Lasst Bilder sprechen
To whom it may concern. Oder so.

To whom it may concern. Oder so.

Ich sag’s, wie’s ist. Mein Kopfinhalt fühlt sich an wie einer dieser Q-Soup-Suppenwürfel von Knorr: gefriergetrocknet und halbvakuumisiert. Sprich: Schreibblockade. Mir fällt weder zu Omas, die über Tössu-Parties referieren was ein noch zu rehäugigen Mädels mit Schlafzimmerblick (an der Sache mit dem Charisma muss doch was dran sein…) was ein. Auch angeheiratete (eventuell im Katalog bestellte) Barbiepüppis, denen Mann a) ein Allradfahrzeug für die städtischen Shoppingtouren kauft (wozu braucht man eigentlich bei Stadtfahrzeugen 4×4-Antrieb?) und die vorzugsweise durch Nichtbeherrschung des zu grossen Autos harmlose Fussgänger fastüberfahren oder b) einen offenen Sportwagen schenkt, in dem die Tusse dann hemmunglos mit der einen Hand telefonieren und mit der anderen popeln kann (macht die Strassen sicher!), reizen mich nicht zu irgendwelchen Textergüssen. Insofern lass ich es lieber und melde mich bei Gelegenheit zurück. Müsst ihr halt ohne mich auskommen. Und achtet auf euch, wenn ihr die Strasse überquert.
Verdammt zum Rumliegen und gelegentlichem Sitzen, kann man durchaus mal wieder anfangen durch die Gegend zu klicken, was aber irgendwie langweilig ist. So die pioniermässigen Einrichtungen, die man früher im Web noch suchte sind Vergangenheit. Der Mensch stumpft halt ab. Was also tun? Gezieltes Ansurfen von Seiten, zum Beispiel um (weil ja grade nichts anderes zu tun ist) Flugpreise zu checken. Man weiss ja nie, wann Ferien auftauchen, man im Lotto gewinnt oder man halt wo hin muss. Oder will. Einkaufen ist immer wieder mal nett woanders. Weil einkaufen im Web ist zwar praktisch, aber es ist unlive (um wieder einmal dieses echt gute Wort zu verwenden). Man riecht nichts. Sieht nichts. Fühlt nichts. Keiner der einen anrempelt. Genusserlebnisse wie die Lebensmitteletagen im Globus oder Jelmoli in Zürich sind megaklasse. Der Foodbereich bei Harrod’s. So in dieser Art.
Ich war kürzlich Genuss-Shoppen. Zusehen wie der Japapaner frisches Sushi macht, an den Gewürzen riechen, handgemachte Lachsravioli mit nach Hause nehmen, zum Schluss 85%-Kakao-Schoggi kaufen und bemerken, dass die Scheisse schmeckt. Das kann man im Internet nicht. Ob es wohl diesen Stand in London noch gibt wo’s die noch warmen Chocolate Chips Cookies gibt? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht gibt es auch die Baguettes mit dem “Ich-Schiess-dir-das-Gehirn-raus”-Senf nicht mehr. Wobei das egal ist, ich hab den auch hier gefunden. Thomy Dijon Senf “Extra Forte”. Wobei ich den Zusatz auf der Tube erst gelesen habe, nachdem sich der Inhalt eines mittleren Stausees aus meinen Augen ergossen und ich fünf Minuten lang wie blöd mit der Faust auf meine Couch eingeschlagen hatte. Musste ich natürlich gleich nachlegen, ich mochte mich ja geirrt haben. War aber ein Irrtum. Dass ich mich geirrt habe, meine ich. Also in Zukunft genauer lesen, welcher Härtegrad angeschrieben ist.
