Porsche. Auch nur ein Auto, aber teuer. Auch nur ein Wort, aber hip. In einer Firma teilt man etwas den Leuten nicht mehr mit, man kommuniziert es ihnen. Dazu steht man dann aber auch nicht, sondern man committet sich.
Eine der besten Buchstabenanhäufungen, die mir in der letzten Zeit untergekommen sind ist “Ambiguitätstoleranz”. Gerne von Managern eingesetzt oder in Chefetagen, aber erklären kann’s dir eigentlich keiner. Bedeutet aber: Die Fähigkeit, Kritik aufzunehmen, sie richtig zu gewichten, zu verarbeiten, zu verwerten und sich damit auseinandersetzen zu können, ohne sich angegriffen zu fühlen. Ich hätte gesagt, das ist gesunder Menschenverstand. Kritikfähigkeit. Zuhören. Aber das wäre zu simpel. Zu einfach. Zu leicht zu durchschauen. Ebenso wie es zu leicht wäre, zu durchschauen, dass der Mensch, der die Saat von Nullinformation ausbringt, eigentlich ein Bauer mit leerem Sack ist. Ein Buchstabenventilator. Was mich zum Schluss bringt: Grosse Männer überzeugen auch durch kleine Worte. Kleine Männer versuchen mit grossen Worten zu überzeugen. Beim Versuch bleibt es dann auch.

Nachtrag:
Ab und an werden einem Gewisse Begriffe einfach inokuliert. Soll man sich wehren oder stuft man es als exogenen Faktor ein, der halt inhärent mit der Sache verbunden ist? Das hängt wohl vom Habitus des jeweiligen Subjekts ab und wie weit sich jemand einer Opfersymmetrie unterordnen kann oder will, wenn es um Entscheidungen geht. So etwas will halt in einer Kultur erst eingepflegt werden. Odr.

Aktuell im Ohr: 18 Summers – Wie eine Feder

5 Krümel

Dienstag, 17. Juni 2003 @ 13:55 #

Yeah Komunikation rulez ;-)
Toller Beitrag, also danke für die Unterhaltung.

Bekommt man was geschenkt, wenn man das ganze Archiv gelesen hat?
Und ja ich habe langeweile.

Bis morgen…

Dienstag, 17. Juni 2003 @ 15:39 #

ob man was bekommt? klar: stundenlange unterhaltung :)

Dienstag, 17. Juni 2003 @ 17:24 #

Ich wusste es. Du bist ein Ausserirdischer.

Mittwoch, 18. Juni 2003 @ 09:19 #

Es war Tagelange Untehaltung und es hat Spass gemacht.
Man liest sich.

Der Verbessererer

Mittwoch, 18. Juni 2003 @ 21:10 #

…… und das Traurige daran: DAS IST DIE NACKTE REALITÄT ….. *verzweifeltschluchz*

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