Job ’till you drop
Ich kam ja in letzter Zeit unterstützenderweise dazu, mich ein wenig mit Stellenanzeigen rumzuschlagen. Da stehen teilweise ganz schön freche Lügen drin. Ähnlich wie in Arbeitszeugnissen, wo es auch schon mal heisst “Er war immer sehr bemüht…” und eigentlich bedeutet, dass er eine ziemlich faule Sau war. “Wir schätzten seine kommunikative Ader”. Plaudertasche. “Sie konnte sich unter jedem Vorgesetzten gut einfügen”. Betriebsmatratze. Aber das kennt man ja alles. Zurück zu den Anzeigen. Warum scheiben die Firmen da nicht ehrlich rein, dass sie keine teamfähige Allrounderin suchen sondern eine Kaffeemach-Sklavin für dreissig Leute? Über mündliche Französischkenntnisse bei Chefsekretärinnen kann man ja witzeln wie man will, aber weiss es jemand genauer was da so abgeht? Hm? Word-Applikations-Support heisst auch nur, dass man der doofen Tippse vom Nebentisch zweimal pro Woche erklären muss, dass ein Absatzeinzug nichts mit Schuhen und ein Tabulator nichts mit Arnold Schwarzenegger zu tun hat. Bei Betreuung von Kunden steht auch nie geschrieben, dass man auch noch mit achtzehn Promille im Blut noch stabil stehen und locker Konversation betreiben können muss. Und was soll eigentlich die Floskel “flexibel und belastbar”? Bin ich ein Ski? Das ist eine Anzeige für Sekretariat und nicht für Zirkusartisten. Dass diese hüpfenden chinesischen Gummimenschen flexibel und belastbar sein müssen (gut, gewisse horizontale Berufe auch) ist mir klar. Aber ein Personal Assistant? Hm. Nur schon dieser Name. Mein Palm ist auch ein Personal Assistant, wertet man so nicht eine ganze Berufsgruppe ab, indem man sie auf das gleiche Niveau wie einen tetrisfähigen Hosentaschencomputer stellt? Lassen sich das die Leute vom HR einfallen? Human Resources. Menschliche Mittel. Geht es hier jetzt um den Mittel-Teil des menschlichen Körpers? Da wo sich die primären Geschlechtsorgane befinden? Das wäre dann wohl der Beweise, dass alles nichts anderes ist als Menschenhandel und Prostitution! Der Mensch wird als Ware verkauft, als Sklave! Das sollte uns bewusst sein. Wir sind austauschbar. Wie die Mittelteile auf diesen alten Schokoladeverpackungen, wo oben die Köpfe waren, in der Mitte die Körper und unten die Beine und alle Figuren in verschiedenen Klamotten und durch hin- und her-verschieben hatte man dann eine blonde Zöpfchenträgerin in Pfarrerskutte und Lederhosen. Hach, was war das lustig. Zurück zur Mitte, es gibt ja tatsächlich Menschen, die bevorzugen eine Tätigkeit im menschlichen Zentrum. Gynäkologen beispielsweise. Könnt ich nicht. Man geht nach Hause, steigt mit der alten in die Kiste und hat das dumpfe Gefühl, man hätte sich Arbeit mit nach Hause genommen. Proktologen. Entschuldigt bitte, aber bei dem Job ist man doch nun echt im Arsch. Was muss man im Übrigen für eine Macke haben um Schamhaarfriseur zu werden? Ich nehm zumindest jetzt mal an, es gibt nicht viele hübsche Frauen, die diesen Job machen, die müssten ja sonst dauernd mit der einen Hand für freie Sicht sorgen, was durchaus zu Problemen führen könnte. Sich mit nur noch einer Hand an sensiblen Stellen zu schaffen machen könnte ich mir delikat vorstellen. “Sodele, jetzt nehmen wir dieses Teil mal hier rüber und KSCH SITZ! und jetzt mit dem Messer hier ein bisschen und… Hoppla. Kann mal jemand ein Pflaster holen? Blutstiller? Einen Auffangeimer? Ach holt gleich einen Notarzt. Und den Wischmop.” Nein, ich glaube nicht, dass das wirklich Spass macht. Vielleicht sind aber Schamhaarfriseure auch nur ehemalige Gynäkologen, die mehr Farbe im Leben wollten. Weil irgendwann bringt eine Änderung der Perspektive auch nichts mehr. Schuster bleib bei deiner Leistengegend.
1 Krümel
Krümel von wuff
Dienstag, 4. März 2003 @ 16:57 #
*brüüüüülllllll* :)
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