Aber zurück zum Web. Germanwings ist billig, hab ich gehört. Also hüpfe ich auf deren Präsenz im WeltWeitWühltisch und gebe meine Informationen ein. Dann klicke ich auf “Preis berechnen”. Leider funktioniert das nicht. Ich versuche es mit einem anderen Browser und mit einem Reboot. Wiederholt stelle ich fest, dass es nicht funktioniert. Ein JavaScriptchen. Tut nicht. Futsch. Die erwarten doch jetzt nicht ernsthaft, dass ich auch nur den Hauch eines Fusses in eine Flugschüssel von denen setze? Dort kann man nicht einfach das Fenster auf und zu machen und es geht wieder. Ein Absturz hat definitiv krassere Auswirkungen als zu Hause am Schreibtisch. Hm. Möglicherweise ist Einkaufen per Internet doch nicht so schlecht. Es gibt Momente, da ist es gut, wenn die Realität möglichst weit weg ist. Dann tut man sich auch nicht weh. Aber wo bestelle ich jetzt lauwarme Cookies mit kalter Milch?
Ich glaube, ich hab eine Grippe. Das wäre an und für sich noch nichts Besonderes. Ich glaube, ich hab eine Gehirngrippe. Übertragen durch Radiowellen. In der Zeitung stand nämlich heute unter “Nebensächlichkeiten und Pseudoprominenz”, dass der Bohlen eine starke Grippe hatte. Ich nehme jetzt wohl richtig an, dass diese akustischen Superstargeschwulste, die einen Tag für Tag per Radio und Fernsehen betriefen zur Infektion verwendet werden. Im fortgeschrittenen Stadium hat man Fieber, Kopfschmerzen und kauft sich eine oder mehrere CD’s eines oder mehrerer dieser Castingkarnickel. Ich kapiere das Konzept dieser Sendung sowieso nicht mehr so ganz. Ursprünglich dachte ich, die machen das wie bei Popstars und casten wie doof, bis am Ende noch die Besten übrig bleiben und das war’s dann. Aber nein, es hiess ja, es sei eine ganz neue Art der Unterhaltungsshow. Stimmt! Nach Popstars wurden wir nicht noch über mehrere Wochenenden hin mit dem Anblick der gleichen Sülzis genervt. Die hat man dann einfach vermarktet und gut war’s. Die konnten aber auch singen und tanzen. Die meisten. Bei den “Superstars” (was in meinen Augen nur jemand ist, der mehr als eine gepushte Single hat, Jahre im Geschäft ist und sowas wie Ausstrahlung hat) hingegen kommt man auch bis knapp vors Finale, wenn man weder das eine hat, aber so beknackt ist, dass der Instinkt des Menschen angesprochen wird, der auch gern in den Zoo zum Exotengucken geht oder sich jeden Abend über lustige Homevideos freuen kann. Was übrig bleibt ist dann Mister Schleimi, der aussieht, wie frisch aus dem Boylie-Band-Klontank gespült. Aber Hauptsache man kann posen. Lustigerweise sieht man an Samstagabenden aber immer die ganze Meute und nicht DEN Superstar, weil wohl die Marketinger auch festgestellt haben, dass der Alecksmidoch alleine genau so überlebensfähig ist wie der Free Willy-Wal ausserhalb seines Pools. Zu Starqualität gehört auch, dass man ein Mikrofon anders halten kann als eine Tunte ein Sektglas. Also werden wir wohl weiterhin von Bohlens Säuselkompanie mit chloroformesker Soundtapete bekleistert. Was insofern einen Vorteil gegenüber den Auftritten mit Modern Kotzing hat, als man mehr Gesichter zur Auswahl hat, nach denen man Eier schmeissen kann (ist ja bald wieder Ostern) und der Anblick von Bohlen UND Anders bleibt einem erspart. Wann wohl alle Nora-Halskettchen spendiert bekommen? Oder gibt’s gar Kermit-Memorabilia-Brandzeichen auf die Arschbacken? Ach ja, falls ich Eltern unter meinen Lesern habe: Ist euch die Tatsache, dass Gestalten wie der Krmt Kblbck als Erzieher auf eure Kinder losgelassen wird nicht leicht ungeheuer? Ihr überlegt euch noch, ob ihr die Erziehung ausser Haus geben wollt, das sag ich euch.
Texas besteht aus Sand. Irak auch. Texas hat Öl. Irak auch. Was ist denn dann der Unterschied? Irak hat mehr Öl. Da kommt Neid auf. Irak hat einen Diktator. Amiland hat einen Dicktator, wobei hier an deiser Stelle das englische Wort Dick = Schwanz gemeint ist. Irak hat Wüste. Texas hat Kühe in der Wüste. Kühe machen hier möglicherweise die Verbindung zum Bücklingmacher aus BSE-Country. Egal. Zurück zum Ursprung. Schon im Wilden Westen war der kleine Farmer neidisch auf den grossen Farmer. Weil der mehr Kühe hatte. Unterstützend kommt hinzu, dass Irak zwar Wüste hat, die Leute das aber schnallen und sich in Städten zusammenballen. In Texas will jeder Farmer natürlich seine eigene Farm haben mit Stacheldraht, Selbstschussanlage und eigener Ölquelle. Also lebt man entsprechend abgelegen. Darunter leiden natürlich die zwischenmenschlichen Beziehungen und man nimmt sich, was man kriegen kann. Was halt dann Verwandte sind, aber hey, in Texas ist Sex vor der Heirat sowieso verpönt, warum dann also nicht die Schwester flachlegen, die gehört wenigstens nicht zu einer anderen Sippe. Und eigentlich ist man dann auf irgendwelchen Wegen schon miteinander verheiratet(?). Naja, auf jeden Fall miteinander. Dabei bleibt natürlich die Variablität des Genpools auf der Strecke (wie auch noch ein paar andere Dinge, logisches Denken zum Beispiel). Sollte man keinen menschlichen Partner finden, nimmt man halt sonst was. Ob daher wohl der Begriff “Cowboy” stammt? Naja, zumindest scheint noch ein anderes Wort seine Abstammung in Texas zu haben, das offensichtlich auch mit Kühen zu tun hat: Coward. Passt besonders gut für jemanden, der sicher zu Hause sitzt, während er seine Schäfchen oder Kühchen über die Klippe treibt. Ach ja, für nicht Englischkundige oder Zu-faul-zum-Wörterbuch-Holer, Coward hat natürlich nichts mit Cow zu tun sondern heisst schlicht: Feigling. Gell du, Schorschi. Willtu no a bissele Öli Öli habba?
Für diejenigen, die immer nur den aktuellen Tageseintrag lesen wollen: Der vorletzte Eintrag wurde aktualisiert mit zusätzlichen und immer noch sinnlosen Wilhelm-Tell-Geschichten. Ich geb mir hier ja nicht umsonst Mühe und dann wird’s überlesen. Bin ja nicht doof. Zumindest nicht SO doof.
Auf der Heimfahrt habe ich einen Blick auf ein riesengrosses Werbeplakat erhascht mit der Aufschrift “Manch einer geht meilenweit für gutes Schweizer Fleisch”. Das wäre ja noch nichts Besonderes. Würde das Plakat nicht am Anfang des Strassenstrichs von Zürich hängen. An dem (so vom Auto aus beurteilbar) hauptsächlich die schweizer Hausfrauenfraktion ihre Haushaltskasse aufbessert, von dem man sich beim Metzger wieder was Besseres leisten kann. Da entbehrt diese Werbeplatzierung nicht einer gewissen Ironie. Asche zu Asche, Staub zu Staub, Fleisch zu Fleisch.
Noch ein Shorty:
Von HP/Compaq gibt es einen neuen Pocket PC, der zur besseren Sicherheit eine Fingrabdruck-Erkennung integriert hat. Das ist neu und cool. Wenn ich dann aber in einem Testbericht etwas wie das Folgende lese, auch irgendwie beängstigend:
“Die Identifikation funktioniert einfach und zuverlässig. Und da der Sensor nicht optisch sondern thermisch arbeitet, kann der potenzielle Datendieb selbst mit Ihrem abgeschnittenen Finger nichts anfangen – nur lebende Finger funktionieren.”
Wie beruhigend. Kann man das dem Dieb dann bitte sagen BEVOR er mir die Griffel abhackt?
Ein bisschen Geschichte muss sein ab und zu und wenn man schon alte Heldensagen hat, kann man die auch mal wieder aufwärmen. So zum Beispiel unseren ollen Wilhelm Tell, dessen Geschichte ausgerechnet von einem Deutschen (Schiller “No Filler”) niedergeschrieben wurde. Na egal, Geschichte wird teilweise auch nue geschrieben, deshalb hier in der Folge einige Variationen.
Normale Version
American Edischn
Für HipHopper
P*rn*version
Alles ganz in Rosa
Eine Welt aus Kitsch
Best Western
Tja. Das kommt davon, wenn man seinen Computer vernachlässigt. Peripheres Sterben. Womit hätte man die auch füttern sollen? Windows-Bugs mochte sie ja offensichtlich nicht, sonst wär sie nicht eingegangen.

Mir ist ein Dokument in die Finger gefallen, das ich im vorigen Winter im Schreibkurs als Übung erstellt habe. Das Thema war: Schreiben Sie eine schwarze Geschichte. Aha, nun gut, machen wir das doch mal. Und weil ich grad nichts besseres zu tun habe, hinterlasse ich die hier zur Ansicht und Einsicht ohne Absicht.
Unbekanntes
Ich lag am Boden und Finsternis umfing mich. Ich wusste nicht, wo ich war, oder wie ich dort hin gekommen war. Mein Gedächtnis war wie ein schwarzes Loch, das alle Erinnerungen in sich gesaugt hatte und mir nichts weiter liess als das die reine Ratlosigkeit. In meinem Kopf hatte sich Schmerz breit gemacht, meist düster pochend, doch hinter der Stirn wie Blitze. Doch vermochten diese nur die Düsternis hinter meinen Lidern zu erhellen. Was davor lag, war ein lichtloses Nichts. Weit öffnete ich meine Augen, versuchte einen Hinweis auszumachen, wo ich mich befand. Aber es blieb schwarz um mich herum. Langsam versuchte ich zu ertasten, woraus meine Umgebung bestand. Unter mir kalter, feuchter Boden, neben mir Holzkisten und die glatten Oberflächen von Flaschen.
Ich wollte mich aufrappeln, doch traute ich mich kaum, denn ich wusste ja nicht, wie weit ich mich erheben konnte, ohne mir den Kopf zu stossen. Hinter mir erklang ein Rascheln aus dem undurchdringlichen Dunkel, ein Rascheln und ein Nagen. Ein Nagen, das in der Stille hier einen monströsen Klang bekam. Furcht frass sich wie ein eisig kalter Strom schwarzen Wassers durch meine Sinne. Ich sprang trotz der unbekannten Umgebung auf, wollte mich umdrehen und weglaufen, doch wohin? Ich konnte nichts sehen. Verzweifelt drehte ich mich um mich selbst. Was war das? Ein Schatten? Ich riss die Augen noch weiter auf. Dann sagte mir ein kleiner Teil meines Bewusstseins, dass ich keinen Schatten gesehen haben konnte, denn um Schatten zu werfen war Licht erforderlich. Licht gab es hier aber ganz bestimmt nicht. Ich begann zu schwitzen und frieren gleichzeitig.
Mit einem lauten Knacken, das mich herumfahren liess, öffnete sich hinter mir eine Tür und ein breiter Lichtstrahl zerschnitt die Dunkelheit, die mich umklammert hatte. In der Tür stand ein Mann. Gegen den hellen, in den Augen schmerzenden Hintergrund wirkte er wie die Verkörperung des grossen schwarzen Mannes, mit dem man die kleinen Kinder zu erschrecken pflegte.
“Wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollest das Licht anmachen, wenn du in den Weinkeller gehst! Die Rohre hängen sehr tief!” fuhr mich mein Vater ungeduldig an. „Nimm endlich den Pinot Noir und komm!“ Ich fasste mir an die Beule auf der Stirn. Nun fiel mir wieder ein, wo sich diese grauenerregende Schwärze befand: In unserem Keller. Ich schaute beschämt und noch etwas benommen zu Boden. Die kleine, schwarze Maus, die dort sass, schien mich zu verspotten. Spott, der wie Pech an mir kleben blieb. Ich trottete ans Licht und wischte mir den Staub vom schwarzen Hemd.